Wortreich Anthologie 2021

Wortreich: Das Jahrbuch des Stuttgarter Autorenstammtischs 2021 ist erschienen!

Zwei Bullshit-Bingo spielende Business-Zombies in der S-Bahn, ein Rottenburger Häftling elf Monate vor der Entlassung und eine junge Suchende vor dem Morgengrauen – sie und viele mehr wandeln durchs (W)ORTREICH 2021. Das neue Jahrbuch des Stuttgarter Autorenstammtischs vereint Geschichten und Gedichte von 26 Autorinnen und Autoren aus der Region.

Gewinne aus Buchverkäufen kommen den Tafeln in Stuttgart und der Region zugute.

Ich bin, zusammen mit 25 anderen Autorinnen und Autoren in der Anthologie mit einer Kurzgeschichte vertreten.
  • Herausgeber: Marc Bensch und Joachim Speidel
  • Paperback
  • 320 Seiten
  • ISBN-13: 9783752672558
  • 15,- €
  • https://www.jungeautoren.org/ / Regionalgruppe Süden

That escalated quickly

Neuzugänge im Oktober

Diese Woche waren wir vom BvjA-Stammtisch bei B. eingeladen, privat und zuhause mit Abstand und allem drum und dran. Es gab leckeren Kartoffelsalat und Seitenwürstchen, ein Gericht, dass ich mit Weihnachten verbinde. Ein Vorgeschmack quasi. In kleiner Runde diskutierten wir über Graphic Novels und ich fand es schwierig in Worte zu fassen, warum ich dieses Format mag, was genau mich daran anspricht. Die anderen fanden es teilweise zu viel, zu überladen. Ich kann die Kritik gut nachvollziehen, aber das gilt ja nicht für alle Graphic Novels. Die, die ich mitgebracht habe, stammen aus dem Fantasy-Bereich und sind tatsächlich sehr voll, sehr fulminant. Jedenfalls, ich bekam große Lust mich mehr damit zu beschäftigen und auch mal etwas ausserhalb meiner üblichen Lesegewohnheiten herum zu treiben. Falls du mir jetzt eine Empfehlung hast, immer her damit. Zuletzt habe ich die Graphic Novel „Die drei Leben der Hannah Arendt“ gelesen und fand es großartig. Sie immer in grünem Mantel, alles andere in Schwarzweiß. Eine eindrucksvolle, kluge Frau. Ich sollte überhaupt mehr von ihr lesen. 

B. hatte zuhause eine Kiste mit aussortierten Büchern, die sie spenden will. Sie fragte uns ob wir irgendwas davon haben wollen und na ja… sagen wir es so: That escalated quickly. 😉

Ich hab einiges aus der Kiste heraus genommen. Calvin und Hobbs ist aber nur geliehen. Weihnachten war dieses Jahr halt etwas früher. 🙂 Allerdings, mein Vorhaben meinen Stapel ungelesener Bücher endlich beizukommen, mache ich damit einen großen Strich durch die Rechnung. Jetzt ist mein SUB wieder höher als noch Anfang des Jahres. Huch. Aber das sind Luxus-Probleme, ne? (Meine Lese-Challenge, 52 Bücher pro Jahr zu lesen, kannst du hier nachverfolgen, wenn du magst.) 

~Caro


Gefällt es dir hier?

Ich veröffentliche hier Kurzgeschichten, Rezensionen, Miniaturen. Was mich eben umtreibt. Wenn du mich unterstützen möchtest, dann gibt es mehrere Möglichkeiten. Zum Beispiel; kauf (und bewerte) meine Bücher. Jeder Stern zählt. Komm zu den Lesungen der get shorties Lesebühne. Oder versorge mich mit Lese-Stoff, dann kann ich neue Rezensionen schreiben. Literatur leben, lieben, leisten. *it´s the Write thing to do.

Merci mit Knicks.

Essay

Der bzw. das Essay, auch Essai genannt, ist eine geistreiche Abhandlung, in der wissenschaftliche, kulturelle oder gesellschaftliche Phänomene betrachtet werden. Im Mittelpunkt steht die persönliche Auseinandersetzung des Autors mit seinem jeweiligen Thema. Wikipedia

RANDNOTIZEN

Gestern Abend war ich beim BvjA-Stammtisch in Tübingen und davon will ich dir erzählen. Wir haben uns dieses Mal in kleiner Runde getroffen, aus Gründen. Das Thema lautete ganz grundsätzlich „Essays“, im besonderen lasen wir gemeinsam einen Text von Susan Sontag, in der Diskussion landetet wir aber schnell bei anderen Essayisten, unter anderem bei Michel De Montainge. Letzteren kenne ich nicht, ich habe noch nie was von ihm gelesen. L. meinte, das müsse ich nachholen. Diese beiden Bücher sind nun auf meine Want-to-Read-Liste gehüpft.

Inhaltlich fingen wir bei dem Thema „Fotografieren“ an, das wurde aber bald allgemeiner. L. las uns noch aus einem Buch vor (ich habe den Autor nicht aufgeschrieben, ich muss sie nochmals danach fragen), der mehrere Familienfotografien miteinander verglich und nach Ähnlichkeiten suchte. Das sich Familienmitglieder ähnlich sehen, ist ja jetzt keine bahnbrechende neue Erkenntnis. Allerdings, wenn man Fotografien von mehreren Generationen besitzt und dann ganz genau nachvollziehen kann, wessen Nase im Stammbaum (Tante Irmis Kartoffel-Zinken!) immer wieder zu finden ist, oder ein Zug um die Lippen, schräg liegende Augen, oder der Umstand, dass alle Männer der Familie bleistiftdünn sind… dann wird die Sache plötzlich sehr interessant. Wir sprachen also über den Wahrheitsgehalt von Bildern (vor Photoshop, Instagram und Co.), über den Informationsgehalt, und über den materiellen Reichtum, den es bedeutet hat, überhaupt Fotos anfertigen zu können. Also damals anno irgendwas. L. erzählte von einer Schreibwerkstatt, alle Beteiligten sollten zur ersten Stunde ein Kinderfoto mitbringen um damit theamtisch in die eigene Autobiografie einzusteigen. Diese Vorgabe führte bei einer Teilnehmerin zu bitteren Tränen. Sie besaß keine Kinderfotos von sich. Es lässt sich nun spekulieren, ob sie bzw. ihre Eltern Flüchtlinge waren und keine Fotos retten konnten. Oder ob die Eltern einfach keinen Wert auf Fotos legten bzw. es sich nicht leisten konnten. Heute besitzen sehr viele Leute ein Handy oder eine kleine Knippsi, es wird wild alles dokumentiert. Seit man nicht mehr auf 36 Bilder pro Film begrenzt ist, gibt es keine Unterschiede mehr – alles ist wertvoll, alles ist interessant, ein Daumenkino. Hundert Bilder Wegesrand.

Jedenfalls. Bald entstand die Idee, wir könnten ja auch einen Essay schreiben. Wir sind zwar keine Schreibgruppe, mit Textarbeit und co. Allerdings war die Idee eine von den Guten, die Lust dazu groß, einzig die Entscheidung zu welchem Thema wir einen Versuch starten könnten, machte uns ratlos. Ich habe vor einigen Jahren mal ein Reclam-Heftchen aus der blauen Reihe zum Thema „Essays schreiben“ gekauft. Damit bin ich aber grandios gescheitert. Nur weil mir ein Beispieltext gelungen erscheint, bin ich noch nicht in der Lage, selbst einen Essay zu schreiben.

Hast du dich schon mal an der Form ausprobiert?

Grundsätzlich gilt (für mich), wenn mich etwas interessiert, dann muss ich viel dazu lesen. Lesen, ausprobieren, try and error. Ich nehme also herzlich gerne Empfehlungen guter Essayisten an. 🙂

Das nächste Treffen ist Ende September. J. und E. fehlten gestern Abend, also werden wir wohl auch beim nächsten Stammtisch noch mal über Essays sprechen. Ich bin sehr gespannt, ob mir was dazu einfällt, und was die anderen machen. B. entschied sich einen Essay über das Thema/Wort „anwanzen“ zu schreiben. Das fiel gestern, L. und ich hatten das noch nie gehört. Eine kurze Recherche ergab: umgangssprachlich. Meine Lektorin würde mir das, in einem Manuskript nicht durchgehen lassen. Schade eigentlich, es hat Sound.

Wir sprachen auch noch über den Duden, über die 300 Wörter, die raus gefallen sind. Meine Frage lautet: Gibt es eine Liste im Netz oder in Buchform mit veraltetetn Wörtern, die keiner mehr verwendet? Hm?

~ Caro

Die Woche in Worten (KW3)

Es ist Montag. Montage sind super. Ich weiß, alle Welt schimpft über den Wochenbeginn. Ich nicht. Manchmal habe ich den Eindruck, ich bekomme Montags mein Energie-Kontingent für die ganze Woche, was dazu führt, dass ich am Auszahltag die Weltherrschaft an mich reißen will. Meine Pläne und Vorhaben sind sehr umfangreich, aber jeden Tag nimmt die Lust, die Motivation und die Kraft ein bisschen ab. Und am Sonntag liege ich wie ein altersschwacher Köter auf dem Boden vor dem Kamin und bin froh, wenn keiner was von mir will. Ich schnaube mich halbwach durch den Tag, unfähig auch nur einen Fuß vor die Tür zu setzen. Netflix betäubt den Kopf, weil alles weh tut – die bloße Existenz ist mühselig. Und am Montag dann wieder: Hallo Welt. Dann entstehen sogar Blogtexte. Hui. Ich will ja eigentlich immer bloggen. Nein, eigentlich will ich immer schreiben. „A page a day“ lautet der Vorsatz. Das schaffe ich, vielleicht bis Mittwoch. Und dann sind schon wieder so viele Dinge los, dass die guten Vorsätze der Müdigkeit weichen. Will ich zu viel? Vermutlich. Mach ich genug? Nein. Definitiv nicht. Was ist genug, wann ist Viel viel und wann nicht? Keine Ahnung. Was ich weiß: Heute ist Engergie-Auszahltag und ich will dir von meiner letzten Woche erzählen. Ich war beim Mal-Workshop.

Balsam für die Seele

Ich habe mir ein Acryl-Motiv bei Pinterest ausgesucht und zu dem Workshop mitgenommen. Eigentlich würde ich gerne intuitiv malen, einfach drauf los. Aber das funktioniert aus zwei Gründen nicht. Erstens, ich will mich nicht dreckig machen. Das ist so tief verwurzelt und diesem Umstand komme ich auch nicht wirklich bei. Keine Ahnung, ob ich als Kind mal einen Anschiss bekommen habe, weil ich es gewagt habe, als Dreckspatz nach Hause zu kommen… ich erinnere mich nicht an eine solche Begebenheit. Es ist mir zutiefst zuwider mich schmutzig zu machen. Meine Workshop-Leiterin hat mir, aus purer Lust (nein, nicht Verzweiflung, es war Spaß und so habe ich es auch verstanden!) ein Schwämmchen mit Farbe auf meine Schürze gedrückt und wie der Zufall es wollte, habe ich nun ein kleines, buntes Acryl-Herzle auf meiner Malerschürze, genau auf dem Bauch, wie ein Glücksbärchi. 

Und zweitens, wenn ich planlos irgendwas zusammen pansche, kommt am Schluß Dreck heraus. Also die gemischte Farbe sieht dann nach Kotz-Durchfall-Braun aus und das finde ich nicht schön. Ich brauche eine Vorlage, ein bisschen Anleitung, eine Ahnung wohin die Reise gehen soll. Beim Schreiben, zum Beispiel, muss man auch erst das Alphabet lernen, bevor man sich an Wörtern und Sätzen versuchen kann. Ich mag das Spiel mit Farbe. Klare Linien, ein bisschen Struktur muss schon mit rein, Farbverläufe sind toll und wenn ich noch ein paar Wörter im Bild unterbringen kann, macht mich das sehr glücklich. Das Ding soll ja Balsam für die Seele sein. Andere können das: Farbe hin klecksen und dann ein Bild kreieren. Ich schaue mir das unheimlich gerne an. Aber selber machen? Nope. Nun habe ich mein Werk nach Vorlage gestaltet und bin fast zufrieden. Irgendwas fehlt noch, aber mein Bauch weigert sich, mit der Sprache raus zu rücken, was genau. Aber es ist interessant: Da passiert was auf einer Ebene, die ich nicht mit Worten fassen kann. Ich spüre, wenn es passt oder eben nicht. Und das ist ja dann auch intuitives Malen. Ich würde gern mehr auf diese Stimme hören, sie wahrnehmen, verstehen. Wörter, das ist so verkopft. Farben; diese Sprache würde ich gerne beherrschen. Ich bleibe dran. 

BvjA Stammtisch in Tübingen

Dann war ich wieder einmal bei BvjA Stammtisch. Wir treffen uns ein Mal im Monat, das ist sehr lose und doch wieder fix. Ich mag unsere kleine Runde. Wir machen jedes Mal ein Thema aus, alle sind irrsinnig engagiert die Themen vorzubereiten und den anderen etwas zu bieten. Fast wie ein Skript in einer Vorlesung. Wir sprechen über Bücher, was uns begeistert und warum. Und wir sprechen über Schreibthemen. Ich finde das ganz erstaunlich und enorm, wie viel es ausmacht, mit Gleichgesinnten zusammen zu sein, hitzig und leidenschaftlich seine Meinung zu vertreten ohne dass es in Streit ausartet. Wir sind uns in vielen Dingen einig, aber manchmal auch ganz gegensätzlich. Aber jede*r bekommt die Zeit und den Raum seine Gedanken zu formulieren, darzulegen und zu begründen. Und dann: Selbst wenn wir uns nicht einig werden, in der Sache sind wir alle Autor*Innen mit dem Wunsch gute Texte zu schreiben. Das wie und was kann da völlig auseinander gehen, das macht überhaupt nichts. Ich finde es großartig, wenn wir, jeder mit einem Stapel Bücher vor sich, Beispiele finden, Für und Wider, und uns am Schluß aufs nächste Treffen freuen, weil der Abend wieder zu kurz war. Ich gehe da unheimlich gerne hin. E. meint manchmal zu mir „Du bist zu laut, mit deiner Bühnenstimme“ und es stimmt. Sie lacht dann. Die anderen Gäste im Lokal müssen das dann halt aushalten. 

Pouring

Ich war letztes Jahr mal bei einer ArtNight. Allerdings ist mir die Fahrerei nach Stuttgart lästig. Nun habe ich ein Angebot in Tuttlingen gefunden, mit einem ganz ähnlichen Konzept. Ob es jetzt ArtNight oder KunstNacht heißt, ist mir persönlich egal. Es ist schön, wenn ich mal nicht eine Stunde Auto fahren muss, um was mit Farbe zu machen. Und da das gerade mein Thema ist, experimentiere ich mit der Pouring-Technik herum. Es stimmt eigentlich nicht, aber ich denke von mir selbst, dass ich nicht gut zeichnen kann. Wenn ich ehrlich zu mir selbst bin und genau auf das Thema drauf schaue, dann finde ich ein Zeitproblem und eine große Faulheit dazu. Ich nenne das liebevoll „Faulzeit“.

Ich will viele Dinge machen, aber manche sind wichtiger als andere und am Ende muss man sich entscheiden, was man mit den 24 Stunden, die einem pro Tag zur Verfügung stehen, anstellt. Schlafen muss ich ja auch noch. Das tue ich gern, aber es ist mir oft lästig. Vermutlich hängt das mit dem Energie-Kontingent zusammen. Ich baue mir die ganze Woche ein ordentliches Schlafdefizit auf, wie ein kleines Kind, das Bauklötze aufeinander stapelt. Irgendwann fällt der Turm halt um. Jedenfalls. Ich war mit zwei Freundinnen beim Pouring. 

Ich schaue mir gern Videos auf YouTube an und sehe Leuten dabei zu, wie sie sehr viel Farbe verschwenderisch auf eine Leinwand kippen. Ich bin Schwabe und ganz das Klischee: geizig. Daher sehe ich es mir gern an, bin aber zurückhaltend, wenn es darum geht, das selber zu machen. Auch hier kann ich nicht genau benennen, warum ich gern der Farbe beim fließen zusehe, oder warum ich die dabei entstehenden Zellen schön finde. Kunst ist das ja nicht; Farben zusammen schütten. Ja, die Muster, die Struktur und die Zellen sprechen mich an. Vielleicht ist das schon wieder dieses Mach-dich-nicht-dreckig-Thema. Die Farben fließen ineinander und ergeben etwas, dass ich gern ansehe. Da es anderen Leuten wohl auch so geht, schließlich ist das Internet voll von diesem Trend, muss es tiefenpsychologisch einen Grund dafür geben, er ist mir aber im Moment herzlich egal. 

Hier im Rahmen der KunstNacht, mit der richtigen Anleitung und netter Gesellschaft hat es endlich geklappt. Jetzt muss mein Werk nur noch trocknen. Ich hoffe, es sieht dann immer noch so glänzend aus, wie frisch gegossen. Ich habe überlegt, ob ich meine Farbklecksereien ins Büro hänge. In irgendeinem Buch habe ich gelesen, dass man sich seinen Arbeitsplatz so einrichten soll: Mit Blick auf etwas, dass einen froh macht. Ich teste das. 

Lesung in Marbach

Wir Shorties waren erst in Böblingen, dann eine Woche später in Marbach. Beide Male hatten wir „Volles Haus“ und Leute, die in guter Stimmung bei der Sache waren. Ich weiß gar nicht, ob sich jemand, der im Publikum sitzt, darüber Gedanken macht, wie das auf die Akteure auf der Bühne wirkt. Ich für meinen Teil, denke da kaum darüber nach… aber Anfang Januar besuchte ich ein Programm das sich „Moving Shaddows“ nannte. Also ein Schattentheater. Ich saß da, wie alle anderen auch und freute mich, dass ich alle Gebäude und Wahrzeichen die dargestellt wurden, erkannte. Es gab auch eine kleine Geschichte dazu, ganz ohne Worte – das Erzählen funktioniert ja prima in Bildern. Aber darum geht es mir gar nicht. Da fand eine Steigerung statt, der ganze Saal vibrierte und als die Schauspieler in Afrika ankamen und einen Elefanten darstellten, entlud sich diese Anspannung in einem spontanen Applaus. Ich glaube, das ist das schönste Geschenk, das jemand auf der Bühne bekommen kann. Applaus, der nicht warten kann bis die Szene zu Ende ist, oder bis zur Pause. Diese Begeisterung ist das tollste überhaupt. Und das hatten wir, in Böblingen und auch in Marbach. Musik und neue Texte und ein Publikum, das nicht warten konnte. Großartig. 

Und weil ich wieder so viel mit dem Auto unterwegs war, hatte ich mir zwei Hörbücher von Stephen King ausgeliehen. 

Doctor Sleep / Mr. Mercedes

Er hat mich wieder gekriegt, der gute Mr. King. Das klingt, als wäre das schwer gewesen. Es klingt, als wäre ich davon gerannt und er mir hinterher. Keuchend, mit brennender Lunge. Knapp – und dann: gefasst. Erwischt. Hab ich dich. 

Aber so war das nicht. Vor ein paar Jahren lernte ich Roland, den Revolvermann kennen. (Wer ihn nicht kennt, ach, dem ist nur durch einen Buchgutschein zu helfen.) Jedenfalls. Sieben Bände umfasst die „Der dunkle Turm-Reihe“. Stephen King hat mich damals schon gekriegt und ich musste über 20 Bücher von ihm, hintereinander weg lesen. Dann hörte die Phase einfach auf. Ich wollte noch andere Autoren, andere Autorinnen kennen lernen. Es kann sich ja nicht alles um Roland drehen. Wobei er oft irgendwo im meinem Hinterkopf herum stapft. Ohne es zu merken, hat er mich als Leserin und auch als Schriftstellerin geprägt, damals in meiner Anfangszeit. Nun sind schon ein paar Jahre eins Land gezogen. Neulich war ich in der Bücherei. Dort lachte mich das Hörbuch „Doctor Sleep“ an. Kurz zuvor habe ich den Trailer für den Film gesehen. Zufall? Ich glaube nicht an Zufall. Ich bin mit „Doctor Sleep“ und mit „Mr. Mercedes“ nach Hause gegangen. Beide Hörbücher werden von David Nathan gelesen. Vermutlich ist auch das jetzt eine prägende Zeit, denn David Nathans Stimme hat sich tief in mein Gehör eingebrannt. Ein paar Meiner Gedanken klingen inzwischen wie er. Ich lerne gerade so viel. 

Kennst du das? Wenn etwas passiert, etwas, dass dich verändern wird, aber in dem Moment ist dir noch nicht klar, wie sehr es dich verändern wird. Nur das es so ist, das weißt du sicher. Ich höre also Stephen King zu, wie er ausschweifend seine Geschichte erzählt. Mit Details, die alles so real werden lassen. „The Shining“ kenne ich natürlich. Als Buch und als Film. Doch es ist in meinem Bewusstsein weit nach Hinten gerückt. Nun traf ich Danny Torrence wieder und … meine Güte. Er hat mich wieder gekriegt. Vermutlich muss ich jetzt wieder 20 Bücher hintereinander weg lesen. Oder anhören. Auf meiner Wunschliste ist nun „Der dunkle Turm“ als Hörbuch, diese Reise muss ich auf jeden Fall noch einmal antreten. Aber zurück zur Gegenwart. Wenn man als angehender Schriftsteller etwas über das Schreiben lernen will, dann ist es nicht verkehrt, sich Stephen King als Lehrer auszusuchen. Ich mag wie er seine Details entfaltet. Da ist nichts zu viel oder verschwendet. Alles gehört und passt zusammen. Er ist, meiner Meinung nach, ein Menschenversteher. Die Fehler und Schwächen einer Figur machen den Charakter authentisch, aber auch liebenswert. Nach all den Büchern, die ich von ihm gelesen habe (und es sind laaange noch nicht alle), hatte ich bisher nie den Eindruck, er würde sich wiederholen.   

Ich lerne von David Nathan wie man einen Text spricht. Ich lerne von Stephen King wir man eine Geschichte erzählt. Und bin bestens unterhalten dabei. 

~Caro

PS: Ich kann jetzt nicht versprechen, dass es hier einen wöchentlichen Rückblick gibt. Aber der Wunsch ist da. Mal sehen, wie mein Energie-Kontingent und ich miteinander auskommen. 😉

Sudelbucheintrag 24/06/19

Über UFOs, Baby-Enten und neue Projekte

Mein Kalender ist voll. Die To-Do-Liste auch. Das Problem, dass sich durch diese Umstände ergibt, muss ich nicht extra erklären, oder? Nun ist es so, dass ich es so haben will und auch genieße, mich aber dennoch gestresst fühle und nach Ruhe sehne. Und wenn ich mich für eine Sache entscheide, dann sage ich auch gleichzeitig eine andere ab, weil ein Tag einfach nicht genug Stunden hat. Ich bringe es also fertig, vorfreudig durch die Weltgeschichte zu fahren und meinen schlechten Gewissen im Seelenhaus viel Platz zu machen, während ich über eine neue Geschichte nachdenke, und mich frage ob ich ohne Schlaf auskomme, weil: Verdammt noch mal, wann soll ich denn das noch machen?

Menno.

Aber der Reihe nach. Am Mittwoch war ich bei meinem Autoren-Stammtisch in Tübingen. Wir wachsen und gedeihen, führen tolle Gespräche und empfehlen uns gegenseitig Bücher. Leonore, zum Beispiel, hat mir ein kleines Büchlein geliehen, das „Kurzgeschichten schreiben“ heißt [Jürgen vom Scheidt] und wahnsinnig Lust macht, sofort los zu legen. Ich lese immer mal wieder einen Schreibratgeber, man lernt ja nie aus. Und Kurzgeschichten, das ist ja genau mein Thema. In diesem Büchlein waren tatsächlich noch ein paar Anregungen, die ich noch nicht kannte, und die ich gern umsetzen möchte.

Kurzgeschichten schreiben / Jürgen vom Scheidt


Jedenfalls. Dieses Mal haben wir über Lieblingsbücher gesprochen. Die Abmachung war, jede*r bringt zwei Bücher mit und stellt sie den anderen vor. Es gab Überschneidungen, aber auch ganz neue Schätze und ich finde es ganz wunderbar so angeregt und leidenschaftlich mit Gleichgesinnten zu diskutieren. Mit tut diese Runde wahnsinnig gut. Das Schreiben ist ein einsames Geschäft. Da muss nicht alles drum herum auch so fad sein. Hier fühle ich mich verstanden, das ist toll.

Nächsten Monat wollen wir über unsere eigenen Projekte sprechen. Das bedeutet, ich muss das Thema vorbereiten [und den Arsch hoch kriegen, und zwei wichtige Punkte, die seit Wochen anstehen, abarbeiten, damit ich etwas zu erzählen habe.]

Und dann war ich am Bodensee, genauer gesagt in Kressbronn. Die bucklige Verwandtschaft hat eingeladen. Meine Wetter-App hat behauptet, es würde den ganzen Tag regnen. Als ich ankam, als hätte der Wettergott es geahnt, klarte der Himmel auf; „Willkommen!“

Am Wasser sitzen, einen Hugo trinken und entspannt Leute gucken hat etwas Meditatives. Im Hafen von Kressbronn gibt es mehrere Nester. Also Enten. Bitte frag mich jetzt nicht, weiche Art das ist. Ich kann drei voneinander unterscheiden, aber nicht mit Name und Gattung und überhaupt. Ein kleines Mädchen, 9 Jahre alt, schaute zu mir auf mit diesem Blick: „Du hast keine Ahnung wie toll ich dich finde.“

Und ich schaute auf sie hinunter und dachte: „Du hast keine Ahnung wie toll ich dich finde.“ Wir sind zusammen los gezogen, Enten angucken. Wir waren nicht die einzigen. In einem Nest gab es schon Nachwuchs, an anderer Stelle wurde noch fleißig gebrütet. Menschen pilgerten zu der Stelle zwischen den Booten um „Oh süß!“ zu sagen und Fotos zu machen. Ich finde es ja erstaunlich, welche Verzückung Enten-Kinder auslösen. Man könnte ja meinen, den Menschen würde was an der Natur und ihren Lebewesen liegen… aber das halbe Nest bestand aus Müll und Plastik. Wir, und ich schließe mich da ein, sind so strunzdämlich.

Das ist gar nicht süß. Und wenn der Müll auf den Fotos zu sehen ist, verschwindet er in seiner Wichtigkeit hinter den Baby-Enten. Ich führte dann ein ernsthaftes Gespräch mit dem Mädel über unsere Welt. Das war gut.

Jedenfalls. Der Abend war schön, das essen fabelhaft, die Stimmung ausgelassen. Später fuhren noch etwa 500 Segelboote an uns vorüber. Irgendeine Regatta. Die Details interessieren mich nicht. Es war nett am Ufer zu sitzen und dieser Geschäftigkeit zuzusehen. Da waren Menschen mit Picknick-Korb und Fernglas, die sich fachkundig unterhielten, da war eine Ernsthaftigkeit in der Luft, ich konnte sie fast greifen, also wenn’s mich interessiert hätte. Ich war mit den Kindern unterwegs. Da war nämlich ein wilder Hase. Und wilde Hasen sind mindestens so interessant wie Baby-Enten. Ob der wohl wirklich wild ist? Oder ausgebüchst? Vielleicht sitzt nun irgendwo ein Kind, ein Felix oder eine Leonie in dem kleinen Zimmer unter dem Dach, weint und hat Bauchweh vor Kummer, weil Floppy weg ist. Wer weiß das schon.

Schlimm. Wir hofften, da waren wir uns einig, dass Floppy ein Wilder ist. In Gedanken haben ich ihn mit heim genommen.

Am Samstag habe ich mich mit meinen Verlegern getroffen. Das Ehepaar O’Connell sorgt nun schon seit über vier Jahren dafür, dass aus meinen geistigen Ergüssen schöne Bücher werden. Wir haben uns schon mal getroffen, vor acht Jahren in Dortmund. Lange her. Meine Güte. Da wurde es Zeit endlich mal wieder die Online-Welt auszuschalten und die Bühne des Real Life zu betreten. Wir wollten ja eigentlich einen Ausflug machen. Doch wir hatten uns dann so viel zur erzählen, dass es nur für einen Spaziergang reichte. Die Gespräche waren, wie kann es anders sein, sehr Schreib- und Buchlastig.

Schloss Sigmaringen

Es ging um Ufos und Bücher, um neue Projekte. Und vieles mehr. Ich arbeite an einem neuen Roman, großartige Dinge werden passieren. Den ganzen Tag über habe ich Notizen in mein Handy gehackt, es ist ja eigentlich unhöflich so oft auf die Funkpeitsche zu gucken. Aber all die Anregungen, Lese-Empfehlungen und Pläne für die Zukunft hätte ich mir unmöglich merken können. 😉

Die O’Connells und ich!

Zur Erholung habe ich mir, nach all dem die zweite Staffel von #Dark angesehen. In einem Rutsch. Jetzt habe ich zwar einen Knoten im Kopf von all den Zeitebenen, aber ich habe mich noch selten so gut unterhalten gefühlt. Ich würde gern über die Handlung sprechen… kann aber nicht. Die ist, glaube ich, gar nicht so wichtig. Ich war jedenfalls sehr damit beschäftigt, die einzelnen Personen in den verschiedenen Jahrzehnten zuzuordnen – und wenn ich es kapiert hatte, freute ich mich wie bescheuert. Fühlt es sich so an, ein SUDOKU zu lösen? Hm?

Heute habe ich Karten für „Hannes und der Bürgermeister“. Es wird also nie langweilig.

Termine im Mai

06. Mai – ArtNight in Stuttgart / Autumn Forrest

09. Mai – Autorenstammtisch / Horb

11. Mai – Schreibwerkstatt / Rottweil

18. Mai – Lesung: get shorties Lesebühne in Freiburg / Peter Hahn

23. Mai – Autorenstammtisch / Tübingen

25. Mai – get shorties Schreibbude / Stuttgart 14 bis 17 Uhr

Mieter gesucht

#Leben und all dasM

Neulich war ich bei meinem Stammtisch, da ist es schön, weil da alle großes Interesse daran haben über Bücher zu reden, übers Schreiben allgemein, über die eigenen Wachstumsversuche im Besonderen und diese Leidenschaft schallt lautstark durch die Gaststube. Das ist toll für uns. Für die anderen Leute, die bloß zum Essen da sind und über Nicht-Autoren-Themen (Laaangweilig!) reden, ist es vermutlich zu laut. Aber irgendwas ist ja immer. 

Und da wir nicht nur über unser Schriftstellerdasein reden können, das wird ja auch fad irgendwann, gibt es noch andere Themen. Einen Mieter zu finden, zum Beispiel. Jolanda hat eine Einliegerwohnung. (Jolanda heißt nicht wirklich Jolanda, ich nenne sie nur so, aus Datenschutz. Die meisten Menschen mögen es nicht, wenn ich sie in meinen Geschichten verwurste. Selbst dann, wenn alles erstunken und erlogen ist. Eigentlich besonders dann, aber das ist eine andere Geschichte.) Jolanda also, hat eine Wohnung, die steht leer, und sie sucht nach einem neuen Mieter. 

„Hast du eine Anzeige geschaltet? In der Zeitung oder online?“ 

Hat sie, da haben sich auch hundert Leute gemeldet. Das ist nicht das Problem. Sie kann sich alles aussuchen. Den Herrn, der eigentlich verheiratet ist, aber ein Liebesnest braucht für seinen Damenbesuch. 50 qm für ein paar Stunden. Die junge Mutter, frisch geschieden mit Kind. Student*Innen aller Art, Rentner in nett, grummelig, müffelnd, klein und herzallerliebst mit Landkartengesicht. Sie könnte sich ja, mit ihrem Notizbuch auf die Treppe setzen und Charaktere sammeln wie Panini-Bildchen. Das gäbe mehrere Bücher, glaube ich. 

„Nichts für dich dabei?“, frage ich.

„Dochdoch, alle nett, sieben oder acht sind in der engeren Auswahl.“

„Aber?“, frage ich, weil ein großes Aber in der Luft hängt wie ein Pups und keiner will’s  gewesen sein. 

„Kein einziger mit Hund.“

Die Aussage braucht einen Augenblick. Der Weg über mein Gehör hin zum Verstand, das ist schon ein Stück, das dauert. 

„Wie meinen?“ 

„Na, ich hätte gern einen Mieter mit Hund. Früher hatte ich einen Pudel. Ein flauschiges, hellesgelbes Schmuseknäul. Nach 15 Jahren ist er gestorben, mein Fido und da wollte ich keinen neuen Hund. Das Herz hat sehr gelitten. Aber ein Mieter mit Hund… da könnte ich das Kerlchen ausführen, ohne dass es meiner ist. Verstehst du?“

Ja, das verstehe ich tatsächlich. Die Gründe mögen verschieden sein. Ich habe keinen Hund, weil ich viel unterwegs bin, da bräuchte ich ständig einen Hundesitter. Und einen Garten habe ich auch nicht. Ich finde, wenn man einen Hund hat, braucht man auch einen Garten dazu. Ich kann einem Hund nicht das bieten, was er bräuchte, mich würde ständig das schlechte Gewissen plagen. Aber ein geliehener Hund, um Gassi zu gehen, und um nicht zu schrullig zu wirken bei den Selbstgesprächen, doch das leuchtet mir ein. 

„Schreib das doch in die Anzeige“, schlage ich vor und stelle es mir bildlich vor. 

Mieter gesucht (m/w/d) mit Hund! 

Wir diskutieren noch eine Weile, entwerfen und formulieren, damit Jolanda noch zu ihrem Wunsch-Mieter kommt. Auf dem Heimweg denke ich nach. Das passiert mir oft. Im Auto, bei Nacht unterwegs, die Scheinwerfer leuchten den Weg heim, machmal hab ich noch Zeit den Mond zu bewundern. (Im Stillen sage ich „Die Mondin“, aber auch das ist eine andere Geschichte.) Meine engsten Freunde haben alle keinen Hund.

Bei mir im Haus gibt es eine Katze. Aber die ist ein Arschloch, die faucht mich immer an. Wobei sie erst ein Täuschungsmanöver veranstaltet, auf das ich jedes mal herein falle. Tilly liegt oft irgendwo im Gebüsch vor dem Haus und sobald ich auf die Treppe zugehe, die nach unten führt, schießt sie aus ihrem Versteck, schmeißt sich mir vor die Füße, und schnurrt schon wie ein alter Dieselmotor noch bevor ich in die Hocke gegangen bin. Also will ich sie streicheln, strecke die Hand aus, ich naives Ding, und schratzzz, haut sie nach mir. Da gehen mir ganze Stücke ab.

Ätsch, sagt sie. Dachtest wohl, ich lass dich an meinen Wanst.

Pöh, macht sie mit ihrem Arsch und wackelt davon.  

Hunde machen sowas nicht. Die strecken dir nicht ihr umgekraultes Bäuchlein entgegen um dir dann mit einem Schlag die Haut von Handrücken zu ziehen. Mangels Einliegerwohnung brauche ich neue Freunde, das ist mir jetzt klar. Freunde mit Hund. Ich mag Dänische Doggen unheimlich gerne. Ich sag’s nur. Aber mir ist jede Rasse recht. 

Freunde (m/w/d) gesucht mit Hund! 

Wortreich

Das Jahrbuch des Stuttgarter Autorenstammtischs 2019 ist jetzt erhältlich. Und ich bin mit einer Kurzgeschichte (Onkel Willi) darin vertreten. Yay.

  • 12,90€
  • Paperback
  • 284 Seiten
  • ISBN-13: 9783748178088
  • Verlag: Books on Demand
  • Erscheinungsdatum: 25.03.2019
  • Sprache: Deutsch

Ein vernarbter russischer Organhändler in einer finnischen Sauna, zwei versoffene Kneipenbrüder mit Marathonplänen und vieles mehr – 23 Autorinnen und Autoren aus der Region Stuttgart führen in Kurzgeschichten und Gedichten durch (W)ORTREICH.

Gewinne aus Buchverkäufen im Handel kommen dem Verein Trott-war zugute.

Link zu BoD

Lesung zur offiziellen Buchvorstellung: 29. April 2019

19.30 bis 21.30 Uhr, Hospitalhof Stuttgart

Link zur Veranstaltung

Zwölf Autorinnen und elf Autoren aus der Region haben sich für das Projekt zusammengetan. Die Gewinne aus Buchverkäufen über den Handel gehen ohne Abzug als Spende an die Stuttgarter Straßenzeitung Trott-war.

(W)ORTREICH – Jahrbuch des Stuttgarter Autorenstammtischs 2019, herausgegeben von Marc Bensch und Joachim Speidel, BoD,
284 Seiten, 12,90 Euro. ISBN 9783748178088.

Hinter der Anthologie steckt der aus dem Bundesverband junger Autoren und Autorinnen (BVjA) heraus geborene Stuttgarter Autorenstammtisch, eine lose Verbindung hiesiger Schriftstellerinnen und Schriftsteller, die sich seit 2014 regelmäßig treffen – im Sommer am Feuersee, im Winter im Warmen. Am Stammtisch sitzen etablierte Autoren wie der Waiblinger Oliver Kern, in den vergangenen Jahren Dauergast auf Bestsellerlisten, oder die Schriftstellerin und Dozentin Jutta Weber-Bock, aber auch Neulinge, die an ihrem Erstlingswerk feilen. Unter den Mitgliedern finden sich Traditionalisten und Selfpublisher, Junge und Alterslose, Lyriker und Prosaisten, Fantasten und Realisten, Veröffentlichte und Unveröffentlichte. Diese Vielfalt spiegelt sich auch in der Anthologie wider. Die Sammlung an Kurzgeschichten und Gedichten soll zeigen, was die Region literarisch zu bieten hat. Sie soll überraschen und unterhalten.

Stuttgarter Autorenstammtisch in KOOPERATION mit dem Hospitalhof

Es lesen: Oliver Kern, Carolin M. Hafen, Tanja Roth, Rainer Bauck, Jutta Weber-Bock und Wolfgang Haenle. Moderation: Dorothea Böhme.

Haul im März

Ich war in der Buchhandlung meines Vertrauens, dann in der örtlichen Bücherei und schließlich noch beim Bücher-Flohmarkt. Und jetzt ist auf dem Foto gar nicht alles drauf, was ich diesen Monat mit nach Hause getragen habe. Drei der Bücher, die auf dem Bild zu sehen sind, habe ich obendrein beim BvjA-Stammtisch in Tübingen getauscht. Wir haben hitzig über Schreibratgeber diskutiert und ich war ganz erstaunt über das, was da zutage kam. Aber der Reihe nach.

Ganz oben, da siehst du einen Roman von Rosamunde Pilcher. Die ist vor kurzem verstorben und ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich noch keinen ihrer Romane gelesen habe. Das will ich jetzt ändern. Ich stand vor einer Kiste mit Pilcher-Liebesromanen. Kisten auf Flohmärkten haben ja sowas von Ramsch. Schade eigentlich, ich habe in solchen Kisten schon manchen Schatz gefunden. Und seit ich selbst einen Liebesroman geschrieben habe, werde ich mit einem interessanten Phänomen konfrontiert. Es ist völlig egal was IN dem Buch drin steht. In meinem oder in den Büchern von anderen Autor*Innen. Menschen haben ihre Meinung zu Qualität und Wertigkeit eines Romans. Am Beispiel von Rosamunde Pilcher: „So ein Kitsch. Aber die Filmaufnahmen sind immer so schön!“

Ich weiß nicht genau woher das kommt. Bei einem Krimi ist die Wertigkeit der Unterhaltung eine andere. Ich persönlich lese/sehe lieber eine nette Geschichte, die mich anrührt, als Mord und Totschlag. Aber das ist Geschmackssache. Chick-Lit. Den Begriff habe ich inzwischen oft gehört. Da steckt viel Wertigkeit drin oder eben nicht drin. Hühner-Literatur. Und dann noch: Ein Buch über Befindlichkeiten.

Ich will den Roman von Rosamunde Pilcher lesen und mir selbst ein Bild machen, damit ich mitreden und mitbewerten kann. Man kommt ja nicht drum rum. 😉

#Kurt von Sarah Kuttner habe ich inzwischen gelesen. Ein Buch über Befindlichkeiten. Diesen Ausdruck las ich irgendwo, in einem Interview oder einer Besprechung, es ist auch egal. Ich habe beschloßen diese Beschreibung völlig neutral anzunehmen. Das Buch selbst habe ich inzwischen gelesen, in einem Rutsch und Dreiviertel davon mit Pipi in den Augen. Meine Befindlichkeiten waren arg mitgenommen, aber die Geschichte, die Leichtigkeit trotz des schweren Themas waren genau das, was ich gebraucht habe. Ganz wunderbar!

Da ich die Polly-and-the-Puffin-Reihe so sehr mag, musste ich jetzt auch mal ein Buch der Autorin kaufen, dass für Erwachsene gedacht ist. Auch eine Liebesgeschichte. Yeah. #JennyColgan

Harry Quebert habe ich abgebrochen, ich bin nicht in der Zielgruppe.

Und die Schreibratgeber habe ich, wie schon gesagt, beim BvjA Stammtisch getauscht. Vier Leute brachten je einen großen Stapel Bücher mit. Ich nicht, ich war faul. Und nur zwei Bücher waren doppelt da. Allein das fand ich erstaunlich. Ich habe erwartet, dass wir nur eine kleine Auswahl haben würden, weil alle die gleiche Lektüre zum Thema Schreiben gekauft hätten. Haben wir aber nicht. Und jeder guckt ganz anders in so ein Buch rein, obwohl wir in der gleichen Zielgruppe sind. Die einen mögen einen Lexikon-Charakter zum nachschlagen, andere ausschweifende, fast literarische Erklärungen. Ich zum Beispiel stehe auf Übungen. Für mich ist das völlig logisch: Wenn ich Klavier lernen will, muss ich jede Woche ein paar Stunden mit üben verbringen. Schach spielen, tanzen, Mathe. Es ist egal. Üben bedeutet lernen. Lernen bedeutet Fehler zu machen. Und ich brauche einen sicheren Ort um Fehler machen zu dürfen. Die anderen waren anderer Meinung. Es klang so, als wäre jeder Text für die Öffentlichkeit geeignet. Schreiben, überarbeiten, veröffentlichen.

Wenn ich darüber nachdenke, wie viele Texte in meinen Notizbüchern und auf meiner Festplatte sind, die ich nie jemandem gezeigt habe, die nie das Licht der Welt erblickt haben… es ist gut so. Ich bin seit Jahren mit der get shorties Lesebühne unterwegs. Schreibe für jeden Auftritt eine neue Kurzgeschichte. Manchmal passt das auf Anhieb. Andere lese ich, Gags verrecken, und ich überarbeite, zwei oder gar drei Mal, bis es passt. Ich lerne, aber ich scheitere auch vor Publikum. Ich lerne viel. Vielleicht habe ich von den Auftritten mehr als das Publikum.

Aktuell befasse ich mich auch damit das Zeichnen zu lernen. Ich probiere verschiedene Materialen und Motive aus. Aquarell, Acryl, Tusche. Wer auf Anhieb ein Meisterwerk schafft, ist wohl ein Genie. Ich bin keins. Ich muss üben.

Fazit: Ich finde, man müsste die Zeit zum lesen der Bücher, dazu kaufen können.

Stay tuned.