Hobby Horse

Schreiben ist nicht mein Hobby.

Ich werde immer wieder gefragt, was denn mein Schreiben macht. Da ich einen Brotberuf habe, ist dieses – mein – Schreiben im Bewusstsein der Leute gleich bedeutend wie Tennis spielen am Samstagmorgen, einen Bonsai pflegen oder Stricken. Sie finden nett, hübsch und wichtig, dass ich einen Ausgleich zum Job habe. Mein Hobby.

Hobby ist ein grässliches Wort. Ich habe mir neulich mal die Mühe gemacht, das nachzuschlagen. Das Wort bezieht sich auf diese kleinen hölzernen Pferde. Steckenpferd. Hobby Horse. Wenn also ein gelangweiltes Goof mit so einem Ding Cowboy spielt, ist das ein Hobby. So oder so ähnlich kam dieser Begriff zustande.

Mir ist klar, ein Hobby ist die lustvolle Beschäftigung mit selbstgewählten Themen/Tätigkeiten zur persönlichen Entwicklung und Beschäftigung. Ich finde allerdings, wenn jemand, beispielsweise, gerne kocht, Kurse besucht, Freunde verwöhnt, Bücher liest und Neues ausprobiert, dann ist das – verdammt noch Mal – kein Hobby Horse. Nennen wir meinen theoretischen Hobby-Koch einfach mal Till. Muss ich Till nun als Amateur-Koch bezeichnen, um dem näher zu kommen, was er ist? Weil Geld bekommt er keins dafür, und im Verhältnis zu seinen anderen Freizeitbeschäftigungen verbringt er aber deutlich mehr Zeit in der Küche, denn auf dem Tennisplatz. Er ist fett geworden, er kriegt keinen Ball mehr. Ja, wirklich.

Ich frage ihn selten, was denn seine Kocherei macht. Wäre auch eine seltsame Frage, nicht? Das Kochen macht nämlich gar nichts, solange Till den Schneebesen nicht anrührt. Als Autorin, als Schriftstellerin, als Schreiberling, als Hobby-Literat, als Wortwerker ist man, frau, ICH immer auf der Spur der Sprache, wie ein Detektiv. Immer auf der Suche nach dem treffenden Wort. Und das tut man, unabhängig davon, ob man bei der Arbeit ist, ob man Tennis spielt, oder futtert, was Till kocht. Ich beschäftige mich, sozusagen, jede wache Minute mit meinen Texten, Ideen, und Projekten.

Jemand sagte Mal zu mir: „Wenn du joggen gehen willst, dann geh joggen. Sitz nicht auf dem Sofa und denk übers Joggen nach.“ Dieser Rat war ein guter Rat, richtig und wahr. Aber nicht ganz treffend. Wenn man schreiben will, muss man sich hinsetzten, und schreiben.

Aber wenn man nicht schreibt, denkt man sehr wohl über das Schreiben nach. Wie und was und warum. Plot Points und Pointen. Über Leute wie Till, wie sie aussehen, und was sie wollen und was sie tun. Welche Bedeutung ihr Tun für sie hat. Till will kochen. Er will das aber nicht beruflich machen. Er will noch nicht mal alles essen, was er kocht, er schafft einfach gerne etwas, das andere erfreut, ihnen schmeckt, gemeinsam essen ist Sozialisation. Till ist viel allein.

Schreiben ist nicht mein Hobby. Es ist weit mehr. Und mein Schreiben macht nichts, solange ich nicht tippe. Mein Denken aber, kreist immer um meine Geschichten. Manchmal schreibe ich sie auf.

Derweil mache mich auf die Suche nach einem besseren Wort denn Hobby.

Basta.

5 Kommentare zu „Hobby Horse

  1. Sehr genialer Text, extrem amüsant!
    Ich selbst hatte auch des Öfteren die Dikussione „Ist das ein Hobby?“ … naja ich mag diese doofen festgefahrenen Definitione auch nicht so wahnsinnig.. einfach unnötig!

    1. Ich erwische mich hin und wieder selbst, dass ich Ausdrücke verwende, ohne sie zu hinterfragen, ohne zu wissen, was sie eigentlich genau bedeuten.

      Neulich hatte ich eine Diskussion mit einer Frau, die immer gebrüllt hat „Das war ironisch gemeint“, sobald ich bei einem Thema anderer Meinung war, bis ich völlig genervt das Wörterbuch geholt habe – um zu zeiegn, dass sie das Wort völlig falsch verwendet.

  2. Liebe Caro (wenn ich mal so frech sein darf),

    das erleben wir Schreiberlinge doch immer mal wieder. Pfeif drauf und bleib deiner Passion einfach treu. Höchstwahrscheinlich kannst du auch einfach nicht anders, oder?

    Beste Grüße

    Bernar

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