[Meine] Entdeckung des Hugo Cabret – Brian Selznick

Ich habe das Buch gestern in einem Rutsch gelesen. Das geht sehr gut, auch wenn das Buch über 500 Seiten hat, da sich der Text mit den Illustrationen des Autors immer wieder abwechselt. Die Geschichte wird also in Worten und Bildern erzählt; eine Hommage an das Medium Film. Die Bilder sind schwarzweiß, klassisch naiv, sie kommen daher wie ein alter schwarzweiß-Film – insgesamt hat mich das Layout, also die schwarzen Seiten, die kleinen Textausschnitte und abwechselnd die „Filmsequenzen“ sehr angesprochen. Es ist eine nette, kleine Geschichte über den Waisenjungen Hugo Cabret, der in Paris im Bahnhofsgebäude lebt und zu vertuschen versucht, was mit seinem Onkel passiert ist bzw. einen geheimnisvollen Automaten seines Vaters versteckt.

Leider ist Brian Selznick kein außergewöhnlich guter Autor. Er ist nicht schlecht, das meine ich gar nicht. Ich verstehe was er mit dem Layout seiner Geschichte bezweckt, ich verstehe auch, dass er seine Sprache an das Medium Film anpasst und daher auf Beschreibungen allgemein und auch auf die Beschreibung/Erzeugung von Gefühlen verzichtet, man sieht als Leser was passiert. Man sieht Hugo, sieht was er erlebt. Doch das Buch, das geschriebene Wort erzeugt im besten Fall ein Kopfkino, und das wird hier völlig außer Acht gelassen. Bei mir entsteht kein Bild im Kopf. Ich habe zwar den Eindruck, ich könnte dem Autor Brian Selznick in den Kopf schauen – ich sehe, was er sieht, aber in meinem Innern entsteht die Geschichte nicht. Zudem stören mich Formulierungen wie „es“. Das Mädchen, es geht die Straße lang, es folgt Hugo. Dem guten Mann fällt auch kein einziges anderes Synonym für „geklaut“ ein, was nach einiger Zeit nervt. Ich möchte die Sprache und die Qualität des Textes jetzt einfach mal als „unblumig“ beschreiben.

Mir gefällt die Aufmachung des Buches sehr gut, mir gefällt auch die Geschichte um Hugo und die Wertschätzung des Films als Erzeuger von Träumen. Nur die Sprache, die ist nicht meins, die überzeugt mich nicht.

Drei Sterne für einen interessanten Nachmittag. Ich bin gespannt auf den Film. Vielleicht erzeugen die Film-Bilder mehr Emotion, mehr Tiefgang, als es dieses Buch kann.

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Die Entdeckung des Hugo Cabret [Taschenbuch]

Brian Selznick (Autor, Illustrator), Uwe-Michael Gutzschhahn (Übersetzer)

Produktinformation

  • Taschenbuch: 544 Seiten
  • Verlag: cbj (1. März 2010)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3570221180
  • ISBN-13: 978-3570221181
  • Vom Hersteller empfohlenes Alter: 10 – 12 Jahre
  • Originaltitel:The Invention of Hugo Cabret

Aus der Amazon.de-Redaktion

Hugo Cabret hat mehrere Geheimnisse. Dass der Waisenjunge in den dreißiger Jahren im Dachgeschoss eines gigantischen, labyrinthisch angelegten Bahnhofs haust und Tag für Tag dessen Uhren aufzieht, damit er nicht entdeckt wird, während sich in seiner Wohnung die nicht eingelösten Gehaltsschecks des eigentlichen Uhrenkontrolleurs — seines inzwischen toten Onkels — stapeln, ist noch das kleinste davon. Das größte aber ist ein stark beschädigter Automatenmensch, der angeblich aus der Uhrmacherwerkstatt seines Vaters stammt. In mühevoller Kleinarbeit bringt Hugo Cabret den Automaten wieder zum Laufen. Und der malt auch prompt faszinierende Bilder, die seine wahre Herkunft offenbaren.

Parallel zu dieser Automatengeschichte hat Hugo Cabret einige Probleme. Zunächst stiehlt ihm der Spielwarenladenbesitzer, den er seinerseits zuvor bereits öfters bestohlen hat, ein Notizbuch mit wichtigen Skizzen. Dann lernt er die Tochter dieses Spielwarenbesitzers und einen Kinovorführer näher kennen. Und dann erfährt er, in welch engem Verhältnis alle zu „seinem“ Automaten stehen. Und das ist eine ganz und gar wundervolle Geschichte, die sich schließlich zu einer Geschichte des frühen Kinos und eines seiner wichtigsten Protagonisten weitet…

Ein Kommentar zu „[Meine] Entdeckung des Hugo Cabret – Brian Selznick

  1. Ich hab den Film noch nicht gesehen. Was ich bisher gesehen habe, … Der soll gut sein. Ich bin gespannt.

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