Lese-Monat August

Lese-Monat August

Mein Lese-Monat August: Die Hörbücher, die ich mir aufs Handy geladen habe, fehlen auf dem Bild. Eigentlich hatte ich vorgehabt, mein Lese-Pensum wieder zu reduzieren, aber ein paar Dinge ändern sich dieses Jahr wohl nicht mehr. Das ist zum einen die Pandemie, dann das scheiß Wetter und meine Arbeit. Ich hatte zwar zwei Wochen Urlaub, aber danach ging es gleich weiter mit Überstunden und Schaffe schaffe, Häusle baua. Jedenfalls. Ich glaube es ist mein Adhs-Hirn, das ständig nach Neu und Mehr und Input schreit. Da das aktuelle VHS-Kursheft keinen Aquarell-Kurs anbietet, ich aber irgendwas machen muss, habe ich mich halt kurzerhand zu einem Kanji-Kurs angemeldet. Guck ich halt 5 Wochen lang, ob ich das gut finde und kann. Aber zurück zu meinen gelesenen Büchern.

📚Kris Brynn – Out of Balance Folge 1 bis 6 (Hörbuch) ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️

Die Out-of-Balance-Reihe wird von Uve Teschner gelesen, den ich hiermit in meine Liste „Tolle HörbuchsprecherIn“ aufnehme. Seit ich mich für Hörbücher begeistere, wähle ich meinen Lese-Stoff nicht mehr nach Klappentext, Inhalt oder Cover aus, sondern nach Stimme. Es kam schon vor, dass ich ein Hörbuch wutentbrannt auf einer Autobahnraststätte in den Müll gepfeffert habe, weil ich die Sprechweise nicht ausgehalten habe. Aber das will ich jetzt nicht vertiefen, sonst fange ich nur an ganz übel auf Rufus Beck zu schimpfen, der meiner Meinung nach alle John Irving Hörbücher versaut hat. „Out of Balance“ ist ein spannendes Weltraum-Abenteuer mit einer Prise Humor, toll gelesen von Uve Teschner, ich hab die 6 Folge weggebingt, im Büro beim Pläne falten. Auf der Erde herrschen Hungersnöte, die First Class lebt auf Kosten der Armen und auf der Raumstation Kopernikus, wo eine strenge Balance-Regel alles im Gleichgewicht halten soll, gehen merkwürdige Dinge vor sich. Da wird nicht nur Weizen angebaut. Bald verändert ein Anschlag alles.

📚 Matt Haig – Die Mitternachtsbibliothek (Hörbuch) ⭐️⭐️⭐️⭐️

📚 Emily Falk – Brautzilla (eBook) ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️

Lotte schreibt eine Mail an ihre beste Freundin, in der sie sich über ihre fürchterliche Schwiegermutter in Spe aufregt. Blöd ist nur, dass sie ausgerechnet diese Mail an ALLE schickt; die komplette Hochzeitsgesellschaft inklusive Schwiegermutti. Das löst eine Menge aus. Mutti ist sauer, der Bräutigam auch, selbst die Zeitung kriegt Wind von der Sache und schreibt über „Brautzilla“. Die Hochzeit wird abgesagt. Schließlich landet Lotte in Wien, um sich dort zu verstecken, ihre Wunden zu lecken und einen Plan zu entwerfen, wie diese Hochzeit noch zu retten sei. Es ist ein Liebesroman. Aber mehr als das, und deshalb habe ich das Buch auch mit Genuss gelesen. Es ging eben nicht nur um die Schwiegermama, den Verlobten und die ach so große Liebe, in der sich ein Mann zwischen Mutti und Freundin entscheiden muss.

Lotte muss sich mit einer Menge Schwierigkeiten auseinander setzen. Gut, die hat sie auch selbst verursacht. Aber mal ehrlich: Geht´s uns nicht allen so? Die meisten Baustellen eröffnen wir uns doch selber. Jedenfalls. Ihre Pläne lösen sich in Luft auf, und sie muss ich neu sortieren. Innerlich und äusserlich. Das ganze mit viel Humor, das hat mir viel Spaß gemacht. Sie stellt sich beruflich ganz neu auf, muss ihre Frau stehen und nebenbei wächst da unbemerkt ein neues Pflänzchen. Kann denn die Liebe auch leise wachsen?

📚 Stephen King – Der dunkle Turm Band 10, 11 und 12 ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️

📚 The best of Harry Rowohlt (Hörbuch) ⭐️⭐️⭐️⭐️

📚 Susann Rehlein – Die erstaunliche Wirkung von Glück ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️

Das Buch ist definitiv meine Lese-Perle 2021. Da passt einfach alles. Der lakonische Erzählstil holt mich komplett ab, die Hauptfigur entwickelt sich, es ist spannend und lustig und Wohlfühl-Literatur vom feinsten. Dafür lese ich. Aber der Reihe nach. Dorle wohnt in einem Mehrfamilienhaus, im Erdgeschoss. Sie ist die Concierge für die alten Leute im Haus, was aber nur ein netter Ausdruck für „Mädchen für alles“ ist. Und zwar nicht die Du-gute-Fee-was-sind-wir-froh-das-wir-dich-haben-Version, sondern mehr so: Müll-Mädchen. Die Bewohner sind also weder freundlich noch dankbar. Dorle verlangt das auch nicht. Ihr Leben war immer hart. Sie hat gelernt, für alle da zu sein; hilfsbereit und unersetzlich. Dankbarkeit oder gar Freundlichkeit, das passt nicht ins Weltbild. Frau Sonne wird auf die junge Frau aufmerksam und will alles für sie ändern. Der Zweck heiligt die Mittel – zumindest agiert Frau Sonne und ihre Komplizen so. Das nicht jede Hilfe gern angenommen oder gar hilfreich ist… das zeigt die Geschichte. Dorle wird gründlich aus ihrer Komfortzone geworfen, und muss aus ihrem Kellerloch raus und die Wohnung von Frau Sonne hüten. In der Geschichte steckt eine Anleitung, wie man jemandem aus einer Depression helfen kann. Ich sage bewußt: eine Anleitung. Nicht die! Es gibt kein Patentrezept. Und Dorle wehrt sich auch, sie will ja trotz allem Dorle bleiben. Das bedeutet, Frau Sonne hat immer wieder Aufgaben für Dorle, und sie entwickelt sich. Sie treckt einen Fühler aus ihrem Schneckenhaus, dann zwei. Dann scheitert sie, zieht sich wieder zurück, um es erneut zu versuchen und langsam verändert sich ihr Leben. Und ihre Beziehungen zu den anderen Bewohnern, zu ihrem Freund, zu sich selbst. Es ist eine ganz zauberhafte Geschichte, ich musste dabei lächeln und mit Dorle mitfiebern, und ich hab ihre Wut verstanden und die schüchternen Schmetterlinge, und ich hätte gern Frau Sonne angebrüllt: „Sowas kannst du doch nicht machen, mit der armen Dorle, ach und Danke, war wohl doch nötig.“

Ich mag an der Geschichte, dass die schwere Vergangenheit von Dorle keine große Rolle spielt, weil sie im Hier und Jetzt ist und von diesem Punkt los laufen muss. Ich mag, wie sehr sich Frau Sonne einsetzt, auch wenn sie manchmal übers Ziel hinaus schießt. Und ich mag, dass Dorle sich selber treu bleibt, während sie den Aufstand probt, und lernt wie man Wut ausdrückt und auf andere zugeht, und Freundlichkeit annimmt, wenn sie einem denn widerfährt. Ich sag´s ja: eine Perle. ❤

Der nächste Roman von Susann Rehlein liegt hier schon bereit.

Ach, und „Joyland“. Da bin ich noch mittendrin, satt nur dabei.