Schreiben Tag für Tag

Duden: Schreiben Tag für Tag

Ich habe zuweilen das Bedürfnis, Dinge zu schreiben, die ich zum Teil nicht fassen kann, die aber gerade den Beweis für das erbringen, was in mir stärker ist als ich.

Camus

Ich war mit dem Band „Schreiben über mich selbst“ aus dieser Duden-Reihe ja sehr unzufrieden. Alles, was ich dort vermisst habe, fand ich nun endlich hier und bin wieder versöhnt. Sinngemäß lautet die Aussage dieses Buches: Erst wenn du das Werkzeug Sprache beherrschst, bist du in der Lage damit kreativ zu arbeiten. Und wo fängt man an, wenn man mit dem Schreiben loslegt? Bei sich selbst. 25 Übungen laden dazu ein, mit verschiedenen Spielarten von ganz pedantisch bis hin zu eher grob. Innenleben, Aussenleben, Listen, Chroniken. Vom sachlichen Aufzeichnen zum Ideenbuch oder der eigenen Identitätsfindung. Als jahrelange Tagebuchschreiberin war mir schon manches vertraut, aber ich habe auch viele neue Anregungen und Ideen gefunden und ausprobiert. So mag ich das, so habe ich mir das gewünscht.

Es waren so viele Tagebuch-Beispiele dabei, dass ich praktisch das halbe Buch unterstrichen habe und meine Wunschliste um einige Titel reicher geworden ist. Ich muss unbedingt die Tagebücher von Kafka, Wittgenstein, Camus und Rousseau lesen. (Wegen mir hätten unter den Beispiel-Tagebuch-Schreibern auch ein paar Frauen sein dürfen, aber das ist ein anderes Thema.)

Ich schreibe schon seit vielen Jahren Tagebuch, dokumentiere meine Alltag, meinen Empfindungen, ich komme auch manchmal drauf, dass man nicht jeder Emotion trauen darf. Hier in diesem Büchlein lauteten die Übungen ganz oft: sei authentisch, wage auch mal einen Blick in die zerzausten Ecken deiner Persönlichkeit und halte das dann aus. Ich finde es einigermaßen schwierig die eigenen blinden Flecken auszumachen. Ich kann hart mit mir ins Gericht gehen, alle meine Fehler aufzählen und mich übel beschimpfen für meine Blödheit, wenn ich denn irgendwas ordentlich verbockt habe. Aber das führt noch nicht zu einem versöhnlichen Blick auf mich, noch nicht zu einem Fazit: Was kann ich besser machen? Vielleicht braucht es das gar nicht. Mich selber zu optimieren, als wäre ich die Beta-Version irgendeines Start-ups ist auch sehr bescheuert. Das kann nicht das Ziel sein. Jedenfalls. Hier geht es also um das Verständnis des eigenen Ichs, darum sich schreibend in Beziehung zu bringen, mit sich selbst, mit der Natur, mit allen anderen. Und ich bin überzeugt, dass das geht. Das Schreiben zu leben hilft. Schreiben schafft Bedeutung.

Kein Tag sei ohne Zeile!

Nulla dies sine linea!

Ich bin noch von einer anderen Sache überzeugt: Wenn man in sich (in Form eines Tagebuchs) etwas Ordnung geschaffen hat, dann kann man eine neue Datei anlegen oder ein neues Blatt Papier im Notizbuch aufschlagen und dann etwas neues, etwas Kreatives beginnen. Textarbeit. Schriftsteller versuchen immer ein Problem zu lösen. Ob nun fiktiv oder biografisch, das ist ja eigentlich egal. Mein Gemütszustand hängt oft mit meiner Fähigkeit zu schreiben zusammen, und wenn zu viel los ist, im Seelenhaus, dann klappt es a) mit dem kreativen Schreiben nicht und b) weiß ich manchmal vor Lauter Zuviel gar nicht, was ich denn denke oder fühle und überhaupt. Es ist tröstlich zu wissen, dass es anderen auch so geht. Mir war gar nicht klar, wie gern ich anderer Leute Tagebuch lese. Hinein schnüffeln in andere Gedankenhäuser und erstaunt feststellen: So anders ist deren Fundament gar nicht. Die wollen auch nur sich selbst und die Welt begreifen und dann etwas daraus machen. Dieser Band war sehr hilfreich und ich werde ihn wohl noch manches Mal in die Hand nehmen und aus den Übungen schöpfen um mich selber besser kennen zu lernen und zu begreifen. Bei Susan Sontag hieß das: Ich schreibe, um herauszufinden, was ich denke. (So, jetzt habe ich noch eine TagebuchschreiberIN rein geschmuggelt.) ★★★★★

Ich elender Mensch!

Kafka

  • SchreibenTag für Tag
  • DUDEN Kreatives Schreiben
  • Christian Schärf

Nachmittage

Nachmittage von Ferdinand von Schirach

Ausgelesen: Nachmittage

Ich habe einen Schnipsel einer Lanz-Sendung gesehen. Markus Lanz las einen Satz aus dem Buch #Nachmittage Es ging darum, was man einem Fremden, in einer Bar spätabends erzählen kann. Normalerweise schaue ich kein ZDF, kein Lanz, ich bin nicht solche Leute. Aber dieser eine Ausschnitt war so wunderbar, dass ich das Buch gleich haben musste. Und ich wurde nicht enttäuscht. Wobei, beinahe schon. Wenn Schirach als Ich-Erzähler auftritt, dann schreibt er ganz wunderbare Sätze, selbst wenn der Inhalt der Geschichte harter Tobak ist, das ist trotzdem unfassbar gut. Ich habe viel unterstrichen. Dann trifft er jemanden, erzählt dessen Geschichte nach, ohne Schnörkel, fast plump im Telling. Ich bemerke das, wundere mich, bin aber dennoch fasziniert und muss dran bleiben.
Wenn man ohne Mühe durch einen Text hindurch schwimmt, wenn man mitfließt, dann ist er in meinen Augen gut gelungen. „Nachmittage“ fühlt sich an, als ob ich mit jemandem in einem Café gesessen und ein gutes, intensives Gespräch geführt hätte. Ich war da beteiligt; „Wir wissen voneinander“. Da ist Melancholie drin und Tiefe, obwohl es nur kurze Texte sind, die augenscheinlich nichts miteinander zu tun haben, und doch ineinander fließen, ich bleibe bei meinem Bild: Tinte in Wasser. Ich habe das sehr, sehr gerne gelesen, Ferdinand von Schirach habe ich jetzt auf dem Schirm, von dem will ich mehr lesen. ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️

Ferdinand von Schirach
Nachmittage
Luchterhand

#BacklistMittwoch – Letzte Nacht in Twisted River

Es ist Mittwoch und weil demnächst ein neuer Roman von John Irving erscheint, will ich den #BacklistMittwoch für diesen Roman nutzen:

Väter und Söhne

Irving setzt seine Figuren immer grotesken Zufällen und Unfällen aus. Erst ertrinkt der  15-jährige Angel, und später stirbt die Geliebte des Kochs. Der Sohn des Kochs, der 12-jährige Daniel verwechselt die stämmige, schwarzhaarige Frau mit einem Bären und erschlägt sie mit einer Bratpfanne, im Glauben sie würde seinen Vater angreifen. Leider ist die Frau auch die Freundin des Sheriffs, der sich rächen will, am Koch und dessen Sohn. Eine lebenslange Flucht beginnt.

Eintauchen, sich treiben lassen

Vater und Sohn leben allein, Rosie die Ehefrau und Mutter, ertrank, als Daniel zwei Jahre alt war. Lange Zeit erfährt Daniel nicht die Umstände ihres Todes. Die Ereignisse; der Unfalltod der Mutter, die erschlagene Bären-Frau, die Flucht, machen aus Daniel einen Schriftsteller. Schon als Teenager fängt er an zu schreiben, sieht in sich selbst einen zurückgebliebenen Jungen, der die Lücken seines eigenen Lebenslaufs mit seiner Fantasie stopft. Einzig sein Lehrer Mr. O´Hara liest seine Geschichten. Gerade dieser Umstand ist für mich besonders spannend. Daniel sammelt Informationen über seinen Vater, seine Mutter und ihre gemeinsame Vergangenheit wie Puzzlestückchen. Er legt sie zusammen, und so wie er die Umstände erfährt, bekomme auch ich sie. Den Rest muss sich Daniel selbst zusammen reimen. Irving lockt mich mit Brotkummen ins Hexenhäuschen, lässt mich schmoren. Wenn er will, dass ich leide und aufgeregt das dicke Ende kommen sehe, dann haut er mir nochmal eins über. Immer gespickt mit seiner Detailverliebtheit. Ich kann gut verstehen, warum manche LeserInnen überhaupt keinen Zugang zu Irvings Bücher finden. Entweder man liebt ihn für seine Details, für seine Ausschweifungen und Längen, oder man legt das Buch frustriert beiseite, doch so legt man nie das ganze Puzzle zusammen. Denn alle Details sind wichtig.

Ich persönlich finde es, beispielsweise, großartig, dass Irving uns LeserInnen auf seiner Reise der Geschichte immer genau erklärt, was passieren wird, warum, und wie. Ich sehe es immer kommen, und bin dann doch überrascht. Er lässt mich an seinen Kniffen teilhaben und ist dabei sein größter Kritiker. Kein einziger Kritiker, könnte ihn so sehr auseinander nehmen, wie er es selbst tut. Die ersten 200 Seiten handeln davon, wie es zur Flucht kommt. Ich erfahre die wichtigsten Dinge: das Leben des Kochs, bevor er heiratete und Daniel geboren wurde, das Leben der Mutter, alles über die Bären-Frau und auch über den besten Freund vom Koch; Ketchum. Die zentrale Figur des Romans, und meiner Meinung nach, verdammte Elchscheiße, auch der liebenswerteste Kerl weit und breit. Ketchum begleitet die beiden, als Beschützer und Freund. Anfangs dachte ich, Ketchum wäre ein Stereotyp, ein absolutes Klischee. Nur Iving schafft es, aus einem Klischee etwas wundervoll Individuelles zu machen.

Daniel beginnt also zu schreiben, das was er kennt, was er erlebt hat. Der Lehrer O´Hara hält diese Geschichten natürlich für grotesk, und absolut erfunden (Wem passieren schon solche Dinge?). O´Hara sagt und denkt und vermittelt mir all das, was ich beim Lesen vielleicht selbst gedacht habe. Mit O´Haras Stimme zerpflückt Irving seine eigene Geschichte, bis ins Kleinste, liefert die Gründe warum man ihm kein Wort glauben sollte, und dann doch jedes Wort für bare Münze nehmen kann (wenn man will), und sorgt dafür, dass man all die Figuren, Daniel und seinen Vater, die Bären-Frau und Ketchum, noch liebenswerter noch realer, empfindet. Während O´Hara die Geschichte, die Daniel schreibt, zerpflückt und bewundert, stehlen sich mir die Figuren ganz heimlich ins Herz. An diesem Punkt glaubte ich schon schon, sie persönlich zu kennen.

Die LeserInnen werden es für ein Kochbuch halten

Daniel schreibt weiter, stopft die Lücken, verändert die Details, kommt der Wahrheit sehr nahe, und doch ist alles erfunden. O´Hara ist noch verwirrter und ich kann es mir nun aussuchen: Ist die Geschichte, die Irving erzählt die eigentliche Geschichte? Oder die Geschichte, der Daniel nachspürt, die Geschichte seines Lebens? Wer ist der Autor von Letzte Nacht in Twisted River?

Er wird älter, schreibt noch mehr, noch mehr Details, er wird Vater, und er flieht vor dem Sherriff, vor seiner Vergangenheit.

she bu du

Einen Irving-Roman zu lesen ist für mich immer ein wenig so, als würde ich mich in den Schreibschuppen von Irving schleichen, seinen Hund Dickens ein bisschen hinter dem Ohr kraulen und mich in eine stille Ecke setzten, und ihm bei der Arbeit zusehen. Er spielt mit mir als Leserin, er vermischt Fiktion und Autobiografisches, wobei für mich die Frage danach, was „echt“ und was erfunden ist, unerheblich ist.  Ich glaube, die Frage ist auch für Irving unerheblich. Details erlebter Dinge wandelt er so um, wie er es für die Geschichte brauchen kann, und so sind auch autobiografische Dinge erfunden. In dem Buch steckt Iving, vielleicht mehr, als er selber weiß, und doch überhaupt nichts von ihm. Was macht es schon, wenn man es nicht so genau weiß, wenn man sich einfach in die Figuren verliebt? Die Gefühle ändern sich dadurch ja nicht.

Ich persönlich mache immer wieder Zwangspausen, ich lese eine Irving-Geschichte nicht in einem Rutsch.  Am Anfang bin ich aufgeregt, will die Figuren kennen lernen, mitten drin, wenn ich dann Gefühle für sie habe und mit fiebere, leg ich das Buch beiseite. Ich weiß, sie werden viel verlieren. Gliedmaßen, geliebte Menschen, so ziemlich alles. she bu de schreibt Irving, und übersetzt es mit Ich kann es nicht ertragen loszulassen. So geht es mir auch. Kaum war ich über die 500ste Seite hinaus, dachte ich; Oh, er leitet das Ende schon ein.

Ich will nicht, dass es endet!

Aber es endet. Und alle Details sind wichtig. Alle Rezepte und Gerichte, schließlich geht es um einen Koch und seinen Sohn, um ihre Reise, das Überdauern von fünf Jahrzehnten, und wie sie das Leben ausgekostet haben, trotz aller Widrigkeiten. Mein persönlicher Lieblingsroman ist immer noch Zirkuskind, aber der hier, Letzte Nacht in Twisted River kommt dem verdammt nahe.

Lese-Monat September

Caro mit ihrem September-Stapel

Joanna Penn – Mindset für Autoren (eBook) 

Dieses Sachbuch mag für Anfänger gut geeignet sein. Wenn man wie ich schon ein paar Ratgeber gelesen hat, dann ist da wenig Neues dabei. Es liest sich locker-leicht, die Autorin ist mir sehr sympathisch, sie greift auch schwierige Themen auf, sie spart auch das liebe Geld nicht aus. Das wird ja gern mal vernachlässigt, weil wie arbeiten ja nur für die persönliche Erfüllung, für den Traum von Berühmtheit, um sagen zu können: „Ich habe ein Buch geschrieben.“ *zwinki zwonki* Reicht ja dann auch, gell.

Veröffentlichen, vermarkten, gelesen werden; das steht ja alles auf einem anderen Blatt. Joanna Penn versucht das alles abzudecken, mir persönlich ist die Abwicklung der Themen aber an manchen Stellen zu oberflächlich. Vor zehn Jahren hätten alle diese Infos eine andere Wirkung auf mich gehabt. ⭐️⭐️⭐️⭐️

Daniel Kahneman – Schnelles denken, langsames denken (Hörbuch)

Gelesen von Jürgen Holdorf. Mit diesem Hörbuch habe ich Wochen verbracht, jeden Tag 10 bis 15 Minuten. Ich habe mich schon oft gefragt, warum ich in manchen Situationen blitzschnell reagiere und in anderen langsam wie eine Schnecke bin. Und warum kann ich das nicht steuern? Beeinflussen? Daniel Kahneman hat es mir erklärt, sehr ausführlich und so, dass ich es auch verstehe. System 1 und 2 arbeiten einfach sehr unterschiedlich. Allerdings ist die Flut an Infos und Erklärungen so gewaltig, dass ich mein tägliches Hör-Pensum auf maximal 15 Minuten reduziert habe. Damit ich auch Zeit habe alles sacken zu lassen, zu verstehen, darüber nachzudenken. Es ist unheimlich spannend den Erklärungen, Studien und Experimenten zu folgen, die erklären, warum wir denken was wir denken und wie wir zu den Entscheidungen kommen, die wir treffen. ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️

Coppenrath – Am Alter vorbei geht auch ein Weg

Das ist so ein kleines Geschenke-Buch, dass zu jeder Gelegenheit passt. Nun bin ich nicht ganz objektiv, weil da eine Kurzgeschichte von mir drin ist. Ich habe das Büchlein gelesen, ich muss ja wissen, mit wem ich da zusammen veröffentlicht wurde, und mit wem ich mir den Platz teile. 😉 Da waren herrliche Geschichten drin, ich habe ein paar mal herzlich gelacht und mich auch wieder erkannt. Ich bin in guter Gesellschaft, da fühle ich mich wohl. Ich empfehle dir also Kurzgeschichten für Bus und Bahn und Wartezimmer – oder wo auch immer du Zeit findest für eine kleine Auszeit. ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️

Katharina Hartwell – Das schwebende Schiff

Das ist Band 3 der Silbermeer-Saga. Der Abschluss der Reihe ist gelungen, ich bin zufrieden damit. Aber ich habe es auch kommen sehen, ich bin also wenig überrascht. Braucht es das? Ein überraschendes Ende? Vermutlich nicht. Die Geschichte war spannend und gleichzeitig absehbar, es war ein großes Lesevergnügen, es war aber auch Arbeit. Sprachlich holperte es immer wieder, ich fand die Satzstellung viele Male merkwürdig, musste zurück an den Anfang, nochmals lesen, überlegen, ob ich das jetzt alles verstanden habe… diese Stolpersteine rissen mich aus dem Lesefluss. Es war also unrund und eckig, und dann wieder sehr besonders – so, wie ich es aus den vorangegangenen Büchern kenne.

Ich tauche hier ein, in eine ganz andere Welt, der Kartenmacher hat einen guten Fächer auf den Tisch gelegt, ich habe das schon kapiert. Aber, es wäre auch leichter gegangen, für alle Beteiligten. Der Schluß war unnötig lang. Es war eine unglaubliche Reise, der erste Band gefiel mir am Besten. Die Geschichte ist komplex und verwirrend, man muss sich als LeserIn mühe geben, mitdenken. Das ist an sich was Gutes. Ich muss mich ein bisschen recken und strecken um mithalten zu können, mir wird nicht alles vorgekaut auf einem Tablett serviert, ich schätze das. Wenn ich selber denken darf. Das ist alles nichts schlechtes, nur war es (mir) teilweise zu viel.

Eddas Welt, aus der Feder von Katharina Hartwell, war so ganz anders, als alles was ich bisher gelesen habe. Sehr besonders, spannend und ungewöhnlich, ich bin völlig abgetaucht. Und ich will die Geschichte mögen, alle Figuren, alle Inseln, selbst wenn mir nicht JedeR sympathisch ist, selbst wenn sie in ihr Unglück rennen.

Vielleicht muss ich es nochmal lesen, mich nochmal drauf einlassen, manchmal braucht es einen zweiten Blick um alles zu verstehen, zu sehen. ⭐️⭐️⭐️⭐️

Jim Dodge – Fup

Den Roman habe ich schon an anderer Stelle rezensiert. HIER. ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️

Haruki Murakami – Wovon ich rede, wenn ich vom Laufen rede (Hörbuch) 

Ich muss gestehen, dass ich noch keinen Roman von Haruki Murakami gelesen habe. Ich habe keine Ahnung was er so schreibt. Ich bin beim stöbern über dieses Hörbuch gestolpert. Joggen und Schreiben. Ich dachte, das sind doch meine Themen, dass muss gut werden. Ich habe schon viele Sportarten ausprobiert, aber das Joggen ist mir von allen die Liebste, und auch diejenige, die ich am längsten praktiziere. Keine Langstrecken, nein. Ich renne eine Stunde, die Kilometer und die Zeit sind mir herzlich egal. Mich interessierte, was Murakami zu diesen Themen zu sagen hätte, wie er das verbinden würde. Und auch, ob das für mich dann einen Mehrwert hat. Dieses Buch wird bei den Biografien gelistet, bei den Sachbüchern. Dabei ist es eine sehr persönliche Auseinandersetzung mit dem Rennen, mit dem, was man körperlich leisten kann und will. Schreiben ist einem Langstreckenlauf nicht unähnlich. Das habe ich gleich kapiert. Dieses Buch ist nicht bei den Schreibratgebern gelistet und dennoch habe ich den Eindruck, jemandem, der sein Handwerk beherrscht (und dabei sehr bescheiden ist) über die Schulter geschaut zu haben. Ich fühle mich gesehen, verstanden, ich habe viel gelernt, ich teile viele seiner Ansichten – zum Laufen und zum Schreiben. Ich weiß nicht, wie interessant das alles ist für Menschen, die weder rennen noch schreiben. Ich sehe es als Ratgeber für ein gutes Leben: Körperlich und geistig in Bewegung bleiben. Ich wünsche mir das bis ins hohe Alter. Und nun muss ich die Bücherei plündern und alle Murakami-Hörbücher heim tragen. ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️

Thomas Mann – Buddenbrooks (Hörspiel)

Als Printbuch, also selber lesend, fand ich es langweilig. Vor vielen Jahren habe ich diesen Roman abgebrochen. Damals hatte ich keinen Blick für die präzise Sprache, für die Bilder, die er erzeugt. Das ging alles an mir vorbei. Doch das Hörspiel begeistert mich sehr, ich hab die ganze Zeit den Eindruck, dass ich da viel lernen kann. Ich hatte erwartet, dass der Roman, also Thema und Sprache, altbacken ist und geschwollen. Jetzt, dank des Hörspiels, habe ich einen Zugang zur Handlung und zur Schönheit der Sprache. Jetzt verstehe ich endlich, was Thomas Mann da gemacht hat. Und: Es wird nicht mein letztes Hörspiel sein. ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️

Hannah Arendt – Die Freiheit, frei zu sein (Hörbuch)

Gelesen von Sandra Schwittau. Das ist auch eins der Bücher, dass ich mehrfach lesen (hören) muss, bis ich alles geschnallt habe. Keine Ahnung, wie andere Leute das machen, ob die gleich „Aha!“ sagen. Ich muss mir, nach einem Sachbuch immer die Zeit nehmen, alles in Ruhe zu durchdenken. Dank Daniel Kahnemann weiß ich, mein Sytem 2 arbeitet grad auf Hochtouren. Das mit der Freiheit ist gar nicht so einfach. Hannah Arendt erklärt hier Begriffe wie Krieg, Revolution, Freiheit. Was ist das, wie geht das? Ja, wie? ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️

Lese-Monat September

Jim Dodge – Fup

Fup. Fup Duck. Fucked up.

Jim Dodge – Fup

Ist das der Inhalt des Buches? Ja. Und Nein. Tiny, der natürlich gar nicht klein ist, landet nach dem Tod seiner Mutter bei seinem Großvater. Granddaddy Jake ist schon weit über 80 Jahre alt und besitzt DAS Rezept für Whisky. Ol´ Death Wisper macht unsterblich – sofern man den Genuß dieser Plörre überlebt. Und diese Zwei finden eine Ente, die nicht fliegen kann. Das ist alles ziemlich fucked up. Am Schluß ergibt das dann eine allgemeingütlige Folklore – ein Lehrstück über das Leben. Und den Tod auch.

Ich weiß nicht mehr, wer mir das Buch empfohlen hat, ich würde mich ja artig bedanken, aber ich erinnere mich nicht, wer mir dieses Buch ans Herz gelegt hat. Vermutlich ist es auch egal, denn es wurde von Harry Rowohlt übersetzt und wenn irgendwo HR draufsteht, dann muss ich es haben. Alte Regel. Dieser Roman wäre also über kurz oder lang eh bei mir gelandet.

Ich glaube, ich muss das Geschichtchen noch mal lesen, beim ersten Druchgang bin ich so durchgehuscht, ich wollte wissen wie es weiter geht, wie das ausgeht mit Tinys Zäunen, mit der Jagd auf das Wildschwein, und die Aufzucht von Fup. Vielleicht muss ich es auch noch als Hörbuch kaufen, auch wenn ich den ollen Harry-Bär beim Lesen brummeln und maucheln höre. Besser, ich lasse mir noch mal Zeit, genieße das alles, wie ein Glas Whisky. Schön auf der Zunge hin und her schieben, jedes Wort, jede Nuance. Es sind ja immer die Details. Und die Details finde ich sehr großartig.

Tiny und Jake sind sehr unterschiedlich, aber in jeder Handlung, in jedem Satz wird die Zuneigung deutlich: Man muss den jeweils anderen nicht zusammen klopfen, bis er irgendwo rein passt. Die beiden passen nirgends hin, vermutlich fügt sich Fup deshalb so gut in diesen Haushalt ein. Der eine ist klein und ein bisschen grattlig und der andere ist groß und ganz zart und wenn man ein Enten-Ei findet, dann rettet man das, ganz klar.

Ich schenk mir noch mal ein. Willst du auch ein Gläschen Ol´ Death Wisper? Das bringt die Pumpe in Schwung.

  • Jim Dodge – Fup
  • Roman, Pieper Verlag
  • Illustrationen: Atak
  • Übersetzung: Harry Rowohlt
  • 128 Seiten
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3492044929

Das Fräulein vom Amt

Buchcover: Das Fräulein vom Amt

Ich lese selten Krimis und Thriller, weil ich es wenig unterhaltsam finde, wenn ein Täter sein Opfer jagt, blutrünstig ermordet und am Schluß ausweidet. In solchen Fällen reicht der Mord allein ja nicht aus, nein der Täter muss dem Opfer noch ein Schleifchen in seinen Darm binden und anschließend das Ohr abschneiden, um es zu panieren und sich schließlich zusammen mit einem Gläschen Rotwein einzuverleiben. Bäh bäh bäh. Selten bedeutet, hin und wieder versuche ich es dann doch. Wenn der Klappentext spannend klingt, ohne dass ich Alpträume davon kriege.

„Das Fräulein vom Amt“ ist so ein seltener Fall. Das Setting ist das Baden-Baden von 1922. Ich war erst kürzlich in dieser wunderschönen Stadt, erklomm auch den Michaelsberg und war ganz hingerissen von der Aussicht. Beim Lesen dachte ich also dauernd: „Da war ich schon!“ Jedenfalls. Eine Frau wird ermordet, die Polizei hält die Dame für eine Prostituierte und ermittelt nur mit mäßigem Interesse. Alma Täuber, das Fräulein vom Amt, hört bei ihrer Arbeit ein Gespräch mit, dass sie stutzen lässt: Hängt der Mord mit dieser schnarrenden Stimme zusammen?

Die Worte des Mannes lassen sie nicht mehr los, zudem meint Alma die Ermordete zu kennen. Sie beginnt eigenmächtig zu ermitteln, sie will etwas tun. Und ich begleite Alma überall hin: Zur Polizei, die sich für ihre Aussage nicht interessiert, zur Arbeit, nach Hause.

Alma lebt mit ihrer besten Freundin Emmi in einer kleinen Dachkammer, immer argwöhnisch beäugt von der Witwe Meier. Die Frauen gleichen sich aus, während Alma ruhig und besonnen ist, wirbelt Emmi lebensfroh durch die Gegend. Ich mochte diesen Kontrast, beide Frauen sind mir sehr sympatisch. Alma lässt dieser Mord keine Ruhe, sie ist auch in ihrem Ehrgeiz angefixt, sich selbst als Sherlock Holmes zu versuchen. Die Polizei verdient sicher keine Lorbeeren mit ihren Bemühungen.

Charlotte Blum hat mich schon auf der ersten Seite in ihrem Bann gezogen, es war spannend und atmosphärisch, eine gute Mischung. Alma wendet sich an Ludwig Schiller, einen Kriminalkommisarsanwärter, der einzige bei der Polizei, der ihren Aussagen Glauben schenkt. Almas Magen macht in seiner Gegenwart immer so einen kleinen Hüpfer. Das ist auch sehr süß. Es geschieht noch ein weiterer Mord, es ist kompliziert mit mehreren Wenunden, wer kann denn ahnen, dass.. also ich nicht. 😉 Alma begibt sich tief in die Unterwelt und lässt nicht locker.

Im Januar erscheint Band 2 der Reihe „Alma Täuber ermittelt“ und ich hab das Buch schon vorbestellt. So lasse ich mich sehr gerne unterhalten. ★★★★★

  • Das Fräulein vom Amt – Die Nachricht des Mörders
  • Band 1 – Alma Täuber ermittelt
  • Charlotte Blum
  • Fischer Scherz
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3651001114

Der Leuchtturmwärter und ich

Cover: Der Leuchtturmwärter und ich

Ein Leuchtturm, ein bruttliger Wärter und ein verletzter Puffin – dieses Buch hat meiner Meinung nach alles, was eine schöne Geschichte braucht. Steffi, von „Nur Lesen ist schöner“ hat dieses Büchlein in ihrem Blog vorgestellt und eigentlich hatte sie mich schon am Haken, als das Wörtchen „Leuchtturm“ fiel. Denn, wenn ein Leuchtturm auf einem Buch drauf oder drin ist, dann muss ich es haben. Alte Regel. 

Titelseite: Der Leuchtturmwärter und ich

Nun ist dieses hier obendrein noch ganz zauberhaft illustriert, mein kleines Leuchtturmwärterinnen-Herzle ist sehr zufrieden. Als ich nach dem Buch bzw dem Auto suchte, stellte ich erstaunt fest, dass Werke wie „Gefährten“ aus seiner Feder stammen und ich damit vertraut bin. Das bedeutet, ich kenne und schätze den Autor schon lange, ohne es zu wissen. Das muss man auch erst mal hinkriegen. 😉 Ich habe überprüft, was ich schon gesehen und/oder gelesen habe, und nach dieser kleinen Recherche musste „Elefantenwinter“ auch noch auf meine Lese-Liste. Ganz klar. 

Inhalt:

Ein kleiner Junge erleidet mit seiner Mutter Schiffbruch. Direkt vor den Scilly-Inseln. Benjamin Postlethwaite, der Leuchtturmwärter wagt sich mit einem kleinen Boot hinaus und rettet 30 Männern, Frauen und Kindern das Leben. Der Junge erzählt seine Lebensgeschichte, er beginnt mit diesem Ereignis, im Präsenz, schnörkellos und schlicht. Nachdem er diese prägende Nacht überlebt hat, muss er immer wieder an den Leuchtturmwärter auf Puffin Island. Egal, wo es ihn hin verschlägt – er befindet sich im übertragenen Sinn immer noch auf hoher See, wird immer noch von den Wellen hin und her geworfen und sehnt sich nach der Ruhe und Geborgenheit zurück, die er im Leuchtturm von Benjamin Postlethwaite gefunden hat. Seine Briefe bleiben unbeantwortet, seine Gedanken wandern immer wieder zu Benjamin. Viele Jahre später kehrt er zurück und dann braucht ein anders, armes Geschöpf Hilfe und Obhut. Ein Papageientaucher hat sich das Füßchen gebrochen. Ben und der Junge, der inzwischen erwachsen ist, pflegen ihn gesund. Die drei helfen sich gegenseitig, der kleine Puffin will fliegen, Ben will Gesellschaft und der Junge, will Künstler werden. Das Leben tost, die Wellen schlagen hoch, das ist alles gar nicht so einfach. 

Puffin mit gebrochenem Fuß

„Der Leuchtturmwärter und ich“ ist eine zeitlose Geschichte, die zum mehrfachen wieder-lesen einläd, weil die emotionale Wahrheit darin ganz einfach ist: Wir brauchen alle hin und wieder einen Ort, wo wir ausruhen und gesunden können. ★★★★★

  • Michael Morpurgo
  • Der Leuchtturmwärter und ich
  • Illustriert von Benji Davies
  • Aus dem Englischen von Hennig Ahrens
  • Magellan
  • 120 Seiten
  • Ab 8 Jahren
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3734841095

Doppelseite aus dem Buch. Ben, der Junge und der verletzte Papageientaucher

Schreiben über mich selbst

Schreiben über mich selbst

Während des Lesens hatte ich mir vorgenommen, einen Verriss zu schreiben. Inzwischen bin ich durch, habe alles ein bisschen sacken lassen und staune jetzt, wie viele Passagen ich unterstrichen und angemerkt habe. Ja, ich bin so ein schrecklicher Mensch: Ich schreibe, zumindest mit Bleistift in Bücher hinein. Ich unterstreiche Stellen, die mir gut gefallen. Tagebücher anderer Leute finde ich offensichtlich spannend, hier waren schöne Formulierungen drin. Ich hab keine Ahnung, wer John Cheever ist. Aber er hat das in sein Tagebuch geschrieben: 

Mich versöhnlich und mitfühlend der entsetzlichen Einzigartigkeit meiner selbst stellen.

John Cheever

Und jetzt will ich seine Tagebücher lesen. Jedenfalls. Ich habe also doch ein paar Dinge mitgenommen: Zitate, die mir gut gefielen, Anregungen zum Nachdenken, und Literaturtipps in andere Richtungen. Ich bewerte „Schreiben über mich selbst“ trotzdem nur mäßig, weil mich zwei Dinge stören an dem Schreibratgeber.

  1. Die Partneraufgaben. Vier oder fünf Übungen erfordern einen Interview-Partner, der einem Fragen stellt und die Aufgaben mitgestaltet. Es geht ja um das Schreiben über mich selbst, ich verstehe dasd als inneren Dialog. Dass ich mich dafür erst jemandem offenbaren muss, dass ein Tagebuch nicht ausreicht, nervt mich. Das Szenario, dass ich eine Freundin bitte, mir diese Fragen zu stellen, sehe ich einfach nicht. Schreiben über mich selbst impliziert auch ein gewisses Schreiben für mich selbst. Da brauche ich niemanden extra. Ich bin mir da genug. Diese Schreibaufgaben habe ich alle ausgelassen, das interessiert mich nicht.
  2. Die Übungen beziehen sich nahezu alle auf die Kindheit. Es gibt ganz am Schluss noch eine Aufgabe, die sich an Großeltern richtet, die Texte für ihre Enkel verfassen wollen. Ein Nachlass, quasi. Sinngemäß lautet die Aussage des Buches also: Zwischen dem 20. Lebensjahr und der Rente passiert nichts, worüber es sich zu schreiben lohnt. Das ist langweilig und uninteressant. Und da bin ich ganz entscheiden anderer Meinung. Mir ist völlig klar, dass ein Büchlein von 160 Seiten gar nicht leisten kann, was ich da erwarte: Ein ganzes Leben plus Charakter und diese zauberhafte Sache: Lebenserfahrung. Aber zu meinen und explizit auszudrücken, dass Schreiben über sich selbst nur dazu da ist, seine Kindheit aufzuarbeiten, ist meiner Meinung nach zu kurz gedacht. (Wobei es hier nicht um den therapeutischen Aspekt geht) Kind ist man nur ein paar Jahre, Erwachsen ist man Jahrzehnte. Ich bin jetzt 40 und wenn ich davon ausgehe, dass ich 80 werde, dann habe ich meine bisherige komplette Lebenszeit noch mal vor mir. Ich weiß nicht, was ich von dem Buch erwartet habe, vielleicht Schreiben über mich selbst im Sinne von mich besser kennen lernen. Die Kindheit ist ein Aspekt davon, ja. Prägungen, Sozialisation, meine Wurzeln. Jajaja. Ich stehe hier und schaue in eine bestimmte Richtung. Ich hätte wohl gerne einen atemberaubenden Rundumblick. Jedenfalls, das Buch bietet das nicht, es ist vermutlich auch zu viel verlangt. Ich bin kein Kind mehr, ich hab keine Enkel, ich bin offensichtlich nicht in der Zielgruppe für das Buch.

Ich bin überzeugt davon, dass es mehr Spielformen gibt und auch mehr Gründe, den Blick nach innen zu richten und Dinge und Ansichten zu Papier zu bringen. Dieser Schreibratgeber kratzt da nur an der Oberfläche. Schade. ★★★

  • Schreiben über mich selbst
  • DUDEN Kreatives Schreiben
  • Hanns-Josef Ortheil

Lese-Monat Juli

Mein Lese-Monat Juli 2022
  • KritzelPixel – Zeichnen lernen in 5 Wochen ⭐️⭐️⭐️⭐️
  • Dominik Schwarz – Instagram Marketing 2022  (eBook) ⭐️⭐️⭐️
  • Dr. med. Adrian Schulte – Alles Scheiße!? Wenn der Darm zum Problem wird ⭐️⭐️⭐️⭐️
  • Wladimir Kaminer – Meine kaukasische Schwiegermutter (Hörbuch) ⭐️⭐️⭐️
  • Horst Evers – Hinterher hat man‘s meist vorher gewusst (Hörbuch) ⭐️⭐️⭐️⭐️
  • Horst Evers erklärt die Welt (Hörbuch) ⭐️⭐️⭐️⭐️
  • Wladimir Kaminer – Liebesgrüße aus Deutschland ⭐️⭐️⭐️⭐️
  • Mariana Leky – Kummer aller Art ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️
  • Mariana Leky – Liebesperlen ⭐️⭐️⭐️
  • Meike Stoverock – Das Stahlen des Herrn Helios ⭐️⭐️⭐️
  • Die Ernährungs-Docs ⭐️⭐️⭐️

Mein Lese-Monat Juli war durchwachsen. Ich hab wieder viel Zeit auf der Autobahn verbracht, weil ich einige get shorties Termine hatte, und da kann ich dann nach Herzenslust meinen Hörbüchern lauschen. Ich hatte aber auch wieder gesundheitliche Probleme. Lactose und Fructose und Histamin. Wenn jetzt noch Gluten dazukommen, werd´ ich wohl verhungern. 😉 Es ist nicht schön. Die Bücher konnten meine Fragen aber nur bedingt beantworten, weil alle davon ausgehen, dass man nur ein Problem hat und nicht viele gleichzeitig. Und wer bitteschön hat, auf dieser Welt nur eine Sache, die ihn plagt? Eben. Jedenfalls. „Kummer aller Art“ war diesen Monat meine Perle. das kann ich herzlich weiter empfehlen. 

Zeichnen lernen in 5 Wochen

Ich liebe Zeichen-Lern-Bücher, ich kaufe die im Unverstand, allein sie zu haben macht mich schon sehr glücklich. Von KritzelPixel habe ich zwei Bücher, ich finde die Übungen auch sehr sinnvoll, ich kann das gut weiter empfehlen. Aber: Und das Aber bezieht sich auf mich, nicht auf das Buch. Kritzelpixel stellt verschiedene Übungen und Methoden vor, die soll man natürlich üben, was auch sonst. Am besten täglich und wiederholend. Das leuchtet mir alles ein. Und andere Menschen kriegen das sicher auf die Kette. Ich mit meinem ADHS-Hirn aber nicht. Wenn ich im Hyperfokus bin, dann mache ich zehn Sachen hintereinander, wie eine Irre. Dann läßt der Rausch nach, ich verliere das Interesse und dann schaue ich das Buch 10 Wochen nicht mehr an. So viel zum Thema üben. WENN ich übe, dann exzessiv. Aber halt nicht regelmäßig, nicht in der Art, dass ich mir durch tägliche Wiederholung eine Fertigkeit aneigne. Ich habe das ganze Buch gelesen, ich habe alle Übungen mindestens ein Mal gemacht. Aber nicht in 5 Wochen und nicht mit dem Ergebnis, dass ich die Motive aufeinander aufbauend immer besser bewältigt habe. Und das frustriert mich. Aber, ich sage es nochmal: Das liegt nicht am Buch, das liegt an mir. Ich weiß das und werde weiter Zeichen-Lern-Bücher kaufen, weil mir die Vorstellung gut zeichnen zu können gefällt. Das bedeutet nicht, dass ich es je wirklich kann. Und das ist okay.

Instagram Marketing 2022

Ich finde Instagram faszinierend und dachte, ich könnte mir hier noch ein paar Tipps holen. Mich interessiert zum Beispiel, wie man einen Shop einrichtet, wie man einen Beitrag bewirbt, wie man mehr Follower bekommt und denen das liefert, was sie auch interessiert. Ich bräuchte, glaube ich, eine Schritt-für-Schritt-Anleitung durch dieses Labyrinth. Ich habe einen Creator-Account, ich würde den gern voll ausschöpfen. Das Buch hat mir die Fragen, die ich habe, nicht beantwortet. Ich bin nicht weiter gekommen oder schlauer geworden. Die meisten Infos, die das Buch bietet, habe ich online in irgendwelchen Artikeln schon gelesen. Da war wenig Neues dabei. Ich muss also weiter YouTube Tutorials gucken und es selbst heraus finden.

Die Ernährungs-Docs und Alles Scheiße!?

Ich habe Kummer mit Laktose, Fructose und auch mit Histamin. Beide Bücher erklären diese Sachverhalte, in einem sind auch jede Menge Rezepte drin, allerdings kann ich nur müde lachen, wenn mir im ersten Kapitel erklärt wird, warum der Körper Fructose nicht verwerten kann um mir im Rezepte-Teil dann Frucht-Smoothies zu empfehlen. So als würden die Probleme alle einzeln und unabhängig voneinander auftreten. Ich habe mich also in die Materie eingelesen, manches endlich verstanden, aber an der Umsetzung hapert es noch. Ich muss meine Ernährung umstellen. Ich habe noch drei Bücher aus der Bücherei entliehen, vielleicht sind die praktischer. Mal sehen.

Wladimir Kaminer und Horst Evers

Beide sind Lesebühnen-Autoren, das ist ja quasi Recherche für mich. Ich brauche dringend einen neuen get-shorties Text. An Ideen mangelt es nicht. Ich hab viele angefangene Texte auf dem Computer gespeichert. Die Schwierigkeit ist, sich für eine Idee zu entscheiden und diese dann zu Ende zu bringen. Ein „Ja“ hier heißt immer auch 17 Mal „Nein“ dort. Das lähmt mich so sehr, dass ich den Entwürfe-Ordner komplett ignoriere. Auf meinen Touren für die get shorties Lesebühne habe ich also 4 Hörbücher inhaliert, manches Mal laut gelacht, manchmal stumm den Kopf geschüttelt und sehr oft gedacht: „Ich wünschte dieser Text wäre von mir.“ Bei Horst Evers ist mir das öfter passiert als bei Wladimir Kaminer. Horst Evers ist im Prinzip ein Dorfkind in der großen Stadt und Wladimir Kaminer ein gut integrierter Ausländer, der die Eigenheiten seiner alten Heimat mit den Eigenheiten seiner neuen Heimat vergleicht. Beide sind ein wenig seltsam. 😉

Mariana Leky

Diesen Monat erschien ein neues Buch von ihr mit Kolumnen „Kummer aller Art.“ Ich empfinde den Schreibstil bzw. ihren Blick auf die Welt wie „magisches Denken“. Die Leute haben tatsächlich Kummer aller Art, und es gibt nicht für alles eine Lösung, aber Mariana Leky bzw. ihre Figuren haben einen ganz liebevollen, mitfühlenden Blick auf die Welt und ihr Umfeld. Das ist sprachlich schön, das ist gut fürs Herz, das tröstet und nimmt mich mit. Also hinein ins Buch, ich kann dann genauso emphatisch sein, Liebeskummer haben und Flugangst, keine Entscheidung treffen und innerlich zerzaust sein, es ist völlig in Ordnung. Hinterher fühle ich mich dann sehr aufgeräumt. Und wie viele Bücher können das? Eben.

Das Stahlen des Herrn Helios

Es gibt einiges, was mir an dem Roman gut gefällt. Der Einfallsreichtum der Autorin zum Beispiel. Sie entwirft mit Leichtigkeit eine ganz neue Welt, da ist ein Hase ein Meisterdetektiv, ein Fisch Anwalt und ein Huhn das Kindermädchen. Das ganze Setting ist einer Fabel ähnlich, inklusive eigener Sprache und Begriffe. Ich mag solche Sachen sehr gerne, dafür kann ich mich begeistern. Eine gescheiterte Existenz betäubt sich, als Beispiel, mit Schaff und ich muss dir nicht lange erklären, was das bedeutet. Meike Stoverock hat sich also unheimlich viel Mühe gegeben, ihre Überstadt auch sprachlich einzufangen und nicht nur zu beschreiben, was ich da sehe. Allerdings, hat sie an anderer Stelle ein paar unschöne Dopplungen. Die müssten nicht sein. Im Wanderzirkus geschieht ein Mord und Skarabäus Lampe, der Meisterdetektiv wird hinzugezogen um zu ermitteln. Sein Ziehsohn Teddy Bärlein ist extrem niedlich, manchmal schon fast zu viel. Der Meisterdetektiv bewegt sich durch die Stadt wie König Protz, ohne ihn geht gar nichts. Lampe befragt die Zirkusleute und jede*r liefert auch sofort ein Motiv. Die Polizei ermittelt natürlich in ganz falscher Richtung. Und an der Stelle wird es dann haarig. Das liegt aber an mir, nicht am Buch. Der Roman erinnert mich stark an Ermittler wie Hercule Poirot und ich finde diese Sorte Krimi langweilig. Weil der Ermittler am Schluß alle in einem Raum steckt, jedem sagt, was für ein Motiv er oder sie hat(te) um dann auszuführen, warum genau diese Person es nicht war. Zum Schluß kommt dann dieser Hase-aus-dem-Hut-Trick: Tadaa. Das ist der Mörder. Und alle sind ganz erschrocken, konnte ja keiner ahnen. Doch. Das kann man erahnen, und die Wiederholung aller Befragungen, die komplette Ermittlung samt Motive und Möglichkeiten nerven mich. Ich hab ganz kurz überlegt, ob ich das Buch weg lege, weil ich im letzten Drittel dann einfach nicht mehr in der Zielgruppe war. Wenn du jetzt diese Sorte Krimi super findest, dann nur zu. Dann bist du hier genau richtig.

Ich hab das Buch fertig gelesen, weil ich wissen wollte ob ich Recht habe. Ich hatte früh eine Vermutung, ich lag richtig, juhu. Insgesamt habe ich es gern gelesen. Das der Ermittler ein Hase alter Schule ist und mich das nicht fesselt, muss dich ja nicht abhalten, gell.

Was hast du gelesen, hm? Erzähl´s der Carolin

Schreiben dicht am Leben

Rezension:

Ich konnte inzwischen das dazugehörige Notizbuch – gebraucht – kaufen und habe somit die Reihe voll. Das bedeutet, ich kann nun all meine Schreibübungen ins Duden Blank Book hineinschreiben, alles hübsch ordentlich und am richtigen Platz. Mein innerer Monk ist sehr zufrieden. Jedenfalls.

Aus dieser Schreibratgeber-Reihe gefällt mir „Schreiben dicht am Leben“ bisher am besten, das spricht mich am meisten an. 19 verschiedene Übungen laden zum Schreiben ein und dieses Mal gefallen mir durchweg auch alle Impulse. Das ist nicht oft so. Üblicherweise picke ich mir ein paar Aufgaben heraus und lasse alles andere links liegen. Jede Übung greift einen Aspekt auf, wie man die Welt betrachten und in Worte fassen könnte. Das geht über den üblichen Tipp „Setze dich in die Fußgängerzone und beobachte Leute“ hinaus. Diese Schreibanregung ist ja nicht neu und findet sich in vielen Ratgebern.

Wie schon in den anderen Büchern der Reihe sind alle Schreibanregungen mit Text-Beispielen untermalt, meine Wunschliste ist schon wieder um 4 weitere Bücher angewachsen, weil mir die Beispiele so gut gefallen haben. Ich habe gestaunt und gedacht: „Was man alles machen kann. Toll.“ Wenn ich also mit meinem Notizbuch in der Fußgängerzone sitze, kann ich alles ganz minimalistisch einfangen, Dialoge mithören, überspitzt darstellen oder ganz anders, den Blick nach innen richten: „Wie geht es mir hier eigentlich?“

Es hindert mich ja keiner daran, mir ein paar Anregungen auszuwählen und miteinander zu vermischen. Ich finde es aber gut, dass hier im Buch die Übungen getrennt voneinander dargestellt sind mit dem Augenmerk auf einer einzige Sache. Ich würde es als „Sehen lernen“ zusammen fassen. Es geht ums beobachten, erfassen und komprimieren: Das Gesehene/Gefühlte in Worte zu fassen. Und da gibt es wirklich sehr viele Möglichkeiten. Ich habe herzlich gerne alles ausprobiert und damit gespielt und auch noch ein paar neue Dinge für mich mitgenommen. Dieser Ratgeber ist, meiner Meinung nach fürs kreative Schreiben, also für SchriftstellerInnen geeignet, Anfänger wie Fortgeschrittene, aber genauso fürs Tagebuchschreiben, für den ganz persönlichen, eigenen Gebrauch. Eine Universalanleitung, quasi.

  • Schreiben dicht am Leben ★★★★★
  • DUDEN – Kreatives Schreiben
  • Hanns-Josef Ortheil