Lese-Challenge 2016

2015-01-09 13.50.02Ich liebe Listen und Vorsätze und sage gern, auch wenn ich keine Zigarren rauche:

Ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert. 

Manchmal kommt das tatsächlich vor. Nun ist Januar, alle Welt hat Vorsätze, ich natürlich auch. Da stehen dann grundsätzliche Dinge drauf wie: „Die literarische Weltherrschaft an mich reißen!“

Oder auch ganz spezifisch: 4 Kilo Abnehmen. Hubert schimpft immer mit mir „Nein, Caro. Du kannst dich nicht von Cola und Kinderriegel ernähren. Auch wenn ich das sehr schön fände.“

Der Januar macht irgendwas mit mir. Das geht am 31. Dezember los und ich denke: „Jetzt hast du das Gröbste überstanden, ab jetzt werden die Tage wieder länger. Der Sommer kommt!“

Ja, das ist unsinnig angesichts Minus dreizehn Grad draussen und nasser Füße, weil die verdammten Winterstiefel nicht wasserdicht sind. Und trotzdem. In meinem Kopf legt sich ein Schalter um. So wie andere Leute ganz wuschig werden mit Frühjahrsputz und Tatendrang, sobald die ersten Krokusse ihre Köpfe aus der Erde drücken, so macht mich der Januar ganz verrückt: Neues Jahr, neues Glück. Als könnte ich augenblicklich alle meine Vorhaben in DIESEM Jahr schaffen. Alle Reisen, auf Papier, im Kopf und in der Welt. Geht natürlich nicht. Das ist aber egal, weil das Gefühl trotzig behauptet:

Doch, geht wohl. 

In so einem Rausch habe ich mir meinen Stapel Ungelesener Bücher, [fortan nur noch SUB genannt] mitten im Wohnzimmer platziert, damit ich das blöde Ding immer sehe und es mich das ganze Jahr verhöhnen kann.

Januar, weißt du noch, Baby? Damals, du und ich?

Ich weiß das Jahr nicht mehr, aber der Spott wabert duch meine Wohnung, verfolgt mich überall hin.

Ins Schlafzimmer; hier könntest du liegen und lesen.

Und auch ins Bad; hier könntest du sitzen und lesen.

Selbst in der Küche wispert der SUB mir zu; hier könntest du all die Rezepte ausprobieren, die ich in meinem Bauch für dich aufbewahre.

Mein SUB ist nämlich ein großer, blauer Wal, machmal hüpft er hoch, und knallt dann, einem Erdbeben gleich wieder auf die Oberfläche meines Bewusstseins: So wenig Zeit. 

Tja. Da bin ich nun, mit all meinen guten Vorsätzen, dem unvergleichlichen Januargefühl und einem höhnischen SUB.

Pah, denk ich, DIESES Jahr krieg´ich dich, du Sau.

Hier also meine Liste mit meinen ungelesenen Büchern. Ich werde diese Liste aktuell halten, zu jedem ersten im Monat. Das heißt nicht, dass ich keine neuen Bücher hinzukaufe. So ein selbst auferlegtes Kaufverbot fördert nur den Frust und die Wut auf den SUB. Ich möchte trotz der aktuellen großen Lesebedürfnisse, die nur augenblicklich mit einem neuen Buch gestillt werden können, es dennoch schaffen jeden Monat eins oder mehr Bücher von dieser Liste endlich, endlich zu lesen. Schließlich hat jedes einmal dieses Bedürfnis mal bei mir ausgelöst, ansonsten hätte ich es ja nicht gekauft.

Let the battle begin.

 

[lese ich/gelesen/abgebrochen]

#ich lese gerade

  • Susan Sontag – Über Fotografie
  • Johann Wolfgang Goethe – 10 Gedichte

 

SUB:

  • Lendle – Mein letzter Versuch die Welt zu retten
  • Lutz von Werder- Lehrbuch des kreativen Schreibens
  • Zahlen & Symbole
  • Oliver Sacks – Der einarmige Pianist
  • ADAC Reiseführer London
  • Arno Geiger – Anna nicht vergessen
  • Koeppen – Das Treibhaus
  • Conrad – Herz der Finsternis
  • Vargas Llosa – Lob der Stiefmutter
  • Wells – Die Zeitmaschine
  • Dürrenmatt – Das Versprechen
  • Der Essay (Reclam)
  • Kreatives Schreiben (Reclam)
  • Reclam Städteführer London
  • Jung – Union of Mankind
  • Ardagh – Unliebsame Überraschungen
  • Ardagh – Abscheuliche Angewohnheiten
  • Nabokov – Lolita
  • Fromm – Haben und Sein
  • Mailer – Die Nackten und die Toten
  • Keane – Drehbuch
  • Stavarič – Böse Spiele
  • Stavarič – Stillborn
  • Peichl – Rote Karte für den inneren Kritiker
  • Jonasson – Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand
  • Wörter machen Leute
  • Der afrikanische Elefant
  • Menschen durchschauen
  • Das große Buch der Listen
  • Lexikon der Charakterkunde
  • Frömberg – Etwas besseres als die Freiheit
  • Scholl-Latour- Afrikanische Totenklage
  • Terry Pratchett – Die Farben der Magie
  • Terry Pratchett – Der Zauberhut
  • Davies – Der fünfte im Spiel
  • Brontë – Sturmhöhe
  • Eschbach – Eine Billion Dollar
  • Porath – Mops und Möhren
  • Lehane – Shutter Island
  • McCourt – Der Junge aus Limerick
  • Baricco – Seide
  • Sachau – Linksaufsteher
  • Schneider – Schlafes Bruder
  • Greene – Am Abgrund des Lebens

[Falls sich jetzt jemand über die Reihenfolge wundert: Ja, ich auch.]

2016 – Neu dazu gekommen:

  • Fitzner – Willkommen im Meer
  • Hartlieb – Meine wundervolle Buchhandlung
  • Martin – Band 7, (Das Lied von Eis und Feuer)
  • Foer – Alles ist erleuchtet
  • Wien (Städteführer)
  • Precht – Die Kunst, kein Egoist zu sein
  • Porath – Klosterkeller
  • Kornwall – DrachenSchimmer (eBook)
  • Bittel/Neumayer – Ich hatte mich jünger in Erinnerung
  • Jojo Moyes – Ein ganzes halbes Jahr
  • Rolf Dobelli – Die Kunst des klaren Denkens
  • Heinrich Heine – Gedichte
  • Nina George – Die Mondspielerin
  • John Galsworthy – Die Forsyte Saga
  • John Irving – Bis ich dich finde (Hörbuch)
  • Carolin Emcke – Gegen den Hass/Von den Kriegen
  • Martin von Arndt – Rattenlinien
  • Paula Henderson – Die Welt der Baumhäuser

 

Gelesen, endlich!

  1. Reiner Kunze – Gespräch mit der Amsel
  2. Bov Bjerg – Auerhaus
  3. Carolin Emke – Wie wir begehren
  4. Olivia Wartha – Hundertneunzehn
  5. Römer/Koenicke – Sweet Temptaition (eBook)
  6. Sandman – Band 10
  7. Edith M. Senkel – Blut an der Wand (eBook)
  8. Tilman Rammstedt – Morgen mehr [Link morgen-mehr.de]
  9. Emanuel Bergmann – Der Trick
  10. John Irving – Straße der Wunder
  11. Lotte Römer – Body Kiss (eBook)
  12. Wolfgang Herrndorf – Arbeit und Struktur/Tschick
  13. Joachim Meyerhoff – Alle Toten fliegen hoch
  14. Gerd Rödiger – The City-Cleaner (eBook)
  15. Anne-Catrin Jacob – Veränderung beginnt mit einem Flüstern (eBook)
  16. Bov Bjerg – Die Modernisierung meiner Mutter
  17. Nora Gomringer – Recherche (eBook)
  18. Candy Bukowski – Wir waren keine Helden (eBook)
  19. Angela Temming – Schlaf, mein Kind (eBook)
  20. Isabel Bogdan – Der Pfau
  21. John Steinbeck – Früchte des Zorns
  22. Olivia Wartha – Die Wirklichkeit ist anderswo
  23. Violet Kiani – Miss Violett goes London
  24. Katrin Bauerfeind – Und hinten sind Rezepte drin
  25. Elke Heidenreich – Alles kein Zufall (Hörbuch)
  26. Wolfgang Herrndorf – Bilder deiner großen Liebe (Hörbuch)
  27. Tanja Köhler – Das Jahr, als ich anfing Dudelsack zu spielen
  28. Horst Evers – Wäre ich du, würde ich mich lieben (Hörbuch)
  29. Lotte Römer – Winter Love (eBook)
  30. TimeOut – 1000 * London für unter 10 ₤
  31. David Rieff – Tod einer Untröstlichen
  32. Tilman Rammstedt – Morgen mehr (Hardcover)
  33. Maximilian Buddenbohm – Es fehlt mir nicht, am Meer zu sein
  34. Herta Müller – Heute wäre ich mir lieber nicht begegnet (Hörbuch)

 

Abgebrochen

Ich füge hier ganz bewußt die Rubrik „Abgebrochen“ ein, weil das regelmässig vorkommt, dass ich ein Buch nach wenigen Seiten weg lege. Das Leben ist zu kurz für schlechte Bücher. Früher dachte ich, bei großen Klassikern, die muss ich zu ende lesen, egal wie schlecht ich sie finde. Ein gutes Beispiel ist „Der Name der Rose.“ Was habe ich mich da durch gequält. Bis zum Schluss. Dabei wusste ich schon auf Seite 20, dass ich die Schreibe des Autors und die Geschichte an sich nicht mag. Aber Klassiker legt man nicht weg, so was muss man gelesen haben. Bla Bla Bla.

Bei „Die Buddenbrooks“ war ich dann schlauer. Nein, muss man nicht gelesen haben.

Neulich begann ich ein Buch mit dem schönen Titel „Der Traum des Leuchtturmwärters“. Ich liebe Leuchttürme. Ich möchte am Liebsten in einem wohnen, oder zumindest, sollte ich je heiraten, jemandem an so einem besonderen Ort ein wichtiges Versprechen geben. Ich seh das Szenario jetzt (noch) nicht, aber man soll ja nie Nie sagen. Jedenfalls. Wenn mir ein Buch mit Leuchttürmen in die Hände kommt, lese ich es. DIESES habe ich nach zwanzig Seiten abgebrochen, weil ich den putzig naiven schulaufsatzmäßigen Stil des Autors nicht ausgehalten habe, dabei führe ich mich beim Thema Leuchttürme sehr fangirlig und irrational auf. Bei aller Liebe, es war mir nicht möglich das zu lesen.

 

Derzeit: 1

  • Draesner – Lichtpause
  • Klassische Geschichten (Diogenes)

 

Wenn du nun deinem eigenen SUB den Fehde-Lese-Handschuh an den Wanst knallst und zum Duell forderst, dann setz einen Link unter diesen Beitrag, ich verfolge das.

cmh 21. November 2016

Die Sache mit den Vorsätzen

2015-01-09 13.48.43
Der junge Pianist

 

Meine Klavier-Anmeldung wurde diese Woche dadurch ausgebremst, dass die Musikschule, die ich mir ausgesucht habe, voll ist und keine neuen Schüler aufnimmt. Es gibt ein „Vielleicht“ ab März. Nun muss ich mir überlegen ob ich so lange warte (kommt´s auf zwei Monate an?) oder ob ich nach einer anderen Musikschule schaue. Wer weiß wo meine Vorsätze im März sind?

Ich habe diese Vorstellung von mir, wie ich den Entertainer spiele, das treibt mich an. Vermutlich, weil ich als Kind einen Onkel das spielen sah & hörte, und dabei fand, dass er glücklich wirkte. (Was für ein großes Wort; Glück. Hat nicht jeder seine ganz eigene Vorstellung davon?) Jedenfalls. Ich kann ja nicht mal Noten lesen. Um die Zeit zu überbrücken, so als erster Schritt und gutem Willen, dabei zu bleiben, habe ich mir jetzt eine App gekauft, die genau das tut (hoffentlich). Noten lesen lernen. (Link: Piano Notes Pro)

Ich habe jedes Jahr den selben Vorsatz: Mehr schreiben. 2014 habe ich das sogar geschafft, eine Novelle, diverse Kurzgeschichten, Blogtexte. Während ich meine Blogtext-Übersicht anschaute, stellte ich fest: Viele meiner neuen Texte haben es gar nicht in das Blog geschafft. Für die get shorties Lesebühne brauche ich dauernd neue, unveröffentichte Texte, ich lese nie einen Text zwei mal am gleichen Ort – davon leben wir, dass wir jedes Mal wenn wir in Stuttgart, Böblingen, Göppingen und wo wir uns eben rum treiben, neue Texte haben. Das heißt, diese Texte schaffen es gar nicht in meinen Sudelblog.

Es hat vermutlich wenig mit Neujahr und meinen Vorsätzen zu tun, aber ich wünsche mir schon lange einen Platz für meine Texte, ohne Gesudel wie hier. (Nichts gegen Gesudel, aber manchmal ist weniger mehr). Aus diesem Wunsch heraus habe ich einen neuen Blog erstellt: Hafenlicht.

Manchmal, da fange ich ein neues Notizbuch an, mit dem Vorsatz: da kommen jetzt nur schöne Sachen rein. Mein Tagebuch ist oft hässlich mit all dem Alltag, den Sorgen, dem Weltekel und der Frage, was das noch alles werden soll. Dem eine komische Seite abzugewinnen ist echte Arbeit. Im Hafenlicht soll es also nur Kurzgeschichten und Erzählungen von mir geben. Mal ernst, mal heiter, was so an Text eben aus mir raus will.

Im Hafenlicht wird es kein Gesudel geben.

Selbstgenähtes T-Shirt
Selbstgenähtes T-Shirt

Ich habe das Nähen im letzten halben Jahr vernachlässigt. Ich war mit Schreiben beschäftigt, das ist ein guter Grund, dennoch wünsche ich mir, wieder mehr Zeit für dieses Hobby zu haben, weil es mir gut tut. Ich mag es, mit meinen Händen zu arbeiten, konzentriert zu arbeiten, ohne das es mich erschöpft (wie zum Beispiel der Brotberuf), etwas in Händen zu haben, am Schluss: Meins. Das habe ich gemacht.

Die Zufriedenheit, die daraus entsteht, war mir vorher völlig unbekannt. Ich bin kein Perfektionist, aber gehe oft mit mir hart ins Gericht in Sachen Ordentlichkeit. Fehler erlaube ich mir selbst nicht. Natürlich mache ich sie, keine Frage, aber wie ich dann mit mir selbst umgehe, steht auf einem anderen Blatt. Beim nähen hole ich, wenn ich was falsch gemacht habe, ruhig und ohne Selbstzerfleischung den Trenner, und fange von vorne an. Ich habe beim Nähen Scheitern gelernt. Von einem Fehler geht die Welt nicht unter.

Selbst die Lesebühne gab mir Raum Fehler zu machen und auch zu scheitern. Ich schrieb einen Text, den ich sehr gut fand. Ingo sagte, der würde auf der Bühne nicht funktionieren. Trotzdem ließ er mich auf die Bühne, trotzdem ließ er mich lesen. Der Gag verreckte, aber ich zog es durch. Das war auch gar nicht schlimm – für mich nicht, und fürs Publikum auch nicht. Im Gegenteil. Manch einem Zuschauer ist aufgefallen, dass ich besser geworden bin, ich habe schöne Gespräche geführt. Besagten Text habe ich überarbeitet – Inzwischen schätze ich das Überarbeiten sehr, und Hemingway hat gesagt, die erste Fassung ist immer scheiße. Ich bin mit meinen Texten zufrieden, – nach dem zweiten oder dritten Überarbeiten. Dann sind es meine Texte, mein Ton, mein Witz. Jetzt bin ich angekommen. Aufgenommen und angenommen in der Gruppe, und bin dankbar: Nirgends sonst hatte ich diese Möglichkeiten, so zu lernen und zu wachsen.

Großartig. Wenn man die Sache mit dem Scheitern mal gelernt hat, schätzt man auch seine Erfolge ganz anders, weil sie erarbeitet sind, und kein Zufall.

Überhaupt.

2015-01-09 13.50.02
SUB

Das Prinzip finde ich faszinierend; Menschen, die ihr gemütliches Sofa verlassen um zu uns zu kommen und sich Kurzgeschichten und Musik anzuhören. Mal ehrlich, zuhause haben sie eine Stereoanlage, einen Fernseher, Hörbücher, was zu Essen, ihre Ruhe. Menschen, die vor die Tür gehen, ganz allgemein, beeindrucken mich. Ich, als freundlicher Misanthrop würde mir – wenn man mich ließe –  Essen liefern lassen, das Telefon ausstecken und nie, nie mehr vor die Tür gehen. Dieses Draussen – mit frischer Luft (!) wird völlig überbewertet. Vielleicht lerne ich von diesen Leuten auch noch etwas. Offener sein, ganz grundsätzlich.

Schreiben ist eine Berg- und Talfahrt. Euphorie und der Wunsch sich umzubringen liegen sehr nah beieinander. Weil man als Schreibender immer meint, die Qualität der eigenen Texte sei mit dem eigenen Wert als Person verknüpft. Die Erkenntnis, das dem nicht so ist, jedenfalls nicht immer 🙂 – buche ich auch noch auf dem 2014er-Konto.

Vorsätze sind ne feine Sache. Letztes Jahr, zum Beispiel, habe ich mir vorgenommen fünf Kilo abzunehmen. Das habe ich im Juli auch erreicht gehabt. Damit ich mich nun wieder um gute Vorsätze bemühen kann, habe ich mir vorsorglich im November besagte fünf Kilo wieder angefressen. Es soll keiner sagen, ich sei nicht konsequent; Jedes Jahr das selbe.  Daher steht dieser Punkt auf der alten Liste wie auf der neuen.

Nun sind es nur noch zwei Dinge die fehlen: Mein SUB ist weiter angewachsen, denn geschrumpft. Es gibt viel zu lesen. Und ich will wieder mehr fotografieren.

Willkommen 2015