Die Fahrt zum Leuchtturm – Virginia Woolf

Wenn man wie ich Leuchttürme mag, dann passiert es, dass man hin und wieder Dinge geschenkt bekommt, die man a) nie selber kaufen würde und b) auf die man selber nie Aufmerksam würde, gäbe es nicht liebe Menschen, die ständig an mich denken und bemüht sind, mein Leben so leuchtturm-reich wie möglich zu gestalten. Auf fast allen Postkarten die ich bekomme, sind Leuchttürme drauf. Ich besitze Stifte und Kerzen, Teelichter und Puzzles, Poster und Malen-nach-Zalhen-Bilder, Leuchttürme aus Holz und Keramik, selbstgebastelte und gekaufte, große und kleine. Schöne und na ja, nicht so schöne. 🙂

Und ich besitze Bücher. Sachbücher und Romane. Seit ewigen Zeiten auch „Die Fahrt zum Leuchtturm“ von Virginia Woolf.

Inzwischen habe ich das kleine, unscheinbare Büchlein gelesen. Das Cover gehört nun wirklich nicht zu den Schönsten die ich kenne. Aber egal. Wieso oft trügt der äußere Schein. Ist ja nicht das erste Mal.

Zur Erklärung möchte ich das Buch in drei Teile unterteilen. Der Anfang ist hauptsächlich aus Sicht der Mutter erzählt. Ihr 6-jähriger Sohn möchte einen Ausflug zum Leuchtturm machen und freut sich natürlich sehr drauf. Klar, er ist erst 6. Die Mutter versucht ihn vor einer großen Enttäuschung zu bewahren, da sie weiß, dass der Ausflug nicht zustande kommen wird. Doch alle anderen, einschließlich ihr Mann kapieren das nicht und machen es ihr unmöglich, den Jungen davor zu bewahren. Er muss ja auch mal erwachsen werden….

Der Mittelteil ist aus Sicht des Ferienhauses der Familie erzählt. Wobei Sicht vielleicht falsch ausgedrückt ist. Mir gefällt der mittlere Teil am Besten. Die Familie ist nicht da, war schon Jahrelang nicht mehr hier, das Leben geht weiter, die Jahreszeiten zerren am Haus, hinterlassen ihre Spuren, und die alte Nachbarin, die sich kümmern soll, kommt dem Verfall nur unzureichend bei. In klitzekleinen, eingeklammerten Sätzen erfährt man, wie die Zeit an der Familie Ramsay zerrt und wie es ihnen ergeht. Wenn man nicht aufpasst, kriegt man das gar nicht mit.

Der dritte Teil ist aus Sicht des Vaters, der nun seinen inzwischen halbwüchsigen Sohn zu einem Ausflug zum Leuchtturm zwingt. Es ist nicht unbedingt die Enttäuschung von vor zehn Jahren die so an ihm nagt, sondern vielmehr die Zeit an sich. Alles ändert sich, die Umstände sind andere.

Das Buch zu lesen ist ein wenig mühselig, es ist keine leichte Kost für Zwischendurch. Man muss Acht geben auf die Zwischentöne, denn das Buch hat im eigentlichen Sinne wenig Handlung. Vieles passiert im Kopf der Personen. Man folgt als Leser den Gedanken der einzelnen Figuren; mal der Mutter wie sie über ihre 8 Kinder denkt, über ihren Mann, oder ihren Besuch (der grimmige Mr. Tansley und die Malerin, über die unverheirateten Frauen die es zu verkuppeln gilt). Allen gemeinsam ist die Vergänglichkeit.

Mir gefiel der Blickwinkel, die Intensität und die Details der Geschichte. Aber wie gesagt, inhaltlich und auch sprachlich mühselig zu lesen. Für mich hat es sich gelohnt, im Nachwort erfährt man, dass Virginia Woolf mit den Ramseys ihre eigenen Eltern und sich selbst portraitiert hat, was die Geschichte im Nachhinein noch interessanter macht.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.