Aufräum-Funde

Diktiergerät

Ich hab mein altes Diktiergerät gefunden. So sah das Autorinnenleben in den 2000er Jahren aus. Mein Handy konnte das noch nicht: Memo und Diktierfunktion. Und selbst später, als mein Handy das konnte, war die Technik so lausig… ach, lassen wir das. Ich hatte ein Diktiergerät neben dem Bett liegen, für die Einfälle, die ich Nachts, schlaflos festhalten wollte. Das Problem? Morgens wachte ich auf, hörte mein Gebrabbel – Astronaut, Marmelade und Pirat – und hatte keinen blassen Schimmer, was ich damit anfangen wollte. Manche Dinge ändern sich nie. 😉

Nun, jetzt ist es so: Ich arbeite an einem neuen Manuskript. Und vielleicht gehört das zum Schaffensprozess dazu: Der Weg an den Schreibtisch ist weit und steinig. Wer selber Kreativ ist, kennt das sicher. Eine Deadline rückt näher und damit wird auch das Bedürfnis geweckt, JETZT die Fenster zu putzen, JETZT endlich die drei Körbe Wäsche weg zu bügeln, JETZT die Garage zu renovieren. Ganz klar.

Ich hab so einen Glasschrank, da steht bloß Nippes drin. Du weißt schon, hübsch aber nutzlos. Das Ding staubt nun schon seit Jahren ein, hat mich nie gestört. Heute habe ich alles raus geräumt, Dinge weg geworfen, geputzt und gestaunt. Was ich alles habe. Uijuijui. Ein altes Diktiergerät zum Beispiel. Das funktioniert noch. Ob ich es nochmal neben das Bett legen soll? Neee.

Aber meine John-Irving-Handtasche, die muss ich noch herzeigen. Die ist auch wieder aufgetaucht, bei der Aktion. Mach ich Morgen, vielleicht. Kurz bevor ich an den Schreibtisch gehe, will ich bestimmt noch was aufräumen. 😉

Lesung in Göppingen

Göppingen; das war der Abend, als Dorothea den Kosmos gefragt hat, aber alles ein Missverständnis war. Volker guckte „Ein Kilt für alle Fälle“ bei Verflixtnet und spoilerte wild. William ist tot. Caro lag unter dem Dachfenster und ist alt genug für den Albverein. Rainer wollte zum Fußball nach Berlin, feierte dann aber keinen Geburtstag. Ingo erstellte eine Facebook-Veranstaltung. Gott gefällt das.

Unser Jörg Rock ‚n‘ Roll Diktator verlor seine Brille, machte aber trotzdem Musik.

Alles normal hier. Weiter geht es am 6. November im Blauen Haus, Böblingen.

Stadtbibliothek Göppingen

Lesung: Wortreich

Über Schlangen im Kopf, Zufallsbekanntschaften in der Notaufnahme, bewegliche Güter im Haus der Großmutter, die ungewisse Sicherheit in Behausungen und die Frau, die nun endlich alles über die Liebe weiß lesen die Tübinger und Stuttgarter Autor/innen Elke Reinauer, Birgit Juresa, Eleonore Wittke, Carolin Hafen, Rudolf Georg und Wolfgang Haenle.

Vorlage ist ihre Anthologie „Wortreich“, die im vergangenen Jahr erschienen ist. Markenzeichen der hiesigen Gruppe des Bundesverbandes junger Autoren: regelmäßige Treffen mit Tiefgang und regelmäßige Herausgabe einer Textsammlung.

Das Eintrittsgeld (fakultativ) wird der Stuttgarter Tafel gespendet.

Der Abend findet am Freitag, 12. November, im Vorstadttheater Tübingen, Katharinenstraße 28, 19:30 Uhr statt.

The War of Art

Steven Pressfield – The War of Art

Den Newsletter vom Autorenhaus Verlag lese ich nun schon einige Jahre. Ich besitze auch schon einen ordentlichen Stapel Schreibratgeber. 😉 „The War of Art“ ist schon lange auf meiner Wunschliste, bisher habe ich mir aber nicht zugetraut ein Sachbuch auf Englisch zu lesen. Mein eingerostetes Schul-Englisch ist wirklich nicht berühmt. Als Gerhild Tieger dann schrieb, dass dieses Buch nun auf Deutsch erhältlich sei, da hab ich sofort auf den Link geklickt. Nun lag ich ein paar Tage kränklich danieder – die beste Krankheit taugt nix, wenn man zwar Zeit aber nicht fit genug zum lesen ist. Daher fange ich erst heute an und bin sehr gespannt ob Steven Pressfield mir wirklich mit meinen inneren Blockaden helfen kann. So große Versprechen muss man auch erst mal halten können.

Kennst du das Buch? Wie sind deine Erfahrungen?

  • The War of Art
  • Steven Pressfield
  • Autorenhaus Verlag
  • Übersetzung: Karin Dufner

Termine im Oktober

Ob ich noch weiß wie das geht? Und schreib ich einen neuen Text bis dahin? Es wird spannend, auch für mich. Seit Monaten schon ist es unmöglich auch nur ne Woche voraus zu planen, aus Gründen. Die Dinge kommen wie sie kommen und ich muss flexibel sein. Voll mein Ding. Nicht.

Also, hier ist ne Liste mit unseren Shorties-Terminen im Oktober. Ich denke, das findet alles so statt, auch mit mir und in Farbe, im besten Fall mit einem neuen Text. Das wird super. Muss ja. 😉

Gruppenbild get shorties Lesebühne 2019
Gruppenbild get shorties Lesebühne 2019

Freitag, 08. Oktober 2021

Kulturzentrum Merlin, Stuttgart / 20 Uhr

Samstag, 09. Oktober 2021

Baden-Württembergische Kulturtage in Ettlingen / ab 19 Uhr bis 22.30 / Blauer Saal

Donnerstag, 14. Oktober 2021

Ortsbücherei Erdmannhausen / 20 Uhr

Freitag, 22. Oktober 2021

Stadtbibliothek / 20 Uhr

Mehr Infos unter: www.getshorties.de

Lese-Monat September

Mein Lese-Monat September

  • Roberta Bergmann – Kopf frei für den kreativen Flow ⭐️⭐️⭐️⭐️
  • Stephen King – Joyland (Hörbuch) ⭐️⭐️⭐️⭐️
  • Bov Bjerg – Deadline ⭐️⭐️⭐️⭐️
  • Stephen King – Der dunkle Turm Band 13 (Graphic Novel) ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️
  • Susann Rehlein – Lucy Schröders gesammelte Wahrheiten ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️
  • Guiseppe Latanza, Francesco Matteuzzi – Hokusai (Graphic Novel) ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️

Auf Lucy Schröder habe ich schon eine Lobes-Hymne verfasst. Der Roman ist diesen Monat mein Lese-Highlight. Bov Bjerg mochte ich auch, aber das Buch ist schwierig zu lesen, also keins, dass man mal g´schwind mit Genuss liest. Etwas wie Deadline ist mir noch nie unter gekommen, da musste ich mitdenken und mich anstrengen, das war Arbeit. Die hat sich gelohnt, keine Frage, aber ich würde es nicht uneingeschränkt weiter empfehlen. Und die Entdeckung von Hokusai begeistert mich (immer) noch sehr, darüber möchte ich, sobald ich Zeit dazu finde, ein paar Gedanken aufschreiben. Im Moment hat mich mein neues Manuskript fest im Griff. Jede freie Minute – sofern ich nicht zu müde bin, und das bin ich oft – stecke ich in den neuen Roman. 

Und was hast du gelesen?

Lucy Schröders gesammelte Wahrheiten

Die Bücher von Susann Rehlein lesen sich, als wären sie extra für mich geschrieben worden. Da ist ein blinkender, roter Pfeil, der auf mich zeigt und laut „Zielgruppe“ verkündet. 😉
 
Ich mag den lakonischen Erzählstil der Autorin, ich mag den Humor, den die Geschichte transportiert und ich mag die schnoddrige Lucy Schröder. Die hat ziemlich einen an der Waffel, aber das ist auch kein Wunder, bei der Nicht-Erziehung, die ihr widerfahren ist. (Ich stelle noch die steile These auf, dass Lucy sich im Spektrum bewegt, aber das nur am Rande.) Jedenfalls. Lucy kann hellsehen, allerdings hat sie keinen Funken Sozialkompetenz im Leib, dafür ein großes Herz. Eigentlich. Sie weiß nur nicht, wie man das benutzt. Aber der Reihe nach. 
Ihre Mutter starb sehr früh und der Vater verschwand völlig in seiner Trauer. Erziehung is nich. Lucy wächst also auf, wie ein wildes Tier, sich selbst überlassen. Es gibt ein paar Menschen um sie herum, aber keiner ist nah genug an dem Kind dran, um einen Unterschied zu machen. Lucy kriegt also die ganze weltliche Weisheit ihres Vaters ab: Liebe is nich. 


Er stirbt und Lucy versteckt sich in ihrer Wohnung. Monatelang geht sie nicht raus, lässt sich Essen liefern und terrorisiert ihre Mitbewohner, bis ihr Therapeut sagt: „So geht das nicht weiter. Du kannst nicht nur drinnen hocken und Schneekugeln basteln!“ 


Lucy muss also raus etwas ändern, Leute kennen lernen, leben. All das. Aber Lucy hat ziemlich einen an der Waffel. Deshalb rennt sie in zerrissenen Jeans, einem Tutu und einer grünen Fell-Tasche ins Kaufhaus Schönstedt. Sie macht es sich zur Aufgabe jemanden zum Kennenlernen zu finden, eine Jeans zu kaufen und dem Therapeuten zu beweisen, dass sie doch noch nicht ganz reif ist für die Klapse. Es passiert, was auch mir passiert ist: Sie versucht alle um sich rum mit ihrer Ruppigkeit auf Abstand zu halten, aber das funktioniert nicht so gut, weil das leicht zu durchschauen ist. Lucy ist zwar groß geworden, aber nicht erwachsen. Und mit ihrer kindlichen Art rennt sie Wände ein, innere und äussere. Im Kaufhaus ändert sie einige Leben, auch ihr eigenes, ganz langsam. 


Da ist dann Platz für Ruhe, und für Freundschaften und auch für die Liebe. Natürlich ist die Liebe in Lucys Leben pragmatisch, zart und besonders, was soll sie sonst sein? Ich will gar nicht zu viel verraten. Nur soviel: Ich mag Lucy. Ich mag den Piepel und Tom, ich mag die lilafarbene Lea Hellmich, ich mag Frau Fiebig und ihre Stöcker, ich werde nie wieder vernünftig Chameleonen sagen können, ich mag den Enno und ich mag Lucys wilde, ungestüme Art und wie sie Nähe lernt. Das kann man nämlich nicht einfach so, nur weil man da ist. Lucy kann hellsehen und Flammen säufzen. Sie kann hellrosa Puder in den Hausflur zaubern, das Leben ist voller Wunder. 


Ich habe an einigen Stellen laut gelacht, an anderen die Tiefgründigkeit gespürt. Lotte Römer hat mir die Bücher empfohlen, und ich bin sehr froh, dass diese Perlen jetzt bei mir wohnen. Ich freu mich auf ein Wiederlesen. Das mache ich mit Perlen nämlich so. 

☆☆☆☆☆

  • Susann Rehlein
  • Lucy Schröders gesamelte Wahrheiten
  • Roman
  • Dumont

Linkshänder

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Ich habe mich die Tage mit einer Freundin über Linkshänder unterhalten bzw. über die Maßnahmen der Umerziehung. Heute dürfen Kinder mit links schreiben, es gibt Blöcke und Scheren und entsprechende Füller. Das war nicht immer so. Ich habe schon grausige Sachen gehört… während dem Unterricht den Arm auf den Rücken binden, um das Kind zu zwingen die „richtige“ Hand zu benutzen. Wir als Gesellschaft scheinen unfassbar doof zu sein, wenn es darum geht ein Anders (egal in welcher Form) anzunehmen. Aber das ist ein anderes Thema. Jedenfalls. Ich frage mich nun, wie das in anderen Kulturen ist. Wenn ca. 10% der Weltbevölkerung Linkshänder sind, dann betrifft das ja auch Leute, die von oben nach unten schreiben bzw. von rechts nach links. Ich würde das gerne recherchieren, weiß aber gar nicht wie ich das anfangen soll. Eine Stippvisite bei Wikipedia ergab, dass in Japan Kinder nicht gezwungen werden die rechte Hand zu benutzen. Aber ob das schon immer so war, weil es beim Schreiben keine Rolle spielt, das habe ich noch nicht herausgefunden. In welchen Ländern hat diese Umerziehung stattgefunden und wie lange? Und ist es beim von oben nach unten schreiben tatsächlich egal, welche Hand man benutzt? Weißt du das? Oder wo ich das nachlesen kann?

Hokusai (2020)

Hokusai – Graphic Novel

Neue Woche, neues Buch. 

Aktuell recherchiere ich viel für das neue Manuskript. Andere AutorInnen werden wissen was ich meine, LeserInnen vielleicht nicht. Man fängt mit einer Sache an, folgt dann den Brotkrumen und verliert sich dann völlig in all diesen neuen, interessanten Informationen. Ich habe mit einem Schreibpult für Ambro begonnen, und landete schnell bei klösterlichen Schreibstuben, da ich ihn aber nicht in ein Kloster stecken wollte, die Lokalität sollte naturverbunden sein und zu meinem Protagonisten passen, landete ich unweigerlich in Japan und recherchierte zum Thema #Minka

Das sind typische, japanische Häuser, die sehr minimalistisch und praktisch gebaut sind und oft einen kleinen Garten in der Mitte haben. Thematisch in Japan angekommen, stieß ich natürlich auf #Hokusai und ab da verließ ich meinen Protagonisten, jetzt war meine Neugier ganz allgemein geweckt: Wie spannend ist das denn bitte? #GraphicNovels interessieren mich ja eh, nun fand ich eine Graphic-Novel-Biografie zum Leben von Katsushika Hokusai, mit der ich heute Abend los lege, wenn ich nach getaner (Schreib)Arbeit aufs Sofa liegen darf. Ab hier ist es ganz offiziell  um mich geschehen. Bei Youtube gibt es eine Doku „Besuch bei Hokusai“, bei Prime einen Film über die Tochter „Miss Hokusai“ und den Trailer zur Filmbiografie des Künstlers habe ich gleich zwei Mal angeschaut. 2020 hätte der in die Kinos kommen sollen. Ich hab noch nicht raus gekriegt wo man den Film streamen/kaufen kann, aber das finde ich auch noch raus. 

Jetzt widme ich mich noch mal Ambro bzw. Hangameh, ich muss eine entscheidende Szene fertig schreiben. Und dann schmökere ich in mein neues Schätzchen hinein. Das wird super. 

The Circle of Life

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Ich habe keinen Hund, ich weiß nicht, wie man angemessen auf so eine Situation reagiert. Ich stelle mir das so vor: Der Mensch und Hundefreund will seinem Tier was Gutes tun und die große weite Welt zeigen. Spazieren gehen, das ist ja auch gesund. Da werden Schuhe angezogen, da wird die Leine angebracht, das gute Tierchen soll ja nicht davonlaufen. Und dann ist das Zweiergespann unterwegs, mir nichts dir nichts, passiert es, das kann ja keiner ahnen. Das Hündchen hält, beugt den Rücken und kackt. Einfach so. Der Mensch am anderen Ende der Leine ist schockiert und überfordert, was tut man da bloß? Man schlägt sich die Hände ins Gesicht, so wie Kevin-allein-zuhaus und schreit: „OH. MEIN. GOTT.“ Ich bin sicher, so läuft das. Und der Mensch schimpft: „Du Dreckschein, kannst du das mit der Verdauung nicht sein lassen? Ist das wirklich nötig? Was sollen denn die Leute denken?“

Ich bin überzeugt, es ist völlig unmöglich auf so eine extreme Situation vorbereitet zu sein. Ein Tütchen dabei haben? Den Dreck einpacken und mitnehmen? Oh nein, das ist zu viel verlangt. Das ist ja unmenschlich. So gut vorbereitet ist doch keiner. Der Hund verlässt den Ort des Geschehens, scharrt noch kurz mit den Hinterfüßen. Der Mensch macht es ihm nach, weil er sich an etwas Fundamentales erinnert. Tiere scheißen schon seit Jahrmillionen in die Landschaft, das hat der Natur noch nie was ausgemacht. Das ist der Lauf der Dinge. Essen, scheißen, ein ewiger Kreis. Warum soll man daran was ändern?

Worauf ich hinauswill? Der Parkplatz hinter dem Rialto ist ein sehr großes Hundeklo. Natürlich könnte man da einen Tütenspender aufstellen. Aber das ist wohl zu kurz gedacht. Selbst mit Tütchen bleibt eine alte Problematik: Das Aufheben, einsammeln, wegwerfen.

Aber was weiß ich schon? Ich hab ja gar keinen Hund. Nur Scheiße am Schuh.