Buch-Handtasche

Hier ist also, wie angekündigt, ein Bild meiner John-Irving-Handtasche. Die ist gestern, bei meiner Aufräum-Aktion auch aufgetaucht. Das Ding habe ich schon ewig. Eine Bekannte hatte damals einen Dawanda-Shop, ich glaube Etsy gab es da noch gar nicht, und dort habe ich die Tasche in Auftrag gegeben.

Bevor du dich jetzt empörst, was ich mit einem Buch so anstelle: Upcycling war damals schon Thema, und ich rede hier von 2007 oder so. Ich habe also ein gebrauchtes, kaputtes Exemplar von meinem Lieblingsbuch gekauft, für 1 Euro auf´m Flohmarkt, und das Ding meiner Bekannten geschickt. Sie hat den Buchblock dann raus getrennt und die Tasche gedingst. Wie auch immer man so eine Handtasche herstellt. Den Buchblock habe ich auch noch, theoretisch könnte ich auch den verwenden und noch irgendwas falten oder ausschneiden oder sonstwas damit anstellen. Jedenfalls. Es ist fast tragisch, dass ich kein Handtaschen-Mädchen bin, und nur selten mit einer rumlaufe. Gerade jetzt habe ich aber große Lust dazu, das gute Stück auszuführen. 🙂

Jetzt mal unter uns, das Teil ist doch super!? 

#tbt – Mittagsstunde

Meine Meinung:

Eine Geschichte über das Vergehen von Zeit. Nicht die Figuren sind die Hauptprotagonisten dieser Geschichte, sondern das Dorf selbst: Brinkebüll. Ich mag die Art, wie Dorte Hansen erzählt. Und ich mag die Art wie Hannelore Hoger liest. Sie klingt dabei wie ein betrunkener Matrose, der mir in einer verratzten Dorfkneipe eine Geschichte erzählt. Sie brummelt und nuschelt, sie schnackt, es ist ein Fest. Ich habe mich auf dem Sofa in eine Decke gewickelt, das Licht ausgemacht und bin eingetaucht in diese Stimme, in dieses Dorf. Verschwunden, quasi in der Mittagsstunde. Seit vielen Jahren schon mag ich Geschichten wie diese: Ein ganzes Leben. Im Dorfgeschehen ist es nur ein kleiner Ausschnitt. Aber für mich als Zuhörerin, meine ich Großvater Sönke wirklich zu kennen, von der Wiege bis zu seinem Tod. Dorte Hansen legt die Geschichte zusammen, wie ein Puzzle, vom Rand nach innen. Ich verstehe irgendwann die Zusammenhänge, erkenne die Lebenslügen. Da sie aber alle Figuren gleichwertig beschreibt, mit Kanten, Ecken und schwarzen Flecken, ganz ohne zu urteilen und mir aufzudrängen „Dieser ist ein Guter, jene eine böse Frau“, kann ich alle gleich mögen. Jedem auf Socken nachschleichen. Hier steckt so viel Charakter drin, so viel Menschlichkeit, man wird ja fast zum Philanthrop.

  • Autorin: Dörte Hansen
  • Sprecher: Hannelore Hoger
  • Gebundene Ausgabe: 320 Seiten
  • Verlag: Penguin Verlag
  • ISBN-10: 3328600035
  • ISBN-13: 978-3328600039

Klappentext:

Was bleibt von uns, wenn alles, was wir kannten, untergeht?

Die Wolken hängen schwer über der Geest, als Ingwer Feddersen, 47, in sein Heimatdorf zurückkehrt. Er hat hier noch etwas gutzumachen. Großmutter Ella ist dabei, ihren Verstand zu verlieren, Großvater Sönke hält in seinem alten Dorfkrug stur die Stellung. Er hat die besten Zeiten hinter sich, genau wie das ganze Dorf. Wann hat dieser Niedergang begonnen? In den 1970ern, als nach der Flurbereinigung erst die Hecken und dann die Vögel verschwanden? Als die großen Höfe wuchsen und die kleinen starben? Als Ingwer zum Studium nach Kiel ging und den Alten mit dem Gasthof sitzen ließ? Mit großer Wärme erzählt Dörte Hansen vom Verschwinden einer bäuerlichen Welt, von Verlust, Abschied und von einem Neubeginn.

#tbt – Was man von hier aus sehen kann

Meine Meinung:

Mariana Leky hat mich kalt erwischt. Irgendwo auf der Autobahn, zwischen Stuttgart und München hab ich das Lenkrad fest umklammert und plötzlich losgeheult wie ein kleines Kind. Aber der Reihe nach. 

Der Klappentext klang nett. Ich hatte keine Erwartungen an das Buch, kannte weder die Autorin noch die Sprecherin. Völlig ohne Erwartung an ein Buch heranzugehen ist wohl die beste Haltung. Dann kann nämlich alles passieren. Erwartungen können ja nur enttäuscht werden. Und was kann ein Buch oder ein Film dafür, wenn sich in meinem Kopfhaus etwas anderes abspielt, als mir da erzählt wird? Leserinnen, und ich nehme mich da nicht aus, nehmen es Autoren gern übel, wenn sie mit ihren Figuren andere Wege gehen, als man erwartet. In Büchern herrscht ja noch Gerechtigkeit und eine gewisse Ordnung. Meisten jedenfalls. Aber ich schweife ab. 

Ich habe wenig gedacht, bei der Auswahl dieses Romans. „Was ist ein Okapi?“, mag dabei gewesen sein. 

Ich suche mir Hörbücher nach der Stimme aus, nicht nach dem Inhalt der Geschichte. Weil, ich muss der Person, die mir da was erzählt mehrere Stunden zuhören. Bei einem John Irving Roman sind das schnell 20 Stunden. Also habe ich die erste CD in den CD-Player geschoben und schon nach wenigen Minuten gewusst: Das passt. Sandra Hüller und ich werden gute Freundinnen. Und dann kam Selma und ihre Enkelin Louise. Der Optiker Palm und Martin, meine Güte. Wir sind gute Freunde geworden auf der A8. Ich habe gelacht und geweint, ich bin nicht nah am Wasser gebaut, wirklich nicht. Ich lebe nah an der Wut, aber das ist eine andere Geschichte. 

Ich mag es, wenn ich so eingeladen werde, ich ein Haus, in ein ganzes Leben. Der Optiker liebt Selma. Louise liebt Martin. Die eigensinnige Marlies liebt niemanden. Und ich kann alles sehen, von Anfang bis Ende, so scheint es. 

Eine Frau, die von einem Okapi träumt, das klingt erst mal langweilig. Wenn Selma von einem Okapi träumt, stirbt am nächsten Tag jemand. Und ich verfolge alle Dorfbewohner, versuche zu erahnen, wen es wohl treffen wird. Manche mag man ja lieber als andere. Dieser Schuft, der sein Kind schlägt, der kann meinetwegen gerne abtreten… sowas kann ich denken, während ich lausche. Ist ja nur eine fiktive Figur, ich bin kein schlechter Mensch. Echt nicht. Alle Bewohner im Dorf regeln, angesichts des drohenden Unheils, ihre Angelegenheiten. Jeder bereitet sich darauf vor, derjenige zu sein, denn es trifft.

Es ist es also nicht langweilig, das Dorfleben im Westerwald, kein bisschen. Es ist so wenig langweilig, dass ich nun das Taschenbuch UND Hörbuch besitze, und es mir im Urlaub noch mal anhöre. Ich muss nämlich wieder nach München. Ich will diese Innigkeit noch einmal spüren. Das ist etwas, das ich auch selten mache. Ein Buch zwei Mal lesen… oder hören. Aber die Dorfbewohner sind mir so nah gekommen, Mariana Leky hat die Klaviatur meiner Emotionen perfekt bespielt. Ich bin in diese Welt eingetaucht und habe den Figuren all meine Zuneigung hin geworfen: „Hier, das ist alles was ich habe!“.  

Jedes Wort zum Inhalt ist eigentlich ein Wort zu viel. Ich habe schon genug mit deinen Erwartungen gespielt. Geh ganz neutral ran. Denk nicht so viel darüber nach, wer stirbt. So ist das Leben. Menschen sterben. Aber bis es soweit ist, passiert ganz viel. In diesem  Mikrokosmos der Liebe. 

  • Autorin: Mariana Leky
  • Sprecher: Sandra Hüller
  • Gebundene Ausgabe: 320 Seiten
  • Verlag: DuMont Buchverlag GmbH & Co. KG
  • ISBN-10: 3832198393
  • ISBN-13: 978-3832198398

Klappentext:

Von der unbedingten Anwesenheitspflicht im eigenen Leben

Selma, eine alte Westerwälderin, kann den Tod voraussehen. Immer wenn ihr im Traum ein Okapi erscheint, stirbt am nächsten Tag jemand im Dorf. Unklar ist allerdings, wen es treffen wird. Davon, was die Bewohner in den folgenden Stunden fürchten, was sie blindlings wagen, gestehen, verschwinden lassen oder in Ordnung bringen, erzählt Mariana Leky in ihrem Roman – und natürlich noch viel mehr. Was man von hier aus sehen kann ist das Porträt eines Dorfes, in dem alles auf wundersame Weise zusammenhängt. Aber es ist vor allem ein Buch über die Liebe im Modus der Abwesenheit.


10 Fragen zu Büchern

Ich bin wieder da – habe ich gesagt. Nun will ich mich endlich wieder mehr um meinen Blog kümmern und ich fange hiermit an. Ich statte dem Blog Sätze & Schätze regelmässig einen Besuch ab und es war noch im alten Jahr, als ich die 10 Fragen entdeckte. Im Sinne von „Lieber spät als nie“ mache ich mich nun daran Antworten zu finden.

Hier sind die Fragen:

  1. Das erste Buch, das du bewusst gelesen hast?
  2. Das Buch, das Deine Jugend begleitete?
  3. Das Buch, das Dich zur Leserin/zum Leser machte?
  4. Das Buch, das Du am häufigsten gelesen hast?
  5. Das Buch, das Dir am wichtigsten ist?
  6. Das Buch, vor dem Du einen riesigen Respekt bzw. Bammel hast?
  7. Das Buch, das Deiner Meinung nach am meisten überschätzt wird?
  8. Das Buch, das Du unbedingt noch lesen willst – wenn da einmal Zeit wäre?
  9. Das Buch, das Dir am meisten Angst macht?
  10. Das Buch, das Du gern selbst geschrieben hättest?

 

Meine Antworten

  1. J. M. Barrie – Peter Pan
  2. Harper Lee – Wer die Nachtigall stört
  3. John Irving – Gottes Werk und Teufels Beitrag (Dieses Buch machte mich auch zur Autorin)
  4. Helene Hanff – 84, Charing Cross Road
  5. John Irving – Das Hotel New Hampshire
  6. Herta Müller – Atemschaukel
  7. keines.
  8. Ich würde gern meinen SUB „abarbeiten“. Das sind lauter ausgesuchte Bücher, die darauf warten, dass ich mir Zeit für sie nehme. Und vielleicht schaffe ich es, danach, etwas von Marcel Proust zu lesen. Oder die Bibel.
  9. Bücher machen mir keine Angst. Im Gegenteil.
  10. Bov Bjerg – Auerhaus / Stephen Chosby – Das ist also mein Leben

… und noch viele andere. Colleen McCullough – Die Dornenvögel

Sommerlektüre