(W)Ortreich-Lesung

Wortreich-Lesung in Tübingen

Das war also unsere kleine Wortreich-Lesung im Tübinger Vorstadttheater. Wir vom Autorenstammtisch haben unsere Anthologie vorgestellt und das Publikum hat fleißig gespendet. Der Erlös der Veranstaltung geht an die Stuttgarter Tafeln. Unser Herausgeber Joachim Speidel hat den Abend toll moderiert und kriminell mitgelesen, vielen Dank dafür! Der Abend war echte Teamarbeit, dank Eleonore Wittke, Rudolf Georg, Elke Reinauer und Birgit Juresa. Ja, und meinereiner natürlich. Schee wars.

Gut vorbereitet

Nächsten Freitag findet unsere Wortreich-Lesung im Vorstadttheater in Tübingen statt. Mit 2G! 

Meine Stammtisch-KollegInnen meinten, es wäre eine gute Idee, wenn wir Namensschildchen hätten, damit das Publikum gleich weiß, wer wer ist. Ich hab mir also die Tage ein Schildchen gebastelt und dazu noch einige Autogrammkarten gedoodelt. Bei solchen Gelegenheiten gebe ich beim Kauf eines Buches gern so eine selbst gestaltete Karte mit. Die lässt sich vor Ort noch ganz g´schwind personalisieren. 

  • Für Wolfgang. 
  • Für Jamin. 
  • Für Ich-will-meinen-Namen-nicht-nennen. 🙂 

Alles klein Problem. Jetzt muss ich nur noch eine Stelle aus meiner Geschichte auswählen, die ich lesen will. Weil die ganze Kurzgeschichte ist für den Abend zu lang. Ich werde also an einem fiesen Cliffhänger aufhören. 😉

Wortreich-Anthologie

Termine im November

Lesung aus „Wortreich“

Freitag, 12. November, im Vorstadttheater Tübingen

Katharinenstraße 28, 
19:30 Uhr

Das Eintrittsgeld wird der Stuttgarter Tafel gespendet.

get shorties Lesebühne

BÖBLINGEN – SAMSTAG, 6. NOVEMBER 2021

20 Uhr
Blaues Haus, Böblingen

EPPINGEN – FREITAG, 19. NOVEMBER 2021

20 Uhr
Im Rahmen des Literatur & Theater Festival Eppingen 

MARBACH – SAMSTAG, 20. NOVEMBER 2021

20 Uhr
Café Provinz

Mehr Infos unter: www.getshorties.de

Lesung: Wortreich

Über Schlangen im Kopf, Zufallsbekanntschaften in der Notaufnahme, bewegliche Güter im Haus der Großmutter, die ungewisse Sicherheit in Behausungen und die Frau, die nun endlich alles über die Liebe weiß lesen die Tübinger und Stuttgarter Autor/innen Elke Reinauer, Birgit Juresa, Eleonore Wittke, Carolin Hafen, Rudolf Georg und Wolfgang Haenle.

Vorlage ist ihre Anthologie „Wortreich“, die im vergangenen Jahr erschienen ist. Markenzeichen der hiesigen Gruppe des Bundesverbandes junger Autoren: regelmäßige Treffen mit Tiefgang und regelmäßige Herausgabe einer Textsammlung.

Das Eintrittsgeld (fakultativ) wird der Stuttgarter Tafel gespendet.

Der Abend findet am Freitag, 12. November, im Vorstadttheater Tübingen, Katharinenstraße 28, 19:30 Uhr statt.

Essay

Der bzw. das Essay, auch Essai genannt, ist eine geistreiche Abhandlung, in der wissenschaftliche, kulturelle oder gesellschaftliche Phänomene betrachtet werden. Im Mittelpunkt steht die persönliche Auseinandersetzung des Autors mit seinem jeweiligen Thema. Wikipedia

RANDNOTIZEN

Gestern Abend war ich beim BvjA-Stammtisch in Tübingen und davon will ich dir erzählen. Wir haben uns dieses Mal in kleiner Runde getroffen, aus Gründen. Das Thema lautete ganz grundsätzlich „Essays“, im besonderen lasen wir gemeinsam einen Text von Susan Sontag, in der Diskussion landetet wir aber schnell bei anderen Essayisten, unter anderem bei Michel De Montainge. Letzteren kenne ich nicht, ich habe noch nie was von ihm gelesen. L. meinte, das müsse ich nachholen. Diese beiden Bücher sind nun auf meine Want-to-Read-Liste gehüpft.

Inhaltlich fingen wir bei dem Thema „Fotografieren“ an, das wurde aber bald allgemeiner. L. las uns noch aus einem Buch vor (ich habe den Autor nicht aufgeschrieben, ich muss sie nochmals danach fragen), der mehrere Familienfotografien miteinander verglich und nach Ähnlichkeiten suchte. Das sich Familienmitglieder ähnlich sehen, ist ja jetzt keine bahnbrechende neue Erkenntnis. Allerdings, wenn man Fotografien von mehreren Generationen besitzt und dann ganz genau nachvollziehen kann, wessen Nase im Stammbaum (Tante Irmis Kartoffel-Zinken!) immer wieder zu finden ist, oder ein Zug um die Lippen, schräg liegende Augen, oder der Umstand, dass alle Männer der Familie bleistiftdünn sind… dann wird die Sache plötzlich sehr interessant. Wir sprachen also über den Wahrheitsgehalt von Bildern (vor Photoshop, Instagram und Co.), über den Informationsgehalt, und über den materiellen Reichtum, den es bedeutet hat, überhaupt Fotos anfertigen zu können. Also damals anno irgendwas. L. erzählte von einer Schreibwerkstatt, alle Beteiligten sollten zur ersten Stunde ein Kinderfoto mitbringen um damit theamtisch in die eigene Autobiografie einzusteigen. Diese Vorgabe führte bei einer Teilnehmerin zu bitteren Tränen. Sie besaß keine Kinderfotos von sich. Es lässt sich nun spekulieren, ob sie bzw. ihre Eltern Flüchtlinge waren und keine Fotos retten konnten. Oder ob die Eltern einfach keinen Wert auf Fotos legten bzw. es sich nicht leisten konnten. Heute besitzen sehr viele Leute ein Handy oder eine kleine Knippsi, es wird wild alles dokumentiert. Seit man nicht mehr auf 36 Bilder pro Film begrenzt ist, gibt es keine Unterschiede mehr – alles ist wertvoll, alles ist interessant, ein Daumenkino. Hundert Bilder Wegesrand.

Jedenfalls. Bald entstand die Idee, wir könnten ja auch einen Essay schreiben. Wir sind zwar keine Schreibgruppe, mit Textarbeit und co. Allerdings war die Idee eine von den Guten, die Lust dazu groß, einzig die Entscheidung zu welchem Thema wir einen Versuch starten könnten, machte uns ratlos. Ich habe vor einigen Jahren mal ein Reclam-Heftchen aus der blauen Reihe zum Thema „Essays schreiben“ gekauft. Damit bin ich aber grandios gescheitert. Nur weil mir ein Beispieltext gelungen erscheint, bin ich noch nicht in der Lage, selbst einen Essay zu schreiben.

Hast du dich schon mal an der Form ausprobiert?

Grundsätzlich gilt (für mich), wenn mich etwas interessiert, dann muss ich viel dazu lesen. Lesen, ausprobieren, try and error. Ich nehme also herzlich gerne Empfehlungen guter Essayisten an. 🙂

Das nächste Treffen ist Ende September. J. und E. fehlten gestern Abend, also werden wir wohl auch beim nächsten Stammtisch noch mal über Essays sprechen. Ich bin sehr gespannt, ob mir was dazu einfällt, und was die anderen machen. B. entschied sich einen Essay über das Thema/Wort „anwanzen“ zu schreiben. Das fiel gestern, L. und ich hatten das noch nie gehört. Eine kurze Recherche ergab: umgangssprachlich. Meine Lektorin würde mir das, in einem Manuskript nicht durchgehen lassen. Schade eigentlich, es hat Sound.

Wir sprachen auch noch über den Duden, über die 300 Wörter, die raus gefallen sind. Meine Frage lautet: Gibt es eine Liste im Netz oder in Buchform mit veraltetetn Wörtern, die keiner mehr verwendet? Hm?

~ Caro

Die Woche in Worten (KW3)

Es ist Montag. Montage sind super. Ich weiß, alle Welt schimpft über den Wochenbeginn. Ich nicht. Manchmal habe ich den Eindruck, ich bekomme Montags mein Energie-Kontingent für die ganze Woche, was dazu führt, dass ich am Auszahltag die Weltherrschaft an mich reißen will. Meine Pläne und Vorhaben sind sehr umfangreich, aber jeden Tag nimmt die Lust, die Motivation und die Kraft ein bisschen ab. Und am Sonntag liege ich wie ein altersschwacher Köter auf dem Boden vor dem Kamin und bin froh, wenn keiner was von mir will. Ich schnaube mich halbwach durch den Tag, unfähig auch nur einen Fuß vor die Tür zu setzen. Netflix betäubt den Kopf, weil alles weh tut – die bloße Existenz ist mühselig. Und am Montag dann wieder: Hallo Welt. Dann entstehen sogar Blogtexte. Hui. Ich will ja eigentlich immer bloggen. Nein, eigentlich will ich immer schreiben. „A page a day“ lautet der Vorsatz. Das schaffe ich, vielleicht bis Mittwoch. Und dann sind schon wieder so viele Dinge los, dass die guten Vorsätze der Müdigkeit weichen. Will ich zu viel? Vermutlich. Mach ich genug? Nein. Definitiv nicht. Was ist genug, wann ist Viel viel und wann nicht? Keine Ahnung. Was ich weiß: Heute ist Engergie-Auszahltag und ich will dir von meiner letzten Woche erzählen. Ich war beim Mal-Workshop.

Balsam für die Seele

Ich habe mir ein Acryl-Motiv bei Pinterest ausgesucht und zu dem Workshop mitgenommen. Eigentlich würde ich gerne intuitiv malen, einfach drauf los. Aber das funktioniert aus zwei Gründen nicht. Erstens, ich will mich nicht dreckig machen. Das ist so tief verwurzelt und diesem Umstand komme ich auch nicht wirklich bei. Keine Ahnung, ob ich als Kind mal einen Anschiss bekommen habe, weil ich es gewagt habe, als Dreckspatz nach Hause zu kommen… ich erinnere mich nicht an eine solche Begebenheit. Es ist mir zutiefst zuwider mich schmutzig zu machen. Meine Workshop-Leiterin hat mir, aus purer Lust (nein, nicht Verzweiflung, es war Spaß und so habe ich es auch verstanden!) ein Schwämmchen mit Farbe auf meine Schürze gedrückt und wie der Zufall es wollte, habe ich nun ein kleines, buntes Acryl-Herzle auf meiner Malerschürze, genau auf dem Bauch, wie ein Glücksbärchi. 

Und zweitens, wenn ich planlos irgendwas zusammen pansche, kommt am Schluß Dreck heraus. Also die gemischte Farbe sieht dann nach Kotz-Durchfall-Braun aus und das finde ich nicht schön. Ich brauche eine Vorlage, ein bisschen Anleitung, eine Ahnung wohin die Reise gehen soll. Beim Schreiben, zum Beispiel, muss man auch erst das Alphabet lernen, bevor man sich an Wörtern und Sätzen versuchen kann. Ich mag das Spiel mit Farbe. Klare Linien, ein bisschen Struktur muss schon mit rein, Farbverläufe sind toll und wenn ich noch ein paar Wörter im Bild unterbringen kann, macht mich das sehr glücklich. Das Ding soll ja Balsam für die Seele sein. Andere können das: Farbe hin klecksen und dann ein Bild kreieren. Ich schaue mir das unheimlich gerne an. Aber selber machen? Nope. Nun habe ich mein Werk nach Vorlage gestaltet und bin fast zufrieden. Irgendwas fehlt noch, aber mein Bauch weigert sich, mit der Sprache raus zu rücken, was genau. Aber es ist interessant: Da passiert was auf einer Ebene, die ich nicht mit Worten fassen kann. Ich spüre, wenn es passt oder eben nicht. Und das ist ja dann auch intuitives Malen. Ich würde gern mehr auf diese Stimme hören, sie wahrnehmen, verstehen. Wörter, das ist so verkopft. Farben; diese Sprache würde ich gerne beherrschen. Ich bleibe dran. 

BvjA Stammtisch in Tübingen

Dann war ich wieder einmal bei BvjA Stammtisch. Wir treffen uns ein Mal im Monat, das ist sehr lose und doch wieder fix. Ich mag unsere kleine Runde. Wir machen jedes Mal ein Thema aus, alle sind irrsinnig engagiert die Themen vorzubereiten und den anderen etwas zu bieten. Fast wie ein Skript in einer Vorlesung. Wir sprechen über Bücher, was uns begeistert und warum. Und wir sprechen über Schreibthemen. Ich finde das ganz erstaunlich und enorm, wie viel es ausmacht, mit Gleichgesinnten zusammen zu sein, hitzig und leidenschaftlich seine Meinung zu vertreten ohne dass es in Streit ausartet. Wir sind uns in vielen Dingen einig, aber manchmal auch ganz gegensätzlich. Aber jede*r bekommt die Zeit und den Raum seine Gedanken zu formulieren, darzulegen und zu begründen. Und dann: Selbst wenn wir uns nicht einig werden, in der Sache sind wir alle Autor*Innen mit dem Wunsch gute Texte zu schreiben. Das wie und was kann da völlig auseinander gehen, das macht überhaupt nichts. Ich finde es großartig, wenn wir, jeder mit einem Stapel Bücher vor sich, Beispiele finden, Für und Wider, und uns am Schluß aufs nächste Treffen freuen, weil der Abend wieder zu kurz war. Ich gehe da unheimlich gerne hin. E. meint manchmal zu mir „Du bist zu laut, mit deiner Bühnenstimme“ und es stimmt. Sie lacht dann. Die anderen Gäste im Lokal müssen das dann halt aushalten. 

Pouring

Ich war letztes Jahr mal bei einer ArtNight. Allerdings ist mir die Fahrerei nach Stuttgart lästig. Nun habe ich ein Angebot in Tuttlingen gefunden, mit einem ganz ähnlichen Konzept. Ob es jetzt ArtNight oder KunstNacht heißt, ist mir persönlich egal. Es ist schön, wenn ich mal nicht eine Stunde Auto fahren muss, um was mit Farbe zu machen. Und da das gerade mein Thema ist, experimentiere ich mit der Pouring-Technik herum. Es stimmt eigentlich nicht, aber ich denke von mir selbst, dass ich nicht gut zeichnen kann. Wenn ich ehrlich zu mir selbst bin und genau auf das Thema drauf schaue, dann finde ich ein Zeitproblem und eine große Faulheit dazu. Ich nenne das liebevoll „Faulzeit“.

Ich will viele Dinge machen, aber manche sind wichtiger als andere und am Ende muss man sich entscheiden, was man mit den 24 Stunden, die einem pro Tag zur Verfügung stehen, anstellt. Schlafen muss ich ja auch noch. Das tue ich gern, aber es ist mir oft lästig. Vermutlich hängt das mit dem Energie-Kontingent zusammen. Ich baue mir die ganze Woche ein ordentliches Schlafdefizit auf, wie ein kleines Kind, das Bauklötze aufeinander stapelt. Irgendwann fällt der Turm halt um. Jedenfalls. Ich war mit zwei Freundinnen beim Pouring. 

Ich schaue mir gern Videos auf YouTube an und sehe Leuten dabei zu, wie sie sehr viel Farbe verschwenderisch auf eine Leinwand kippen. Ich bin Schwabe und ganz das Klischee: geizig. Daher sehe ich es mir gern an, bin aber zurückhaltend, wenn es darum geht, das selber zu machen. Auch hier kann ich nicht genau benennen, warum ich gern der Farbe beim fließen zusehe, oder warum ich die dabei entstehenden Zellen schön finde. Kunst ist das ja nicht; Farben zusammen schütten. Ja, die Muster, die Struktur und die Zellen sprechen mich an. Vielleicht ist das schon wieder dieses Mach-dich-nicht-dreckig-Thema. Die Farben fließen ineinander und ergeben etwas, dass ich gern ansehe. Da es anderen Leuten wohl auch so geht, schließlich ist das Internet voll von diesem Trend, muss es tiefenpsychologisch einen Grund dafür geben, er ist mir aber im Moment herzlich egal. 

Hier im Rahmen der KunstNacht, mit der richtigen Anleitung und netter Gesellschaft hat es endlich geklappt. Jetzt muss mein Werk nur noch trocknen. Ich hoffe, es sieht dann immer noch so glänzend aus, wie frisch gegossen. Ich habe überlegt, ob ich meine Farbklecksereien ins Büro hänge. In irgendeinem Buch habe ich gelesen, dass man sich seinen Arbeitsplatz so einrichten soll: Mit Blick auf etwas, dass einen froh macht. Ich teste das. 

Lesung in Marbach

Wir Shorties waren erst in Böblingen, dann eine Woche später in Marbach. Beide Male hatten wir „Volles Haus“ und Leute, die in guter Stimmung bei der Sache waren. Ich weiß gar nicht, ob sich jemand, der im Publikum sitzt, darüber Gedanken macht, wie das auf die Akteure auf der Bühne wirkt. Ich für meinen Teil, denke da kaum darüber nach… aber Anfang Januar besuchte ich ein Programm das sich „Moving Shaddows“ nannte. Also ein Schattentheater. Ich saß da, wie alle anderen auch und freute mich, dass ich alle Gebäude und Wahrzeichen die dargestellt wurden, erkannte. Es gab auch eine kleine Geschichte dazu, ganz ohne Worte – das Erzählen funktioniert ja prima in Bildern. Aber darum geht es mir gar nicht. Da fand eine Steigerung statt, der ganze Saal vibrierte und als die Schauspieler in Afrika ankamen und einen Elefanten darstellten, entlud sich diese Anspannung in einem spontanen Applaus. Ich glaube, das ist das schönste Geschenk, das jemand auf der Bühne bekommen kann. Applaus, der nicht warten kann bis die Szene zu Ende ist, oder bis zur Pause. Diese Begeisterung ist das tollste überhaupt. Und das hatten wir, in Böblingen und auch in Marbach. Musik und neue Texte und ein Publikum, das nicht warten konnte. Großartig. 

Und weil ich wieder so viel mit dem Auto unterwegs war, hatte ich mir zwei Hörbücher von Stephen King ausgeliehen. 

Doctor Sleep / Mr. Mercedes

Er hat mich wieder gekriegt, der gute Mr. King. Das klingt, als wäre das schwer gewesen. Es klingt, als wäre ich davon gerannt und er mir hinterher. Keuchend, mit brennender Lunge. Knapp – und dann: gefasst. Erwischt. Hab ich dich. 

Aber so war das nicht. Vor ein paar Jahren lernte ich Roland, den Revolvermann kennen. (Wer ihn nicht kennt, ach, dem ist nur durch einen Buchgutschein zu helfen.) Jedenfalls. Sieben Bände umfasst die „Der dunkle Turm-Reihe“. Stephen King hat mich damals schon gekriegt und ich musste über 20 Bücher von ihm, hintereinander weg lesen. Dann hörte die Phase einfach auf. Ich wollte noch andere Autoren, andere Autorinnen kennen lernen. Es kann sich ja nicht alles um Roland drehen. Wobei er oft irgendwo im meinem Hinterkopf herum stapft. Ohne es zu merken, hat er mich als Leserin und auch als Schriftstellerin geprägt, damals in meiner Anfangszeit. Nun sind schon ein paar Jahre eins Land gezogen. Neulich war ich in der Bücherei. Dort lachte mich das Hörbuch „Doctor Sleep“ an. Kurz zuvor habe ich den Trailer für den Film gesehen. Zufall? Ich glaube nicht an Zufall. Ich bin mit „Doctor Sleep“ und mit „Mr. Mercedes“ nach Hause gegangen. Beide Hörbücher werden von David Nathan gelesen. Vermutlich ist auch das jetzt eine prägende Zeit, denn David Nathans Stimme hat sich tief in mein Gehör eingebrannt. Ein paar Meiner Gedanken klingen inzwischen wie er. Ich lerne gerade so viel. 

Kennst du das? Wenn etwas passiert, etwas, dass dich verändern wird, aber in dem Moment ist dir noch nicht klar, wie sehr es dich verändern wird. Nur das es so ist, das weißt du sicher. Ich höre also Stephen King zu, wie er ausschweifend seine Geschichte erzählt. Mit Details, die alles so real werden lassen. „The Shining“ kenne ich natürlich. Als Buch und als Film. Doch es ist in meinem Bewusstsein weit nach Hinten gerückt. Nun traf ich Danny Torrence wieder und … meine Güte. Er hat mich wieder gekriegt. Vermutlich muss ich jetzt wieder 20 Bücher hintereinander weg lesen. Oder anhören. Auf meiner Wunschliste ist nun „Der dunkle Turm“ als Hörbuch, diese Reise muss ich auf jeden Fall noch einmal antreten. Aber zurück zur Gegenwart. Wenn man als angehender Schriftsteller etwas über das Schreiben lernen will, dann ist es nicht verkehrt, sich Stephen King als Lehrer auszusuchen. Ich mag wie er seine Details entfaltet. Da ist nichts zu viel oder verschwendet. Alles gehört und passt zusammen. Er ist, meiner Meinung nach, ein Menschenversteher. Die Fehler und Schwächen einer Figur machen den Charakter authentisch, aber auch liebenswert. Nach all den Büchern, die ich von ihm gelesen habe (und es sind laaange noch nicht alle), hatte ich bisher nie den Eindruck, er würde sich wiederholen.   

Ich lerne von David Nathan wie man einen Text spricht. Ich lerne von Stephen King wir man eine Geschichte erzählt. Und bin bestens unterhalten dabei. 

~Caro

PS: Ich kann jetzt nicht versprechen, dass es hier einen wöchentlichen Rückblick gibt. Aber der Wunsch ist da. Mal sehen, wie mein Energie-Kontingent und ich miteinander auskommen. 😉

Sudelbucheintrag 24/06/19

Über UFOs, Baby-Enten und neue Projekte

Mein Kalender ist voll. Die To-Do-Liste auch. Das Problem, dass sich durch diese Umstände ergibt, muss ich nicht extra erklären, oder? Nun ist es so, dass ich es so haben will und auch genieße, mich aber dennoch gestresst fühle und nach Ruhe sehne. Und wenn ich mich für eine Sache entscheide, dann sage ich auch gleichzeitig eine andere ab, weil ein Tag einfach nicht genug Stunden hat. Ich bringe es also fertig, vorfreudig durch die Weltgeschichte zu fahren und meinen schlechten Gewissen im Seelenhaus viel Platz zu machen, während ich über eine neue Geschichte nachdenke, und mich frage ob ich ohne Schlaf auskomme, weil: Verdammt noch mal, wann soll ich denn das noch machen?

Menno.

Aber der Reihe nach. Am Mittwoch war ich bei meinem Autoren-Stammtisch in Tübingen. Wir wachsen und gedeihen, führen tolle Gespräche und empfehlen uns gegenseitig Bücher. Leonore, zum Beispiel, hat mir ein kleines Büchlein geliehen, das „Kurzgeschichten schreiben“ heißt [Jürgen vom Scheidt] und wahnsinnig Lust macht, sofort los zu legen. Ich lese immer mal wieder einen Schreibratgeber, man lernt ja nie aus. Und Kurzgeschichten, das ist ja genau mein Thema. In diesem Büchlein waren tatsächlich noch ein paar Anregungen, die ich noch nicht kannte, und die ich gern umsetzen möchte.

Kurzgeschichten schreiben / Jürgen vom Scheidt


Jedenfalls. Dieses Mal haben wir über Lieblingsbücher gesprochen. Die Abmachung war, jede*r bringt zwei Bücher mit und stellt sie den anderen vor. Es gab Überschneidungen, aber auch ganz neue Schätze und ich finde es ganz wunderbar so angeregt und leidenschaftlich mit Gleichgesinnten zu diskutieren. Mit tut diese Runde wahnsinnig gut. Das Schreiben ist ein einsames Geschäft. Da muss nicht alles drum herum auch so fad sein. Hier fühle ich mich verstanden, das ist toll.

Nächsten Monat wollen wir über unsere eigenen Projekte sprechen. Das bedeutet, ich muss das Thema vorbereiten [und den Arsch hoch kriegen, und zwei wichtige Punkte, die seit Wochen anstehen, abarbeiten, damit ich etwas zu erzählen habe.]

Und dann war ich am Bodensee, genauer gesagt in Kressbronn. Die bucklige Verwandtschaft hat eingeladen. Meine Wetter-App hat behauptet, es würde den ganzen Tag regnen. Als ich ankam, als hätte der Wettergott es geahnt, klarte der Himmel auf; „Willkommen!“

Am Wasser sitzen, einen Hugo trinken und entspannt Leute gucken hat etwas Meditatives. Im Hafen von Kressbronn gibt es mehrere Nester. Also Enten. Bitte frag mich jetzt nicht, weiche Art das ist. Ich kann drei voneinander unterscheiden, aber nicht mit Name und Gattung und überhaupt. Ein kleines Mädchen, 9 Jahre alt, schaute zu mir auf mit diesem Blick: „Du hast keine Ahnung wie toll ich dich finde.“

Und ich schaute auf sie hinunter und dachte: „Du hast keine Ahnung wie toll ich dich finde.“ Wir sind zusammen los gezogen, Enten angucken. Wir waren nicht die einzigen. In einem Nest gab es schon Nachwuchs, an anderer Stelle wurde noch fleißig gebrütet. Menschen pilgerten zu der Stelle zwischen den Booten um „Oh süß!“ zu sagen und Fotos zu machen. Ich finde es ja erstaunlich, welche Verzückung Enten-Kinder auslösen. Man könnte ja meinen, den Menschen würde was an der Natur und ihren Lebewesen liegen… aber das halbe Nest bestand aus Müll und Plastik. Wir, und ich schließe mich da ein, sind so strunzdämlich.

Das ist gar nicht süß. Und wenn der Müll auf den Fotos zu sehen ist, verschwindet er in seiner Wichtigkeit hinter den Baby-Enten. Ich führte dann ein ernsthaftes Gespräch mit dem Mädel über unsere Welt. Das war gut.

Jedenfalls. Der Abend war schön, das essen fabelhaft, die Stimmung ausgelassen. Später fuhren noch etwa 500 Segelboote an uns vorüber. Irgendeine Regatta. Die Details interessieren mich nicht. Es war nett am Ufer zu sitzen und dieser Geschäftigkeit zuzusehen. Da waren Menschen mit Picknick-Korb und Fernglas, die sich fachkundig unterhielten, da war eine Ernsthaftigkeit in der Luft, ich konnte sie fast greifen, also wenn’s mich interessiert hätte. Ich war mit den Kindern unterwegs. Da war nämlich ein wilder Hase. Und wilde Hasen sind mindestens so interessant wie Baby-Enten. Ob der wohl wirklich wild ist? Oder ausgebüchst? Vielleicht sitzt nun irgendwo ein Kind, ein Felix oder eine Leonie in dem kleinen Zimmer unter dem Dach, weint und hat Bauchweh vor Kummer, weil Floppy weg ist. Wer weiß das schon.

Schlimm. Wir hofften, da waren wir uns einig, dass Floppy ein Wilder ist. In Gedanken haben ich ihn mit heim genommen.

Am Samstag habe ich mich mit meinen Verlegern getroffen. Das Ehepaar O’Connell sorgt nun schon seit über vier Jahren dafür, dass aus meinen geistigen Ergüssen schöne Bücher werden. Wir haben uns schon mal getroffen, vor acht Jahren in Dortmund. Lange her. Meine Güte. Da wurde es Zeit endlich mal wieder die Online-Welt auszuschalten und die Bühne des Real Life zu betreten. Wir wollten ja eigentlich einen Ausflug machen. Doch wir hatten uns dann so viel zur erzählen, dass es nur für einen Spaziergang reichte. Die Gespräche waren, wie kann es anders sein, sehr Schreib- und Buchlastig.

Schloss Sigmaringen

Es ging um Ufos und Bücher, um neue Projekte. Und vieles mehr. Ich arbeite an einem neuen Roman, großartige Dinge werden passieren. Den ganzen Tag über habe ich Notizen in mein Handy gehackt, es ist ja eigentlich unhöflich so oft auf die Funkpeitsche zu gucken. Aber all die Anregungen, Lese-Empfehlungen und Pläne für die Zukunft hätte ich mir unmöglich merken können. 😉

Die O’Connells und ich!

Zur Erholung habe ich mir, nach all dem die zweite Staffel von #Dark angesehen. In einem Rutsch. Jetzt habe ich zwar einen Knoten im Kopf von all den Zeitebenen, aber ich habe mich noch selten so gut unterhalten gefühlt. Ich würde gern über die Handlung sprechen… kann aber nicht. Die ist, glaube ich, gar nicht so wichtig. Ich war jedenfalls sehr damit beschäftigt, die einzelnen Personen in den verschiedenen Jahrzehnten zuzuordnen – und wenn ich es kapiert hatte, freute ich mich wie bescheuert. Fühlt es sich so an, ein SUDOKU zu lösen? Hm?

Heute habe ich Karten für „Hannes und der Bürgermeister“. Es wird also nie langweilig.

ChocolArt 2018

Tübingen, das hat Tradition. Da fahre ich mit der besten Freundin (kurz BF) jedes Jahr hin um gemeinsame Freunde zu besuchen. Wir mögen alle keine Menschenmassen, daher ist es eigentlich unsinnig sich immer dann zu treffen, wenn Fachwerk-City aus allen Nähten platzt. Wir tun´s trotzdem und stromern durch die Seitengassen und kleinen Geschäfte (mein Haul folgt noch), wir essen gut, freuen uns gemeinsam an der Schönheit Tübingens und reden viel. Wir sehen uns nicht oft, daher gibt es einiges zu erzählen. 

Ich fotografiere mein Essen nicht, aber du kannst mir glauben, es war sehr, sehr lecker. 

Termine im Dezember

Diesen Monat stehen nur zwei Termine an, der eine ist lecker, der andere lustig. 

Ich gehe jedes Jahr, das hat schon Tradition, nach Tübingen zum Schokoladenmarkt. Das ChocolArt findet vom 04. bis zum 09. Dezember statt. Ich weiß nicht, wie du das machst, aber ich stöbere, Tübinger Kirschle futternd, durch die Buchhandlungen, drücke mich in Seitengassen herum, esse gut, fotografiere viel, und kaufe Geschenke ein. Es gibt sicher noch andere Methoden durch Fachwerk-City zu stromern, die kenne ich aber nicht. 🙂

Und dann steht noch unsere letzte Shorties Lesung im Jahr 2018 an. Ich finde das Café Provinz ist ein würdiger Abschluss für ein ereignisreiches Jahr. Ich schreibe an anderer Stelle noch einen Jahresrückblick, hier und jetzt ist es noch zu früh. 

Jedenfalls. Unser blaues Hörbuch „warum, wenn nicht uns“ ist ausverkauft. Das bedeutet, wir machen nächstes Jahr ein neues Hörbuch, wir dokumentieren auch schon fleißig unsere aktuellen Lesungen. Wenn du also johlend und klatschend auf der nächsten CD zu hören sein willst, komm vorbei. Das wird super. 

Die get shorties Lesebühne im Café Provinz, in Marbach a. N. 

An diesem Tag

Facebook erinnert mich heute an dieses Foto. FB weiß nicht alles, jedenfalls nicht ganz genau. Ich hab in meinem Notizbuch nachgeschaut. Das hier war meine zweite get shorties Lesung, jemals.
9. April 2010 im Sudhaus in Tübingen. Da habe ich #Reiskeksmütter zum ersten Mal gelesen und jetzt kann ich es nicht fassen wie lange das schon her ist. Ich würde jetzt ja sagen, „War ein wilder Ritt bis hier her“, aber das könnte man ja total falsch verstehen. Das will ja keiner. Also sage ich, mal zwischenrein, weil hier ist ja noch lange nicht Schluss:
„Danke, Jungs.“

 

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