Meine erste Handtasche

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Ich habe vor ca. drei Jahren das Nähen für mich entdeckt. Eine Freundin meinte zu mir:

„Hast du Lust vorbei zu kommen, dann machen wir ein T-Shirt für dich.“ Und so kam das. Inzwischen habe ich diverse T-Shirts im Schrank, war ein paar mal Stoffe einkaufen und habe gestaunt, was es so alles gibt. Ich habe zwei Kleider genäht und sogar eine Halskette ge-dingst.*

*Ich habe keine Ahnung, ob man eine Kette bastelt, näht, stickt oder fädelt. Am Schluss hatte ich einen hübschen Anhänger aus Swarovski-Steinen und kann jetzt behaupten:

Habe ich selber gemacht! 

Jedenfalls. Die Freundin meinte letztens zu mir: „Hättest du gerne eine Handtasche?“

Jetzt muss ich dazu sagen, ich bin keine von diesen Frauen, die mit Täschchen herumlaufen. Es gibt zwei Sorten Frauen: Die mit Handtasche und die anderen.

Ich habe für gewöhnlich einen Rucksack dabei. Weil, ich schleppe für gewöhnlich mehrere Bücher mit, und das iPad, ein Mäppchen, ein Notizbuch, was zu trinken, Schokolade, ein Abschleppseil für Notfälle, ein Regencape, einen Regenschirm, einen Duden und mein aktuelles Schreibprojekt natürlich, mit mir herum. Das alles passt nicht in eine Handtasche. Zudem will ich das Gewicht nicht an meinem Arm hängen haben. Das ist unbequem und unschön.

Daher antwortete ich: „Das muss aber eine große Handtasche sein und praktisch und hübsch und robust.“

Und bevor ich noch ein UND dran hängen konnte, drückte sie mir diesen Stoff in die Hand und eine Nähanleitung dazu. Und ich sagte: „Oh, okay.“

Ich bin immer noch ein Beuteltier mit Rucksack, muss aber gestehen, so eine hübsche Handtasche hat schon was. Vor allem, weil ich sie selber gemacht habe. Meine Näh-Fähigkeiten sind noch nicht so fortgeschritten, dass die Arbeit leicht, mühelos und ohne Unfälle vonstatten gegangen wäre. Manche Naht musste ich wieder auftrennen, manch eine Falte, die ich mit der Nähmaschine nicht sauer erwischt habe, musste ich von Hand nachbessern. Aber all das macht mir die Tasche noch besonderer, weil ich sie nicht einfach gekauft und in Besitz genommen, sondern tagelang dafür geschufftet habe. Sie ist nicht perfekt. Das bin ich auch nicht. Deshalb passen wir so gut zusammen. Ich bezweifle, dass Handtaschen-Mädchen sich so fühlen.

 

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Stoffe-Haul

Gestern war ich in Pforzheim, da kann man prima Stoffe einkaufen. Ein bis zwei mal im Jahr kommt auch ein fliegender Händler, der dann zwei Wochen im Kaufhof seine Stoffwaren anbietet. Leider war ich zu früh dran, der Typ ist erst in zwei Wochen da. Ich muss wohl nochmals hin. Ich suche nämlich was hübsches, für ein Kleid. Ich habe aber dennoch ein paar Sachen gefunden. Das gibt jeweils ein T-Shirt.

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Näharbeiten im Februar

Es ist so cool – im muss wieder Stoff kaufen. Meine Schätze, die ich im letzten Jahr gekauft habe – bei einem fliegenden Händler in Pforzheim – sind fast aufgebraucht. Zuletzt habe ich ein T-Shirt gemacht, im Moment arbeite ich am einer Handtasche (Bild folgt demnächst), das aufwändigste Projekt bisher. Hätte nicht gedacht, dass eine Tasche so kompliziert ist.

Ich habe eine Einladung erhalten, für ein großes Fest im Juni – eins von der Sorte, für das man ein Kleid braucht. Das heißt, Stoff kaufen, Schnitt finden, Kleid nähen. Yay.

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Ich werde langsam besser im Umgang mit der Nähmaschine. Ich glaube meine Freundin I. hat sich die letzten Monate so manches Mal auf die Zunge beißen müssen, während sie mir zusah. Sie näht schon seit Jahren und kaum ein Kleidungsstück stellt für sie noch eine Herausforderung dar. Während ich mit meinen Händen kämpfe. Ich bin kein richtiger Linkshänder, aber auch nicht eindeutig rechtshändig. Daher weiß ich oft nicht, mit welcher Hand ich was tun soll. Das hängt wohl auch mit meiner Legasthenie zusammen. Zumindest vermute ich das. Jedenfalls. Sehr oft frage ich I: Wie machst du das? Sie denkt über die Handgriffe nicht nach, die laufen schon seit Jahren wie ein Programm ab. Manchmal ist sie irritiert von meiner Frage, weil sie gar nicht auf die Idee käme den Stoff so zu halten wie ich das tue. Manchmal, wenn ich gerade am schneiden bin, legt sie mir ganz behutsam zwei Finger auf den Unterarm und sagt sowas wie: Nimm doch die andere Hand.

Und dann gehts. Nicht unbedingt schöner, meine Zuschnitte sehen immer noch aus wie von einem Kindergartenkind, aber es fühlt sich nicht mehr ganz so unbequem an. Ich kann mich nicht erinnern, während meiner Schulzeit, dass je ein Lehrer oder meine Eltern so geduldig mit mir gewesen wären. Oder so nachsichtig mit meinen Fehlern. Wobei es mich beim nähen nicht stresst, wenn ich eine Naht wieder auftrennen muss. Aus Fehlern lernt man. 🙂

 

 

 

Die Sache mit den Vorsätzen

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Der junge Pianist

 

Meine Klavier-Anmeldung wurde diese Woche dadurch ausgebremst, dass die Musikschule, die ich mir ausgesucht habe, voll ist und keine neuen Schüler aufnimmt. Es gibt ein „Vielleicht“ ab März. Nun muss ich mir überlegen ob ich so lange warte (kommt´s auf zwei Monate an?) oder ob ich nach einer anderen Musikschule schaue. Wer weiß wo meine Vorsätze im März sind?

Ich habe diese Vorstellung von mir, wie ich den Entertainer spiele, das treibt mich an. Vermutlich, weil ich als Kind einen Onkel das spielen sah & hörte, und dabei fand, dass er glücklich wirkte. (Was für ein großes Wort; Glück. Hat nicht jeder seine ganz eigene Vorstellung davon?) Jedenfalls. Ich kann ja nicht mal Noten lesen. Um die Zeit zu überbrücken, so als erster Schritt und gutem Willen, dabei zu bleiben, habe ich mir jetzt eine App gekauft, die genau das tut (hoffentlich). Noten lesen lernen. (Link: Piano Notes Pro)

Ich habe jedes Jahr den selben Vorsatz: Mehr schreiben. 2014 habe ich das sogar geschafft, eine Novelle, diverse Kurzgeschichten, Blogtexte. Während ich meine Blogtext-Übersicht anschaute, stellte ich fest: Viele meiner neuen Texte haben es gar nicht in das Blog geschafft. Für die get shorties Lesebühne brauche ich dauernd neue, unveröffentichte Texte, ich lese nie einen Text zwei mal am gleichen Ort – davon leben wir, dass wir jedes Mal wenn wir in Stuttgart, Böblingen, Göppingen und wo wir uns eben rum treiben, neue Texte haben. Das heißt, diese Texte schaffen es gar nicht in meinen Sudelblog.

Es hat vermutlich wenig mit Neujahr und meinen Vorsätzen zu tun, aber ich wünsche mir schon lange einen Platz für meine Texte, ohne Gesudel wie hier. (Nichts gegen Gesudel, aber manchmal ist weniger mehr). Aus diesem Wunsch heraus habe ich einen neuen Blog erstellt: Hafenlicht.

Manchmal, da fange ich ein neues Notizbuch an, mit dem Vorsatz: da kommen jetzt nur schöne Sachen rein. Mein Tagebuch ist oft hässlich mit all dem Alltag, den Sorgen, dem Weltekel und der Frage, was das noch alles werden soll. Dem eine komische Seite abzugewinnen ist echte Arbeit. Im Hafenlicht soll es also nur Kurzgeschichten und Erzählungen von mir geben. Mal ernst, mal heiter, was so an Text eben aus mir raus will.

Im Hafenlicht wird es kein Gesudel geben.

Selbstgenähtes T-Shirt
Selbstgenähtes T-Shirt

Ich habe das Nähen im letzten halben Jahr vernachlässigt. Ich war mit Schreiben beschäftigt, das ist ein guter Grund, dennoch wünsche ich mir, wieder mehr Zeit für dieses Hobby zu haben, weil es mir gut tut. Ich mag es, mit meinen Händen zu arbeiten, konzentriert zu arbeiten, ohne das es mich erschöpft (wie zum Beispiel der Brotberuf), etwas in Händen zu haben, am Schluss: Meins. Das habe ich gemacht.

Die Zufriedenheit, die daraus entsteht, war mir vorher völlig unbekannt. Ich bin kein Perfektionist, aber gehe oft mit mir hart ins Gericht in Sachen Ordentlichkeit. Fehler erlaube ich mir selbst nicht. Natürlich mache ich sie, keine Frage, aber wie ich dann mit mir selbst umgehe, steht auf einem anderen Blatt. Beim nähen hole ich, wenn ich was falsch gemacht habe, ruhig und ohne Selbstzerfleischung den Trenner, und fange von vorne an. Ich habe beim Nähen Scheitern gelernt. Von einem Fehler geht die Welt nicht unter.

Selbst die Lesebühne gab mir Raum Fehler zu machen und auch zu scheitern. Ich schrieb einen Text, den ich sehr gut fand. Ingo sagte, der würde auf der Bühne nicht funktionieren. Trotzdem ließ er mich auf die Bühne, trotzdem ließ er mich lesen. Der Gag verreckte, aber ich zog es durch. Das war auch gar nicht schlimm – für mich nicht, und fürs Publikum auch nicht. Im Gegenteil. Manch einem Zuschauer ist aufgefallen, dass ich besser geworden bin, ich habe schöne Gespräche geführt. Besagten Text habe ich überarbeitet – Inzwischen schätze ich das Überarbeiten sehr, und Hemingway hat gesagt, die erste Fassung ist immer scheiße. Ich bin mit meinen Texten zufrieden, – nach dem zweiten oder dritten Überarbeiten. Dann sind es meine Texte, mein Ton, mein Witz. Jetzt bin ich angekommen. Aufgenommen und angenommen in der Gruppe, und bin dankbar: Nirgends sonst hatte ich diese Möglichkeiten, so zu lernen und zu wachsen.

Großartig. Wenn man die Sache mit dem Scheitern mal gelernt hat, schätzt man auch seine Erfolge ganz anders, weil sie erarbeitet sind, und kein Zufall.

Überhaupt.

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SUB

Das Prinzip finde ich faszinierend; Menschen, die ihr gemütliches Sofa verlassen um zu uns zu kommen und sich Kurzgeschichten und Musik anzuhören. Mal ehrlich, zuhause haben sie eine Stereoanlage, einen Fernseher, Hörbücher, was zu Essen, ihre Ruhe. Menschen, die vor die Tür gehen, ganz allgemein, beeindrucken mich. Ich, als freundlicher Misanthrop würde mir – wenn man mich ließe –  Essen liefern lassen, das Telefon ausstecken und nie, nie mehr vor die Tür gehen. Dieses Draussen – mit frischer Luft (!) wird völlig überbewertet. Vielleicht lerne ich von diesen Leuten auch noch etwas. Offener sein, ganz grundsätzlich.

Schreiben ist eine Berg- und Talfahrt. Euphorie und der Wunsch sich umzubringen liegen sehr nah beieinander. Weil man als Schreibender immer meint, die Qualität der eigenen Texte sei mit dem eigenen Wert als Person verknüpft. Die Erkenntnis, das dem nicht so ist, jedenfalls nicht immer 🙂 – buche ich auch noch auf dem 2014er-Konto.

Vorsätze sind ne feine Sache. Letztes Jahr, zum Beispiel, habe ich mir vorgenommen fünf Kilo abzunehmen. Das habe ich im Juli auch erreicht gehabt. Damit ich mich nun wieder um gute Vorsätze bemühen kann, habe ich mir vorsorglich im November besagte fünf Kilo wieder angefressen. Es soll keiner sagen, ich sei nicht konsequent; Jedes Jahr das selbe.  Daher steht dieser Punkt auf der alten Liste wie auf der neuen.

Nun sind es nur noch zwei Dinge die fehlen: Mein SUB ist weiter angewachsen, denn geschrumpft. Es gibt viel zu lesen. Und ich will wieder mehr fotografieren.

Willkommen 2015

 

 

Freitagsfoto; Nähversuche

BlumenstoffLiebes Universum,

ich nenne die ganze Aktion: Die Entdeckung der Weiblichkeit.

Wobei mir nicht ganz klar ist, ob ich die überhaupt entdecke, oder ganz was anderes. Ich war nie eins der Mädchen, das mit Puppen spielt und zum Ballettunterricht geht. Meine Mutter hätte das wohl gern gehabt, stattdessen rannte ich in verschlissenen Jeans herum, hatte aufgeschürfte Knie und war verdammt gut im Tor.

Wenn ich zurück denke, legt sich ein Schleier über das was wirklich gewesen ist und macht es romantischer, wilder als es tatsächlich war. Kind sein, frei sein, auf die Hausaufgaben pfeifen und ganze Nachmittage auf der Wiese hinter dem Haus verbringen, im hohen Gras rennen, die Blüten und Gräser und Bienen gegen die nackte Haut dotzen lassen und sich nicht drum kümmern, Grashüpfer einfangen und Mutti mit einer Blindschleiche aus Gummi erschrecken. Was haben wir gelacht.

Und jetzt? Jetzt schreibe ich über romantisch-wilde Nachmittage, statt über die Wiese hinter meinem Haus zu rennen, Grashüpfer zu fangen, und Nachbarn zu erschrecken. Meine Schildkröten lümmeln müde in der Sonne, und ich beneide sie, während ich in einer Sporthose stecke, Kaffee schlürfe und Sklave bin, meiner eigenen Zeit, und dem was ich damit anfangen will. Man muss so viel. Die Arbeit, und langweilige Veranstaltungen, einkaufen und bügeln, und vernünftig sein. Irgendwo dazwischen noch ein paar Zeilen schreiben über Dinge, die man erlebt hat, Dinge die man gern erleben würde, und wieder andere Dinge, die man erzählen muss, weit entfernt von Lügen und der Realität. Mein Schlupfloch. Es ist wie ein Griff im Nacken, eine starke Hand, die mich an den Schreibtisch zerrt oder von mir verlangt, sofort und gleich, das Notizbuch voll zu schreiben, in meiner unleserlichen Handschrift. Um dann zufrieden zu sein, für eine kleine Weile. Bis die Hand wieder zupackt.

Es war im letzten Jahr, da frug eine gute Freundin: Willst du vorbei kommen? Nähen?

Und ich dachte: Nähen?

In der Schule hatte ich Nähunterricht. Ich habe gelernt, die Maschine zu bedienen, musste als Projekt eine Decke fertigen, weil ich mich geweigert habe, damals mit 15 einen niedlichen Bären zu machen. Was soll ich mit einem Bären? Heute, wenn ich einen gemacht hätte, und drauf zurück blicken könnte, fänd ich es irgendwie nett. So wie Katzen-Content. Awww.

Ich habe eine Decke genäht, und nicht besonders gut. Der Stoff war störrisch, die Nähte hielten nicht, warm war das Ding auch nicht. Hübsch anzusehen? Vielleicht, von einer Seite. Die andere? Reden wir nicht davon.

Ich war dankbar für die Einladung, es war Sonntagnachmittag, es hat geregnet und meine aktuelle Lektüre war langweilig. Also fuhr ich zu ihr. Ich habe ein T-Shirt genäht. Ohne den strengen Blick meiner Lehrerin von damals. Der Stoff war nicht störrisch, die Nähte halten noch immer – es ist schick und das Gefühl „Das habe ich gemacht“ sehr schön. Es folgten weitere. Inzwischen habe ich, aus dem obrigen Blumenstoff ein Kleid genäht. Ich habe den Stoff ausgesucht. Er kommt meiner Blumenwiese von damals wohl am nächsten und ist das weiblichste, das schönste Stück, das ich je besessen habe. Ich habe den Schnitt ausgesucht, die Arbeit gemacht.

Zum ersten Mal, seit langer Zeit, erfahre ich diesen Flow ausserhalb des Schreibens; zufrieden zu sein, konzentriert und ruhig zu sein, ohne die Überschrift „Du musst“. Ich könnte das Kleid anziehen, ein Foto machen, und es teilen, in der Hoffnung, dass jemand sagt; Hui, toll. Aber das werde ich nicht tun. Nicht, weil es zu persönlich wäre, sondern weil es dieses Mal einfach Meins ist. Manche Dinge müssen nicht von anderen für gut befunden werden. Manchmal weiß man es einfach und das ist dann gut genug.

 

~Caro