Meine Text-Tasche

Ich war auf dem Flohmarkt. Das passiert mir selten. Quasi jedes Schaltjahr ein Mal. Mir gefällt zwar die Stilrichtung „Shabby Chic“, komischerweise findet sich aber wenig shabby chices Zeug in meiner Wohnung und Dinge, die es auf dem Flohmarkt zu kaufen gibt, halte ich meistens nur für Krempel. (Ob ich so falsch liege?) Am Samstag tappte ich arglos zwischen den Ständen herum, eigentlich auf der Suche nach was essbarem. Etwas mit Schokolade. Und Puderzucker obendrauf. Streußel müssen nicht unbedingt sein. Ich fand dann bei einem Stand der Realschule Muffins mit Gummibären obendrauf, das ist aber eine andere Geschichte.

Freundin I. machte mich auf eine Tasche aufmerksam. Ich sagte „unbenutzt“ und sie sagte „ungeliebt“ und wir meinten wohl das gleiche. Ausser, dass die Tasche eingestaubt war, fehlte es ihr an nichts. Du würdest das Ding wohl Schulranzen nennen, und ich würde widersprechen und „Aktentasche“ dazu sagen, und wir würden dann auch das gleiche meinen:

Meine neue alte Text-Tasche.

Ich fühle mich oft wie eine Schülerin, wenn ich mit College-Block und Mäppchen unterwegs bin. Als Autorin macht man so allerhand. Schreib-Seminare und Workshops, Autoren-Stammtische und Schreibgruppen. Wie man es nennt, ist eigentlich egal. Ich habe zwar ein iPad, aber ich bin, wenn es ums Schreiben im Entwurf geht, old school. Ich schreibe von Hand mit einem Füller auf Papier. Nicht elektronisch. Ich bin näher am Wort, wenn ich von Hand schreibe. Und selbst wenn ich eine Lesung mache, habe ich mein Mäppchen dabei und kritzele letzte Korrekturen mit Bleistift in meinen Text hinein. Also warum also nicht mit einem alten Schulranzen herum laufen? Ich habe die Riemen abgemacht, die Transformation zur Aktentasche war kurz und schmerzlos. Und wenn mich jetzt einer fragt, dann sage ich:

Das hier ist meine Text-Tasche.

Text-Tasche
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