Hamburg Impressionen #2

Ich habe ein Hotel gebucht, ohne auf die Stadtviertel zu achten. Ich dachte, in der Nähe vom Theater zu wohnen wäre gut, dann kann man Abends noch was essen und gemütlich hinlaufen. Kurze Wege, das war mein Ansprch. In Hamburg angekommen kapierte ich dann: Wir sind ganz in der Nähe vom Bahnhof. Und Bahnhöfe sind wohl in allen Städten ein Umschlagplatz von Leid und Armut. Zumindest nehme ich es oft so wahr.

Mein Trolly rumpelte auf den Pflastersteinen, ich kam mir vor, als würde ich einen entsetzlichen Lärm machen und von allen angestarrt werden. Doch am Hauptbahnhof von Hamburg kann man allerhand tun, ohne beachtet zu werden. Kaum 10 Meter entfernt saß eine Frau auf den Treppenstufen vor einem geschlossenen Restaurant, mit einer Spritze im Arm. Sie beachtete mich nicht, sie wurde von niemandem beachtet, nur ich stand da und glotzte. Ich bin ein Landei, so einen Anblick bin ich nicht gewohnt und ich will mich auch nicht daran gewöhnen. Ich sah mich also um und bemerkte diese kleinen Inseln aus Paralleluniversen: Eine Decke auf dem Boden, ein Pappschild, ein Schlafsack, eine zusammengesunkene Person, ein Häuflein Mensch, manchmal mit Hund. Ein paar Münzen in einem Schälchen oder einem Hut. 

Was macht man da? Was denkt man, was sagt man? Ich war mit Schauen beschäftigt, mit wahrnehmen. Ich meine nicht neugierig, nicht voyeuristisch. Ich versuche immer noch zu begreifen, was das mit mir macht.

Später am Abend, mein Gebäck lag leise im Hotel, ein sauberes Bett wartete dort auf mich, da zog ich noch mal los. Mit Hunger und Durst gehe ich in einen Supermarkt und kaufe, was ich brauche, ganz selbstverständlich. Ohne nachdenken.

In einer Einkaufspassage sitzen zwei Männer auf dem Boden, um sich herum ihre wenigen Habseligkeiten. Für mich Landei sehen sie aus wie Punks, aber ganz ehrlich: Ich hab keine Ahnung. Bedeutet ein Iro automatisch Punk? Einer der beiden spricht mich an: „Hast du ein bisschen Kleingeld für uns?“

Ich habe keins, ganz ehrlich. Auf dem Weg hier her habe ich das Münzgeld in diverse Automaten gesteckt um irgendwo pinkeln zu dürfen. 

„Tut mir leid, ich habe leider keins.“

„Okay“, sagt er. „Ich wünsche dir einen schönen Abend.“ Ich schaue ihm ins Gesicht und er mir. Ich habe die Chance verpasst, ihn etwas zu fragen. Wie er hier gelandet ist, ob es ihm gut geht, ob er anders leben wollen würde, wenn… ja, wenn was? Ein anderer Blickwinkel auf all das hier täte mir wohl gut.

Zwei Häuser weiter gehe ich in den Supermarkt, kaufe Wasser und ein bisschen Obst für den nächsten Tag. Nach dem Bezahlen habe ich Kleingeld. Auf dem Rückweg zum Hotel komme ich wieder an den beiden vorbei. Ich halte ihnen in der offenen Hand mein Kleingeld hin. Der Typ mit dem blauen Iro nimmt sich ein Zwei-Euro-Stück und grinst. Er sieht verbrauchter aus als ich, aber vermutlich sind wir gleich alt. Er wirkt nicht so, als ob er mit seinem Leben unzufrieden wäre und ich denke kurz daran, wie oft ich über meine Umstände schimpfe. Aus Gründen. 

„Voll nett“, sagt er. „Danke!“ 

„Alles Gute“, sage ich, weil ich nicht weiß, was man sonst sagt. Vier Tage bin ich Landei hier in der Stadt, in diesem Viertel und kokettiere damit, nenne mich selbst „Landboppel“, was ich erklären muss. Den Ausdruck versteht hier keiner. Ich sehe viele Leute Drogen konsumieren oder Leute auf dem Boden schlafen, aber der Umgangston ist ähnlich. Sehr freundlich. Ich denke an Hintertupfeldingen. Hier sehe ich immer nur eine arme Seele, die durch die Stadt wandert, mit sich selbst redet, sein Alkohol-Level permanent hoch hält und über den Tag ein paar Mal die Parkbank wechselt. Der wird in der Regel aber nur angeschrien: „Verschwinde hier“. In die Notunterkunft der Stadt will er nicht. 

Als die Pandemie los ging, da wünschten sich alle mit Inbrunst „Bleiben Sie gesund!“. Dann war kurz der Slogan „be kind“, der große Hit, was haben wir uns überschlagen im Versuch, freundlich zu sein. Das wurde dann abgelöst von „Drehen Sie nicht durch.“ Die Resignation war zäh und klebrig wie Baumharz und hat ganz viele Vorsätze wie ein Insekt an den kollektiven Burnout gepappt. In meiner Heimat ärgere ich mich oft darüber, wie garstig alle sind. Der Umgangston ist rau. Ich dachte, das sei überall so. In Hamburg brachten mir wildfremde Menschen Freundlichkeit entgegen. Beim Frühstück habe ich meinen Teller stehen lassen, ein anderer Gast trug mir meine Büffett-Ausbeute an den Tisch mit einem Tipp wie ich mein Brötchen schneide könnte, ohne dass es aussieht wie ein ausgeweidetes Tier. Im Bus, als ich nicht wusste, welches Ticket ich brauche, hat eine Frau mir alles erklärt und den Schein für mich gelöst. Die Geschichte mit dem famosen Busfaher ist ein extra Beitrag wert. Sowas habe ich noch nie erlebt. Im Lokal bekam ich alle Extra-Wünsche, ohne Murren. Das bin ich alles nicht gewöhnt. Hier darf ich weder den Kinderteller, noch die Seniorenportion bestellen. Für mein „Bitte packen Sie mir den Rest ein“, werde ich regelmäßig herablassend angeschaut. Lebensmittel wegzuwerfen ist mir zuwider, riesige Portionen essen müssen auch. In Hambrug: Alles kein Problem. Daran könnte ich mich gewöhnen, das lässt sich doch ändern!?

I. fragt mich beim Frühstück ob sich was von Hamburgs Freundlichkeit mit heim nehmen lasse. Wir sprechen fast den ganzen Morgen darüber, was uns hier auffällt, wie groß der Unterschied ist. Irren wir uns etwa, ist alles ganz anders? Ist das die rosarote Brille des Touristen? Zumindest wir zwei sind uns einig. Jemand muss mit dem Nett sein anfangen. 

Wieder zuhause saß ich im Auto. Ich fahre nämlich nicht Bus und kann niemandem ein Ticket lösen. Mir ist klar, dass ich schnell wütend werde, maule und garstig bin. Seit ner Woche übe ich: Freundlichkeit. Nach Hamburger Vorbild. Man kann Dinge nicht von Heute auf gleich können. Wie alles andere auch, muss man üben, neues Verhalten einstudieren. Ich arbeite dran, ehrlich.  

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Hamburg Impressionen #1

Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen.

Ich saß im Zug Richtung Heimat. Wie immer im öffentlichen Raum war mir alles zu laut. Mein Blickwinkel ist da oft auf die negativen Dinge fixiert. Der Typ, der stundenlang und laut telefoniert. Der andere Typ der ohne Kopfhörer ein Video nach dem anderen schaut und den ganzen Wagon daran teilhaben lässt und auf die Bitten, sein Handy leiser zu stellen, nicht reagiert. Ich höre also, dass der Typ im Sekundentakt WhatsApp-Nachrichten bekommt – wim wim wim – er hat die Tastentöne eingestellt, er witscht durch TikTok, er nervt mich. Dazu das Gerumpel des Zuges, die allgemeinen Gespräche als Hintergrundrauschen und die ständigen Durchsagen der Deutschen Bahn. Es dauert also nicht lange, da habe ich Kopfweh, bin völlig reizüberflutet, müde und mordlüstig. In dieser Stimmung schiele ich nach links, da sitzen zwei Jungs und eine alte Dame in einer Vierergruppe mit Tisch. Die Jungs schätze ich auf 16 oder 17, ihren Gesprächen nach sind sie definitiv noch Schüler. Beide haben weite Jeans an, ich kann ihre Knöchel sehen, sie tragen eine Bauchtasche schräg über der Brust wie eine Schärpe, als hätten sie einen Schönheitswettbewerb gewonnen. Die Gesichter sind glatt und arglos, wie man eben aussieht, wenn man erst 17 ist. Die Frisuren sind auch ganz ähnlich. Seitlich rasiert, über der Stirn ein gelocktes Geraffel, das ganz knapp in die Augen hängt.

Die alte Dame hat ganz weißes Haar, ein Pilzkopf, aber noch kräftig und dick. Sie ist zart geschminkt, hält ihre Handtasche auf dem Schoß fest und wirkt aufgeregt. Ich höre also mit. Die Dame, gerüscht und geblümt, fragt die Jungs wo sie hinfahren. Heim, sie haben Freunde besucht. Und die alte Dame? Ich schätze sie auf 65, vielleicht auch schon 70. Wo war sie, wo will sie hin? Und da wird es interessant, ich blende all die nervigen Dinge plötzlich aus. Sie hat ein Date. Sie trifft Otto in H. Sie haben sich schon ein paar mal getroffen, sie meint, das könnte was werden, sie ist schon eine Weile Witwe, in ihrem Alter, da ist das alles nicht mehr so leicht, aber Alleinsein ist auch nicht leicht, doch der Otto, der macht ihr ein warmes Gefühl in der Brust. Das ist schön.

Die Jungs fragen ganz interessiert, sie fragen empathisch und offen und ich wundere mich nur kurz, dass sich die Jugend für das Liebesleben einer alten Frau interessiert. Aber die Aufregung und die Schmetterlinge im Bauch, das ist ganz ähnlich. Ob 17 oder 70 – das ist doch ganz egal. Jonas erzählt von Ariane, vom ersten Treffen und wie das war. Aufregung und Zweifel: Mag sie mich? Also richtig? Da drüben am Tisch, wo sich die drei gegenübersitzen wird viel gelacht. Ich hab meine Kopfhörer nicht auf, ich schließe die Augen und höre heimlich zu. Ich habe den Eindruck, ich bin nicht die Einzige.

Die alte Dame ist aufgeregt, sie schaut auf die Uhr, noch 6 Minuten, aber wir haben Verspätung. Die Jungs versichern ihr: „Der Otto wartet, ganz bestimmt.“

Es kommt eine weitere Durchsage, wir erreichen demnächst den Bahnhof H, Ausstieg in Fahrtrichtung links. Die Dame säufzt. Hier wurden Informationen ausgetauscht, die man zwei fremden Teenagern mit Leichtigkeit erzählen kann. Vielleicht geht das bei einer guten Freundin nicht, die hat zu viele Bedenken und gut gemeinte Ratschläge und Warungen; „Pass bloß auf.“ Manchmal ist zu viel Lebenserfahrung auch Fehl am Platz. Da braucht es einen frischen, neugierigen Blick. Könnte ja gut werden.

Auf dem Bahnsteig steht ein Herr, ebenfalls mit schlohweißem Haar. Das blaue Hemd, das er trägt hat diesen verräterischen Streifen auf Bauchhöhe. Das hing heute morgen noch auf der Leine, es ist nicht gebügelt. Aber er trägt eine Fliege und schaut dem Zug so erwartungsvoll entgegen, als wäre es das erste Mal. Wirklich, das allererste Mal.

Die Dame verabschiedet sich von den Jungs, eilt zum Ausgang. Sie trägt blitzblanke, weiße Gesundheitsschuhe mit flachem Absatz. Sie ist flott unterwegs. Fast leichtfüßig.

Die zwei sehen ihr nach, lugen dann durchs Fenster zu ihm hin und stellen freudig fest:

„Oha, er hat Blumen dabei, siehst du das?“

Ich sehe es, andere auch. Der eine steht auf, der andere kniet sogar auf dem Sitz und lehnt mit Armen und Stirn gegen das Fenster. Auf dem Bahnsteig umarmen sich zwei, so türmisch, dass der Blumenstrauß ein paar Blütenblätter verliert. Da wird heftig und innig umarmt und lang.

„Sie mag ihn wirklich“, sagt Jonas. Die Jungs buffen sich gegenseitig gegen den Oberarm, als hätten sie die zwei persönlich verkuppelt und freuten sich jetzt über ihren Erfolg.

Der Zug fährt wieder an. Die Frau lässt Otto kurz los und winkt den Jungs. Die heben beide Daumen. Otto weiß zwar nicht, worum es geht, aber er strahlt und winkt auch.

Die Jungs setzen sich wieder hin, auf dem Bahnsteig wird weiter umarmt und ich setze meine Noise-Cancelling-Kopfhörer wieder auf. Lächelnd. Ich bin froh, dass ich das nicht verpasst habe.

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* Die Namen wurden von der Redaktion geändert. 🙂

Schreiben dicht am Leben

Rezension:

Ich konnte inzwischen das dazugehörige Notizbuch – gebraucht – kaufen und habe somit die Reihe voll. Das bedeutet, ich kann nun all meine Schreibübungen ins Duden Blank Book hineinschreiben, alles hübsch ordentlich und am richtigen Platz. Mein innerer Monk ist sehr zufrieden. Jedenfalls.

Aus dieser Schreibratgeber-Reihe gefällt mir „Schreiben dicht am Leben“ bisher am besten, das spricht mich am meisten an. 19 verschiedene Übungen laden zum Schreiben ein und dieses Mal gefallen mir durchweg auch alle Impulse. Das ist nicht oft so. Üblicherweise picke ich mir ein paar Aufgaben heraus und lasse alles andere links liegen. Jede Übung greift einen Aspekt auf, wie man die Welt betrachten und in Worte fassen könnte. Das geht über den üblichen Tipp „Setze dich in die Fußgängerzone und beobachte Leute“ hinaus. Diese Schreibanregung ist ja nicht neu und findet sich in vielen Ratgebern.

Wie schon in den anderen Büchern der Reihe sind alle Schreibanregungen mit Text-Beispielen untermalt, meine Wunschliste ist schon wieder um 4 weitere Bücher angewachsen, weil mir die Beispiele so gut gefallen haben. Ich habe gestaunt und gedacht: „Was man alles machen kann. Toll.“ Wenn ich also mit meinem Notizbuch in der Fußgängerzone sitze, kann ich alles ganz minimalistisch einfangen, Dialoge mithören, überspitzt darstellen oder ganz anders, den Blick nach innen richten: „Wie geht es mir hier eigentlich?“

Es hindert mich ja keiner daran, mir ein paar Anregungen auszuwählen und miteinander zu vermischen. Ich finde es aber gut, dass hier im Buch die Übungen getrennt voneinander dargestellt sind mit dem Augenmerk auf einer einzige Sache. Ich würde es als „Sehen lernen“ zusammen fassen. Es geht ums beobachten, erfassen und komprimieren: Das Gesehene/Gefühlte in Worte zu fassen. Und da gibt es wirklich sehr viele Möglichkeiten. Ich habe herzlich gerne alles ausprobiert und damit gespielt und auch noch ein paar neue Dinge für mich mitgenommen. Dieser Ratgeber ist, meiner Meinung nach fürs kreative Schreiben, also für SchriftstellerInnen geeignet, Anfänger wie Fortgeschrittene, aber genauso fürs Tagebuchschreiben, für den ganz persönlichen, eigenen Gebrauch. Eine Universalanleitung, quasi.

  • Schreiben dicht am Leben ★★★★★
  • DUDEN – Kreatives Schreiben
  • Hanns-Josef Ortheil

Van Gogh – Sämtliche Gemälde

Van Gogh / Sämtliche Gemälde / Taschen Verlag

Die Gemälde von Van Gogh machen irgendetwas mit mir. Die Strichführung, die Farben, die Motive. Das berührt mich. Das kann ich nicht rational erklären, es ist wohl auch nicht nötig, man muss nicht alles ergründen. Ich habe jetzt mehrere Wochen mit diesem Wälzer verbracht. Van Gogh auf über 744 Seiten. Ich bin mit Neugier, aber ohne große Erwartungen eingestiegen, einfach mit dem Bedürnis etwas mehr über Vincent van Gogh zu erfahren. Nun weiß ich, dass er etwa 870 Bilder gemalt hat und ich staune über diese Zahl. Mit welcher Arbeitswut muss man sich in seine Kunst stürzen um das in wenigen Jahren zu schaffen? Ich fand das Buch sehr spannend, auch wenn der Begriff vielleicht nicht ganz richtig ist. Ich versuche es zu erklären:

Die beiden Autoren, Ingo F. Walther und Rainer Metzger haben hier das Leben von Van Gogh mit der Entstehung seiner Kunstwerke verwoben. Also was er wann und wo gemalt und gezeichnet hat und auch warum. Mit Erklärungen zu seinem Werdegang und seiner künstlerischen Entwicklung. Alle seine Werke haben Symbolkraft, das war von Van Gogh so gewollt und in seinen Briefen an den Bruder oder andere Künstler auch erklärt. Und das meine ich mit spannend: ich fand es total interessant, wie er an seine Arbeit herangegangen ist. Wenn er meinte, er müsste Gesichter und Kopfstudien machen um besser zu werden, dann hat sich Van Gogh vorgenommen 50 Bilder zu malen. Und dann hat er genau das getan. Konsequent, fast wahnhaft. Ich bewundere diese Arbeitseinstellung – und die Bilder natürlich. Das Buch habe ich inzwischen ausgelesen, aber ich will es noch nicht ins Regal räumen. Ich blättere immer noch vor und zurück und schaue mir die Bilder an. Damit kann man viel Zeit verbringen und immer noch etwas entdecken. Auch das finde ich spannend.

Die Kombination aus Kunstkatalog, Biografie und Auszüge aus den vielen, vielen Briefen, die Vincent Van Gogh sein Leben lang geschrieben hat, macht diese Lektüre richtig lebendig. Herzliche Empfehlung. ★★★★★

Ich habe inzwischen einige Dinge über Van Gogh gelesen und tolle Verfilmungen gesehen, die Meinungen gehen da ausseinander, ob es Selbstmord war, oder ob Van Gogh angeschossen wurde und die Täter mit seinem Schweigen schützte. Ich maße mir da kein Urteil an. Hier im Buch wird sein Ende als Selbstmord dargestellt und mit seinem „Abschiedsbrief“ an den Bruder belegt. Wie sein Leben wohl verlaufen wäre, wenn seine Sterne etwas gütiger auf ihn herabgeblickt hätten?

Diesen Monat fahre ich noch nach Hambrug und sehe mir, unter anderem die Ausstelung „Van Gogh alive“ an und bin sehr gespannt.

  • Van Gogh. Sämtliche Gemälde
  • Ingo F. Walther, Rainer Metzger
  • Herausgeber: ‎ TASCHEN
  • Gebundene Ausgabe: ‎ 744 Seiten
  • ISBN-10: ‎ 9783836557122
  • ISBN-13 : ‎ 978-3836557122

Bester Van Gogh Film, also meiner Meinung nach:

Und meine Lieblingsversion von „Starry Starry Night“:

Mein Lese-Monat April

Lese-Monat April: Schreibratgeber, Der dunkle Turm, Horst Evers und der Hobbit

  • Hanns-Josef Ortheil – Schreiben dicht am Leben ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️
  • Horst Evers – Wer alles weiß, hat keine Ahnung (Hörbuch) ⭐️⭐️⭐️⭐️
  • J. R. R. Tolkien – Der Hobbit (Hörbuch gelesen von Gert Heidenreich) ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️
  • Stephen King – Schwarz (Der dunkle Turm Band 1) Hörbuch gelesen von Vittorio Alfieri ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️

Ich war die letzten Wochen so mit dem neuen Manuskript beschäftigt, dass ich kaum zum Lesen gekommen bin. Daher sind in meiner Liste eigentlich nur Hörbücher, die ich auf der Autobahn konsumiert habe. Ich hoffe, ich komme diese Woche noch dazu im Blog jeweils eine vernünftige Rezension zu schreiben. Den Schreibratgeber möchte ich herzlich empfehlen und „Schwarz“ habe ich in einer überarbeiteten, erweiterten Fassung gehört. Ich las den Roman vor… puh 15 Jahren? Vielleicht ist es sogar länger her. Dennoch glaube ich, dass die Überarbeitung dem Buch gut getan hat. Ich hatte die Story unter „experimentell“ abgespeichert und dachte damals: „Krass, der gute Herr King hat selber keine Ahnung wo das hinführt. Spannend. Dass er das so schreibt und dass ein Verlag dieses Experiment mitmacht. Da bleibe ich dran.“

Mache ich tatsächlich, ich trete die Reise mit Roland noch mal an – in der Hörbuch-Fassung. Yay.

Was hast du gelesen, hm?

Crime Scene Investigation

Es gibt eine neue Staffel von CSI: Vegas

Ich weiß gar nicht wie das gezählt wird. Staffel 1 ganz neu oder Staffel 16 von CSI: Vegas 

CSI

So oder so, ich fangirle wie verrückt, ich muss das sehen als Fan der ersten Stunde. Daher dachte ich, es ist ja schon eine ganze Weile her, ich fange noch mal ganz von vorne an, bevor ich die neuen Folgen schaue. Inzwischen bin ich bei Staffel 9 angekommen und staune. Die Serie lief im Fernsehen, 2000 irgendwas. Jahrelang. Ich habe damals noch jede Woche eine Folge gesehen, mit Werbung und RTL ausgeliefert – auf Gedeih und Verderb. Irgendwo bei Staffel 9 oder 10 haben die Planer den bekifften Praktikanten ran gelassen: Eine Woche lief eine neue Folge, die nächste Woche eine alte Folge, manchmal beides, an einem Abend, dann war Sommerloch von Mai bist Oktober, dann kam irgendein anderer Unsinn und meinereiner, als Serienjunkie und Möchtegern-Monk ist fast ausgeflippt. Ich muss das doch, in der richtigen Reihenfolge und am Stück gucken. Jedenfalls. Ich kann ganze Dialoge mitsprechen. Bei manchen Szenen weiß ich genau, welcher Song gleich im Hintergrund läuft. Und die Liebesgeschichte von Gil und Sara hat mich nachhaltig geprägt. Ich habe jetzt also großen Spaß daran, die Serie noch mal zu gucken, und wenns mir einfällt, dann auch 5 Folgen am Stück. Leider kann man die nirgends streamen, deshalb muss ich so vorsintflutliche Dinge tun wie DVD kaufen. Aber irgendwas ist ja immer.

Welches ist deine Lieblings-Serie – im Sinne von All-Time-Favorite? Hm?

Übersicht: DVD Boxen Crime Scene Investigartion Las Vegas

Lese-Monat März

Mein Lese-Monat März

Stephen King – Brennen muss Salem (Hörbuch gelesen von Jürgen Kluckert) ⭐️⭐️⭐️

Das Buch gehört definitiv nicht in meine Favoriten-Liste. Die Story ist nicht schlecht, aber mir war es teilweise zu langatmig, und dieses Mal hatte ich auch Schwierigkeiten die Figuren auseinander zu halten. Auf der einen Seite gab es also (zu) lange Passagen, warum Barlow kein Vampir sein kann bzw. es keine gibt, wir sind hier ja alles ganz vernünftige, rationale Menschen, jaja. Und auf der anderen Seite waren mir die Charaktere nicht genug ausgearbeitet. Und Jürgen Kluckert und ich werden keine Freunde.

Diana Hillebrand – Heute schon geschrieben? Band 6 (eBook) ⭐️⭐️⭐️⭐️

Ich mag die Reihe und werde auch gleich mit Band 7 weiter machen. Aber ich habe inzwischen schon einige Schreibratgeber gelesen, deshalb war bei Band 6 – für mich – nichts Neues dabei.

Christine Spindler – Mein Ideengarten (eBook) ⭐️⭐️⭐️⭐️

Hübsche Idee, ich habe mir auch ein paar Notizen gemacht, aber bis jetzt hat die Idee allein mich noch nicht in die Handlung gebracht. Ich weiß noch nicht, ob ich die Methode ausprobiere, auch wenn sie mich (in der Theorie) anspricht.

Svenja Hold – ADHS bei Erwachsenen (eBook) ⭐️⭐️⭐️

Das Buch ist ADHS-freundlich geschrieben, das liest sich ratzfatz weg, bleibt meiner Meinung nach aber theamtisch an der Oberfläche. Ich finde es ist ein guter Einstieg, viel mehr aber auch nicht. Die Tipps sind ganz nett. Wenn man sich aber mit Achtsamkeit beschäftigt, dann sind die auch nicht neu. Es gibt noch ein paar weiterführende Links, die ich mir noch anschauen werde. Dieser 5-Wochen-Plan ist putzig, den habe ich in einer halben Stunde gelesen und gedacht, jaja, süß. Als wenn ich mit ADHS fünf Wochen an dem Büchlein dran bleiben würde… Manches davon habe ich schon ausprobiert, manches mache ich tatsächlich. Zumindest manchmal. Dieses Buch ist das erste, dass ich zu dieser Thematik gelesen habe, aber es bleibt wohl nicht das letzte. Aus Gründen.

Stephan Porombka – Schreiben unter Strom ⭐️⭐️⭐️⭐️

Diesen Schreibratgeber aus der Reihe „DUDEN – Kreatives Schreiben“ habe ich schon an anderer Stelle rezensiert: HIER Ich mag die Reihe sehr, ich bleibe dran. Im Moment bin ich mit „Schreiben dicht am Leben“ beschäftigt. Später mehr.

Bill Watterson – Calvin und Hobbes Band 4 ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️

Hach. Die Zwei. ❤

J. K. Rowling – Harry Potter und das verwunschene Kind ⭐️⭐️⭐️⭐️

Ich habe das Screenplay endlich gelesen, weil ich besitze nämlich Karten für das Theater in Hamburg, und da will ich ja vorher wissen, was auf mich zu kommt. Natürlich ist so ein Theater zeitlich und örtlich begrenzt, die Geschichte muss quasi in vier Stunden (und an zwei Abenden) erzählt sein, daher ist das schon Recht, alles. Aber nicht ansatzweise so raffiniert und komplex wie die Bücher. Das geht ja auch gar nicht, is klar. Ich habe die Geschichte gern gelesen und bin nun sehr gespannt, WIE diese ganze Geschichte umgesetzt wird. Auf der Bühne. Das wird aufregend und ich freu mich drauf.

Shirley Jackson – Spuk in Hill House (Hörbuch gelesen von Richard Barenberg) ⭐️⭐️⭐️

Uff, naja. Wenn ich bei einem Buch daneben greife, maule ich nicht, ich sage folgenden Satz: „Ich bin nicht in der Zielgruppe.“ Andere finden das sicher gruselig. Ich fand’s langweilig.Vermutlich war das 1959 bahnbrechend und herausragend. Aber jetzt kann ich nur müde mit den Schultern zucken. Von den 7 Figuren gingen mir 5 auf die Nerven.

Lese-Monat Februar

Lese-Monat Februar

Ich habe jetzt ein paar Tage nichts gepostet, weil ich für mich noch keine Antwort gefunden habe, wie ich mit all der Angst, dem Mitgefühl und meinem Alltag umgehen soll. Aber sich-totstellen hilft ja auch keinem. Also bemühe ich mich um ein vorsichtiges auftauchen. Mein Manuskript befindet sich gerade im Lektorat, das bedeutet ich hatte diesen Monat wieder mehr Zeit zum lesen. Lotte Römer macht das manchmal mit mir, dass sie fragt „Was war dein glücklichster Moment diese Woche?“ Oder auch „Was hat dich gefreut?“


Ich weiß nicht mehr, in welchem Buch ich das gelesen habe, wenn man wie ich viel liest, vermischen sich die Dinge manchmal. Es ging um „Intimität mit der Welt“ und auch um akzeptieren wie sie ist. Das bedeutet für mich, übersetzt, hinschauen. Ich glaube, es ist diese Gleichzeitigkeit, die mich manchmal so fertig macht. Ich kann mich hier über etwas freuen und dort etwas ganz schrecklich und falsch finden. Gleichzeitig. 

Der Februar ist um, hier ist mein Lese-Monat Februar. Da liegt Jossel Rakover auf dem Tisch, gleich neben Calvin und Hobbes. Gleichzeitig. Ereignisse eines vergangenen, schrecklichen Krieges. Und was zu Schmunzeln, was Spaß macht und ablenkt von den schlechten Dingen. 

Hinschauen. Trotzdem. Deswegen.

R. M. Rilke Gesamtausgabe / Insel Verlag

R. M. Rilke Gesamtausgabe (Band 1 von 6) ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️ Rilke ist mein Lieblings-Lyriker und nachdem ich verschiedene Taschenbücher und eBooks gekauft und gelesen habe, wurde ich unzufrieden. So tolle Texte, aber wie sieht das denn aus? Also habe ich im Internet nach einer Gesamtausgabe geschaut, die auch was im Regal hermacht. Schließlich habe ich diese tolle Gesamtausgabe aus dem Jahr 1982 gebraucht gekauft und sie ist hübsch und sie freut mich und hach. Es sind die kleinen Dinge manchmal. Schon in Band 1 ist mein Lieblingsgedicht drin. Ich habe aber auch viele andere neu entdeckt und mit Bleistift angestrichen. Bleiben noch fünf Bände. Ja, das freut mich.

Richard Yates – Elf Arten der Einsamkeit (Short Stories) ⭐️⭐️⭐️⭐️

Bill Watterson – Calvin und Hobbes Band 2 und 3 ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️ Es sind insgesamt 11 Bände und ich will sie alle lesen. Ich liebe diesen kleinen Kerl und seinen Tiger. Meine Kindheit war keinen Tag so, ich war weder so klug, noch so witzig oder fantasievoll. Aber ich bin überzeugt: Sie hätte so sein sollen. Wenn ich die Comics lese habe ich ein ganz warmes Gefühl im Bauch, so behaglich wie eine Decke, Kakao und ein Kaminfeuer.  

Mariana Leky – Was man von hier aus sehen kann (Hörbuch gelesen von Sandra Hüller) ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️ Aktuell mein Lieblingsbuch. Über die Jahre ändern sich solche Dinge ja manchmal. Ich habe es nun zum fünften Mal gelesen und ich werde nicht müde, es weiter zu empfehlen. 

Zvi Kolitz – Jossel Rakowers Wendung zu Gott ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️ Das Buch lässt sich in einem starken Wort zusammenfassen: Trotzdem. Jossel spricht mit Gott auf Augenhöhe, sagt ihm „Jetzt erst Recht“ und er kämpft. Ich empfinde mich nicht als religiös und wenn ich doch mal ein Stoßgebet spreche, richte ich es nicht an einen alten Mann mit Rauschebart, irgendwo im Himmel. Ich adressiere meine … ja was? Ich adressiere meine Mitteilungen ans Universum. Ich glaube an Energie, an Verbindung, an eine positive Kraft. Aber hier kann ich Jossel Rakovers Gedankengang spüren und nachvollziehen. Es ist ein kurzer, aber großer Text. Meine Ausgabe ist illustriert, auf Deutsch und auf Jiddisch. Im zweiten Teil, nach dem „Testament“ von Jossel Rakover geht es noch seitenweise um den Umstand, dass dieser Text vehement versucht hat seinen Autor abzuschütteln. Die starken Worte haben sich verbreitet, Menschen wollten diese Geschichte glauben, sie wollten sie wahr haben. Mir ist das herzlich egal, ob die Geschichte fiktiv ist oder nicht. Ich sag es nochmal. Trotzdem. Wenn du das Buch nicht kennst, dann hol es nach. Vielleicht gerade jetzt besonders. Trotzdem. Egal wie du zu Gott stehst. Jossel Rakovers Wendung zu Gott tröstet.

L. M. Montgomery – Anne auf Green Gables Folge 1 bis 4 (Hörspiel) ⭐️⭐️⭐️⭐️ Ich mochte die Serie auf Netflix sehr, habe auch diverse Verfilmungen gesehen. Und jetzt staune ich, wie akkurat das in Bilder umgesetzt wurde. Sehr hübsch. 

Mariana Leki – Erste Hilfe ⭐️⭐️⭐️⭐️ Nicht ganz so gut wie „Was man von hier aus sehen kann“, aber eindeutig die Erzählstimme von Mariana Leky. Wunderbar schrullig. Liebe, Freundschaft, Verbundenheit. Alles drin, was ich auch in den anderen Büchern der Autorin so mag. Ein eckiger Blick auf die Welt. 

Ulrike Becks-Malony – Kandinsky ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️ Ich habe mehrere Wochen gebraucht um das Buch zu lesen. Sachbücher dauern bei mir immer etwas länger. Ich finde, nur als Beispiel, Fotorealismus in der Kunst langweilig. Mich zieht es immer zu den abstrakten Bildern, zu den farbgewaltigen Motiven, in die ich mich hinein fallen lassen kann und keine Worte brauche. Vor vielen Jahren war ich in München in der Kandinsky-Ausstellung, saß ewig vor manch einem Gemälde – schauend, nicht denkend. Nun habe ich, dank den Buches Hintergrundinfos, Erklärungen, was und wie und wo. Die Entwicklung seiner Kunst, seiner Einflüsse, seine Gedanken zu seinen Werken. Das war schön zu lesen, aber wirklich gebraucht hätte ich es nicht. Ich würde viel lieber noch mal in eine Ausstellung gehen, auf eine Bank sitzen und die Farben fühlen. Manchmal sind Infos und Erklärungen völlig überbewertet. 

Taschen Verlag / Kandinsky / Ulrike Becks-Malorny

Was hat dir in der letzten Woche Freude gemacht?

Gegen den Hass

(Da ich diese Meinung im Juli 2020 geschrieben und im Entwürfe-Ordner vergessen habe, liefere ich diese Buchbesprechung jetzt als #ThrowbackThursday ab. I hope you don´t mind.)

Um mich herum passieren Dinge. Mir gefällt nicht, was ich sehe. Die meiste Zeit verstehe ich auch nicht warum das passiert, was eben geschieht. Nun habe ich diverse Texte gelesen um mich dem anzunähern. „Gegen den Hass“ beschreibt das Problem. Soweit war ich schon. Meiner Meinung nach müsste das Buch „Über den Hass“ heißen und dann hätte ich wohl nicht viel zu maulen.

Carolin Emcke beschreibt den Ist-Zustand. Als Beispiel führt sie einen Fall von 2014 auf. Ein Polizist verhaftet einen Mann, drückt ihn zu Boden. Der eine ist weiß, der andere nicht. Der am Boden liegende sagt elf Mal, dass er nicht atmen könne. Am Schluß ist Eric Garner tot und der Polizist geht straffrei aus. Offensichtlich hat der Typ, der die schreckliche Szene gefilmt hat, es nicht für nötig gehalten, sein Handy für etwas offensichtliches zu benutzen: Hilfe rufen. Auch die umstehenden Passanten taten nichts. Der Polizist leitete keine Wiederbelebungsmaßnahmen ein, keiner half.

Das ganze Buch ist intellektuelles Geschwurbel – tut mir leid, aber ich empfinde es so. Das ist nicht mein Vokabular. Offensichtlich bin ich nicht in der Zielgruppe, das ist mein Problem, nicht Frau Emckes.

Jedenfalls. Meine persönliche Überzeugung lautet: Handeln besiegt die Angst. Allerdings will ich das nicht kopflos tun, und auch nicht in gewalttätiger Weise. Meine Waffen sind und waren immer Wörter. Da wo ich eine Erklärung suche in einfachen Worten (nein, nicht einfache Lösungen!), da finde ich nur noch mehr Verwirrungen. Die ganze Szene hatte Publikum. Menschen sahen zu, einer hat es gefilmt. Was genau soll ich nun machen, wenn ich Unrecht sehe? Mit der Kamera drauf halten und bekunden: „Das hier ist falsch!“? Oder soll ich den Polizisten von seinem Opfer herunter schubsen?

Was ich weiß ist: Gewalt erzeugt Gegengewalt. Uns als Menschen muss etwas besseres einfallen. Doch wie, und was? Das konnte mir die letzten Wochen und Monate keiner beantworten. Ich dachte und hatte gehofft, dass mir ein Buch wie dieses den Hass erklärt und vielleicht sogar einen Weg zeigt, wie ich dagegen handeln kann. Zumindest ließ mich der Titel das hoffen. ich habe es also gelesen, aber es lässt mich unzufrieden zurück. Schlauer bin ich jetzt auch nicht. Ich will nicht, dass Menschen im Würgegriff eines Polizisten ums Leben kommen. Ich will sehr viele Dinge nicht, diese Liste ist lang.

Schon seit einigen Jahren höre und sehe ich Dinge in meinem Dunstkreis, die mich ängstigen. Und dann wünsche ich mir die rhetorischen Mittel und gute Argumente um dagegen zu halten. Im Kleinen, hier mit meinen Mitmenschen. Was in anderen Teilen der Welt geschieht kann ich nicht beeinflußen oder ändern. Aber muss es denn wirklich sein, dass ich mir in Gesprächen mit Bekannten, geführt irgendwo zwischen der Post und dem Blumenladen, kleingeistige Fremdenfeindlichkeit anhören muss? Dieses Gerede von „Wir“ gegen „Die“. Ich weiß nicht, wer dieses Wir sein soll, ich identifiziere mich nicht damit. Das „Die“ ist mir zu grob umrissen. Und dann: Was tun?

Dieses Buch jedenfalls, hat mir mit meinem Problem nicht geholfen. Vielleicht war das zu viel verlangt. Mea culpa. Frau Emcke stellt viele Fragen bzw. strukturiert und beschreibt diverse Probleme, zeigt Beispiele und verortet sich selbst darin bzw. hinterfragt ihre Glaubenssätze und Meinungen. Das ist toll und klug geschrieben, ich kann mich damit identifizieren und mit vielem d’accord gehen. All diesen Punkten kann man 5 Sterne geben, wenn man es denn will und muss bei einem Sachbuch. Ich höre ihren Vorträgen gerne zu, lese ihre Bücher… nur in diesem Fall hab ich mir mehr versprochen bzw. erhofft. Aus Gründen.

Ich habe schon geahnt, dass ich mir selbst etwas ausdenken muss. Alles, was ich aktuell habe ist der Wunsch „Be kind“.

Mit irgendwas muss man ja anfangen.

Lese-Monat Januar

Lese-Monat Januar
  • Mister Maikel – Sketchnotes ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️

Ich habe das Buch gelesen, aber noch nicht alle Übungen des Workshops gemacht. Wenn ich damit durch bin, schreibe ich auch einen Beitrag dazu und zeige ein paar meiner „grafischen Notizen“. 🙂

  • Bill Watterson – Calvin und Hobbes #1 ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️

Eine Kollegin vom BvjA-Autorenstammtisch hat mir letztes Jahr „There´s Treasures everywhere“ ausgeliehenund es ist fast tragisch, dass ich es zurück geben musste. Weil Calvin und ich, das ist Liebe auf den ersten Blick. Ich habe meinen Weihnachts-Bücher-Gutschein in drei Bände „Calvin und Hobbes“ umgesetzt und ich kann nichts anderes, als völlig begeistert zu sein. Dieser 6-jährige ist liebenswert und verrückt, einfallsreich und ein kleiner Teufel. Genau die richtige Mischung.

  • Stephen King – Der dunkle Turm Band #15 (Graphic Novel) ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️
  • Stephen King – Der dunkle Turm Band #16 (Graphic Novel) ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️

Ich habe alle Graphic-Novel-Ausgaben gelesen und bin nach wie vor völlig hin und weg, von dem Medium Bild und Text. Was mich betrübt: Nach band 16 ist Schluß. Aber inhaltlich fängt es hier ja erst an, die ersten Bände widmeten sich der Vorgeschichte von Roland. Jetzt sind seine drei Gefährten da, aber es gibt keine weiteren GN-Ausgaben. Ich werde also noch Mal die Romane lesen bzw. hören. Ich werde mir die Hörbücher einverleiben. Auch hier betrübt mich eine Sache: Die Romane der Reihe „Der dunkle Turm“ werden nicht von David Nathan gelesen. Und das ist nicht richtig, ich prangere das an. Seufz.

  • Terry Pratchett – Die Farben der Magie (Hörbuch gelesen von Volker Niederfahrenhorst) ⭐️⭐️⭐️⭐️

Ich starte ein neues Projekt: Wikipedia sagt, es gibt 41 Scheibenwelt-Romane. Und ich habe nicht mal ansatzweise alle gelesen. Daher wird daraus ein Projekt, genau wie mein #ProjektDarkTower. Ich mache eine Liste und dokumentiere die Sache. Später mehr. Volker Niederfahrenhorst macht seine Sache gut, das will ich gar nicht schmälern. Allerdings hat er ein paar Eigenheiten in seiner Sprechweise, die mich triggern. Uff.

  • Kris Brynn – Born ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️ (Hier geht´s zur Rezension)
  • Elke Heidenreich – Der Welt den Rücken (Hörbuch) ⭐️⭐️⭐️⭐️
  • Andy Stanton – Mr. Gum und der sprechende Kirschbaum (Hörbuch gelesen von Harry Rowohlt) ⭐️⭐️⭐️
  • Andy Stanton – Mr. Gum und das geheime Geheimversteck (Hörbuch gelesen von Harry Rowohlt) ⭐️⭐️⭐️

Puh, ja. Großer Pluspunkt der Mr. Gum Reihe: Harry Rowohlt liest das. Und er macht das gut. Ich habe vor Jahren mit dem ersten Hörbuch der Reihe angefangen (Ich glaube es sind 8 Geschichten) und mit jeder Fortsetzung wurde die Sache absurder. Beim ersten Buch habe ich mich noch scheckig gelacht, jetzt zum Schluß reichte es kaum noch zu einem Schmunzeln. Schade. Es liegt vermutlich an mir. Absurde Geschichten bzw. Handlungsstänge holen mich einfach nicht ab.