Schreiben dicht am Leben

Rezension:

Ich konnte inzwischen das dazugehörige Notizbuch – gebraucht – kaufen und habe somit die Reihe voll. Das bedeutet, ich kann nun all meine Schreibübungen ins Duden Blank Book hineinschreiben, alles hübsch ordentlich und am richtigen Platz. Mein innerer Monk ist sehr zufrieden. Jedenfalls.

Aus dieser Schreibratgeber-Reihe gefällt mir „Schreiben dicht am Leben“ bisher am besten, das spricht mich am meisten an. 19 verschiedene Übungen laden zum Schreiben ein und dieses Mal gefallen mir durchweg auch alle Impulse. Das ist nicht oft so. Üblicherweise picke ich mir ein paar Aufgaben heraus und lasse alles andere links liegen. Jede Übung greift einen Aspekt auf, wie man die Welt betrachten und in Worte fassen könnte. Das geht über den üblichen Tipp „Setze dich in die Fußgängerzone und beobachte Leute“ hinaus. Diese Schreibanregung ist ja nicht neu und findet sich in vielen Ratgebern.

Wie schon in den anderen Büchern der Reihe sind alle Schreibanregungen mit Text-Beispielen untermalt, meine Wunschliste ist schon wieder um 4 weitere Bücher angewachsen, weil mir die Beispiele so gut gefallen haben. Ich habe gestaunt und gedacht: „Was man alles machen kann. Toll.“ Wenn ich also mit meinem Notizbuch in der Fußgängerzone sitze, kann ich alles ganz minimalistisch einfangen, Dialoge mithören, überspitzt darstellen oder ganz anders, den Blick nach innen richten: „Wie geht es mir hier eigentlich?“

Es hindert mich ja keiner daran, mir ein paar Anregungen auszuwählen und miteinander zu vermischen. Ich finde es aber gut, dass hier im Buch die Übungen getrennt voneinander dargestellt sind mit dem Augenmerk auf einer einzige Sache. Ich würde es als „Sehen lernen“ zusammen fassen. Es geht ums beobachten, erfassen und komprimieren: Das Gesehene/Gefühlte in Worte zu fassen. Und da gibt es wirklich sehr viele Möglichkeiten. Ich habe herzlich gerne alles ausprobiert und damit gespielt und auch noch ein paar neue Dinge für mich mitgenommen. Dieser Ratgeber ist, meiner Meinung nach fürs kreative Schreiben, also für SchriftstellerInnen geeignet, Anfänger wie Fortgeschrittene, aber genauso fürs Tagebuchschreiben, für den ganz persönlichen, eigenen Gebrauch. Eine Universalanleitung, quasi.

  • Schreiben dicht am Leben ★★★★★
  • DUDEN – Kreatives Schreiben
  • Hanns-Josef Ortheil

Van Gogh – Sämtliche Gemälde

Van Gogh / Sämtliche Gemälde / Taschen Verlag

Die Gemälde von Van Gogh machen irgendetwas mit mir. Die Strichführung, die Farben, die Motive. Das berührt mich. Das kann ich nicht rational erklären, es ist wohl auch nicht nötig, man muss nicht alles ergründen. Ich habe jetzt mehrere Wochen mit diesem Wälzer verbracht. Van Gogh auf über 744 Seiten. Ich bin mit Neugier, aber ohne große Erwartungen eingestiegen, einfach mit dem Bedürnis etwas mehr über Vincent van Gogh zu erfahren. Nun weiß ich, dass er etwa 870 Bilder gemalt hat und ich staune über diese Zahl. Mit welcher Arbeitswut muss man sich in seine Kunst stürzen um das in wenigen Jahren zu schaffen? Ich fand das Buch sehr spannend, auch wenn der Begriff vielleicht nicht ganz richtig ist. Ich versuche es zu erklären:

Die beiden Autoren, Ingo F. Walther und Rainer Metzger haben hier das Leben von Van Gogh mit der Entstehung seiner Kunstwerke verwoben. Also was er wann und wo gemalt und gezeichnet hat und auch warum. Mit Erklärungen zu seinem Werdegang und seiner künstlerischen Entwicklung. Alle seine Werke haben Symbolkraft, das war von Van Gogh so gewollt und in seinen Briefen an den Bruder oder andere Künstler auch erklärt. Und das meine ich mit spannend: ich fand es total interessant, wie er an seine Arbeit herangegangen ist. Wenn er meinte, er müsste Gesichter und Kopfstudien machen um besser zu werden, dann hat sich Van Gogh vorgenommen 50 Bilder zu malen. Und dann hat er genau das getan. Konsequent, fast wahnhaft. Ich bewundere diese Arbeitseinstellung – und die Bilder natürlich. Das Buch habe ich inzwischen ausgelesen, aber ich will es noch nicht ins Regal räumen. Ich blättere immer noch vor und zurück und schaue mir die Bilder an. Damit kann man viel Zeit verbringen und immer noch etwas entdecken. Auch das finde ich spannend.

Die Kombination aus Kunstkatalog, Biografie und Auszüge aus den vielen, vielen Briefen, die Vincent Van Gogh sein Leben lang geschrieben hat, macht diese Lektüre richtig lebendig. Herzliche Empfehlung. ★★★★★

Ich habe inzwischen einige Dinge über Van Gogh gelesen und tolle Verfilmungen gesehen, die Meinungen gehen da ausseinander, ob es Selbstmord war, oder ob Van Gogh angeschossen wurde und die Täter mit seinem Schweigen schützte. Ich maße mir da kein Urteil an. Hier im Buch wird sein Ende als Selbstmord dargestellt und mit seinem „Abschiedsbrief“ an den Bruder belegt. Wie sein Leben wohl verlaufen wäre, wenn seine Sterne etwas gütiger auf ihn herabgeblickt hätten?

Diesen Monat fahre ich noch nach Hambrug und sehe mir, unter anderem die Ausstelung „Van Gogh alive“ an und bin sehr gespannt.

  • Van Gogh. Sämtliche Gemälde
  • Ingo F. Walther, Rainer Metzger
  • Herausgeber: ‎ TASCHEN
  • Gebundene Ausgabe: ‎ 744 Seiten
  • ISBN-10: ‎ 9783836557122
  • ISBN-13 : ‎ 978-3836557122

Bester Van Gogh Film, also meiner Meinung nach:

Und meine Lieblingsversion von „Starry Starry Night“:

Termine im Mai

Carolin Hafen auf der get shorties Lesebühne

Nach dem tollen Auftakt in Böblingen letzten Monat freue ich mich auf neue Termine. Das hat so gut getan endlich wieder mal auf eine Bühne zu dürfen, mit einem Publikum, das genauso begeistert bei der Sache war wie wir. Der gute Ingo hat uns den Kalender mit Lesungen und Schreibbuden gefüllt, wir wollen dieses Jahr auch einen neuen Shorties-Band herausbringen, es stehen großartige Dinge an.

13. Mai – Lesung im Merlin Kulturzentrum, Stuttgart / 20 Uhr

14. Mai – Schreibbude in Ebersbach / 10 bis 13 Uhr

15. Mai – Schreibbude in Stuttgart, vor der Staatsgalerie / 13.30 bis 16.30 Uhr

22. Mai – Schreibbude in Öhringen / In der Altstadt / 13 bis 16 Uhr

get shorties Schreibbude Plakat
get shorties Schreibbude Plakat

Mehr Infos unter www.getshorties.de

Mein Lese-Monat April

Lese-Monat April: Schreibratgeber, Der dunkle Turm, Horst Evers und der Hobbit

  • Hanns-Josef Ortheil – Schreiben dicht am Leben ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️
  • Horst Evers – Wer alles weiß, hat keine Ahnung (Hörbuch) ⭐️⭐️⭐️⭐️
  • J. R. R. Tolkien – Der Hobbit (Hörbuch gelesen von Gert Heidenreich) ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️
  • Stephen King – Schwarz (Der dunkle Turm Band 1) Hörbuch gelesen von Vittorio Alfieri ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️

Ich war die letzten Wochen so mit dem neuen Manuskript beschäftigt, dass ich kaum zum Lesen gekommen bin. Daher sind in meiner Liste eigentlich nur Hörbücher, die ich auf der Autobahn konsumiert habe. Ich hoffe, ich komme diese Woche noch dazu im Blog jeweils eine vernünftige Rezension zu schreiben. Den Schreibratgeber möchte ich herzlich empfehlen und „Schwarz“ habe ich in einer überarbeiteten, erweiterten Fassung gehört. Ich las den Roman vor… puh 15 Jahren? Vielleicht ist es sogar länger her. Dennoch glaube ich, dass die Überarbeitung dem Buch gut getan hat. Ich hatte die Story unter „experimentell“ abgespeichert und dachte damals: „Krass, der gute Herr King hat selber keine Ahnung wo das hinführt. Spannend. Dass er das so schreibt und dass ein Verlag dieses Experiment mitmacht. Da bleibe ich dran.“

Mache ich tatsächlich, ich trete die Reise mit Roland noch mal an – in der Hörbuch-Fassung. Yay.

Was hast du gelesen, hm?

Lese-Monat März

Mein Lese-Monat März

Stephen King – Brennen muss Salem (Hörbuch gelesen von Jürgen Kluckert) ⭐️⭐️⭐️

Das Buch gehört definitiv nicht in meine Favoriten-Liste. Die Story ist nicht schlecht, aber mir war es teilweise zu langatmig, und dieses Mal hatte ich auch Schwierigkeiten die Figuren auseinander zu halten. Auf der einen Seite gab es also (zu) lange Passagen, warum Barlow kein Vampir sein kann bzw. es keine gibt, wir sind hier ja alles ganz vernünftige, rationale Menschen, jaja. Und auf der anderen Seite waren mir die Charaktere nicht genug ausgearbeitet. Und Jürgen Kluckert und ich werden keine Freunde.

Diana Hillebrand – Heute schon geschrieben? Band 6 (eBook) ⭐️⭐️⭐️⭐️

Ich mag die Reihe und werde auch gleich mit Band 7 weiter machen. Aber ich habe inzwischen schon einige Schreibratgeber gelesen, deshalb war bei Band 6 – für mich – nichts Neues dabei.

Christine Spindler – Mein Ideengarten (eBook) ⭐️⭐️⭐️⭐️

Hübsche Idee, ich habe mir auch ein paar Notizen gemacht, aber bis jetzt hat die Idee allein mich noch nicht in die Handlung gebracht. Ich weiß noch nicht, ob ich die Methode ausprobiere, auch wenn sie mich (in der Theorie) anspricht.

Svenja Hold – ADHS bei Erwachsenen (eBook) ⭐️⭐️⭐️

Das Buch ist ADHS-freundlich geschrieben, das liest sich ratzfatz weg, bleibt meiner Meinung nach aber theamtisch an der Oberfläche. Ich finde es ist ein guter Einstieg, viel mehr aber auch nicht. Die Tipps sind ganz nett. Wenn man sich aber mit Achtsamkeit beschäftigt, dann sind die auch nicht neu. Es gibt noch ein paar weiterführende Links, die ich mir noch anschauen werde. Dieser 5-Wochen-Plan ist putzig, den habe ich in einer halben Stunde gelesen und gedacht, jaja, süß. Als wenn ich mit ADHS fünf Wochen an dem Büchlein dran bleiben würde… Manches davon habe ich schon ausprobiert, manches mache ich tatsächlich. Zumindest manchmal. Dieses Buch ist das erste, dass ich zu dieser Thematik gelesen habe, aber es bleibt wohl nicht das letzte. Aus Gründen.

Stephan Porombka – Schreiben unter Strom ⭐️⭐️⭐️⭐️

Diesen Schreibratgeber aus der Reihe „DUDEN – Kreatives Schreiben“ habe ich schon an anderer Stelle rezensiert: HIER Ich mag die Reihe sehr, ich bleibe dran. Im Moment bin ich mit „Schreiben dicht am Leben“ beschäftigt. Später mehr.

Bill Watterson – Calvin und Hobbes Band 4 ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️

Hach. Die Zwei. ❤

J. K. Rowling – Harry Potter und das verwunschene Kind ⭐️⭐️⭐️⭐️

Ich habe das Screenplay endlich gelesen, weil ich besitze nämlich Karten für das Theater in Hamburg, und da will ich ja vorher wissen, was auf mich zu kommt. Natürlich ist so ein Theater zeitlich und örtlich begrenzt, die Geschichte muss quasi in vier Stunden (und an zwei Abenden) erzählt sein, daher ist das schon Recht, alles. Aber nicht ansatzweise so raffiniert und komplex wie die Bücher. Das geht ja auch gar nicht, is klar. Ich habe die Geschichte gern gelesen und bin nun sehr gespannt, WIE diese ganze Geschichte umgesetzt wird. Auf der Bühne. Das wird aufregend und ich freu mich drauf.

Shirley Jackson – Spuk in Hill House (Hörbuch gelesen von Richard Barenberg) ⭐️⭐️⭐️

Uff, naja. Wenn ich bei einem Buch daneben greife, maule ich nicht, ich sage folgenden Satz: „Ich bin nicht in der Zielgruppe.“ Andere finden das sicher gruselig. Ich fand’s langweilig.Vermutlich war das 1959 bahnbrechend und herausragend. Aber jetzt kann ich nur müde mit den Schultern zucken. Von den 7 Figuren gingen mir 5 auf die Nerven.

Harry Potter und das verwunschene Kind

Harry Potter und das verwunschene Kind
  • Currently Reading:
  • Harry Potter und das verwunschene Kind
  • Bühnenfassung
  • J. K. Rowling, John Tiffany und Jack Thorne
  • Carlsen Verlag

Ich habe Karten für das Theaterstück in Hamburg. Die Karten habe ich schon seit zwei Jahren, das Buch auch. Aus Gründen, du weißt ja bescheid, war ich nicht in Hamburg. Ich will nichts verschreien, ich bin da inzwischen vorsichtig und ebenfalls aus Gründen plane ich nicht mal mehr eine Woche voraus, aber… Jahahah! Aber. Ich bin gerne vorbereitet. Sollte es dieses Jahr doch noch was werden, also gehen wir das durch: Sollte es klappen, dass ich das Haus verlasse und sogar das Ortsschild hinter mir lasse, mit dem Zug nach Hamburg brause und dann noch das Theater anschauen kann, ja dann würde ich gern sagen: „Das war im Buch ja ganz anders.“ – Gut, das klappt dieses Mal nicht, weil die Darsteller GENAU das machen, was im Buch steht, aber es geht ums Prinzip. 😉

Ich habe gestern meine Nase ins Buch gesteckt, und gleich mal 100 Seiten weg gelesen. Und wenn ich nicht so strunzdoofe Dinge wie Nachtschlaf nötig hätte, dann wäre ich inzwischen wohl durch mit dem Buch. Und so eine Bühnenfassung zu lesen, das ist ideal für Leute wie mich. Das heißt, mein ADHS-Hirn erzeugt die richtigen Bilder, das Lesen geht flott, aber ohne das ganze schmückende Beiwerk. Also unnötige Beschreibungen und langweilige Passagen. 😉 Ich habe mir von anderen sagen lassen, die Bühnenfassung zu lesen sei doof. Das kann ich nicht bestätigen. Es ist wie für mich gemacht. Und jetzt freue ich mich: Über die Geschichte, über meine Theaterkarten und über mein Handy, dass die Taschenlampe einschält, wenn ich „Lumos“ sage. Es sind die kleinen Dinge, nä? Und was gibt es schöneres, als mit einem Buch und der Taschenlampe unter der Bettdecke zu liegen und zu lesen? Eben. Nix. Es ermahnt mich zwar keiner mehr, endlich das Licht auszumachen,, aber ich krieg meine alte Mutter sicher noch dazu, wegen irgendwas zu schimpfen. Ich ruf sie kurz mal an. Wär doch gelacht. 

Lese-Monat Februar

Lese-Monat Februar

Ich habe jetzt ein paar Tage nichts gepostet, weil ich für mich noch keine Antwort gefunden habe, wie ich mit all der Angst, dem Mitgefühl und meinem Alltag umgehen soll. Aber sich-totstellen hilft ja auch keinem. Also bemühe ich mich um ein vorsichtiges auftauchen. Mein Manuskript befindet sich gerade im Lektorat, das bedeutet ich hatte diesen Monat wieder mehr Zeit zum lesen. Lotte Römer macht das manchmal mit mir, dass sie fragt „Was war dein glücklichster Moment diese Woche?“ Oder auch „Was hat dich gefreut?“


Ich weiß nicht mehr, in welchem Buch ich das gelesen habe, wenn man wie ich viel liest, vermischen sich die Dinge manchmal. Es ging um „Intimität mit der Welt“ und auch um akzeptieren wie sie ist. Das bedeutet für mich, übersetzt, hinschauen. Ich glaube, es ist diese Gleichzeitigkeit, die mich manchmal so fertig macht. Ich kann mich hier über etwas freuen und dort etwas ganz schrecklich und falsch finden. Gleichzeitig. 

Der Februar ist um, hier ist mein Lese-Monat Februar. Da liegt Jossel Rakover auf dem Tisch, gleich neben Calvin und Hobbes. Gleichzeitig. Ereignisse eines vergangenen, schrecklichen Krieges. Und was zu Schmunzeln, was Spaß macht und ablenkt von den schlechten Dingen. 

Hinschauen. Trotzdem. Deswegen.

R. M. Rilke Gesamtausgabe / Insel Verlag

R. M. Rilke Gesamtausgabe (Band 1 von 6) ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️ Rilke ist mein Lieblings-Lyriker und nachdem ich verschiedene Taschenbücher und eBooks gekauft und gelesen habe, wurde ich unzufrieden. So tolle Texte, aber wie sieht das denn aus? Also habe ich im Internet nach einer Gesamtausgabe geschaut, die auch was im Regal hermacht. Schließlich habe ich diese tolle Gesamtausgabe aus dem Jahr 1982 gebraucht gekauft und sie ist hübsch und sie freut mich und hach. Es sind die kleinen Dinge manchmal. Schon in Band 1 ist mein Lieblingsgedicht drin. Ich habe aber auch viele andere neu entdeckt und mit Bleistift angestrichen. Bleiben noch fünf Bände. Ja, das freut mich.

Richard Yates – Elf Arten der Einsamkeit (Short Stories) ⭐️⭐️⭐️⭐️

Bill Watterson – Calvin und Hobbes Band 2 und 3 ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️ Es sind insgesamt 11 Bände und ich will sie alle lesen. Ich liebe diesen kleinen Kerl und seinen Tiger. Meine Kindheit war keinen Tag so, ich war weder so klug, noch so witzig oder fantasievoll. Aber ich bin überzeugt: Sie hätte so sein sollen. Wenn ich die Comics lese habe ich ein ganz warmes Gefühl im Bauch, so behaglich wie eine Decke, Kakao und ein Kaminfeuer.  

Mariana Leky – Was man von hier aus sehen kann (Hörbuch gelesen von Sandra Hüller) ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️ Aktuell mein Lieblingsbuch. Über die Jahre ändern sich solche Dinge ja manchmal. Ich habe es nun zum fünften Mal gelesen und ich werde nicht müde, es weiter zu empfehlen. 

Zvi Kolitz – Jossel Rakowers Wendung zu Gott ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️ Das Buch lässt sich in einem starken Wort zusammenfassen: Trotzdem. Jossel spricht mit Gott auf Augenhöhe, sagt ihm „Jetzt erst Recht“ und er kämpft. Ich empfinde mich nicht als religiös und wenn ich doch mal ein Stoßgebet spreche, richte ich es nicht an einen alten Mann mit Rauschebart, irgendwo im Himmel. Ich adressiere meine … ja was? Ich adressiere meine Mitteilungen ans Universum. Ich glaube an Energie, an Verbindung, an eine positive Kraft. Aber hier kann ich Jossel Rakovers Gedankengang spüren und nachvollziehen. Es ist ein kurzer, aber großer Text. Meine Ausgabe ist illustriert, auf Deutsch und auf Jiddisch. Im zweiten Teil, nach dem „Testament“ von Jossel Rakover geht es noch seitenweise um den Umstand, dass dieser Text vehement versucht hat seinen Autor abzuschütteln. Die starken Worte haben sich verbreitet, Menschen wollten diese Geschichte glauben, sie wollten sie wahr haben. Mir ist das herzlich egal, ob die Geschichte fiktiv ist oder nicht. Ich sag es nochmal. Trotzdem. Wenn du das Buch nicht kennst, dann hol es nach. Vielleicht gerade jetzt besonders. Trotzdem. Egal wie du zu Gott stehst. Jossel Rakovers Wendung zu Gott tröstet.

L. M. Montgomery – Anne auf Green Gables Folge 1 bis 4 (Hörspiel) ⭐️⭐️⭐️⭐️ Ich mochte die Serie auf Netflix sehr, habe auch diverse Verfilmungen gesehen. Und jetzt staune ich, wie akkurat das in Bilder umgesetzt wurde. Sehr hübsch. 

Mariana Leki – Erste Hilfe ⭐️⭐️⭐️⭐️ Nicht ganz so gut wie „Was man von hier aus sehen kann“, aber eindeutig die Erzählstimme von Mariana Leky. Wunderbar schrullig. Liebe, Freundschaft, Verbundenheit. Alles drin, was ich auch in den anderen Büchern der Autorin so mag. Ein eckiger Blick auf die Welt. 

Ulrike Becks-Malony – Kandinsky ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️ Ich habe mehrere Wochen gebraucht um das Buch zu lesen. Sachbücher dauern bei mir immer etwas länger. Ich finde, nur als Beispiel, Fotorealismus in der Kunst langweilig. Mich zieht es immer zu den abstrakten Bildern, zu den farbgewaltigen Motiven, in die ich mich hinein fallen lassen kann und keine Worte brauche. Vor vielen Jahren war ich in München in der Kandinsky-Ausstellung, saß ewig vor manch einem Gemälde – schauend, nicht denkend. Nun habe ich, dank den Buches Hintergrundinfos, Erklärungen, was und wie und wo. Die Entwicklung seiner Kunst, seiner Einflüsse, seine Gedanken zu seinen Werken. Das war schön zu lesen, aber wirklich gebraucht hätte ich es nicht. Ich würde viel lieber noch mal in eine Ausstellung gehen, auf eine Bank sitzen und die Farben fühlen. Manchmal sind Infos und Erklärungen völlig überbewertet. 

Taschen Verlag / Kandinsky / Ulrike Becks-Malorny

Was hat dir in der letzten Woche Freude gemacht?

Gegen den Hass

(Da ich diese Meinung im Juli 2020 geschrieben und im Entwürfe-Ordner vergessen habe, liefere ich diese Buchbesprechung jetzt als #ThrowbackThursday ab. I hope you don´t mind.)

Um mich herum passieren Dinge. Mir gefällt nicht, was ich sehe. Die meiste Zeit verstehe ich auch nicht warum das passiert, was eben geschieht. Nun habe ich diverse Texte gelesen um mich dem anzunähern. „Gegen den Hass“ beschreibt das Problem. Soweit war ich schon. Meiner Meinung nach müsste das Buch „Über den Hass“ heißen und dann hätte ich wohl nicht viel zu maulen.

Carolin Emcke beschreibt den Ist-Zustand. Als Beispiel führt sie einen Fall von 2014 auf. Ein Polizist verhaftet einen Mann, drückt ihn zu Boden. Der eine ist weiß, der andere nicht. Der am Boden liegende sagt elf Mal, dass er nicht atmen könne. Am Schluß ist Eric Garner tot und der Polizist geht straffrei aus. Offensichtlich hat der Typ, der die schreckliche Szene gefilmt hat, es nicht für nötig gehalten, sein Handy für etwas offensichtliches zu benutzen: Hilfe rufen. Auch die umstehenden Passanten taten nichts. Der Polizist leitete keine Wiederbelebungsmaßnahmen ein, keiner half.

Das ganze Buch ist intellektuelles Geschwurbel – tut mir leid, aber ich empfinde es so. Das ist nicht mein Vokabular. Offensichtlich bin ich nicht in der Zielgruppe, das ist mein Problem, nicht Frau Emckes.

Jedenfalls. Meine persönliche Überzeugung lautet: Handeln besiegt die Angst. Allerdings will ich das nicht kopflos tun, und auch nicht in gewalttätiger Weise. Meine Waffen sind und waren immer Wörter. Da wo ich eine Erklärung suche in einfachen Worten (nein, nicht einfache Lösungen!), da finde ich nur noch mehr Verwirrungen. Die ganze Szene hatte Publikum. Menschen sahen zu, einer hat es gefilmt. Was genau soll ich nun machen, wenn ich Unrecht sehe? Mit der Kamera drauf halten und bekunden: „Das hier ist falsch!“? Oder soll ich den Polizisten von seinem Opfer herunter schubsen?

Was ich weiß ist: Gewalt erzeugt Gegengewalt. Uns als Menschen muss etwas besseres einfallen. Doch wie, und was? Das konnte mir die letzten Wochen und Monate keiner beantworten. Ich dachte und hatte gehofft, dass mir ein Buch wie dieses den Hass erklärt und vielleicht sogar einen Weg zeigt, wie ich dagegen handeln kann. Zumindest ließ mich der Titel das hoffen. ich habe es also gelesen, aber es lässt mich unzufrieden zurück. Schlauer bin ich jetzt auch nicht. Ich will nicht, dass Menschen im Würgegriff eines Polizisten ums Leben kommen. Ich will sehr viele Dinge nicht, diese Liste ist lang.

Schon seit einigen Jahren höre und sehe ich Dinge in meinem Dunstkreis, die mich ängstigen. Und dann wünsche ich mir die rhetorischen Mittel und gute Argumente um dagegen zu halten. Im Kleinen, hier mit meinen Mitmenschen. Was in anderen Teilen der Welt geschieht kann ich nicht beeinflußen oder ändern. Aber muss es denn wirklich sein, dass ich mir in Gesprächen mit Bekannten, geführt irgendwo zwischen der Post und dem Blumenladen, kleingeistige Fremdenfeindlichkeit anhören muss? Dieses Gerede von „Wir“ gegen „Die“. Ich weiß nicht, wer dieses Wir sein soll, ich identifiziere mich nicht damit. Das „Die“ ist mir zu grob umrissen. Und dann: Was tun?

Dieses Buch jedenfalls, hat mir mit meinem Problem nicht geholfen. Vielleicht war das zu viel verlangt. Mea culpa. Frau Emcke stellt viele Fragen bzw. strukturiert und beschreibt diverse Probleme, zeigt Beispiele und verortet sich selbst darin bzw. hinterfragt ihre Glaubenssätze und Meinungen. Das ist toll und klug geschrieben, ich kann mich damit identifizieren und mit vielem d’accord gehen. All diesen Punkten kann man 5 Sterne geben, wenn man es denn will und muss bei einem Sachbuch. Ich höre ihren Vorträgen gerne zu, lese ihre Bücher… nur in diesem Fall hab ich mir mehr versprochen bzw. erhofft. Aus Gründen.

Ich habe schon geahnt, dass ich mir selbst etwas ausdenken muss. Alles, was ich aktuell habe ist der Wunsch „Be kind“.

Mit irgendwas muss man ja anfangen.

Wie wir töten, wie wir sterben

Martin von Arndt; Politthriller

Spannend erzählter Politthriller, der vierte Fall. Man kann die Bücher unabhängig voneinander lesen, die Fälle sind in sich abgeschlossen. Es hilft zwar für´s Verständnis, es ist aber nicht zwingend notwendig die Vorgänger zu kennen. Ich habe Tage der Nemesis, Rattenlinien und Sojus gelesen, und kann alle drei Bücher herzlich empfehlen. Andreas Eckard hat es mir sehr angetan, ein spannender und ambivalenter Charakter.  

Da ich ein Rückwärtsblätterer bin, weiß ich, dass am Ende ein Glossar kommt mit den wichtigsten Abkürzungen und Erklärungen. Da rein zu schauen finde tatsächlich ich notwendig, fürs Verständnis.

Ich lese selten Krimis oder Thriller, weil es mir oft zu blutrünstig und kompliziert zugeht. Hier verschwimmen zwar auch die Grenzen zwischen Wer-ist-der-Gute? und Wer-ist-der-Böse? Die Antwort liegt wie immer verborgen im allumfassenden Grau. Aber die klare Sprache und der flotte Erzählstil ziehen mich in die Story hinein und halten mich auch da, ohne dass ich mir wie ein Idiot vorkomme, weil ich nicht durchblicke. Die Geschichte entwickelt sich, ich renne den Ermittlern hinterher und stelle meine Vermutungen an.

Vanuzzi und auch Rosenberg kenne ich schon, aus den Vorgänger-Büchern, daher weiß ich ungefähr, (oder meine es zu wissen) wer auf welcher Seite steht und was mich erwartet. Ich folge ihnen also bei ihren Ermittlungen und Beschattungen, ahne wie die Sache zusammenlaufen könnte. Es kommt natürlich anders, aber das ist ja der Reiz: Spannend erzählt, gut recherchiert, klar ausgedrückt. Ich will jetzt nicht behaupten, das sei vergnügliche Lektüre, weil es geht um die Jagd nach einem Kriegsverbrecher und die beiden Ermittler wissen gar nicht in was für eine Intrige sie hinein geraten. Ich habe dann im Hinterkopf: „Könnte tatsächlich so gewesen sein“ oder gar „Das ist so passiert.“ Kriegsverbrechen, Folter und Mord. Ich muss mich dann seelisch-moralisch vorbereiten in diese dunklen Kapitel einzutauchen. Aber wenn ich das mache, dann will ich wissen wie es ausgeht und kann das Buch einfach nicht weg legen. Deshalb: ★★★★★

  • Martin von Arndt
  • Wie wir töten, wie wir sterben
  • Politthriller, 302 Seiten
  • ars vivendi
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3747203293

Klappentext:

Bonn, 1961: Agent Dan Vanuzzi wird vom französischen Auslandsnachrichtendienst angeheuert, zwei in der BRD untergetauchte Mitglieder der algerischen Befreiungsarmee aufzuspüren. Der Algerienkrieg tobt mittlerweile seit sieben Jahren, und den beiden werden Kriegsverbrechen an französischen Soldaten zur Last gelegt. Um sie zu fangen, muss Vanuzzi seine ganze Kraft und Erfahrung aus zwanzig Jahren Geheimdienst aufbieten. Doch schon nach kurzer Zeit wird klar, dass niemand der ist, der er zu sein scheint. Vanuzzi kontaktiert seinen alten Gefährten Rosenberg, der als Mossad-Agent in der BRD den ehemaligen KZ-Kommandanten Arthur Florstedt aufspüren und nach Israel entführen soll. Rosenberg wird dabei mit seinem eigenen Trauma konfrontiert, der Ermordung seiner Familie im KZ und seinem eigenen Überleben. Vanuzzi und Rosenberg versuchen sich gegenseitig zu helfen und begeben sich in die Abgründe der Geschichte …

Würdige-einen-Drachen-Tag

Zitat aus #Drachenbrüder

Heute ist Würdige-einen-Drachen-Tag. Ja, das ist kein Witz. Ich vermute jetzt mal, dass du kein Drachen-Kostüm besitzt und in deiner örtlichen Bücherei auch kein Aktionstag statt findet. (Aus Gründen.) Keine Sorge, ich weiß Abhilfe. Mein Lieblingsdrache ist Norwin, ich gebe aber zu, ich bin da nicht ganz objektiv. Jedenfalls, mein Verlag O’Connell Press hat sich entschlossen, Band 1 meiner Trilogie gratis anzubieten. Also eine keine Einladung nach Leotrim. Die Aktion dauert von heute bis Dienstag. Mit einem Klick bist du schon da. 

(Lass dich aber bitte nicht davon abhalten, in die Buchhandlung deines Vertrauens zu tappen und die dort Taschenbücher zu erwerben. Weil, Bücher aus Papier kann ich signieren. Und Bücher aus Papier sehen voll hübsch aus, wenn man sie gelesen ins Regal stellt. Ich schwöre, die strahlen dann so ein Glücksgefühl aus, wenn sie bei dir wohnen dürfen. Just sayin.)

Jedenfalls. Ich ehre meinen Drachen, ich feiere wild, hier steppt der Bär. Cola und Gesang und ein bisschen Schokolade ist auch noch im Spiel. Happy Dragon Day! 

Und welches ist dein Lieblings-Drache? Fuchur oder Grisu? Ganz ein anderer? Erzähl´s der Caro.

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