Schreiben dicht am Leben

Rezension:

Ich konnte inzwischen das dazugehörige Notizbuch – gebraucht – kaufen und habe somit die Reihe voll. Das bedeutet, ich kann nun all meine Schreibübungen ins Duden Blank Book hineinschreiben, alles hübsch ordentlich und am richtigen Platz. Mein innerer Monk ist sehr zufrieden. Jedenfalls.

Aus dieser Schreibratgeber-Reihe gefällt mir „Schreiben dicht am Leben“ bisher am besten, das spricht mich am meisten an. 19 verschiedene Übungen laden zum Schreiben ein und dieses Mal gefallen mir durchweg auch alle Impulse. Das ist nicht oft so. Üblicherweise picke ich mir ein paar Aufgaben heraus und lasse alles andere links liegen. Jede Übung greift einen Aspekt auf, wie man die Welt betrachten und in Worte fassen könnte. Das geht über den üblichen Tipp „Setze dich in die Fußgängerzone und beobachte Leute“ hinaus. Diese Schreibanregung ist ja nicht neu und findet sich in vielen Ratgebern.

Wie schon in den anderen Büchern der Reihe sind alle Schreibanregungen mit Text-Beispielen untermalt, meine Wunschliste ist schon wieder um 4 weitere Bücher angewachsen, weil mir die Beispiele so gut gefallen haben. Ich habe gestaunt und gedacht: „Was man alles machen kann. Toll.“ Wenn ich also mit meinem Notizbuch in der Fußgängerzone sitze, kann ich alles ganz minimalistisch einfangen, Dialoge mithören, überspitzt darstellen oder ganz anders, den Blick nach innen richten: „Wie geht es mir hier eigentlich?“

Es hindert mich ja keiner daran, mir ein paar Anregungen auszuwählen und miteinander zu vermischen. Ich finde es aber gut, dass hier im Buch die Übungen getrennt voneinander dargestellt sind mit dem Augenmerk auf einer einzige Sache. Ich würde es als „Sehen lernen“ zusammen fassen. Es geht ums beobachten, erfassen und komprimieren: Das Gesehene/Gefühlte in Worte zu fassen. Und da gibt es wirklich sehr viele Möglichkeiten. Ich habe herzlich gerne alles ausprobiert und damit gespielt und auch noch ein paar neue Dinge für mich mitgenommen. Dieser Ratgeber ist, meiner Meinung nach fürs kreative Schreiben, also für SchriftstellerInnen geeignet, Anfänger wie Fortgeschrittene, aber genauso fürs Tagebuchschreiben, für den ganz persönlichen, eigenen Gebrauch. Eine Universalanleitung, quasi.

  • Schreiben dicht am Leben ★★★★★
  • DUDEN – Kreatives Schreiben
  • Hanns-Josef Ortheil

Van Gogh – Sämtliche Gemälde

Van Gogh / Sämtliche Gemälde / Taschen Verlag

Die Gemälde von Van Gogh machen irgendetwas mit mir. Die Strichführung, die Farben, die Motive. Das berührt mich. Das kann ich nicht rational erklären, es ist wohl auch nicht nötig, man muss nicht alles ergründen. Ich habe jetzt mehrere Wochen mit diesem Wälzer verbracht. Van Gogh auf über 744 Seiten. Ich bin mit Neugier, aber ohne große Erwartungen eingestiegen, einfach mit dem Bedürnis etwas mehr über Vincent van Gogh zu erfahren. Nun weiß ich, dass er etwa 870 Bilder gemalt hat und ich staune über diese Zahl. Mit welcher Arbeitswut muss man sich in seine Kunst stürzen um das in wenigen Jahren zu schaffen? Ich fand das Buch sehr spannend, auch wenn der Begriff vielleicht nicht ganz richtig ist. Ich versuche es zu erklären:

Die beiden Autoren, Ingo F. Walther und Rainer Metzger haben hier das Leben von Van Gogh mit der Entstehung seiner Kunstwerke verwoben. Also was er wann und wo gemalt und gezeichnet hat und auch warum. Mit Erklärungen zu seinem Werdegang und seiner künstlerischen Entwicklung. Alle seine Werke haben Symbolkraft, das war von Van Gogh so gewollt und in seinen Briefen an den Bruder oder andere Künstler auch erklärt. Und das meine ich mit spannend: ich fand es total interessant, wie er an seine Arbeit herangegangen ist. Wenn er meinte, er müsste Gesichter und Kopfstudien machen um besser zu werden, dann hat sich Van Gogh vorgenommen 50 Bilder zu malen. Und dann hat er genau das getan. Konsequent, fast wahnhaft. Ich bewundere diese Arbeitseinstellung – und die Bilder natürlich. Das Buch habe ich inzwischen ausgelesen, aber ich will es noch nicht ins Regal räumen. Ich blättere immer noch vor und zurück und schaue mir die Bilder an. Damit kann man viel Zeit verbringen und immer noch etwas entdecken. Auch das finde ich spannend.

Die Kombination aus Kunstkatalog, Biografie und Auszüge aus den vielen, vielen Briefen, die Vincent Van Gogh sein Leben lang geschrieben hat, macht diese Lektüre richtig lebendig. Herzliche Empfehlung. ★★★★★

Ich habe inzwischen einige Dinge über Van Gogh gelesen und tolle Verfilmungen gesehen, die Meinungen gehen da ausseinander, ob es Selbstmord war, oder ob Van Gogh angeschossen wurde und die Täter mit seinem Schweigen schützte. Ich maße mir da kein Urteil an. Hier im Buch wird sein Ende als Selbstmord dargestellt und mit seinem „Abschiedsbrief“ an den Bruder belegt. Wie sein Leben wohl verlaufen wäre, wenn seine Sterne etwas gütiger auf ihn herabgeblickt hätten?

Diesen Monat fahre ich noch nach Hambrug und sehe mir, unter anderem die Ausstelung „Van Gogh alive“ an und bin sehr gespannt.

  • Van Gogh. Sämtliche Gemälde
  • Ingo F. Walther, Rainer Metzger
  • Herausgeber: ‎ TASCHEN
  • Gebundene Ausgabe: ‎ 744 Seiten
  • ISBN-10: ‎ 9783836557122
  • ISBN-13 : ‎ 978-3836557122

Bester Van Gogh Film, also meiner Meinung nach:

Und meine Lieblingsversion von „Starry Starry Night“:

Lese-Monat Januar

Lese-Monat Januar
  • Mister Maikel – Sketchnotes ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️

Ich habe das Buch gelesen, aber noch nicht alle Übungen des Workshops gemacht. Wenn ich damit durch bin, schreibe ich auch einen Beitrag dazu und zeige ein paar meiner „grafischen Notizen“. 🙂

  • Bill Watterson – Calvin und Hobbes #1 ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️

Eine Kollegin vom BvjA-Autorenstammtisch hat mir letztes Jahr „There´s Treasures everywhere“ ausgeliehenund es ist fast tragisch, dass ich es zurück geben musste. Weil Calvin und ich, das ist Liebe auf den ersten Blick. Ich habe meinen Weihnachts-Bücher-Gutschein in drei Bände „Calvin und Hobbes“ umgesetzt und ich kann nichts anderes, als völlig begeistert zu sein. Dieser 6-jährige ist liebenswert und verrückt, einfallsreich und ein kleiner Teufel. Genau die richtige Mischung.

  • Stephen King – Der dunkle Turm Band #15 (Graphic Novel) ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️
  • Stephen King – Der dunkle Turm Band #16 (Graphic Novel) ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️

Ich habe alle Graphic-Novel-Ausgaben gelesen und bin nach wie vor völlig hin und weg, von dem Medium Bild und Text. Was mich betrübt: Nach band 16 ist Schluß. Aber inhaltlich fängt es hier ja erst an, die ersten Bände widmeten sich der Vorgeschichte von Roland. Jetzt sind seine drei Gefährten da, aber es gibt keine weiteren GN-Ausgaben. Ich werde also noch Mal die Romane lesen bzw. hören. Ich werde mir die Hörbücher einverleiben. Auch hier betrübt mich eine Sache: Die Romane der Reihe „Der dunkle Turm“ werden nicht von David Nathan gelesen. Und das ist nicht richtig, ich prangere das an. Seufz.

  • Terry Pratchett – Die Farben der Magie (Hörbuch gelesen von Volker Niederfahrenhorst) ⭐️⭐️⭐️⭐️

Ich starte ein neues Projekt: Wikipedia sagt, es gibt 41 Scheibenwelt-Romane. Und ich habe nicht mal ansatzweise alle gelesen. Daher wird daraus ein Projekt, genau wie mein #ProjektDarkTower. Ich mache eine Liste und dokumentiere die Sache. Später mehr. Volker Niederfahrenhorst macht seine Sache gut, das will ich gar nicht schmälern. Allerdings hat er ein paar Eigenheiten in seiner Sprechweise, die mich triggern. Uff.

  • Kris Brynn – Born ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️ (Hier geht´s zur Rezension)
  • Elke Heidenreich – Der Welt den Rücken (Hörbuch) ⭐️⭐️⭐️⭐️
  • Andy Stanton – Mr. Gum und der sprechende Kirschbaum (Hörbuch gelesen von Harry Rowohlt) ⭐️⭐️⭐️
  • Andy Stanton – Mr. Gum und das geheime Geheimversteck (Hörbuch gelesen von Harry Rowohlt) ⭐️⭐️⭐️

Puh, ja. Großer Pluspunkt der Mr. Gum Reihe: Harry Rowohlt liest das. Und er macht das gut. Ich habe vor Jahren mit dem ersten Hörbuch der Reihe angefangen (Ich glaube es sind 8 Geschichten) und mit jeder Fortsetzung wurde die Sache absurder. Beim ersten Buch habe ich mich noch scheckig gelacht, jetzt zum Schluß reichte es kaum noch zu einem Schmunzeln. Schade. Es liegt vermutlich an mir. Absurde Geschichten bzw. Handlungsstänge holen mich einfach nicht ab.

Kris Brynn – Born

Born von Kris Brynn

Eine künstliche Intelligenz, also eine KI, ist ja erst mal eine gruselige Sache. Nüchtern betrachtet. Ausser, sie ist im richtigen Team, dann ist es cool. Nalani ist Taxifahrerin und will eigentlich nur ihre Ruhe. Sie hat ein Kind und unterstützt ihren Bruder und seine Familie wo sie kann. Dann gerät sie zwischen die Fronten. Lebensmittelknappheit führt zu Schwarzmarkthandel und plötzlich wird sie beschossen und verfolgt.

Aber sie hat Fergus. Eigentlich soll der nur bei einer Panne kurz auftauchen, alles regeln und dann wieder in der Versenkung verschwinden. Doch das tut er nicht. Was zuerst wie ein nerviger Fehler aussieht, erweist sich als Glück. Eine KI, die menschlicher handelt, als manch ein Fleischbrocken aus Haut und Blut.

Und so entwickelt der Roman ein spannendes Katz-und-Maus-Spiel. Nalani versucht herauszufinden was eigentlich los ist und wer da ihre Familie bedroht, während Fergus, die Pannenhilfe, alte Filme schaut und menschliches Verhalten studiert. Die Verwicklungen spitzen sich zu, das Intrigengeflecht verknotet sich, Nalani riskiert alles und Fergus ist eben Fergus. Das macht viel Spaß den beiden hinterher zu fahren, ein paar Sachen aus Fergus Playlist musste ich googeln, dafür bin ich noch nicht alt genug. 😄

Spannende Zukunfts-Dystopie in der religiöses Geschwurbel auf neue Technologie trifft. ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️

Hab ich gern gelesen.

Klappentext:

Düster, hochspannend – und beklemmend realistisch:
Der Noir-Thriller »Born« spielt in einer nahen Zukunft, in der Europa den Krieg um wesentliche Ressourcen verloren hat.

Deutschland in der nahen Zukunft: Der Große Sandkrieg hat das Land fast unbewohnbar gemacht, die Bevölkerung drängt sich in gigantischen Mega-Citys. Riesige Farmen außerhalb sichern die Versorgung mit dem Nötigsten – oder dem, was die Regierung für nötig hält.
Nalani hält sich als Taxifahrerin in der Mega-City Born über Wasser, stets begleitet von Fergus, ihrem KFZ-Notfall-Hologramm, das sich nicht mehr deaktivieren lässt und so ziemlich alles besser weiß. Ihr Leben gerät gründlich aus den Fugen, als ihr Bruder Tomas sie verzweifelt kontaktiert: Auf den Farmen, die von sogenannten Brüdern und Schwestern nach einem alttestamentarischen Kodex geleitet werden, läuft etwas gründlich schief, und Nalani, die Tag für Tag mit dem übelsten Abschaum zurechtkommen muss, ist seine letzte Rettung …

In ihrem Noir-Thriller »Born« lässt Kris Brynn, die Autorin von »The Shelter – Zukunft ohne Hoffnung« und »Out of Balance«, eine beklemmend realistische Vision der Zukunft entstehen. Die richtige Dosis Action, spritzige Dialoge und viel Atmosphäre machen den Thriller zu einem echten Lese-Highlight.

  • Herausgeber ‏ : ‎ Knaur TB; 1. Edition (1. September 2021)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Taschenbuch ‏ : ‎ 352 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3426526484
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3426526484

Wie wir töten, wie wir sterben

Martin von Arndt; Politthriller

Spannend erzählter Politthriller, der vierte Fall. Man kann die Bücher unabhängig voneinander lesen, die Fälle sind in sich abgeschlossen. Es hilft zwar für´s Verständnis, es ist aber nicht zwingend notwendig die Vorgänger zu kennen. Ich habe Tage der Nemesis, Rattenlinien und Sojus gelesen, und kann alle drei Bücher herzlich empfehlen. Andreas Eckard hat es mir sehr angetan, ein spannender und ambivalenter Charakter.  

Da ich ein Rückwärtsblätterer bin, weiß ich, dass am Ende ein Glossar kommt mit den wichtigsten Abkürzungen und Erklärungen. Da rein zu schauen finde tatsächlich ich notwendig, fürs Verständnis.

Ich lese selten Krimis oder Thriller, weil es mir oft zu blutrünstig und kompliziert zugeht. Hier verschwimmen zwar auch die Grenzen zwischen Wer-ist-der-Gute? und Wer-ist-der-Böse? Die Antwort liegt wie immer verborgen im allumfassenden Grau. Aber die klare Sprache und der flotte Erzählstil ziehen mich in die Story hinein und halten mich auch da, ohne dass ich mir wie ein Idiot vorkomme, weil ich nicht durchblicke. Die Geschichte entwickelt sich, ich renne den Ermittlern hinterher und stelle meine Vermutungen an.

Vanuzzi und auch Rosenberg kenne ich schon, aus den Vorgänger-Büchern, daher weiß ich ungefähr, (oder meine es zu wissen) wer auf welcher Seite steht und was mich erwartet. Ich folge ihnen also bei ihren Ermittlungen und Beschattungen, ahne wie die Sache zusammenlaufen könnte. Es kommt natürlich anders, aber das ist ja der Reiz: Spannend erzählt, gut recherchiert, klar ausgedrückt. Ich will jetzt nicht behaupten, das sei vergnügliche Lektüre, weil es geht um die Jagd nach einem Kriegsverbrecher und die beiden Ermittler wissen gar nicht in was für eine Intrige sie hinein geraten. Ich habe dann im Hinterkopf: „Könnte tatsächlich so gewesen sein“ oder gar „Das ist so passiert.“ Kriegsverbrechen, Folter und Mord. Ich muss mich dann seelisch-moralisch vorbereiten in diese dunklen Kapitel einzutauchen. Aber wenn ich das mache, dann will ich wissen wie es ausgeht und kann das Buch einfach nicht weg legen. Deshalb: ★★★★★

  • Martin von Arndt
  • Wie wir töten, wie wir sterben
  • Politthriller, 302 Seiten
  • ars vivendi
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3747203293

Klappentext:

Bonn, 1961: Agent Dan Vanuzzi wird vom französischen Auslandsnachrichtendienst angeheuert, zwei in der BRD untergetauchte Mitglieder der algerischen Befreiungsarmee aufzuspüren. Der Algerienkrieg tobt mittlerweile seit sieben Jahren, und den beiden werden Kriegsverbrechen an französischen Soldaten zur Last gelegt. Um sie zu fangen, muss Vanuzzi seine ganze Kraft und Erfahrung aus zwanzig Jahren Geheimdienst aufbieten. Doch schon nach kurzer Zeit wird klar, dass niemand der ist, der er zu sein scheint. Vanuzzi kontaktiert seinen alten Gefährten Rosenberg, der als Mossad-Agent in der BRD den ehemaligen KZ-Kommandanten Arthur Florstedt aufspüren und nach Israel entführen soll. Rosenberg wird dabei mit seinem eigenen Trauma konfrontiert, der Ermordung seiner Familie im KZ und seinem eigenen Überleben. Vanuzzi und Rosenberg versuchen sich gegenseitig zu helfen und begeben sich in die Abgründe der Geschichte …

Lese-Monat September

Mein Lese-Monat September

  • Roberta Bergmann – Kopf frei für den kreativen Flow ⭐️⭐️⭐️⭐️
  • Stephen King – Joyland (Hörbuch) ⭐️⭐️⭐️⭐️
  • Bov Bjerg – Deadline ⭐️⭐️⭐️⭐️
  • Stephen King – Der dunkle Turm Band 13 (Graphic Novel) ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️
  • Susann Rehlein – Lucy Schröders gesammelte Wahrheiten ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️
  • Guiseppe Latanza, Francesco Matteuzzi – Hokusai (Graphic Novel) ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️

Auf Lucy Schröder habe ich schon eine Lobes-Hymne verfasst. Der Roman ist diesen Monat mein Lese-Highlight. Bov Bjerg mochte ich auch, aber das Buch ist schwierig zu lesen, also keins, dass man mal g´schwind mit Genuss liest. Etwas wie Deadline ist mir noch nie unter gekommen, da musste ich mitdenken und mich anstrengen, das war Arbeit. Die hat sich gelohnt, keine Frage, aber ich würde es nicht uneingeschränkt weiter empfehlen. Und die Entdeckung von Hokusai begeistert mich (immer) noch sehr, darüber möchte ich, sobald ich Zeit dazu finde, ein paar Gedanken aufschreiben. Im Moment hat mich mein neues Manuskript fest im Griff. Jede freie Minute – sofern ich nicht zu müde bin, und das bin ich oft – stecke ich in den neuen Roman. 

Und was hast du gelesen?

Lucy Schröders gesammelte Wahrheiten

Die Bücher von Susann Rehlein lesen sich, als wären sie extra für mich geschrieben worden. Da ist ein blinkender, roter Pfeil, der auf mich zeigt und laut „Zielgruppe“ verkündet. 😉
 
Ich mag den lakonischen Erzählstil der Autorin, ich mag den Humor, den die Geschichte transportiert und ich mag die schnoddrige Lucy Schröder. Die hat ziemlich einen an der Waffel, aber das ist auch kein Wunder, bei der Nicht-Erziehung, die ihr widerfahren ist. (Ich stelle noch die steile These auf, dass Lucy sich im Spektrum bewegt, aber das nur am Rande.) Jedenfalls. Lucy kann hellsehen, allerdings hat sie keinen Funken Sozialkompetenz im Leib, dafür ein großes Herz. Eigentlich. Sie weiß nur nicht, wie man das benutzt. Aber der Reihe nach. 
Ihre Mutter starb sehr früh und der Vater verschwand völlig in seiner Trauer. Erziehung is nich. Lucy wächst also auf, wie ein wildes Tier, sich selbst überlassen. Es gibt ein paar Menschen um sie herum, aber keiner ist nah genug an dem Kind dran, um einen Unterschied zu machen. Lucy kriegt also die ganze weltliche Weisheit ihres Vaters ab: Liebe is nich. 


Er stirbt und Lucy versteckt sich in ihrer Wohnung. Monatelang geht sie nicht raus, lässt sich Essen liefern und terrorisiert ihre Mitbewohner, bis ihr Therapeut sagt: „So geht das nicht weiter. Du kannst nicht nur drinnen hocken und Schneekugeln basteln!“ 


Lucy muss also raus etwas ändern, Leute kennen lernen, leben. All das. Aber Lucy hat ziemlich einen an der Waffel. Deshalb rennt sie in zerrissenen Jeans, einem Tutu und einer grünen Fell-Tasche ins Kaufhaus Schönstedt. Sie macht es sich zur Aufgabe jemanden zum Kennenlernen zu finden, eine Jeans zu kaufen und dem Therapeuten zu beweisen, dass sie doch noch nicht ganz reif ist für die Klapse. Es passiert, was auch mir passiert ist: Sie versucht alle um sich rum mit ihrer Ruppigkeit auf Abstand zu halten, aber das funktioniert nicht so gut, weil das leicht zu durchschauen ist. Lucy ist zwar groß geworden, aber nicht erwachsen. Und mit ihrer kindlichen Art rennt sie Wände ein, innere und äussere. Im Kaufhaus ändert sie einige Leben, auch ihr eigenes, ganz langsam. 


Da ist dann Platz für Ruhe, und für Freundschaften und auch für die Liebe. Natürlich ist die Liebe in Lucys Leben pragmatisch, zart und besonders, was soll sie sonst sein? Ich will gar nicht zu viel verraten. Nur soviel: Ich mag Lucy. Ich mag den Piepel und Tom, ich mag die lilafarbene Lea Hellmich, ich mag Frau Fiebig und ihre Stöcker, ich werde nie wieder vernünftig Chameleonen sagen können, ich mag den Enno und ich mag Lucys wilde, ungestüme Art und wie sie Nähe lernt. Das kann man nämlich nicht einfach so, nur weil man da ist. Lucy kann hellsehen und Flammen säufzen. Sie kann hellrosa Puder in den Hausflur zaubern, das Leben ist voller Wunder. 


Ich habe an einigen Stellen laut gelacht, an anderen die Tiefgründigkeit gespürt. Lotte Römer hat mir die Bücher empfohlen, und ich bin sehr froh, dass diese Perlen jetzt bei mir wohnen. Ich freu mich auf ein Wiederlesen. Das mache ich mit Perlen nämlich so. 

☆☆☆☆☆

  • Susann Rehlein
  • Lucy Schröders gesamelte Wahrheiten
  • Roman
  • Dumont

Das Damengambit

Walter Tevis – Das Damengambit

Ich hab die Serie auf Netflix gesehen und nun das Buch auf Deutsch gelesen. Ich kann das gut, Geschichten in allen Formen genießen, auch doppelt und dreifach. Als Buch und Hörbuch und dazu dann Film bzw. Serie. Gut, ich maule auch regelmäßig den Fernseher an: „Das war im Buch aber ganz anders!“ Aber das gehört zur Performance dazu, sonst weiß doch keiner, dass man ein Klugscheißer ist. 😉

Jedenfalls.

Beth Harmon kommt, nach dem Tod ihrer Mutter ins Waisenhaus. Dort werden die Kinder mit Beruhigungspillen vollgestopft. Nicht auszudenken, die Kinder würden in ihrem elternlosen Dasein auch noch übermütig spielen. Durch Zufall landet die 8-jährige Beth im Keller, beim Hausmeister Mr. Shaibel. Der spielt dort Schach. Beth ist sofort fasziniert, aber Mr. Shaibel ist nicht der einzige Mann der meint, Schach sei nichts für Mädchen. In Beths Leben ist er einfach nur der Erste. Sie lernt schnell, bleibt hartnäckig und auch wenn sich da keine innige Freundschaft entwickelt, so immerhin eine Art Zuneigung und Respekt. Das Mädchen kann ja doch was. Beth lernt also zwei Süchte kennen: Die Beruhigungspillen ohne die sie nicht Schlafen kann, und Schach. Ein Ausweg aus der Tristesse. Ihr Leben ist bald davon geprägt darüber nachzudenken, wie sie an mehr Tabletten heran kommt und wie sie die Figuren über 64 Felder schiebt. Später wird sie adoptiert, sie bleibt den Pillen und dem Schach treu und legt eine Karriere hin. Mit Höhen und Tiefen.

Der Roman ist 1983 erschienen und Walter Tevis konnte nicht ahnen, dass sein Stoff mal zu einer Netflix-Serie werden würde. Man könnte aber meinen, er hätte den Roman genau dafür geschrieben. Ich bin selten mit einer Verfilmung 100-prozentig zufrieden. Hier schon. Die Sprache von Walter Tevis ist bildhaft und schlicht. Seine Figuren entstehen nicht durch lange, ausführliche Beschreibung, sondern durch Handlung. Was sie tun, lässt sie lebendig werden. Das ist schön, das hat Tempo.

Nur weil ich als Kind gelernt habe, welche Figur wie über das Brett marschieren darf, bedeutet das nicht, dass ich irgendeine Ahnung vom Schach spielen hätte. Das macht aber nichts. Die Partien die Beth spielt, ihre Siege und ihre Niederlagen sind im Buch sowie in der Serie so anschaulich dargestellt, dass es wie ein Krimi wirkt. Spannend. Schach, das klingt ja eigentlich erst Mal langweilig. Ich denke an die Zeit zurück, als ich meinem Vater, mit baumelnden Beinen, gegenübersaß und genervt darauf wartete, dass er endlich den nächsten Zug macht. Beth lässt mich nicht warten.

Es geht aber natürlich nicht nur ums Schach spielen. Beth, die wahnsinnig viel Talent hat und intuitiv spielt, hat mehrere Probleme. Zum einen ihre Sucht, ihre eigenen Dämonen in Form vorn Selbstzweifel und Einsamkeit. Mrs. Wheatley, also die Frau, die Beth adoptiert, unterstützt ihre Stieftochter. Allerdings nicht aus Überzeugung, sondern weil ihre Lebensumstände es erfordern. Sie müssen sich beide durchkämpfen. Und schließlich trifft Beth auf einen Gegner, den sie nicht bezwingen kann. Borgov.

Ich habe die Serie mit Begeisterung geschaut, und auch das Buch in vollen Zügen genoßen. Beth ist kein gefälliges, hübsches Mädchen. Schach ist kein Metier, das „Herzlich Willkommen“ ruft. Anya-Taylor Joy hat Beth ein ausdrucksstarkes Gesicht gegeben. Walter Tevis hat eine faszinierende Frau in eine Männerwelt geschubst. Ich hab das herzlich gerne gelesen/geguckt. Und möchte es hiermit weiter empfehlen. Beides. In Bild und Text.

★ ★ ★ ★ ★

Walter Tevis – Das Damengambit

Roman / Diogenes Verlag

Übersetzer: Gerhard Meier

ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3257071610

Immer noch wach

Immer noch wach – Fabian Neidhardt

Alex bekommt die Diagnose Krebs. Noch nicht mal 30, gerade im Leben angekommen. Er ist mit seiner Freundin zusammen gezogen, hat mit seinem besten Freund ein Café eröffnet und jetzt das.

Fabian Neidhardt erzählt diese Geschichte lakonisch, mit leichten Andeutungen und sehr wenig schmückendem Beiwerk. Ich mag diesen Stil und weiß es zu schätzen. Für Geplänkel habe ich keine Zeit, ich bin eine ungeduldige Leserin. Alex hat auch keine Zeit (mehr). Die einzelnen Szenen kommen daher wie ein Film, mit harten Schnitten. Es gibt keine Übergänge, keine ausschweifenden Beschreibungen, die bildhafte Sprache untermalt das noch. Alex hat also Magenkrebs, genau wie sein Vater. In seiner Reaktion schwingt ein gewisser Todeswunsch mit. Als der Vater nach langem Leiden stirbt, ist Alex gerade mal 7 Jahre alt und er weiß zwei Dinge:

  1. Auch ihn wird der Krebs eimal erwischen.
  2. Er will nicht, dass seine Angehörigen seinen letzen Kampf mitansehen müssen, in einem Krankenzimmer, dass nach Scheiße stinkt.

Nach der Diagnose will er keine Behandlung, keine weiteren Untersuchungen, es schwingt ein unterschwelliges „Endlich“ mit. Als hätte er schon lang darauf gewartet, dass es ihm wie seinem Vater ergeht, und er sich in diese Situation hineinfallen lassen kann. Er erinnert sich an das Sterben und auch an das danach. Wie seine Mutter in ihrer Trauer beinahe verschwand. Nur sein Freund Bene war ihm Halt und Trost. Jetzt, Jahre später hat Alex Mühe, seiner Freundin Lisa und seinem besten Freund Bene begreiflich zu machen, was ihn umtreibt. Warum er egoistisch sein, in ein Hospiz gehen und ohne „Zeugen“ im Sinne von Leidtragenden sterben möchte.

Ich verstehe Alex in seinem Wunsch; wenn man beim Sterben nicht egoistisch sein darf, wann denn bitte dann? Aber auch die Position der Freunde ist verständlich, die ihn anschreien: „Kämpfe. Wehr dich gegen den Krebs. Lass das nicht so geschehen.“ Sie möchten für ihn da sein, ihn begleiten.

Doch Alex setzt sich durch. Er hat eine Löffelliste, gut, die ist sehr kurz, aber immerhin. Er regelt seine Angelegenheiten, verabschiedet sich, feiert eine letzte Party, wohnt seiner eigenen Beerdigung bei. Eine Beerdigung ist für die Angehörigen, nicht für den Verstorbenen. Sind wir nicht alle neugierig, wie sich unsere Lieben von uns verabschieden? Was sie am Grab sagen?

Alex steigt in einen Zug, fährt kilometerweit, um in einem Hospiz, allein und ohne Trost oder Beistand seiner Freunde zu sterben. Aber wie heißt es so schön: Erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt. Hier nimmt die Geschichte nochmal eine Wendung, Alex geht in eine Richtung, die ich vermutet habe, gleichzeitig überrascht er mich. Spoilerfrei kann ich sagen, dass er eine ganze Menge lernt. Über sich, über Abschiede, über das Leben und das Für-jemanden-dasein-wollen. Im Hospiz lernt er Kasper kennen, der ist auch allein. Allerdings unfreiwillig. Die beiden freunden sich an, während sie auf ihr Ende warten. Sterben, das geht nicht so schnell. Alex ist für Kasper da, aber nicht nur das. Alex erweitert seine Löffelliste. Kurz dachte ich, ach das wird jetzt wieder so eine Das-Beste-kommt-zum-Schluß-Geschichte. Ja und Nein. Es ist eine Geschichte über Zeit. Über geschenkte Zeit und darüber, was man damit anfangen kann und will und mit wem.

Ich hab das Buch gern gelesen und mit einem Seufzen und einem guten Gefühl in der Magengegend zugemacht. Ein bisschen Zeit ist noch.

★★★★★

Stephen King – ES

Hello!

Lass uns über Bücher reden. Ich habe „ES“ von Stephen King gelesen und inzwischen auch die Verfilmung gesehen. Also die neue Version von 2017 und 2019. 

Aber zuerst das Buch: Achtung, ich muss spoilern. Falls du das Buch also noch nicht gelesen hast, das aber noch tun willst, dann lass dir das Ende von mir nicht verderben und klick woanders hin. Wenn du es schon kennst, dann diskutier´ mit mir. Sind wir uns einig? Das Buch ist großartig, aber das Ende ist Mist!? Aber der Reihe nach. 

Stephen King kann, meiner Meinung nach, großartige Anfänge schreiben. Wie die Geschichte beginnt, mit dem kleinen Papierboot, das Billy für seinen kleinen Bruder Georgie bastelt, damit der das draussen im Regen, im Rinnstein „in See stechen“ lassen kann. Ich habe das Buch als Hörbuch, gelesen von David Nathan, wochen- und monatelang gehört. Es ist episch. Wenn es die Kombination aus King und Nathan nicht gäbe, man müsste sie erfinden. Das Buch hat allein 7 Hauptfiguren, die Gruppe Kinder rund um Billy, die sich nach Georgies Tod dem ultimativen Bösen stellen (müssen). Aber es gibt auch noch unzählige Nebenfiguren und Schauplätze und Handlungsstränge in alle Richtungen. Wenn mir jemand sagt, dass er die Bücher von Stephen King nicht mag, dann weiß ich genau warum das so ist: Er folgt den einzelnen Geschichten immer bis tief ins Wurzelwerk, alles ist verwoben und gleich wichtig, es gibt viele Figuren und viele Details. Es ist überwältigend, manchmal. Wer solche Dinge, also diese Fülle, nicht zu schätzen weiß oder gar lästig findet, hat hier keine Freude. Während ich ganz gespannt den Brotkrumen folge und mich ins Hexenhaus locken lasse. Ich liebe diese Weite. Ich tauche ab, in diese Welt und meine mich in Derry zu befinden. Ich weiß wie die Straßen heißen, wie es riecht, wer wo wohnt und wenn eine Nebenfigur, in einem dramatischen Augenblick auftaucht, nur um dann im richtigen Moment zu sterben, weil das gerade zur düsteren Stimmung gehört, dann erkenne ich den Kniff den King anwendet, ich zwinkere ihm verschwörerisch zu: Ich hab´s kapiert, Buddy. 

Ich wüsste zu gern, wie er das macht, also ein solch monumentales Werk zu planen, alle Details im Blick zu haben und dann noch das schriftstellerische Können alles zu verbinden, zu entfalten und aufeinander aufbauen zu lassen. Wahnsinn. Da ist also Billy, dessen kleiner Bruder von ES getötet wird. In Derry verschwinden viele Kinder. Das Böse kehrt alle 27 Jahre zurück und mordet, bis es satt ist. Die Gruppe um Billy muss erst zueinander finden. Alle haben ihre eigenen Probleme. Beverly hat einen gewalttätigen Vater, Ben wird vom Schulhof-Tyrann Henry drangsaliert, Eddie wird von seiner Mutter überbehütet, sie alle sind auf ihre Art Verlierer. Am Schluß treffen, fast wie vorbestimmt sieben Kinder aufeinander, die der Welt nur zusammen etwas entgegensetzen können. Jede Figur wird von King eingeführt, mit Backstory und Konflikt und Mangel. Selbst der Ort ist wie ein Charakter. Und die Geschichte entwickelt sich, die Kinder stellen sich dem Bösen, müssen aber, als Erwachsene wieder zurück kehren. Sie haben ES verletzt, nicht getötet. Das Gedächtnis ist eine merkwürdige Sache. So wie die 7 zurück kehren, kommen auch ihre Erinnerungen zurück. 

ES muss sich an die Regeln des Körpers halten, den er bewohnt. Aber er kann das Böse steuern. Einen wie Henry, der schon durch und durch schlecht ist, lenkt ES wie eine Marionette um sein Werk zu tun: Töten. Die Kinder sind erwachsen geworden, die Schlechtigkeit der Welt auch. Beverlys Mann, der ihrem Vater so sehr ähnelt, dass es körperlich weh tut, macht sich auf den Weg nach Derry. Henry bricht aus der Anstalt aus, in die man ihn als Jugendlicher gesteckt hat. Alles Schlechte macht sich auf den Weg. Die Gefahr verdichtet sich, bündelt sich, die Spannung baut sich ja gerade durch die Ahnung auf: Was kommen könnte. 

Ich staune also, wie sich die Geschichte ausbreitet, nach vorn und zurück. Mike, der in Derry geblieben ist und Nachforschungen angestellt hat, über die Zyklen von ES, findet heraus was ES ist und was ES alles angerichtet hat. Er ist das Gedächtnis der ganzen Gruppe und sich bewußt, dass ihre Geschichte praktisch mitten drin anfängt, weil ES schon sehr alt ist, weltfremd und über ein kurzes Menschenleben nur schäbig lacht. Mike forscht in der Vergangenheit. Die Kinder stellen sich ES 1958 und, kein Zufall, 1985 wieder. In einem Zyklus treffen wir den Koch aus „The Shining“ wieder und solche Cameos freuen mich immer ungemein. Jedenfalls. Irgendwo mitten in dem ganzen Schlamassel haben 7 minderjährige Kinder Sex miteinander. Ich verstehe, warum King das so geschrieben hat, und warum dieses „Zusammen“ seiner Meinung nach sein musste. Ich finde es aber unnötig und grenzwertig und ach. Einfach nein. Ihr junges Alter, die ganze Gruppe, ach. Ich verstehe nicht, wie das durch einen Verlag abgesegnet werden konnte. Das da niemand gesagt hat: „Schreib das um, das ist zu krass.“ Es ist also so veröffentlicht worden, und diese Szene ist mein einziges Manko in dieser großen und umfänglichen Lobeshymne. Ich finde den Roman trotzdem großartig und werde ihn nochmals lesen bzw. hören. David Nathan, als Pennywise… kein Film, keine Bilder können mich so gruseln. Der Film hatte Szenen zum fürchten, und ich bleibe trotzdem dabei: David Nathan ist der Mann mit den tausend Stimmen. Er hat mich noch mal ganz anders das Fürchten gelehrt. 

Inzwischen habe ich also auch die Verfilmung gesehen. Stephen King spielt im Film mit und nimmt sich selbst auf die Schippe, was ihn unheimlich sympathisch macht. Ich mag ihn eh, das lässt sich kaum steigern. Aber hier war es nochmal möglich. Der erwachsene Billy ist Schriftsteller geworden und trifft in einem Trödel-Laden auf einen Verkäufer, der ihn für seine Bücher kritisiert. Der Verkäufer (King) sagt also sinngemäß: „Das Buch war toll, nur das Ende ist Mist.“ Und das hört sich Stephen King vermutlich schon seit 30 oder 40 Jahren an. Offensichtlich kann er damit gut umgehen. Im Film wurde das Ende abgewandelt. So, dass es zur Geschichte passt, ohne ihren Sinn zu verhunzen und ohne, dass 7 Teenager Sex miteinander haben müssen. Ich kann mit der Film-Version gut leben. Ich finde sie gut gelungen. Es gibt am Schluß sogar eine Erklärung dafür, warum Stanley sich umgebracht hat. Hätte ich persönlich nicht gebraucht. Aber das war wohl auch ein Punkt, den LeserInnen nicht verstanden haben und worauf man nun, etwa 30 Jahre später reagieren kann. 

So, jetzt du. 


Gefällt es dir hier?

Ich veröffentliche hier Kurzgeschichten, Rezensionen, Miniaturen. Was mich eben umtreibt. Wenn du mich unterstützen möchtest, dann gibt es mehrere Möglichkeiten. Zum Beispiel; kauf (und bewerte) meine Bücher. Jeder Stern zählt. Komm zu den Lesungen der get shorties Lesebühne. Oder versorge mich mit Lese-Stoff, dann kann ich neue Rezensionen schreiben. Literatur leben, lieben, leisten. *it´s the Write thing to do.

Merci mit Knicks.

Nina in Love

Taschenbuch

11,99 €