Gegen den Hass

(Da ich diese Meinung im Juli 2020 geschrieben und im Entwürfe-Ordner vergessen habe, liefere ich diese Buchbesprechung jetzt als #ThrowbackThursday ab. I hope you don´t mind.)

Um mich herum passieren Dinge. Mir gefällt nicht, was ich sehe. Die meiste Zeit verstehe ich auch nicht warum das passiert, was eben geschieht. Nun habe ich diverse Texte gelesen um mich dem anzunähern. „Gegen den Hass“ beschreibt das Problem. Soweit war ich schon. Meiner Meinung nach müsste das Buch „Über den Hass“ heißen und dann hätte ich wohl nicht viel zu maulen.

Carolin Emcke beschreibt den Ist-Zustand. Als Beispiel führt sie einen Fall von 2014 auf. Ein Polizist verhaftet einen Mann, drückt ihn zu Boden. Der eine ist weiß, der andere nicht. Der am Boden liegende sagt elf Mal, dass er nicht atmen könne. Am Schluß ist Eric Garner tot und der Polizist geht straffrei aus. Offensichtlich hat der Typ, der die schreckliche Szene gefilmt hat, es nicht für nötig gehalten, sein Handy für etwas offensichtliches zu benutzen: Hilfe rufen. Auch die umstehenden Passanten taten nichts. Der Polizist leitete keine Wiederbelebungsmaßnahmen ein, keiner half.

Das ganze Buch ist intellektuelles Geschwurbel – tut mir leid, aber ich empfinde es so. Das ist nicht mein Vokabular. Offensichtlich bin ich nicht in der Zielgruppe, das ist mein Problem, nicht Frau Emckes.

Jedenfalls. Meine persönliche Überzeugung lautet: Handeln besiegt die Angst. Allerdings will ich das nicht kopflos tun, und auch nicht in gewalttätiger Weise. Meine Waffen sind und waren immer Wörter. Da wo ich eine Erklärung suche in einfachen Worten (nein, nicht einfache Lösungen!), da finde ich nur noch mehr Verwirrungen. Die ganze Szene hatte Publikum. Menschen sahen zu, einer hat es gefilmt. Was genau soll ich nun machen, wenn ich Unrecht sehe? Mit der Kamera drauf halten und bekunden: „Das hier ist falsch!“? Oder soll ich den Polizisten von seinem Opfer herunter schubsen?

Was ich weiß ist: Gewalt erzeugt Gegengewalt. Uns als Menschen muss etwas besseres einfallen. Doch wie, und was? Das konnte mir die letzten Wochen und Monate keiner beantworten. Ich dachte und hatte gehofft, dass mir ein Buch wie dieses den Hass erklärt und vielleicht sogar einen Weg zeigt, wie ich dagegen handeln kann. Zumindest ließ mich der Titel das hoffen. ich habe es also gelesen, aber es lässt mich unzufrieden zurück. Schlauer bin ich jetzt auch nicht. Ich will nicht, dass Menschen im Würgegriff eines Polizisten ums Leben kommen. Ich will sehr viele Dinge nicht, diese Liste ist lang.

Schon seit einigen Jahren höre und sehe ich Dinge in meinem Dunstkreis, die mich ängstigen. Und dann wünsche ich mir die rhetorischen Mittel und gute Argumente um dagegen zu halten. Im Kleinen, hier mit meinen Mitmenschen. Was in anderen Teilen der Welt geschieht kann ich nicht beeinflußen oder ändern. Aber muss es denn wirklich sein, dass ich mir in Gesprächen mit Bekannten, geführt irgendwo zwischen der Post und dem Blumenladen, kleingeistige Fremdenfeindlichkeit anhören muss? Dieses Gerede von „Wir“ gegen „Die“. Ich weiß nicht, wer dieses Wir sein soll, ich identifiziere mich nicht damit. Das „Die“ ist mir zu grob umrissen. Und dann: Was tun?

Dieses Buch jedenfalls, hat mir mit meinem Problem nicht geholfen. Vielleicht war das zu viel verlangt. Mea culpa. Frau Emcke stellt viele Fragen bzw. strukturiert und beschreibt diverse Probleme, zeigt Beispiele und verortet sich selbst darin bzw. hinterfragt ihre Glaubenssätze und Meinungen. Das ist toll und klug geschrieben, ich kann mich damit identifizieren und mit vielem d’accord gehen. All diesen Punkten kann man 5 Sterne geben, wenn man es denn will und muss bei einem Sachbuch. Ich höre ihren Vorträgen gerne zu, lese ihre Bücher… nur in diesem Fall hab ich mir mehr versprochen bzw. erhofft. Aus Gründen.

Ich habe schon geahnt, dass ich mir selbst etwas ausdenken muss. Alles, was ich aktuell habe ist der Wunsch „Be kind“.

Mit irgendwas muss man ja anfangen.

Leseprobe aus Drachenbrüder #2

  • Das Drachenvolk von Leotrim
  • Band 1 – Drachenbrüder
  • C. M. Hafen
  • O’Connell Press
  • #throwbackThursday
Autorenselfie

Aus dem Kapitel: Die Chronistin von Leotrim

Hangameh wies ihre Assistentin Dakota an, tief in die Höhlen, ins Archiv zu gehen und ein Notizbuch zu holen, ein altes, eines der ersten. Dakota brauchte für den Weg dorthin fast einen Tag und einen Schubkarren, um das Notizbuch zu transportieren.

Hangameh hatte ein eigenes Buch, ein inoffizielles Buch, für Silván angelegt. Bo und er standen nicht in der offiziellen Chronik, Hangameh war nicht bei ihrer Verbindungszeremonie dabei gewesen. Es waren andere Zeiten gewesen, ohne Ordnung, manch ein Name hatte es nie in ihre Chronik geschafft. Später schien es ihr unsinnig, einen Nachtrag einzufügen. Doch es ließ ihr keine Ruhe. Sie fragte sich immer wieder, wie viele Kinder von Leotrim, wie viele Bos ihr entgangen sein mochten. Nach Bos Tod hatte ihr die Mutter aller Wasser die Geschichte erzählt, wie Silván zu ihr gekommen war und sie um das Leben seines Halbbruders gebeten hatte. Sie konnte Leben geben, aber niemanden von den Toten zurückholen. Er hatte das nicht verstanden und geglaubt, ihre Macht sei unendlich. Er war mit seinem Bruder Bo in die Quelle gestiegen, doch der kleine Körper des Jungen war leblos geblieben. Das Wasser hatte sich blau gefärbt und Silván hatte mit einem Mal seine Farbe verloren – und Bo bei seiner Mutter zurückgelassen. Er wusste nicht einmal, wo der Junge beerdigt worden war. Bo war zu jung gewesen für die Grablege-Feier. Silván kehrte nie wieder in die Berge zurück.

Hangameh hatte diese Geschichte aufgeschrieben. Ohne Datum. Jedes Mal, wenn sie etwas über Silván hörte, fragte sie nicht, ob es wahr sei. Sie schrieb es in sein Buch. Es gab viele Geschichten über ihn. Er sei bei den Lichtern gewesen. Er sei unsterblich. Hangameh wusste es besser.

»Dakota. Ruf mir zwei Drachen. Bitte sie, mich und mein Notizbuch in die Himmelsberge zu tragen. Es eilt.«

Dakota schrieb eine kurze Nachricht, typisch für sie, in Großbuchstaben, und sandte einen zahmen Buntspecht, den sie selbst abgerichtet hatte, ins nahe Dorf Leed.

Hangameh zog sich an, Dakota half eifrig, aber nervös. „Was passiert jetzt?“, fragte sie immer wieder, die Wangen so rot wie ihr Haar. Zwei Drachen. Das bedeutete für Dakota, dass sie nicht mitdurfte.

Hangameh sagte nichts dazu. Sie wusste, wie enttäuscht das Mädchen war. Ihrem Bauchgefühl nach sollten aber so wenig Menschen wie möglich anwesend sein. Silván war scheu. Silván war stolz. Er würde nicht viele Augen bei seinem letzten Flug dulden.

Sie setzte eine Mütze auf, mit Ohrenklappen. Und eine Brille. Sie war kein Freund des Fliegens und fror immer entsetzlich. Sie trug Lederschuhe, mit Fell gefüttert, braune Wollhosen und eine schwere Fliegerjacke mit eingenähten Flügelknochen zur Stärkung des Rückenbereichs und vielen Schnallen, um die Jacke festzurren zu können wie eine zweite Haut.

Dakota hatte das Notizbuch in ein Leintuch geschlagen und schob es im Karren zum Eingang der Höhle. Zwei junge Flugdrachen, noch ganz dunkelblau, warteten dort, tappten nervös von einem Fuß auf den anderen und schaukelten ihren Kopf zur Beruhigung hin und her.

Dakota war noch nie geflogen und sah sie neugierig an.

Sie stellte den Karren ab und hastete zurück ins Archiv. Immer ein gutes Versteck. Die beiden Drachenjungen wechselten einen verwunderten Blick.

Hangameh atmete tief durch, sammelte sich und trat zu den beiden.

»Libor und Leotar«, sagte sie schlicht.

Die beiden hörten sofort mit dem Geschaukel auf, reckten den Kopf und drückten die Brust heraus, wie es junge Toddler tun, um sich größer zu machen. Die Drachenjungen hatten erst im Sommer ihren Federflaum verloren, da und dort schauten noch kleine, blaue Härchen zwischen den Schuppen hervor. Die Mauser war noch nicht abgeschlossen. Hangameh lächelte gequält. Fliegen mochte sie grundsätzlich nicht, und dann noch zwei Anfänger? Womöglich hatten sie noch nicht einmal die Schule abgeschlossen.

»Wie lange fliegt ihr schon?«

»Seit drei Monden, Chronistin«, sagte Libor mit Stolz.

»Wir sind gute Flieger, Chronistin«, fügte Leotar hinzu.

»Ich kenne eure Namen. Wenn wir zusammen fliegen, solltet ihr auch meinen kennen – Ich bin Hangameh«, sagte sie und verbeugte sich tief. »Ihr dürft Han zu mir sagen. Wollt ihr mich in die Himmelsberge bringen?«

»Ich will mit dir fliegen, Han«, sagten die Brüder gleichzeitig, noch etwas steif – Hangameh vermutete, dass die beiden dieses Ritual der Zustimmung bisher nur in der Schule geübt hatten – und verbeugten sich ihrerseits.

Hangameh ging zielstrebig auf Leotar zu, drehte sich um und drückte ihren Rücken an seinen Bauch. Vorsichtig, als wäre sie aus Glas, umfasste Leotar ihren schlanken Körper mit seinen Vorderbeinen.

»Nicht erschrecken«, sagte er und hob ab. Sie erschrak dennoch. Wie jedes Mal. Mit zwei Flügelschlägen schob er sich rückwärts aus der Höhle und schoss wie ein Pfeil gerade in die Luft hinauf, kaum einen Meter von den Granitfelsen entfernt. Sie erreichten den Rand, der aussah, als würde hier die Welt enden. Auf gewisse Weise endete sie hier auch.

Hangameh sortierte sich innerlich. Der Magen war noch da, wo er hingehörte, auch wenn er sich anfühlte, als wäre er, mit Steinen gefüllt, nach unten gerutscht und in ihrer Höhle geblieben. Der Ausblick war atemberaubend: Das grüne Meer unter ihnen, mit hohen Wellen, die wütend nach den Klippen griffen und die Wiesen von Leotrim, die genau hier begannen, als wollten sie dem giftigen Meerwasser trotzen. Hangameh hatte den Eindruck, sie bräuchte nur die Hand auszustrecken und könnte das Gras berühren.

Ein Schafhirte saß mit baumelnden Beinen am Rand der Klippe, kaute auf einem Grashalm und betrachtete sie neugierig. Er hob die Hand zum Gruß. Selbst die Schafherde hielt kurz im Grasen inne, um zu sehen, wer da über ihnen schwebte. Hangameh betrachtete Libor, wie er denselben Start hinlegte, ungestüm wie sein Bruder, nur trug er das Notizbuch an seine Brust gedrückt.

Man musste den Drachen nicht sagen, wo die Himmelsberge waren. Sie wussten es. Sie waren dort geboren. Der Ruf der Berge zog jeden Drachen magisch an. Auch Hangameh spürte das, wie ein Sehnen im Herzen, das „Heim!“ schrie. Sie spürte, wie der Ruf die beiden jungen Drachen erfasste und drängte schneller zu fliegen.

Ende der Leseprobe 

© 2015 by C. M. Hafen und O’Connell Press 


Bände der Trilogie »Das Drachenvolk von Leotrim«:

Band 1: Drachenbrüder
Band 2: Drachensichel
Band 3: Drachenfrieden

eBook Gesamtausgabe

Taschenbuch – Band 1

Drachenbrüder – Taschenbuch auf Wunsch signiert

Unter den Millionen Augen der Lichter lebt das Drachenvolk von Leotrim. Der Drache Norwin hat einen schwierigen Start ins Leben. Eine Amme lässt sein Ei fallen, die Schale ist beschädigt, ein Flügel verletzt. Es wird schnell klar, er wird nie fliegen können. Als er alt genug ist, kommt sein menschlicher Vater, um ihn bei den Menschen leben zu lassen. Die Drachenmutter muss darauf hoffen, dass die jahrhundertealte Verbindung zwischen den Völkern ausreicht, um Norwin einen Platz in ihrer Mitte finden zu lassen. Anfänglich hat sein halbgebürtiger Bruder Ambro Schwierigkeiten, etwas mit seinem Drachenbruder anzufangen. Die beiden passen nirgends hin. Jeder in Leotrim hat seinen Platz, seine Aufgabe. Diese beiden müssen nun selbst herausfinden, wofür sie gut sind.

8,90 €

eBook Gesamtausgabe