Gesehen im Juni

Rectify Staffel 3: Immer noch eine der besten Serien, die ich je gesehen habe. Ich kann gar nicht fassen wie wenig Beachtung diese Serie erfährt. Hier passt einfach alles. Die Story, die Darsteller, die Umsetzung. Ich kann mich an Aden Young nicht satt sehen. Jedes Wort, dass ich nun über die Handlung schreibe, ist eines zu viel. Ich will nicht spoilern. Wenn du die Serie noch nicht kennst, leg sofort los.

Staffel drei hat noch einige Wendungen und Überraschungen parat. Es ist immer noch nicht klar, ob Daniel Holden seine Freundin getötet hat oder nicht. Ich verfolge mit Spannung dieses Psycho-Spielchen, wie die anderen Daniel sehen, wie er sich selbst sieht, wer die Wahrheit sagt und wer nicht und frage mich die ganze Zeit, was ist denn die Wahrheit? Und spielt das überhaupt noch eine Rolle?

Ganz großes Kino!

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Vacation. Die Griswolds wollen mal wieder nach „Walley World“. Das war schon in meiner Kindheit bescheuert. Es wird dreissig Jahre später auch nicht besser. Es ist sinnlos und vulgär. An dem Abend wollte ich aber genau das und war angeekelt, aber gut unterhalten.

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Small Island (Benedict Cumberbatch): Das habe ich tatsächlich nur geschaut, weil Benedict Cumberbatch mitspielt. Sonst hätte ich das getrost sein lassen. Kann man gut gucken, muss man aber nicht. Es ist ein bisschen kitschig geraten und das Ende lässt mich unschlüssig zurück. Was will mir die Geschichte sagen? Ich weiß es wirklich nicht. Und ich bin zu faul um darüber ernsthaft nachzudenken.

England, 1939. Queenie heiratet Bernard – nicht aus Liebe, sondern aus Mangel an anderen Möglichkeiten. Sie will dem elterlichen Bauernhof entfliehen. Bernard meldet sich freiwillig und ist dann erst mal weg.

Gilbert und Michael melden sich ebenso freiwillig für den Militärdienst. Der eine, weil er vom Vater verstoßen wurde, der andere, weil er der kleinen Insel Jamaika entfliehen will.

Hortense träumt auch von einem großartigen Leben in England – mit Michael. Doch der denkt nicht dran, mit ihr was anzufangen. Hortense heiratet dann auch – nicht aus Liebe, sondern aus Mangel an Möglichkeiten. Diese ganzen Lebenswege sind verkorkst und verstrickt, ohne das die Beteiligten das merken und am Schluss gibt´s ein uneheliches Kind. Toll.

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Ray Donovan Staffel 3/Game of Thrones Staffel 6

Ich fasse diese beiden Serien mal zusammen. Nicht, weil sie viel gemeinsam haben, sondern weil mein Frust auf dem selben Problem gründet. Halten wir kurz fest: Großartige Serie(n), aufwendige Umsetzung, tolle Darsteller. Alles supi. Bis auf den Umstand, dass alle Handlungsstränge irgendwo hin laufen, nur nicht dahin, wo ich sie gerne hätte. Alles, was mich jeweils in Staffel 1 noch begeistert hat, verläuft nun in ganz andere Richtungen, dauert mir zu lang oder wiederholt sich unnötigerweise. Nehmen wir kurz das Gewaltthema. Gewalt erzeugt Gegengewalt. Das ist ein alter Hut. Wenn man eine Serie konzipiert, die dadurch auffällt, dass sie sehr gewalttätig ist, so muss man das von Staffel zu Staffel steigern. Und ich bin müde, ich bin es leid mir noch mehr Blut, noch mehr Schlachten, noch mehr Tote anzusehen. Allerdings bin ich nicht in der Lage abzuschalten. Ich muss wissen wie es ausgeht. Also gucke ich motzend weiter.

Menno.

 

Ashby Der Film beginnt sehr klassisch: Ed soll eine Hausaufgabe schreiben über einen anderen (älteren) Menschen. Da trifft es sich gut, dass sein Nachbar Ashby alt ist und sich bei ihm gerade ein Problem auftut, dass nur Ed lösen kann. Ashby hat einen Gehirntumor, wird also bald sterben, bis dahin kann er aber nicht Auto fahren. Ed hat einen Führerschein, aber keine männliche Bezugsperson bzw. einen Vater, der ihn aufs Leben vorbereitet: Prügeln, in der Schule überleben, Mädchen. All das eben.

Der Film hält sich an kein Genre (was ich erfrischend finde) und wechselt ein paar Mal die Tonart. Erst denkt man, Ed ist das totale Weichei, dann stellt sich raus, dass er gut in Sport ist. Erst denkt man, dass Ashby ein alter Sack ist, dann stellt sich raus, dass er ein Geheimagent ist, der raus findet, dass er beschissen wurde. Während Ed sich um sein Mädchen kümmert, bringt Ashby ein paar Leute um. Hier vereinigt sich Teenie-Komödie mit Liebesschnulze, Krebsgeschichte mit Agententhriller und irgendwo steckt noch ein Vaterkomplex zwischen den Handlungssträngen. Alles sehr nett. Wirklich.

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Preacher Staffel 1 Ich habe bisher die halbe Staffel gesehen und keinen blassen Schimmer warum ich mir das anschaue, worum es geht oder wo das hinführt. Ich finde Dominic Cooper attraktiv, das mag einer der Gründe sein. Attraktive Menschen sind mir oft Motivation genug irgendwas anzugucken. Ich kann das gut: Einfach gucken ohne zu denken. Hier ist das vorherrschende Gefühl: WHAT. THE. FUCK? Ich nehme an, das bleibt so bis zum Schluss. Sollte sich was daran ändern, werde ich es dir mitteilen.

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Rectify (2013)

Gleich vorweg, ich hatte keine Ahnung, dass es einen Sundance Channel (Link: SundanceTV) gibt, und der eigene Serien produziert. Ich kenne das Sundance Film Festival (Link: Wikipedia) und die Umstände wie das zustande kam, – es ist mir auch ein großes Bedürfnis in diesem Leben mal nach Park City zu kommen, und mir lauter gute Indie-Filme rein zu ziehen. Die Vorstellung eine Woche in einem Kino, popcorn fressender weise, ohne mit Menschen reden oder auch nur an die frische Luft zu müssen, stelle ich mir romantisch vor. Mein Misanthropenherz geht da auf.

Jedenfalls.

Neulich habe ich also den Sundance Channel und die Serie „Rectify“ auf arte entdeckt. Kurze Rede, langer Sinn: Ich habe die erste Staffel gekauft und in einem Rutsch gesehen. (6 Folgen).

 

Worum geht´s?

Daniel Holden (unglaublich gut) gespielt von Aden Young wird nach zwanzig Jahren aus dem Gefängnis entlassen. Genauer gesagt, dem Todestrakt, in dem er wegen Mordes saß. Seine Schwester hat mit ihrem Anwalt seine Freilassung erkämpft; eine DNA-Probe entlastet ihn. Trotzdem sind viele weiterhin von seiner Schuld überzeugt, nicht zuletzt deshalb, weil er den Mord gestanden hat. In Staffel 1 folgt man Daniel sechs Tage lang – vom Tag der Entlassung an. Eine kleine harmlose Stadt mitten im Nirgendwo von Amerika und ein abscheuliches Verbrechen. So geht es los. Nach und nach, tauchen die Charaktere um ihn herum auf. Seine Schwester, die sich für ihn aufopfert. Die Mutter, die weiter gelebt, geheiratet, ein weiteres Kind bekommen hat. Daniels Familie ist angewachsen um einen Stief- und einen Halbbruder. Der Halbbruder ist ausgerechnet in dem Alter, in dem Daniel ins Gefängnis musste: Kaum 18. Da ist es nicht verwunderlich, dass diese beiden es noch am ehesten schaffen, so etwas wie eine Verbindung herzustellen, in dieser umfassenden Fremdheit. Ich will gar nicht zu viel verraten…

 

Mein Eindruck

Daniel ist, gelinde gesagt, völlig Banane im Kopf. Wie soll es auch anders sein, er hat zwanzig Jahre in einem fensterlosen Raum verbracht und seine einzige Gesellschaft waren Wärter oder Verbrecher. Er war nicht nur physisch eingemauert, sondern auch psychisch in seiner eigenen Marter. Die Frage ob er den Mord begangen hat oder nicht, ist für mich gar nicht so wichtig. Das ist natürlich Teil der Serie, es wird viel angedeutet, und der Zuschauer kann sich schnell ein Bild machen, ob er ihm das zutraut, ob es sein kann, undsoweiter. Viel spannender finde ich die Eigendynamik der Ortschaft, in die er zurück kehrt. Es brodelt, Selbstjustiz liegt in der Luft. Während Daniel apathisch durch die Gegend tappt und die Stadt seiner Jugend sucht, passiert so viel um ihm herum. Ich war völlig fasziniert, von Aden Young, den ich bis dato nicht kannte, wie er diesen Charakter, die arglose Leere von Daniel im Gesicht herum trägt; ein Wahnsinn. Ich bin sehr gespannt auf weitere Staffeln!

 

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