Frankfurter Buchmesse 2016

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Messeturm

Langsam aber sicher tauche ich wieder auf. Messetage verschlucken einen Buchmenschen komplett, wie ein großer Wal – man fühlt sich auch ganz verdaut, wenn man endlich nach Hause fährt. Vor der Messe war meine Aufregung groß, ich freute mich wie Bolle auf den gemeinsamen Tag mit Lotte Römer, ich stöberte tagelang durch die Buchmesse-App um mir einen Plan zu machen, wen und was ich alles sehen wollte. Lotte machte es ebenso, dauernd schickten wir uns Nachrichten; Das noch. Und das auch! 

Ein Tag schien zu kurz (objektiv betrachtet ist ein Tag auch zu kurz) um alles zu machen, was dann auf dem Plan stand. Hinterher, am Abend krabbelte ich auf allen Vieren auf mein Bett zu, ich hatte keine Worte mehr übrig (davon ausgehend, das eine Frau ca. 7000 Wörter am Tag schwätzt, hab ich am Freitag bestimmt das dreifache geplappert) und schloss meine Augen in dem Augenblick, als mein Kopf auf dem Kissen zu liegen kam. Das besagtes Kissen auf dem Boden lag störte mich dabei nur wenig – ich schaffte es nicht aufs Bett und Lotte war so lieb mich zuzudecken, da unten auf dem kuschligen Teppich.

Sie kommentierte es schlicht: Ich bin ganz Banane im Kopf. Sie hat Kinder, sie meint also die matschige, sehr reife Sorte.

 

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Buchmesse-Grüße

Was war passiert? In unserer Euphorie standen wir Punkt 9 Uhr vor den Messetoren, wir hatten schließlich eine Mission. Lotte wollte Frau G. treffen, ich wollte zum Stand des BvjA um ein paar Vereins-Kollegen, die dort den Stand betreuten, Hallo zu sagen. Schon da zeigte sich ein Problem. Weite Wege, viele Hallen, Leute und noch mehr Leute. Es ist wirklich schön in jedem Gang eine Facebook-Bekanntschaft zu treffen, die man bisher nur digital und lesend kennt, und nun endlich mal in Natura anschauen kann. Mit Handschlag und allem drum und dran. Aber weit kommt man da nicht. 😉 Und mein Plan stellte sich als blödsinnig raus, weil ich nicht bedacht hatte, dass Veranstaltung X in Halle 3.0 statt findet, während ich Freund B. in Halle 4 treffen wollte. Es wurde ein wildes hin und her, mit viel Geplauder und In-die-Arme-Laufen zwischen den Hallen.

Letztlich haben wir aber alle Leute getroffen und alle Lesungen/Vorträge besucht, die wir auf der Agenda hatten. Mein Highlight war Carolin Emcke, die über ihr neues Buch „Gegen den Hass“ sprach. Ich bin ja ein schlauer Mensch, ich habe das Buch schon vor der Messe gekauft, allerdings daheim liegen lassen, deshalb konnte ich mir kein Autogramm holen. Ich wollte Frau Emcke schon anmuffen, dass sie auf ihrer Lesereise nicht nach Süddeutschland kommt – vorher checkte ich noch ihre Termine. Tübingen und Stuttgart. Gut, dass ich nicht gemufft habe. Ich komme noch zu meinem Autogramm.

Carolin Emcke im Gespräch
Carolin Emcke im Gespräch

 

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Orbanism Space

 

Jedenfalls. Ich war auch bei einem Papyrus-Vortrag. Das wäre soweit auch gut gewesen, schließlich liebäugle ich damit mir diese Software zu kaufen. Allerdings ist der Geräuschpegel in den Hallen irrsinnig laut. Die kleinen Bühnen überall, mit Hockern und Soundanlage haben es schwer gegen diesen Geräuschpegel anzukommen, der Betrieb drum herum läuft ja weiter. Menschen kommen, setzten sich, plappern, stehen auf, gehen wieder. Ich hatte wirklich Mühe dem Vortrag zu folgen und werde mich wohl anderweitig damit beschäftigen (mit einem YouTube-Tutorial o. ä.) bevor ich mich zum Kauf entscheide. Der Buchmesse-Beitrag hat nun nicht wirklich weiter geholfen. Schade.

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Am Stand vom BvjA

Wir hatten einen wirklich schönen Tag, der proppenvoll war mit Gesprächen, Eindrücken und viel Input. Ich halte mich nicht für einen schüchternen Menschen, auf den Mund gefallen bin ich auch nicht und trotzdem dachte ich zwischendurch „Ich hätte gern mehr Mut“. Da liefen viele Buchstaben-Menschen herum, die ich „kenne“ im Sinne von verfolgen. Twitter, Facebook, Blogs. Ich lese still mit, ich schreibe selten Kommentare. Bei vielen wäre ich gern, mit Mut, hingegangen und hätte gesagt: „Ich lese, was du schreibst. Mir gefällt was du machst.“ Und dann hätte ich mich umgedreht und wäre gegangen. Mehr will ich gar nicht. Bei Mara Giese habe ich es gemacht, das war eine sehr nette Begegnung. Bei Stefan Mesch hat es sich nicht ergeben. Vielbeschäftigter Typ. 😉 Bei Zoë Beck habe ich mich auch noch getraut, bei vielen anderen Bloggern aber nicht. Seltsam. Als wenn ein Kompliment etwas Schweres wäre.

 

 

 

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Annabell Benn und Lotte Römer

 

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Caro ist ein Nerd

Jedenfalls. Nach der Messe hatte ich noch weiteres Programm. Am Samstag las mein Kollege Wolfgang Kirschner in Balingen. Wir sind seit Jahren befreundet, was er schreibt, lese ich und wenn er irgendwo liest, geh ich da hin. So einfach ist das. Und wenn ich eine seiner Kolumnen tatsächlich ein zweites, drittes Mal höre, kichere ich immer noch darüber. Wie die Lesung war, kann man hier nachlesen. 

Am Sonntag stand ich früh auf (für meine Verhältnisse) obwohl mir die Messe noch in den Knochen steckte, ich fühlte mich immer noch wie zerkaut und verdaut. Das Kulturzentrum Merlin in Stuttgart feierte seinen 33sten Geburtstag. Da darf die get shorties Lesebühne natürlich nicht fehlen. In der kleinen Besetzung (Ingo Klopfer, Rainer Bauck und ich) machten wir insgesamt vier Lesungen. Aber bevor ich mich selbst auf die Bühne im Flaschenkeller setzte, lauschte ich noch Maximilian Buddenbohm. Wieder ein Blogger, ich lese die Herzdamengeschichten sehr, sehr gern. Er hat so einen Humor, den ich schätze – nie unter der Gürtellinie, mit einem liebevollen Blick auf das Leben und die Söhne. Ich saß zwischen all den Eltern mit ihren Kindern, kicherte über den Alltag der Buddenbohms und fühlte mich wohl. Anschließend kaufte ich mir ein Buch und ließ es mir auch signieren. Ich weiß nicht genau warum, aber ich mache das wahnsinnig gern – in meine Bücher hinein schreiben, wann & wo ich sie gekauft habe – letztlich schreibe ich sogar hinein, wann ich sie gelesen habe. Ich mag Autogramme von Autoren in meinen Büchern. Das gibt mir ein Gefühl von Nähe.

Sobald mich der Wal wieder ausgespuckt hat, arbeite ich an eigenen Texten. Schließlich brauche ich eine neue Kurzgeschichte für den 19. November.

Wir lesen uns!

~Caro

 

abschied

 

6. Tübinger Kulturnacht

Der Kollege Wolfgang Kirschner lud mich und A. nach Tübingen ein. Wir sind beide ganz verliebt in das Fachwerk-Städtle und sind der Einladung gern gefolgt. Es gab die 6. Tübinger Kulturnacht zu sehen. Wenn ich das so schreibe, impliziert das ja, dass ich die anderen fünf Kulturnächte auch miterlebt habe. Zu meiner Schande muss ich aber gestehen: Nein. Ich habe schon manches Mal die Reise nach Tübingen angetreten, aber da ging es entweder um Bücher (Bücherfest) oder Schokolade (ChocolART). Dieses Mal also die „Kulturnacht“. Um Bücher ging es aber trotzdem. Wolfgang Kirschner las im ART TEMPTO einige seiner Kolumen (Tübingen im Fokus) und ich habe mich köstlich amüsiert. Stichwort „Halbes Gläsle“. Wer die Kolumnen nicht kennt, wird hier fündig: TiF

Die Fotoausstellung und die Kunstwerke von Rieke Riegels-Winsauer haben wir uns bei der Gelegenheit natürlich auch gleich angeschaut. A. und ich waren ganz begeistert von der „Fadenkunst“ und standen eine Weile begeistert vor einem Gebilde mit dem Wunsch: „Hätten wir doch das nötige Kleingeld dafür“. 🙂

Link: http://www.art-tempto.de

Ich mag die Atmosphäre in Tübingen, besonders zu solchen Gelegenheiten. Am Samstag war überall was geboten – wir lauschten erst den Alphornbläsern auf dem Marktplatz, dann eine Weile den Bands bei der Stadtbücherei, schauten uns später dann die Feuer-Show auf dem Holzmarkt an und zum Schluss noch den Chor, der seine Liedzeilen in die Gebärdensprache übersetzte. Und nein, es ist eine Schande: Ich bin immer noch nicht Stocherkahn gefahren. Das heißt, ich muss wieder kommen. Irgendwann, Tübingen, wird das noch was mit uns.

~Caro

 

 

 

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Wieder ein Kirschner!

Wolfgang KirschnerIch kann guten Gewissens behauten, ein „alter Fan“ von Wolfgang Kirschner zu sein. Es befinden sich schon einige seiner Werke in meinem Bücherregal. „Die Nacht, in der ich Verschwand“ oder auch „Himmelblau & Birnbaumgrün“. Mein All-time-Favorite ist und bleibt „Die wildschöne Frau und der Wörterhut“.

Nun aber zu Kipplings Ripple. Das ist keine Fortsetzung zu „Hölderlins Hund“, allerdings trifft man auf alte Bekannte. Und solche Dinge freuen mich immer – wenn ich in einem Buch Hinweise auf andere Geschichten entdecke oder mir bekannte Figuren wieder auftauchen. Budenius zum Beispiel. Um den geht es hier aber gar nicht.

Wer des Nächtens schon mal unterwegs war, weiß: Man tappt von Einem ins Nächste – es gibt kein „zur richtigen Zeit am richtigen Ort“ und zum Schluss fragt man sich „Scheiße, wie konnte das denn passieren?“ So auch hier. Ich als Leser folge Reinhard Kippling, genannt „Reiki“ durch eine lange Tübinger Nacht. Reiki beichtet  seiner Gloria einen Fehltritt, und die Folgen dieser Beichte treiben ihn hinaus in die Nacht. Ein Roadtrip, etwas Herzschmerz, viel Alkohol und die Frage „War er´s oder war er´s nicht?“.

Ich verrate nichts. Nur so viel: Gute Unterhaltung.

Lebenszeichen

Liebes Universum,

ich habe dir lange nicht geschrieben, mea culpa. Ich hatte gute Gründe, war dauernd unterwegs und ein Tag hat einfach nicht genug Stunden, IMAO. Ich habe mir die Show „Amazing Shadows“ angesehen und mich die halbe Zeit – sehr beeindruckt – gefragt, wie die das, verflixt noch eins, anstellen. Die acht Tänzer waren wirklich amazing.

In derselben Woche habe mich mir dann noch Senay Duzcu auf der Bühne angeschaut und mir die Gemeinsamkeiten und die Unterschiede zwischen Deutschen und Türken erklären lassen. Ich kann ihren Namen nicht aussprechen (und damit bin ich wohl nicht alleine), aber immerhin kann ich jetzt meine Mitmenschen mit Merhabalar begrüßen. Glaube ich zumindest. J Werde es beim Obsthändler meines Vertrauens antesten. Jedenfalls. Ist dir klar, dass es im Comedybereich nur wenig lustige Frauen gibt? Bitte, jetzt soll keiner aus dem hinterletzten Eck rufen: Cindy aus Mahrzahn. Es hat wenige Frauen auf Kabarettbühnen, und nicht alle sind komisch. Senay kann ich herzlich empfehlen, das war ein kurzweiliger, schöner Abend mit einigen unerwarteten Pointen.

Kipplings Ripple

Danach war ich bei der Buchpräsentation von „Kipplings Ripple“ in Tübingen. Mein lieber Kollege Wolfgang Kirschner hat in der Buchhandlung Osiander sein neuestes Buch vorgestellt und eingewickelt in eine Decke und behutet mit einer Polizeimütze über eine Stunde aus dem Werk vorgelesen. Ich hab das Buch natürlich gleich käuflich erworben und verrate dir nicht, was es mit dem Titel auf sich hat. Ich weiß nämlich voll Bescheid. Haha. Nur so viel, es hat für alles eine vernünftige Erklärung. Sobald ich das Buch gelesen habe, werde ich dir darüber berichten.

Bild

Irgendwo dazwischen, teils in der Mittagspause, teils in den Abendstunden habe ich mich noch um das Lektorat einer Geschichte gekümmert. „Der Kindshüter von Leotrim“. Mit dieser Geschichte habe ich es nämlich in die Anthologie „Exotische Welten“ geschafft, die ab Ostern als eBook erhältlich sein wird. Auf das gute Stück bin ich ziemlich stolz. Ich lese sehr gerne Fantasy, aber auch Märchen, eben alles um Drachen und Ritter und spannende Geschichten in anderen Welten. Schreibend bin ich in dem Genre aber noch nicht sehr lange unterwegs. Meine Erste Geschichte hieß „Abbild“ und wurde auch in einer O´Connell-Anthologie abgedruckt; Avatare, Roboter und andere Stellvertreter.

Damals habe ich Blut geleckt, sozusagen. Dieses Mal habe ich mich also an Drachen versucht, statt an Stellvertretern und mag meinen Kindshüter sehr, sehr gerne. Ich hoffe, die Leser sehen das auch so, ich bin dementsprechend aufgeregt.

Und weil das alles noch nicht reicht, habe ich noch ein Auto gekauft (großer Haul) und ein neues Hörbuch von dem schrecklichen Mr. Gum (kleiner Haul), aber davon werde ich dir separat berichten.

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Tja, und dann habe ich noch drei get shorties Lesungen gemacht, mit meinen geschätzten Kollegen Ingo, Nick, Markus, Ralf, Jole, Rainer und Volker. Ich glaube, im Grunde bin ich ein schüchterner Schreiberling, viel lieber einsam mit meinen Buchstaben, denn auf Bühnen umgeben von Menschen. Die meisten merken das auch, nicht nur deshalb, weil ich nervös, in einer Minute dreißig, durch einen Text hetze. Ich weiß nicht genau was passiert ist, ist es Routine? Die Erkenntnis, dass das Lesen auf einer Bühne verdammt viel Spaß macht? Dass es noch was anderes gibt, denn Selbstzweifel? Als Schreiberling ist man ja immer mit der Frage konfrontiert: Was will ich eigentlich erzählen? Und wenn man das weiß, fragt man sich, ob man das gut erzählt. Wenn man auf einer Lesebühne sitzt, kommt noch hinzu: Ist das auch witzig?

Und wenn man dann, ganz am Schluss, auf alles eine Antwort gefunden hat, und zufrieden ist, dann fühlt sich das für einen Moment wie eine warme Mütze an. Das ist super. Ich hatte das, dieses Wochenende.

Yeah!

~Caro

Tübinger Bücherfest 2013

Ich wollte unbedingt zu der Lesung von Wolfgang Kirschner im Stocherkahn, leider war im Kahn kein Platz mehr für mich und die Vorreservierung habe ich versemmelt. Dann musste ein gemeinsames Abendessen reichen.

Dafür habe ich noch eine gute Bücher-Ausbeute ergattert und obendrein Karten für die Harry Rowohlt Lesung, meinem Lieblingsbrummbär. „Rumba, Rumba, Rumba ist modern“ besitze ich jetzt auch endlich als Hörbuch. Ein rundum gelungener und sonniger Tag!

(Endlich weiß ich auch, wie es Knolls Katzen ergeht. Was bin ich froh.)