Wichser. Drecksau. Arschloch.

Caro und wie sie die Welt sieht

„Tourette?“, möchte man da fragen.

Nein, keine Zwangsstörung. Nur Alltag. Im WeltWeitWald und auch auf dem alten Weib Erde ohne WLAN. Neulich habe ich mit einem guten Freund hitzig diskutiert. Es ging um Flüchtlinge und Smartphones. Er fragte, wozu ein Flüchtling ein Smartphone braucht. Das Thema ist emotional beladen und alles andere als einfach. Ich fuhr ihn an, im besten Recht:

„Um die Familie anzurufen, sofern sie noch lebt, du blödes Arschloch.“

Wumps, da hab ich es gesagt. Und stutzte. Ich hatte es nicht so gemeint. Und auch nicht sagen wollen. Zu ihm nicht, als gutem Freund. Zu niemandem, ganz allgemein.

Mein Vater würde auf meine übliche Aussage „War nicht so gemeint“ antworten: „Aber so gesagt.“ Und da hat er Recht. Als ich noch klein war, fügte er dann noch an: „Pass ein bisschen besser auf deine Worte auf“, als wären sie wie ich ein ungezogenes Kind. Seit ein paar Jahren sagt er das nicht mehr. Aber ich habe seine Stimme immer noch im Ohr. Das ist wohl Erziehung, wenn das Gewissen wie der Vater klingt.

Dem Freund schrieb ich am Abend noch eine SMS: „Tut mir leid, dass ich dich beschimpft habe. Das wollte ich nicht, das ploppte unerlaubt aus mir raus.“

Die Antwort war schlimm, wirklich schlimm. Schlimmer, als ein Tut mir leid nach einem Streit je sein kann.

„Wann hast du mich beschimpft? Was hast du gesagt?“

Soweit sind wir, dachte ich traurig. Ich sage ihm „Arschloch“ und er bemerkt es kaum.

Link: Tourette-Syndrom / Wikipedia