Spaceship Report #14

Commander Caro M. Harbor Spaceship Report

11th November 2020 

  • Viel Lebkuchen gefuttert und Mittagessen im Engel geordert. Lecker, lecker. 
  • Wieder so ein Tag: Ich habe mit 17 Bällen gleichzeitig jongliert. So ein Irrsinn. Uff. 
  • geguckt: Greys Anatomy
  • Neuen Verlagsvertrag unterschrieben. Yeah! 
  • Gekauft: Stirnlampe. Damit ich im Dunkeln durch die Gegend rennen kann. 🏃‍♀️
  • Sport: Joggen, 6km noch ohne Lampe. Schee war´s. 
  • Gehört: Stephen King – The Outsider
  • Gute Gespräche: 1x

I hope you‘re all well. 

Die Idee dazu stammt von Elisabeth Rank. Ich mag ihren Blog sehr (hiermit herzliche Empfehlung) und eben ihre Beitrage bei Instagram mit dem Commander Lisi Spaceship Report. Sie erlaubt mir liebenswürdigerweise, dass ich ihre Idee verwenden darf.

Spaceship Report #13

Commander Caro M. Harbor Spaceship Report

10th November 2020 

  • geschlafen. Ja. 
  • online gelesen: 3 mental blocks that keep you from achieving your goals und gleich noch den TEDTalk dazu angeschaut. Not yet… toller Ansatz, der mich sehr anspricht.
  • Gekauft: Drachenfeuerjagd von Johanna Schließer (eBook)
  • Getan: Sie nennen es Arbeit
  • Gehört: Stephen King – The Outsider
  • Sport: Joggen, 6km – jetzt geht es mir besser. Mir trieft nicht mehr die Unzufriedenheit aus allen Poren.
  • Blog: Lese-Challenge aktualisiert

I hope you‘re all well. 

 

Die Idee dazu stammt von Elisabeth Rank. Ich mag ihren Blog sehr (hiermit herzliche Empfehlung) und eben ihre Beitrage bei Instagram mit dem Commander Lisi Spaceship Report. Sie erlaubt mir liebenswürdigerweise, dass ich ihre Idee verwenden darf.

Nachtrag zu gestern; Stay safe. Stay sane. 

Ich finde, das eine wie das andere ist wichtig. Nicht entweder oder. Sondern beides, gleichwertig. 

Ich mache mir Sorgen um meine geistige Gesundheit, weswegen ich auch die Spaceship Reports überhaupt schreibe. Zuerst wollte ich gar keine Zusammenfassung schreiben, weil es nur ein Gemotze und  Gemaule geworden wäre. Dann dachte ich, momentmal, genau darum geht es doch. Worte zu finden. Ich suche immer noch. Gestern, da war mir alles zu viel. Corona und Lockdown und Trump und Gebrüll. Ich bin introvertiert, alles über zwei Personen ist schon zu viel. Laut ist zu viel. Ich tanke auf, wenn ich allein bin, wenn es still ist. Dies ist keine gute Zeit für Leute wie mich. 

Früher, da haben die Leute morgens Zeitung gelesen und Abends die Nachrichten geschaut. Mehr oder weniger waren dann alle auf dem gleichen Informationsstand. Heute kannst du beim Aufstehen schon die Funkpeitsche an dich nehmen und dir die volle Drönung geben. Und da jeder seine Meinung hübsch in Geschenkpapier einwickeln und dir das dann als Fakten schenken kann, ist der häufigste Satz, den ich aktuell in Diskussionen höre und online lese: INFORMIER DICH MAL RICHTIG. Wir sind also nicht mehr auf dem gleichen Stand, mehr noch, zwei Meinungen dürfen nicht nebeneinander existieren, es muss gebrüllt werden, und wenn man sich nicht einigen kann, dann ist es Pflicht Freundschaften zu beenden. Ich staune. Alle (in meinem Dunstkreis) scheinen ihre richtige Antwort zu haben. Keiner hört mehr zu.
Gut, ich verallgemeinere jetzt sehr grob. Worauf ich hinaus will: Ich habe keine Antworten, ich habe viele Fragen. Ich habe Artikel und Quellen, die sich widersprechen, Ängste, die gerechtfertigt sind, und ganz viel Kram, den ich in Frage stellen möchte. Vor allem habe ich ich ein kleines, überfordertes Hirn, dass auf 2020 nicht klar kommt. Wenn mich aktuell jemand fragt, was ich so mache, lautet die Antwort: Ich bin müde. 

Und was mache ich dagegen: Ich jogge durch die Gegend, oder spaziere im Wald, rede und denke, und hoffe, dass das was ich tue, richtig ist. Dass ich niemandem schade. Wenn man wie ich gestern, schlecht drauf ist, anfängt wüst zu keifen, unfair wird und und bloß vor sich hin bruttelt, dann hilft das niemandem. Mir jedenfalls nicht. Aber auch das ist nur eine Meinung. 

Was ich noch mache? Pläne. Handeln besiegt die Angst. Davon bin ich überzeugt. 

Mehr dazu schreibe ich hier: Work in Progress. 

Stay sane. 

Nirgendland

Letzte Woche sah ich im Fernsehen die Dokumentation „Nirgendland“. [Link Webseite] Ich habe mir meine Gedanken dazu gemacht.

Ein Mann vergewaltigt ein Mädchen. Erwachsenen geworden zeigt sie ihn an. Ein Richter spricht den Mann frei. Er ist ohne Schuld. In der Begründung heisst es, das Kind habe sich nicht (genug) gewehrt. Und die Aussagen seien wenig detailreich gewesen.

Und ich frage mich wütend: Brauchen Opfer einen Rhetorik-Kurs um ihr Leid gericht-gerecht äussern zu können? Das impliziert, dass es für jedes Leid die passenden Worte gibt. Ich glaube nicht daran. Manches ist unaussprechlich. Ich hasse es, wenn bei derartigen Verbrechen Opfer und Täter auf einer Waage stehen. Das Bild wird immer vermittelt. Wenn das Opfer schweigt, legt es die Schuld auf die eigene Waagschale und mindert den Anteil des Täters. Wenn das Opfer sprachlos ist, ist es selbst schuld. Wenn es sich nicht wehrt, ist es selbst schuld. Justizia, blind mit ihren Waagschalen mag ein schönes Sinnbild sein für die Justiz, für die Urteilsfindung.

Wenn zwei Aussagen gleich viel wiegen  „schuld vs. nicht-schuld“, warum verlieren dann diejenigen die ihre Aussage unter größter Mühe hervor bringen?

Es ist leicht zu sagen: „Ich war’s nicht.“

Es ist schwer zu sagen: „Er hat mir weh getan.“

Ich verstehe nicht wie sexueller Missbrauch in der Gesetzgebung überhaupt verjähren kann. Ich verstehe nicht wie irgendein Richter annehmen kann, ein Kind könnte sich gegen die Eltern wehren. Ein Kind ist klein, schutzbedürftig, sprachlos. In diesem Fall reden wir von einer Fünfjährigen.

Sich wehren bedeutet: „Ich verstehe, hier läuft was falsch.“

Sprechen bedeutet: „Ich kann meine Bedürfnisse artikulieren.“

Jedes Kind bedarf der Obhut und Fürsorge der Eltern. Jedes Kind muss mal zum Arzt. Nehmen wir ein schwer krankes Kind. Es wird ausgezogen, untersucht, die Behandlung ist schmerzhaft. Es weint, wehrt sich, versteht nicht, was passiert. Und die Erwachsenen, Eltern, Ärzte, Lehrer sagen: „Wir wissen was gut für dich ist. Wir bestimmen deine Behandlung.“

Ein missbrauchtes Kind ist meiner Meinung nach wie eines, das dauernd zum Arzt muss.

Ist doch nichts passiert, ist gleich wieder gut, hier hast du ein Bonbon. Jetzt reden wir nicht mehr davon.

Kehren wir zurück zur Waagschale. Sie sind leer, Justizia ist blind. Doch das Spiel, das hier läuft ist unfair. Täter und Opfer sind nicht gleich schwer, nicht gleich stark oder gleich wortgewaltig. In meinen Augen sitzen sie in einem Boot. Und einer von Beiden kann nicht schwimmen. Um vom anderen weg zu kommen, muss das Kind ins Wasser springen und hoffen. Aber wie gesagt. Justizia ist blind.

Das Mädchen in dem Film musste 12 werden um ihr Nein artikulieren zu können. Der Missbrauch hörte auf. Das sind sieben Jahre. Sieben Jahre Scham, Schuld und Angst. Und dann kommt ein Richter und sagt: „Das hättest du früher haben können“ und spricht den Mann frei. Ohne Schuld.

Ich glaube es ist naiv anzunehmen, das Missbrauch wie dieser mit Gebrüll und Fäusten statt findet. Es ist viel perfider.

Wenn du mich lieb hast, machst du das für mich.

Der Text einer Mutter nach einem Arztbesuch ist der selbe wie der eines Täters nach dem Missbrauch. „Tut gleich nicht mehr weh, hör auf zu weinen, ist doch nichts passiert.“

Das Kind, dass sich hier entziehen kann, erfolgreich wehren kann, das zeige man mir bitte. Das muss ja Superkräfte haben. Im Nirgendland.

Denken ist anstrengend

Caro und wie sie die Welt sieht

Ich habe mir letzte Woche drei Filme angesehen, die für mich erst am Schluss einen erschreckenden aber interessanten Zusammenhang ergaben.

Im TV lief die Dokumentation über Edward Snowden; „Citizenfour“. [Link Imdb] Ich will gar nicht so sehr darauf eingehen, ob sich Edward Snowden in der Rolle gefällt, in die er sich hinein katapultiert hat. Er hat es getan, und das war mutig. Ich wundere mich, dass der Mann noch lebt. Vielleicht habe ich zu viele Spielfilme gesehen, vielleicht hat Edward Snowden mit seiner Inszenierung auch alles richtig gemacht. Aber viel wichtiger sind die Informationen, die er nach und nach preis gegeben hat. Ich war erschüttert und wundere mich, dass der #Aufschrei in Deutschland nicht größer war. Ich muss mich dazu zählen, schließlich habe ich den Film erst jetzt gesehen, und bin nicht mal sicher, ob ich das ganze Ausmaß begreife.

Bei Facebook sah ich kurz drauf einen Beitrag mit der Band „Eagles of Death Metal“. [Link YouTube] Die Männer kämpften mit ihren Emotionen, Tränen und Worten, ich weiß nicht genau warum es mich so berührt, dass sie emotional und ergriffen ihre Erlebnisse schilderten. Wie sie sich berührten, beim reden, und versuchten sich gegenseitig Trost zu spenden. Vielleicht berührt es mich so, weil diese Attentate näher an mich heran kommen.

Erst dachte ich, hoffentlich kommen sie darüber hinweg, hoffentlich finden sie einen Weg weiter zu leben. So wie die vielen Opfer von Gewalt, rund um den Globus, nicht nur in Paris. Und dann dachte ich: Vielleicht sollten sie nicht damit fertig werden. Vielleicht sollten sie diesen Schmerz gut sichtbar mit sich herum tragen, jeden Tag und ihre Umwelt daran erinnern: Mir ist was schreckliches passiert, sei nicht gleichgültig! 

Denn, seien wir ehrlich, die Attentate, und jedes andere Gewaltverbrechen, dass nicht uns selbst passiert ist, ist doch schon wieder vergessen. Mir geht es so. Ich schalte die Glotze aus, mache mir Abendbrot, plane meinen Abend, telefoniere, überlege, welches Buch ich als nächstes lese, ob ich noch geschwind das Bett frisch beziehe, bevor ich aus dem Haus gehe, heute.

Alltag. Aus den Augen, aus dem Sinn.

Meiner Oma ist etwas schreckliches widerfahren. Bis zu ihrem Tod war das zu sehen. Jedes Mal, wenn ich sie ansah, sah ich was ihr angetan wurde. Vielleicht braucht es das. Diese Art Erinnerung. Ich werde darüber nachdenken müssen.

Zum Schluss schaute ich noch die Dokumentation „Lottery of Birth“ [Link Imdb] und mir schwirrte der Kopf. So viele Eindrücke, Gedanken, Informationen. Für mich hängen diese drei Filme – inhaltlich – sehr eng zusammen. Vor allem durch den letzten Beitrag, in dem es darum ging, wer wir sind und wie wir geprägt werden. Wie wir zu dem werden, was wir sind. Als Mensch, als Gesellschaft. Edward Snowden nannte neun Firmen, die mit der NSA zusammen arbeiten. Ich bin „Kunde“ bei fünf davon, schon seit Jahren. Es geht um Profit, nicht um Moral. Soziale Verantwortung? Nicht im Kapitalismus. Aber auch das ist von mir wieder furchtbar kurz und naiv gedacht. Weiß der Geier, wo meine Daten gelandet sind, in den letzten Jahren, und was irgendwer damit anfängt. Ich google merkwürdige Dinge, ich bin Schriftstellerin. Ob ein Algorithmus das berücksichtigt? Jedenfalls, meine Entwicklung als Mensch ist dokumentiert. Irgendwo. Ohne mein Wissen, ohne meine Erlaubnis, ohne meinen Einfluss was mit dieser Dokumentation passiert.

Die Schule bereitet uns vor: Langeweile auszuhalten, zu gehorchen, zu tun, was man uns sagt. Wenn man dann ins Berufsleben einsteigt, hat man die Ideologie verinnerlicht, man funktioniert. Zu behaupten, man sei „unpolitisch“, ist naiv. Das weiß ich jetzt. Ich habe mich immer als unpolitisch begriffen. Nun, da ich annehme, schon seit Jahren überwacht worden zu sein, vermutlich sogar in Echtzeit, muss ich zu dem Schluss kommen, dass ich viel bin, aber nicht frei. Das erschüttert mich. Und doch gebe ich weiter fröhlich mein Sein bei Facebook, Google und bloggend preis. In hilflosem Aktionismus habe ich die Kamera an meinem Computer abgeklebt und muss selber lachen über diesen „rebellischen Akt“. Ist doch nicht zu fassen!

Ich erinnere mich an meine Schulzeit, daran, dass ich alles ausgesessen habe, und so handle ich immer noch. Es passiert unheimlich viel um mich herum, Flüchtlinge, Terror, Finanzkrise, Griechenland und co. Ich kenne nur dieses eine Leben und das war bisher sehr gut zu mir. Ich kann mir nicht vorstellen anders zu leben, und von irgendwoher kommt der Anspruch: Das muss für meine Lebensdauer so bleiben. Wie kann ich von anderen verlangen, dass sie in ihrem Elend bleiben, für immer und bis zum Schluss bleiben?

Das größte Gut, das wir haben: Fragen stellen. Dinge infrage stellen. Wenn man meint, die Antwort zu kennen, fragt man nicht. Diese Worte aus der Doku hallen noch in mir nach. Ich habe dennoch Hoffnung. Keine Ahnung, warum. Zum Schluss zitiere ich Susan Sontag: Statt guter Vorsätze fürs neue Jahr wünsche ich mir Mut.

Wichser. Drecksau. Arschloch.

Caro und wie sie die Welt sieht

„Tourette?“, möchte man da fragen.

Nein, keine Zwangsstörung. Nur Alltag. Im WeltWeitWald und auch auf dem alten Weib Erde ohne WLAN. Neulich habe ich mit einem guten Freund hitzig diskutiert. Es ging um Flüchtlinge und Smartphones. Er fragte, wozu ein Flüchtling ein Smartphone braucht. Das Thema ist emotional beladen und alles andere als einfach. Ich fuhr ihn an, im besten Recht:

„Um die Familie anzurufen, sofern sie noch lebt, du blödes Arschloch.“

Wumps, da hab ich es gesagt. Und stutzte. Ich hatte es nicht so gemeint. Und auch nicht sagen wollen. Zu ihm nicht, als gutem Freund. Zu niemandem, ganz allgemein.

Mein Vater würde auf meine übliche Aussage „War nicht so gemeint“ antworten: „Aber so gesagt.“ Und da hat er Recht. Als ich noch klein war, fügte er dann noch an: „Pass ein bisschen besser auf deine Worte auf“, als wären sie wie ich ein ungezogenes Kind. Seit ein paar Jahren sagt er das nicht mehr. Aber ich habe seine Stimme immer noch im Ohr. Das ist wohl Erziehung, wenn das Gewissen wie der Vater klingt.

Dem Freund schrieb ich am Abend noch eine SMS: „Tut mir leid, dass ich dich beschimpft habe. Das wollte ich nicht, das ploppte unerlaubt aus mir raus.“

Die Antwort war schlimm, wirklich schlimm. Schlimmer, als ein Tut mir leid nach einem Streit je sein kann.

„Wann hast du mich beschimpft? Was hast du gesagt?“

Soweit sind wir, dachte ich traurig. Ich sage ihm „Arschloch“ und er bemerkt es kaum.

Link: Tourette-Syndrom / Wikipedia 

Warum ich Walter White nicht leiden kann

Breaking Bad. Achtung Spoiler!

Während Staffel 1 habe ich damit gekämpft, dass aus dem Hallodri Hal (Malcom mittendrin) so ein Arschloch geworden ist. Walter White. Wirklich gekämpft. Bryan Cranston nehme ich beide Rollen ab, er ist ein hervorragender Schauspieler, doch mein Gemüt hält das fast nicht aus. Nach dem Staffelfinale 1 habe ich eine sehr lange Pause eingelegt. Ich wollte nicht weiter gucken, weil mich auch die Botschaft Wenn-du-Krebs-kriegst-hast-du-einen-Freifahrtschein-in-die-Kriminalität furchtbar aufregt. Jedenfalls.

Mein get-shorties-Kollege Volker ist ein so großer Fan der Serie, dass er sogar mit dem T-Shirt zur Serie herum rennt und jedem erzählt, wie geil die Serie ist. Nun gab ich der Sache eine zweite Chance. Ich gebe zu, ich bin angefixt, nun will ich auch wissen wie die ganze Sache ausgeht. Momentan habe ich Staffel 3 hinter mir, 4 und 5 liegen noch vor mir.

Walter ist ein unsympathischer Sack. Sein Kollege Jesse ebenso. Jammerlappen deluxe. Ich persönlich, und das ist jetzt subjektiv, mag keine Geschichten/Serien/Filme mit unsympathischen Hauptfiguren. Ich neige zu Kitsch. Ich neige zu Jane-Austen-alles-wird-gut-Enden. Das ist wohl so eine Frauensache. Unsympathen funktionieren für mich nicht. Ich muss mich, mindestens für eine Figur begeistern können, mitfiebern, anfeuern, mitleiden. Hier ist kein einziger Charakter mit dem ich mitfühlen würde, und ich schaue dennoch weiter. Vielleicht aus Trotz. Jetzt erst recht.

Während Staffel 2 nervte mich weiter, das Walter meint, er verdiene eine Sonderstellung. Die ganze Geschichte lebt davon, aber ich will es an einem Beispiel deutlich machen. Es ist eh klar, der Typ hat Krebs, also haben alle nett zu sein, und er entschuldigt sein unfassbar blödes Verhalten mit der Krankheit. Er ist zu stolz Spenden anzunehmen, aber Drogen kochen geht in Ordnung. (Nein, ich komme jetzt nicht mit Logik. Mit Logik gäbe es keine fünf-staffelige-Serie). Jedenfalls. Leute, die Drogen nehmen, gibt es immer. Also muss irgendwer für das Angebot sorgen. Is klar, nä.

Dann war da die Sache mit dem Flugzeugabsturz, sinnbildlich für die ganze Serie. Trümmerteile fallen in Walter Whites Garten, beschädigen sein Auto, die Frontscheibe ist kaputt. Er lässt es nicht reparieren. Die Polizei hält ihn an und verwarnt ihn, weil das Auto so nicht mehr fahrtüchtig ist. Walter heult ihm was vor, buhu, Flugzeugabsturz, ich bin Opfer der Umstände. Das kaputte Auto ist nicht in seiner Verantwortung, und er erwartet, dass der Polizist aus Mitleid keine Verwarnung schreibt, weil Walter sowas nicht verdient. Die Szene endet damit, dass Walter mit Pfefferspray in den Augen in einer Arrestzelle landet. Slapstick trifft auf Tragik.

Ich sehe, was den Machern der Serie hier gelungen ist, ein ambivalenter Charakter, Opfer, Täter, durch und durch Verlierer des Lebens. Chapeau!

Deshalb kann ich ihn nicht leiden und schaue dennoch weiter zu.