Lese-Monat August

Lese-Monat August

Mein Lese-Monat August: Die Hörbücher, die ich mir aufs Handy geladen habe, fehlen auf dem Bild. Eigentlich hatte ich vorgehabt, mein Lese-Pensum wieder zu reduzieren, aber ein paar Dinge ändern sich dieses Jahr wohl nicht mehr. Das ist zum einen die Pandemie, dann das scheiß Wetter und meine Arbeit. Ich hatte zwar zwei Wochen Urlaub, aber danach ging es gleich weiter mit Überstunden und Schaffe schaffe, Häusle baua. Jedenfalls. Ich glaube es ist mein Adhs-Hirn, das ständig nach Neu und Mehr und Input schreit. Da das aktuelle VHS-Kursheft keinen Aquarell-Kurs anbietet, ich aber irgendwas machen muss, habe ich mich halt kurzerhand zu einem Kanji-Kurs angemeldet. Guck ich halt 5 Wochen lang, ob ich das gut finde und kann. Aber zurück zu meinen gelesenen Büchern.

📚Kris Brynn – Out of Balance Folge 1 bis 6 (Hörbuch) ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️

Die Out-of-Balance-Reihe wird von Uve Teschner gelesen, den ich hiermit in meine Liste „Tolle HörbuchsprecherIn“ aufnehme. Seit ich mich für Hörbücher begeistere, wähle ich meinen Lese-Stoff nicht mehr nach Klappentext, Inhalt oder Cover aus, sondern nach Stimme. Es kam schon vor, dass ich ein Hörbuch wutentbrannt auf einer Autobahnraststätte in den Müll gepfeffert habe, weil ich die Sprechweise nicht ausgehalten habe. Aber das will ich jetzt nicht vertiefen, sonst fange ich nur an ganz übel auf Rufus Beck zu schimpfen, der meiner Meinung nach alle John Irving Hörbücher versaut hat. „Out of Balance“ ist ein spannendes Weltraum-Abenteuer mit einer Prise Humor, toll gelesen von Uve Teschner, ich hab die 6 Folge weggebingt, im Büro beim Pläne falten. Auf der Erde herrschen Hungersnöte, die First Class lebt auf Kosten der Armen und auf der Raumstation Kopernikus, wo eine strenge Balance-Regel alles im Gleichgewicht halten soll, gehen merkwürdige Dinge vor sich. Da wird nicht nur Weizen angebaut. Bald verändert ein Anschlag alles.

📚 Matt Haig – Die Mitternachtsbibliothek (Hörbuch) ⭐️⭐️⭐️⭐️

📚 Emily Falk – Brautzilla (eBook) ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️

Lotte schreibt eine Mail an ihre beste Freundin, in der sie sich über ihre fürchterliche Schwiegermutter in Spe aufregt. Blöd ist nur, dass sie ausgerechnet diese Mail an ALLE schickt; die komplette Hochzeitsgesellschaft inklusive Schwiegermutti. Das löst eine Menge aus. Mutti ist sauer, der Bräutigam auch, selbst die Zeitung kriegt Wind von der Sache und schreibt über „Brautzilla“. Die Hochzeit wird abgesagt. Schließlich landet Lotte in Wien, um sich dort zu verstecken, ihre Wunden zu lecken und einen Plan zu entwerfen, wie diese Hochzeit noch zu retten sei. Es ist ein Liebesroman. Aber mehr als das, und deshalb habe ich das Buch auch mit Genuss gelesen. Es ging eben nicht nur um die Schwiegermama, den Verlobten und die ach so große Liebe, in der sich ein Mann zwischen Mutti und Freundin entscheiden muss.

Lotte muss sich mit einer Menge Schwierigkeiten auseinander setzen. Gut, die hat sie auch selbst verursacht. Aber mal ehrlich: Geht´s uns nicht allen so? Die meisten Baustellen eröffnen wir uns doch selber. Jedenfalls. Ihre Pläne lösen sich in Luft auf, und sie muss ich neu sortieren. Innerlich und äusserlich. Das ganze mit viel Humor, das hat mir viel Spaß gemacht. Sie stellt sich beruflich ganz neu auf, muss ihre Frau stehen und nebenbei wächst da unbemerkt ein neues Pflänzchen. Kann denn die Liebe auch leise wachsen?

📚 Stephen King – Der dunkle Turm Band 10, 11 und 12 ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️

📚 The best of Harry Rowohlt (Hörbuch) ⭐️⭐️⭐️⭐️

📚 Susann Rehlein – Die erstaunliche Wirkung von Glück ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️

Das Buch ist definitiv meine Lese-Perle 2021. Da passt einfach alles. Der lakonische Erzählstil holt mich komplett ab, die Hauptfigur entwickelt sich, es ist spannend und lustig und Wohlfühl-Literatur vom feinsten. Dafür lese ich. Aber der Reihe nach. Dorle wohnt in einem Mehrfamilienhaus, im Erdgeschoss. Sie ist die Concierge für die alten Leute im Haus, was aber nur ein netter Ausdruck für „Mädchen für alles“ ist. Und zwar nicht die Du-gute-Fee-was-sind-wir-froh-das-wir-dich-haben-Version, sondern mehr so: Müll-Mädchen. Die Bewohner sind also weder freundlich noch dankbar. Dorle verlangt das auch nicht. Ihr Leben war immer hart. Sie hat gelernt, für alle da zu sein; hilfsbereit und unersetzlich. Dankbarkeit oder gar Freundlichkeit, das passt nicht ins Weltbild. Frau Sonne wird auf die junge Frau aufmerksam und will alles für sie ändern. Der Zweck heiligt die Mittel – zumindest agiert Frau Sonne und ihre Komplizen so. Das nicht jede Hilfe gern angenommen oder gar hilfreich ist… das zeigt die Geschichte. Dorle wird gründlich aus ihrer Komfortzone geworfen, und muss aus ihrem Kellerloch raus und die Wohnung von Frau Sonne hüten. In der Geschichte steckt eine Anleitung, wie man jemandem aus einer Depression helfen kann. Ich sage bewußt: eine Anleitung. Nicht die! Es gibt kein Patentrezept. Und Dorle wehrt sich auch, sie will ja trotz allem Dorle bleiben. Das bedeutet, Frau Sonne hat immer wieder Aufgaben für Dorle, und sie entwickelt sich. Sie treckt einen Fühler aus ihrem Schneckenhaus, dann zwei. Dann scheitert sie, zieht sich wieder zurück, um es erneut zu versuchen und langsam verändert sich ihr Leben. Und ihre Beziehungen zu den anderen Bewohnern, zu ihrem Freund, zu sich selbst. Es ist eine ganz zauberhafte Geschichte, ich musste dabei lächeln und mit Dorle mitfiebern, und ich hab ihre Wut verstanden und die schüchternen Schmetterlinge, und ich hätte gern Frau Sonne angebrüllt: „Sowas kannst du doch nicht machen, mit der armen Dorle, ach und Danke, war wohl doch nötig.“

Ich mag an der Geschichte, dass die schwere Vergangenheit von Dorle keine große Rolle spielt, weil sie im Hier und Jetzt ist und von diesem Punkt los laufen muss. Ich mag, wie sehr sich Frau Sonne einsetzt, auch wenn sie manchmal übers Ziel hinaus schießt. Und ich mag, dass Dorle sich selber treu bleibt, während sie den Aufstand probt, und lernt wie man Wut ausdrückt und auf andere zugeht, und Freundlichkeit annimmt, wenn sie einem denn widerfährt. Ich sag´s ja: eine Perle. ❤

Der nächste Roman von Susann Rehlein liegt hier schon bereit.

Ach, und „Joyland“. Da bin ich noch mittendrin, satt nur dabei.

Lese-Monat Mai

Mein Lese-Monat Mai

Brian Bagnall – Zeichnen und Malen ★ ★ ★ ★

Dieses Buch besitze ich schon seit 30 Jahren. Mindestens. Als Kind kniete ich gern auf dem Boden, das Buch lag aufgeschlagen vor mir und ich blätterte vor und zurück, beeindruckt von den Motiven und Farben. Über die Jahre habe ich einiges ausprobiert, vor allem Buntstift-Motive und Aquarell. Aber so richtig gelesen habe ich es nie. Also von vorne, ein Mal konsequent durch, so wie man einen Roman lesen würde. Neulich habe ich mein Bücherregal entmistet. Mir geht regelmässig der Platz aus, und Sachen die ich nicht mag, die ich definitiv nicht noch mal lese, oder die halt nicht so wichtig sind, können weg. Sie sparken keinen Joy, wie man neuerdings sagt. Bei der Gelegenheit habe ich einiges aussortiert und gleichzeitig festgestellt, dass in meinem Regal Bücher stehen, die ich nicht gelesen habe. Also legte ich, konsequent wie ich bin, die ungelesenen Sachen auf den SUB. Ordnung muss sein.

„Zeichnen und Malen“ habe ich jetzt nachgeholt. Ich war ziemlich überrascht, wie viele Techniken und Materialien es gibt, wie viel Abwechslung. Das Buch bietet eine gute Übersicht, samt Beispielen und Anregungen für Übungen und Experimente. Das Buch ist jetzt ausgestattet mit kleinen Klebenotizen, überall wo meine Neugier geweckt wurde, bappt einer. Es gibt viel zu tun.

Vor jeder Maltechnik, beispielsweise Aquarell, gibt es eine Übersicht mit Dingen, die man dazu braucht, oder eben auch nicht. Zum Beispiel erklärt Brian Bagnall die unterschiedlichen Papiersorten, also was wofür geeignet ist, macht dann weiter mit den Pinsel-Unterschieden und führt durch die Farbenlehre zu den Mischtechniken. Manche Sachen überschneiden sich, aber Öl-Farben reagieren ganz anders als Acryl. Endlich konnte mir jemand Gouache erklären, so dass ich das kapiere. Ich kam zu dem Schluß, dass ich mit Materialien gut ausgestattet bin. Ich gehöre zu den Menschen, die meinen, wenn sie nur genug Kram daheim haben, ergibt sich das mit der Kunst von ganz allein. Das man auch ein klein bisschen Ahnung haben sollte, von dem was man da tut, weiß ich theoretisch. Im Buch lautet das Credo von Brian Bagnall: Üben und ausprobieren, noch mehr üben, rausfinden, was einem liegt, und weiter üben. Das weiß ich eigentlich auch. 😉 Ich gelobe hiermit mehr zu üben. Was mir liegt und wo meine Interessen liegen, weiß ich. Was ich bräuchte, ist ein ein eigener Brian, der mir im Nacken sitzt und ganz nett fragt: „Hast du heute schon was ausprobiert? Hm?“

Katharina Hartwell – Die Silbermeer Saga Band 2 ★ ★ ★ ★ ★

Trilogien; das ist ja schön und gut. Aber man sollte erst mit lesen anfangen, wenn alle Teile erschienen sind. Meine Meinung. Es ist ätzend, dass ich jetzt, vermutlich ein ganzes Jahr, auf den dritten Teil der Reihe warten muss. Ich will wissen wie es mit Edda weiter geht. Bis hier hin bin ich begeistert von Katharina Hartwells schöner, poetischer Sprache und ihrem Ideenreichtum. Das liest sich sehr angenehm. Das Buch ist kein typischer Pageturner, man jagt als LeserIn nicht von einem Höhepunkt zum nächsten – und das sage ich als Lob und Pluspunkt für die Geschichte. Manchmal, gerade bei Fantasy, ärgere ich mich, dass die innere Logik einer Geschichte der Spannung zum Opfer fällt, weil die AutorInnen meinen immer noch eins und noch eins drauf setzen zu müssen. Ich folge Edda und ihren Weggefährten, ahne und vermute wohin die Reise geht, dann läuft die Sache doch ganz anders, hier sind Brotkrumen für jenes Geheimnis und da ist noch ein Fährte in eine andere Richtung und ich hab Zeit die Schönheit der Sprache und Beschreibungen zu genießen und muss mich nicht hetzen lassen. So mag ich das. Nur net hudeln.

Claudia Haessy – Tagsüber Zirkus, abends Theater ★ ★ ★ ★

QWERTZ 1/2021 – Das Mitgliedermagazin des BvjA

Ray Bradbury – Der Tod ist ein einsames Geschäft ★ ★ ★ ★ ★

Ich mag keine Krimis. Eigentlich. Das ist mir oft zu viel Mord und Totschlag und unglaubwürdiger Unsinn. Ein Buch, mit einem Ermittler, der natürlich allein unterwegs ist, dem Mörder geradewegs in die Arme rennt und am Schluß mit einem Hase-aus-dem-Hut-Trick im letzten Augenblick gerettet wird, machen mich wütend. Da werd´ ich voll aggro. Das will ich nicht lesen, das ist Zeitverschwendung. Nun kenne ich, dank meines Autorenstammtisches, Raymond Chandlers „Der lange Abschied“ und musste meine Meinung revidieren. Solche Krimis mag ich sehr wohl. Das ist Literatur und spannend, das kann ich sehr gut lesen. Von Chandler zu Bradbury ist der Weg nicht weit, zumindest erscheint es mir so. Dieses Buch habe ich vor Jahren schon geschenkt bekommen, es ewig liegen lassen aus den oben genannten Gründen. Nach Chandler dachte ich, versuchste es halt mal. Und Überraschung, ich finde es großartig. In diesem Roman muss der „Ermittler“ quasi beweisen, dass überhaupt ein Mord geschehen ist. Weil, ist es ein Verbrechen, wenn jemand zu Tode kommt, ohne das der Täter einen Finger krümmt? Ich glaube, dass die Hauptfigur Bradbury selbst ist. Oder halt ein schrulliger Alter Ego. Und der sieht Dinge, die schwer zu erklären oder gar zu Bewiesen sind. Mitten drin zweifelt er an sich; ob er überall wo er hingeht, den Tod mitbringt und ich zweifle an ihm, ob da wirklich ein Mörder ist oder er sich alles nur einbildet. Die Sprache ist gewaltig und bildhaft, die Figuren liebenswürdig und schrullig und echt. Der Tod geht um, aber wer glaubt ihm, dem Schriftsteller denn, dass da etwas nicht mit Rechten Dingen zugeht? Das war subtil und spannend und mal ne ganz andere Geschichte. Vielleicht werde ich doch noch eine Krimi-Leserin.

Euripides – Medea ★ ★ ★ ★ ★

Das Buch bzw. das Theaterstück habe ich an einer anderen Stelle schon rezensiert. Link

Harry Rowohlt liest Flann O’Brien (Hörbuch) ★ ★ ★

Der gute alte Harry-Bär. Der kann mir das Telefonbuch vorlesen, und ich hör mir das trotzdem an. Allerdings, Flann O’Obien und ich werden wohl keine Freunde. Das Hörbuch besteht aus mehreren seiner Kolumnen und ich finde es ist absurd bis hin zu langweilig. Ich weiß, Langeweile ist kein richtiges Kriterium. Die Texte sind nicht schlecht. Weder schlecht geschrieben, noch schlecht gemacht. es interessiert mich nur nicht bzw. ich teile diesen Humor nicht. Mea culpa.

Stephen King – Später (Hörbuch) ★ ★ ★ ★

Das ist nicht sein bestes Buch. Und das sage ich mit folgendem Hintergrund: Das letzte Hörbuch, dass ich von King gehört habe, war „ES“ und das ist streng genommen 30 Jahre alt, allerdings habe ich es erst letzten Monat für mich entdeckt. Und nun kommt da „Später“ daher. Zeitlich wirklich später, inhaltlich aber wieder „ES“. Da ist ein Junge, der kann tote Menschen sehen und trifft dabei auf ein Wesen wie „ES“. Allerdings kommt die Geschichte dieses Mal, und das liegt eindeutig an mir, ich bin nicht objektiv, blass und kurz und banal daher. Es hat nicht wie epische Weite, es hat nicht diese Spannung, nicht dieses gewisse Etwas. Ich hab das gern gehört, versteh mich nicht falsch. Ich fand die Story gut, der alte Mann hat mich wieder gekriegt. Aber es war halt nicht ganz so fulminant.

PS: Ich bin nun schon einige Male, privat, auf mein Lese-Pensum angesprochen worden. Das ist von der Pandemie bestimmt. Da ich nirgends hin kann und keine sozialen Verpflichtungen, kein Ausgehen, keine Lesungen habe, kann ich jeden Abend lesen. Täglich zu lesen gehört zwar grundsätzlich zu meiner täglichen Routine, allerdings ist es im Lockdown mit Ausgangssperre einfacher mehr als eine Stunde Zeit am Tag dafür zu finden. Sobald ich wieder unter Leute darf und auch wieder für die get shorties Lesebühne durch die Lande tingele, ändert sich das wieder.

Lese-Monat Dezember

Hello!

Lass uns über Bücher reden.

Das ist mein letzter Beitrag. – Für dieses Jahr. 🙂 Keine Sorge, 2021 geht es weiter. Irgendwie geht es doch immer weiter, oder? Jedenfalls. Mein Lese-Monat. Corona- bzw. Lockdown bedingt war ich nirgends. Kein Schoko-Markt in Tübingen, keine einzige get-shorties-Lesung, keine Weihnachtsmärkte oder Feiern, privat oder betrieblich. Nüschte. Das bedeutet, ich habe viel Weltflucht betrieben und gelesen. Das hier ist meine Lese-Monat Dezember:

Mein Lese-Monat Dezember 2020
Mein Lese-Monat Dezember 2020

Dieses ganze Lese-Jahr war geprägt von Hörbüchern und Graphic Novels, was mich aktuell am meisten begeistert. Und David Nathan. Wenn ich ein Hörbuch nach zwanzig Hör-Stunden beende, klingt die Stimme in meinem Kopf, zumindest für ein paar Tage, nach ihm. 😉

Jedenfalls.

Übersicht:

  • Andrzej Sapkowski – Die Dame vom See (Der Hexer Band 5) ⭐️⭐️⭐️
  • Kurt Vonnegut – Schlachthof 5 ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️
  • Stephen King – Das Institut (Hörbuch gelesen von David Nathan) ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️
  • Heinrich Böll – Ansichten eines Clowns ⭐️⭐️⭐️
  • Stephen King – Der dunkle Turm Graphic Novel Band 1 ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️
  • Wenn das so weiter geht, dann stille Nacht – get shorties Weihnachtsbuch
  • Gerard Way & Gabriel Ba – Hotel Oblivion (Umbrella Academy Band 3) ⭐️⭐️⭐️
  • J. R. R. Tolkien – Der Hobbit (Hörbuch gelesen von Gert Heidenreich) ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️
  • Die Feder Nr. 124 (Verband deutscher Schriftsteller VS)
  • Qwertz 4/2020 (Mitgliedermagazin des Bundesverbands junger Autoren e. V. )
  • Moka Nr. 03 / 2020

Der Hexer

Bis Band 5 habe ich die Reihe mit Begeisterung gelesen. Es gab ein paar Dinge, die ich nervig fand, aber die Spannung ließ mich darüber hinweg sehen. Ich wollte und musste wissen, wie es mit Ciri und dem Hexer weiter geht. Wir sind uns hoffentlich einig, dass Ciri die Hauptfigur ist, und nicht der Hexer, gell?

Dinge, die mich nerven: Die Namen. Ich sag es gleich, ich bin Legasthenikerin, das Problem liegt vermutlich bei mir. Dennoch: Warum zum Teufel würfelt man, wie beim Scrabble, 8 Buchstaben (und immer ist ein y dabei!) und macht dann irgendwas daraus, dass man in keinem Wörterbuch findet? Sapkowski hat unfassbar viele Figuren in seinen Büchern, alle haben einen Namen, den ich weder buchstabieren noch aussprechen kann. Geschweige, mir merken. Weil das nicht reicht, haben alle noch einen Spitznamen. Irgendwann habe ich es dann persönlich genommen.

Sapkowski hat auch einen unfassbar großen Wortschatz. Das bedeutet, ich kenne viele Wörter nicht. Vermutlich liegt auch hier das Problem bei mir. Dennoch, muss das sein? Ich lese manche Sachen, mit dem Finger auf dem Papier, und komme mir vor wie ein ABC-Schütze, während ich Silbe für Silbe abackere. An Anfang habe ich mir noch die Mühe gemacht, die Wörter nachzuschlagen. Die Bücher sind dick, die Wörter, die ich nicht kenne, viele. Und ich, Freunde, bin unfassbar faul. Ich habe es gelassen.

Dass der Autor viel hin und her springt, und Zeitsprünge macht, vor und zurück, und dann wieder gleichzeitig, das war mir schon bei der Serie klar. Damit komme ich noch zurecht. Aber warum kann man das nicht irgendwie kenntlich machen. Ein Absatz, noch ein Absatz, und dazwischen liegen 100 Jahre. Puh, ich fand es anstrengend.

Die Politik spielte in den anderen vier Bänden schon eine große Rolle. Darüber habe ich hinweg gelesen, viel war mir zu detailliert und langweilig. Der fünfte Band hat es mir dann verdorben. Die politischen Intrigen zusammen mit den Schlachtszenen des Krieges, die sich über viele hundert Seiten hinziehen, waren dann nur noch zäh und ätzend. Das passiert mir nicht oft: Das ich nach 5 Büchern kurz vor Schluß abbrechen möchte. Ich hab es durchgezogen. Das Ende ist Kitsch. Schade. Kaum zu glauben: Die Serie gefällt mir besser.

Schlachthof 5

Eine Bildungslücke weniger. Faszinierende Geschichte. Billy, der in der Zeit hin und her springt, geprägt durch die Ereignisse seines Lebens. Er schlüpft hier heraus um dort zu landen, springt von Dresden, 1945, zur Hochzeit seiner Tochter, viele Jahre später, resümiert über sein Leben in Gefangenschaft von Aliens. Ich habe keine Ahnung, was der Krieg mit einer Seele macht, ich weiß auch nicht, ob es Aliens gibt. Billy habe ich alles geglaubt, es klang ganz logisch. Nachvollziehbar. Die Frage nach der Zeit, also was Zeit ist und was sie mit uns macht, treibt mich um. Ähnlich wie Billy. In meinen Texten taucht diese Frage regelmäßig auf, samt dem Versuch eine Antwort zu finden. Kurt Vonnegut hat seine Antwort gefunden. Ich weiß nicht, ob ich ganz einig mit ihm bin, dass alles so geschehen muss, wie es geschieht. Aber wenn man erlebt hat, wie ein Gefangener wegen einer gestohlenen Teekanne erschossen wird, glaubt man das wohl. Ich widerspreche nicht.

Ansichten eines Clowns

Eine Bildungslücke weniger. Damals, als das Buch erschienen ist, muss das ein riesen Skandal gewesen sein. Heute, 2020 nicht mehr. Und das ist gut so. Ein paar Dinge haben sich seither geändert, wenn auch langsam. Die Hauptfigur, Hans ist mir zutiefst zuwider in seiner Direktheit, mit seinem Gehammer, seinem Selbstmitleid. Ich verstehe, warum er so ist und kann das alles nachvollziehen. Böll zieht mich da rein und fesselt mich an seine Figur, obwohl sie so ein Unsympath ist. Hans heult er rum, weil er mit seiner Freundin nicht unverheiratet zusammen sein kann… wobei sie jahrelang ein Paar waren, unverheiratet. Es ging schon, sie haben nur viel Gegenwind bekommen. Die Eltern waren dagegen, der Freundeskreis, alles sollte seine Ordnung haben. Verheiratet, dann Kinder, und bitte einen vernünftigen Beruf. Clown, was ist denn das? Die Gesellschaft und die Umstände wollen diesen zwei Menschen ein Korsett anlegen. Er wehrt sich, sie geht dabei kaputt. Sie findet dann einen Mann, der sie ehelicht und sie zu einer ehrbaren Frau macht. Hans wirft ihr Ehebruch vor. Auch das verstehe ich. Allerdings wird mir die Geschichte noch eine Weile zu denken geben. Sobald ich Hans nicht mehr als Jammerlappen betrachte, erschließt sich mir wohl die ganze Gesellschaftskritik dahinter.

Hotel Oblivion

Ich habe das Medium Graphic Novel für mich entdeckt und habe mit Begeisterung die Serie „Umbrella Academy“ auf Netflix geschaut. Da ist es nur logisch und konsequent, die Bücher zu lesen. Ich mag hier die Erzählweise, bildgewaltig, farbenprächtig, detailliert. Anders, als es ein Roman ist. Und hier gefallen mir viele Dinge: Das Hotel ist ein Gefängnis für Superhelden. Die ganz üble Sorte. Die 7 der Umbrella Academy haben viel zu tun, als diese entkommen. Allerdings, und deswegen gebe ich nur 3 Sterne, verläuft dieser Ideensturm in alle Richtungen, ohne richtig aufgelöst zu werden oder wenigsten sinnvoll zusammen zu kommen. Also nicht genug, für meinen Geschmack. Im Prinzip stecken hier mehrere Geschichten drin, die einzeln betrachtet zu wenig Aufmerksamkeit kriegen und kein Ende ergeben, wie ich es gerne hätte. Das finde ich sehr schade. Jede einzelne Story hätte das Potenzial für ein Buch gehabt – ein bisschen besser ausgearbeitet. Nach wie vor gefällt mir die Umsetzung, die Charaktere, und der Ideenreichtum.

Zu Stephen King habe ich einen eigenen Beitrag geschrieben. Nächstes Jahr starte ich das „Projekt Stephen King“ und das „Projekt Dark Tower“.

„Wenn das so weiter geht, dann stille Nacht“ habe ich gelesen, weil ich doch wissen muss, was die KollegInnen der get shorties Lesebühne zum Thema Weihnachten zu sagen hatten. Das Büchlein ist eine limitierte Auflage und soweit ich weiß, sind von der zweiten Auflage (ja, wir mussten nachbestellen. Vielen Dank an alle, die die get shorties Lesebühne in diesem bescheuerten Jahr die Treue gehalten haben!) noch ein paar Büchlein zu haben. Ich sag es nur. Falls du gerne eins möchtest, dann schreib mir eine Email.

Vielen Dank für deine Aufmerksamkeit. So, und jetzt wünsche ich dir einen guten Rutsch ins neue Jahr. Wir lesen uns, ja?

Caro