Termine im März

get shorties Lesebühne

Termine, jawohl. Plural. Der gute Ingo hat wieder im Hintergrund gezaubert. In den Jahren vor der Pandemie habe ich mir deswegen gar nicht so viele Gedanken gemacht. Ich hatte Termine im Kalender, ich fuhr hier hin und dorthin, da stellte sich nur die Frage „Wer kommt, wer hat Zeit?“ und so gruppierten wir uns dann.

Jetzt ist es nicht mehr selbstverständlich. Mir fehlt mein Shorties-Freundeskreis, meine AutorInnen-Kollegen, das Lesen, das Publikum, essen gehen, die Reihenfolge ausdiskutieren und die Gespräche, die sich darum drehen wer einen neuen Text dabei hat und deswegen Nervös ist. Und dann höre ich den anderen zu, ja über den „Rodderich“ kann ich auch zum zweihundertsten Mal lachen. Kein Problem.

Die letzte Lesung liegt nun auch schon wieder Monate zurück. Ich glaube ich war zuletzt im Oktober 2021 im Einsatz. Ich müsste nach schauen, ich bin zu faul. Ingo hat immer Termine für uns gemacht, Gespräche geführt, nachgefragt, Infomaterial geschickt, die Presse eingeladen. Und dann, als alles anders wurde, da hat er Termine hoffnungsvoll verschoben, er ist dran geblieben, hat sich weiter gekümmert. All diese Dinge, die im Hintergrund passieren, als wären fleißige Wichtel am Werk, geschehen ja immer noch. Nur noch unsichtbarer als vorher. Falls das überhaupt möglich ist. Nein, das ist ganz und gar nicht selbstverständlich. Ich versuche meine Dankbarkeit zu zeigen, in dem ich was Neues schreibe. Klar, fürs Publikum, aber im Moment und in der Hauptsache für Ingo, der uns zusammenhält oder es zumindest versucht, so weit das in dieser Distanz möglich ist.

Ein neuer Text, das ist schwierig, ich habe nicht Ingos Ausdauer, ich hätte an seiner Stelle wahrscheinlich schon lange alle hingeschmissen. Wie ein trotziges Kind alles vom Tisch gefegt und gebrüllt: Dann halt nicht. Keine Termine, keine Lesungen, keine Kultur. Das Kreativ-sein ist mir schwer gefallen, das tut es noch. Irgendwie habe ich es geschafft ein neues Drachenbuch zu schreiben. Wenn das geht, dann kann ich auch eine neue Kurzgeschichte schreiben, das weiß ich.

Zwischen den Jahren, also nach Weihnachten und vor Silvester hatte ich eine Woche frei. Ich habe geschrieben. Der Fernseher blieb aus, das Internet nutzte ich nur für Recherchen, Synonyme und Rechtschreibung. Ich hatte keine Termine und keine Verpflichtungen. Das war quasi die beste Woche des Jahres. Ich, mein Manuskript und das Gefühl von Zeit. Ich habe mich reich gefühlt. Weil ich das alles machen konnte. Die Welt aussperren und in meine eigene eintauchen. Das funktioniert im Alltag leider kaum. Es muss so gehen. Es wird so gehen. Ich hab Termine im Kalender. Ingo hat sich gekümmert. Lesungen, Schreibbuden, die KollegInnen und ich. Wir werden all das wieder machen. Nervös sein, über den neuen Text reden beim essen, noch mal irgendwo den „Rodderich“ hören. Das wird super. (Man, das habe ich verdammt lang nicht mehr gesagt.)

19. März 2022 / Café Provinz / Marbach a. N. / 20 Uhr

25. März 2022 / Stadtbibliothek Göppingen / 20 Uhr

Es gelten die üblichen Spielregeln, Karten gibt es beim Veranstalter. Wir lesen uns!

~Caro

Mehr Infos unter www.getshorties.de

Unendlicher Spaß

Ich war in der Bücherei und habe ein Buch ausgeliehen. Da ich nicht fertig wurde, musste ich die Ausleihzeit um einen Monat verlängern. Ich schaffte es trotzdem nicht und gab es zurück. Monate später starte ich einen neuen Versuch. Ich nahm besagtes Buch aus dem Regal, trug es wieder vor an den Tresen, die Bücherei-Fee scante das gute Stück und rief aus: „Das haben Sie aber schon mal ausgeliehen. Das ist noch gar nicht lange her!“

Datenschutz ist ja so wichtig, ne? Jedenfalls. Diese Geschichte hat jetzt drei Seiten. Die Bücherei-Fee kann also nicht fassen, dass ich ein Buch zwei Mal ausleihe, angesichts der enormen Auswahl in der Bücherei von Hintertupfeldingen. Sie schaut mich an, nicht mal vorwurfsvoll, aber doch herausfordernd: „Wolle Sie nicht doch lieber ein anderes Buch?“

Auf der anderen Seite des Tresens stehe ich und hadere mit mir. Ich will nicht zugeben, dass dieses Buch eine Herausforderung ist. Nicht zeitlich, sondern inhaltlich. Dass ich es nur deshalb noch mal ausleihe, weil ich das blöde Ding schaffen will. Also lesen, insgesamt von vorne bis hinten. Kann ja nicht sein, dass ein Roman mich kleinkriegt. Ich bin doch… keine Ahnung, was ich bin. Leserin. Mehr Auszeichnungen habe ich nicht. 

Und du bist jetzt der/die Dritte im Bunde, du willst bestimmt wissen um welches Buch es geht, was uns hier zusammen führt: „Unendlicher Spaß“ von David Foster Wallace. Es macht nicht so viel Spaß, wie der Titel vermuten lässt. Ich lüge, mehr schlecht als recht: „Das war so gut, das will ich nochmal lesen!“ Zwinki Zwonki. 

Die Bücherei-Fee händigt mir den Wälzer aus, traurig und wiederwillig. „Wir haben doch neue Sachen, gleich da drüben, schauen Sie doch, die die sind so neu, die waren noch nirgends zuhause!“, sagt ihr Blick. Das verstehe ich ja auch. Ich hänge der Vorstellung nach, dass Bücher in der Bücherei ganz dringend raus wollen, ausgeliehen werden, kurz mal irgendwo zuhause sein – wie auf Wohlfühl-Urlaub. Vermutlich war der „Unendliche Spaß“ auch noch nirgends, jedenfalls nicht bis zum Schluß. Meine Vermutung, keine Tatsache. Der Datenschutz gibt das nicht her, das brauche ich gar nicht zu fragen. Und vermutlich lügen die anderen genauso so wie ich. 

Photo by Pixabay on Pexels.com

Lesung in Göppingen

Göppingen; das war der Abend, als Dorothea den Kosmos gefragt hat, aber alles ein Missverständnis war. Volker guckte „Ein Kilt für alle Fälle“ bei Verflixtnet und spoilerte wild. William ist tot. Caro lag unter dem Dachfenster und ist alt genug für den Albverein. Rainer wollte zum Fußball nach Berlin, feierte dann aber keinen Geburtstag. Ingo erstellte eine Facebook-Veranstaltung. Gott gefällt das.

Unser Jörg Rock ‚n‘ Roll Diktator verlor seine Brille, machte aber trotzdem Musik.

Alles normal hier. Weiter geht es am 6. November im Blauen Haus, Böblingen.

Stadtbibliothek Göppingen

Zoom Lesung @Herrenberg

Wir, also die get shorties Lesebühne zusammen mit der Stadtbibliothek Herrenberg, veranstalten eine interaktive Zoom-Lesung. Über diesen Link kannst du dich anmelden, hier erhältst du deine Zugangsdaten, der „Eintritt“ kostet 5 Euro und dafür bekommst du dann Dorothea Böhme, Carolin Hafen, Rainer Bauck und Ingo Klopfer mit wilden Corona-Haaren direkt in dein Wohnzimmer gestreamt. Nicolai Köppel liest und macht Musik.

Gruppenbild get shorties Lesebühne 2019
Gruppenbild get shorties Lesebühne

Das heißt, alle AutorInnen der Lesebühne sitzen dann bei sich zuhause und lesen dort live ihre Texte … Im Anschluss kannst du Fragen stellen und mit den AutorInnen chatten.

Das Ganze findet dann hier statt.

Wir lesen uns!

~Caro

Schreibbude im Juni

Samstag sind die Kollegen und ich im Schreibbuden-Einsatz. Endlich, endlich darf ich mal wieder raus, vor die Tür. Was soll ich nur anziehen? Und muss ich dann lauter Corona-Texte tippen? Fragen, über Fragen. Sehen wir uns vor der Stadtbibliothek, hm?

  • Get Shorties Schreibbude
  • 20. Juni 2020
  • 14 bis 17 Uhr
  • Vor der Stadtbibliothek Stuttgart, Mailänderplatz 1
  • Facebook

Die Schreibbude ist der Traum jeder Autorin und jedes Autors: Menschen, die man vorher nicht kennt, bestellen kleine Geschichten und Gedichte und haben sogar eine Vorstellung davon, worum es darin gehen soll. Und dann geht’s los.


Im Auftrag von Kulturämtern und Stadtbibliotheken werden wir tätig und hauen in die Tasten unserer alten mechanischen Schreibmaschinen. Heraus kommen kleine literarische Unikate zum Mitnehmen. 


(Grafik von Natalis Lorenz)

Schreibbude im Mai

Wenn ich „Schreibbude“ sage, muss ich immer an die Peanuts denken. An Lucy, die in ihrer Bude sitzt und auf einem kleinen Schild steht „Doctor is IN“ und Charlie Brown kommt zu ihr, um ihr seinen Kummer zu schildern. Gut, er bekommt selten einen hilfreichen Tipp, aber irgendwas ist ja immer. Dieses Bild habe ich also immer vor Augen. „Writers are IN“.

Am Samstag war es wieder soweit. Unsere Schreibbuden-Saison ist offiziell eröffnet.

Ingo Klopfer guckt nach rechts. Was da wohl ist?

Ingo, Rainer und ich hauten in die Tasten. Irgendwie landen alle Drachen-Anfragen bei mir, aber das ist sehr okay. 😉 Wir haben noch gescherzt, ob es wohl zum regnen kommt oder nicht. Ingo meinte dauernd, dass es nur über Spaichingen, „da hinten, siehst du?“ schifft, aber hier in Stuttgart doch nicht. Als wäre Stuttgart regenbefreit. Ts.

Zwischendurch habe ich mir tatsächlich einen Sonnenbrand geholt, zum Schluss musste ich aber doch mit meiner Silver Reed nach drinnen flüchten. Was tragisch ist, weil unsere… nein, meine Aussichten waren sehr gut: Ein junger Mann vom Shuttle Service (früher sagte man „Rikscha“, heute eben „Fahrrad-Shuttle“) radelte immer sehr attraktiv und in Schritttempo an unserem Tisch vorbei… ich war dezent abgelenkt. Aber ich schwöre, ich habe alle Schreib-Aufträge fertig gekriegt.

Einer meiner Aufträge.

Das Prinzip der Schreibbude müssen wir immer wieder erklären, aber ich mache das auch gern: Die Kundschaft kann sich bei uns Texte wünschen. Je nach dem, wer da ist, eben Gedichte, Limericks, Briefe und Kurzgeschichten. Wir brauchen nur ein paar Stichwörter und eine halbe Stunde Zeit. Dann entsteht an der Schreibmaschine ein neuer Text, ohne Copy & Paste. Jeder Text ist ein Original, ein Unikat. Ohne Durchschlag, mit Tippfehlern, meiner Meinung nach die Schönheit des Umperfekten. Aber persönlich.

Skeptisch in die Sonne blinzeln

Ich schreibe auf einer Silver Reed Schreibmaschine mit lila Farbband. Ich sag’s nur.

Weiter geht’s am 15. Juni. (Achtung, vorher ist noch die Lapidarium Lesung!)

Grüßerei,

Carolin

Link-Liste:

Hashtag-Lexikon

#getshorties #Lesebuehne #Schreibbude #Shortietogo #CMHafen #ShortStory #Typewriter #Schreibmaschine

In der Bücherei

CdOKvqCXEAI7nq6.jpg large

 

Gestern waren wir „shorties“ in der Stadtbibliothek Heilbronn. Ich kam zu spät. Aus Grünen. Das nervt mich immer sehr. Ihr habt alle solche Freunde, die zehn Minuten vor der Verabredung klingeln, während du noch tausend Dinge machen willst. Tja, ich bin so jemand und ich sage in diese hektische Geschäftigkeit gern: Hallo. Ich bin da. Der Rest ist mir ziemlich egal. Ich bin dann entspannt und du nicht. 🙂

Gestern klappte das also nicht. Ich schlich mich in die letzte Reihe, dort konnte ich schauen; was machen sie denn, die Zuhörer? Sie lachen. Schön. Aber sie tun es ganz leise, versteckt. Wir haben das alle Mal gelernt. In der Bücherei wird net g´schwäzt. Und auf keinen Fall gelacht. Jedenfalls nicht laut. Irgendwoher kam, als wir Kinder waren, immer ein ermahnendes „Pscht“. Das Kind in mir will deswegen immer noch die Zunge raus strecken und irgendein Buch besonders laut zuklappen.

Ich müsste mal wieder mein Notizbuch schnappen und in der Bücherei arbeiten, die Ruhe und Ernsthaftigkeit dieses Ortes in den Text einfließen lassen und dabei ein ungehorsames Kind sein, das Juhui-brüllend durchs Gebäude rennt; „Bücher – so viel Bücher!“ Und dann verstecke ich „Ein unendlicher Spaß“ bei den Sachbüchern, und Pipi Langstrumpf bei den Schulaufgaben, das ist Allgemeinbildung, Freunde. Ich mache die Angestellten ganz verrückt. 🙂

Wenn es ruhig ist, will ich laut sein. Das ist so in mir. An Orten wo es laut ist, bin ich ganz leise und gucke. Keine Ahnung, was da in meiner Erziehung falsch gelaufen ist.

Und einem Puck gleich flüstere ich euch ins Ohr: Lach mal wieder. Laut und wunderbar. Nur Mut.

Das wird super.

Heute sind wir übrigens in der Stadtbibliothek Göppingen. 20 Uhr.