Textschnipsel #2

Textschnipsel #2 aus Drachenbrüder

Band 1 – Drachenbrüder

Der dunkle Drache erwachte. Plötzlich, wie man aus einem Albtraum hochschreckt. Er hatte nicht geträumt. Die Dunkelheit um ihn herum ängstigte ihn nicht. Seine gelben Augen blickten langsam umher. Seine Höhle war finster wie eine mondlose Nacht, sein Schlaflager nur harter Stein. Seine Gelenke taten weh, sein Körper war steif und kalt, er probte einen Gedanken. Rücken. Flügel. Füße. Alles reagierte, wenn auch träge. Seine Schwingen raschelten wie sehr, sehr dünnes Papier. Er erhob sich; es knackte, als würde er aus einem Ei schlüpfen. Doch keine Schalen gaben Nerina frei, sondern kleine Steine, als hätte es in seiner Höhle Kiesel geregnet, vor langer Zeit. 

Trockene Blätter, totes Getier und Staub fielen von ihm ab. Jemand musste ihn zugedeckt, versteckt haben. Er schüttelte Spinnweben von seiner rauen Haut wie eine Bettdecke aus Zeit. Er machte einen vorsichtigen Schritt, dann noch einen. Leise, als wollte er versuchen kein Geräusch zu machen. Er wusste, wo der Ausgang seiner Höhle war, auch wenn er ihn nicht sehen konnte. Er roch das saure Meer. Er hatte Durst. 

Lange geschlafen?, fragte er sich. Er schüttelte den Kopf. Eine unsinnige Frage, Zeit spielte keine Rolle. 

Als Nerina ans Ende seiner Höhle gelangte, tobte unter ihm das grüne Meer und über ihm schrie der schwarze Himmel »Tot«. Keines der Lichter summte, keines zeigte sich. Nerina wurde nie freundlich begrüßt. Er breitete seine Schwingen aus, erst die Deckflügel, um den letzten Staub abzuschütteln und mit einem Schlag wie Donner, die gesamte Spannweite. Der Wind huschte unter seine Flügel wie ein verschollen geglaubtes Kind, das endlich heimkehrt. Nerina genoss die Seeluft, die seine Schwingen streichelte, mit geschlossenen Augen und hieß die Bö willkommen. Dann erhob er sich lautlos.

  • Das Drachenvolk von Leotrim
  • C. M. Hafen
  • O’Connell Press
  • Eine wunderbare, bewegende All-Age-Fantasygeschichte – die komplette Drachen-Trilogie im Sammelband! Die E-Book-Sonderausgabe enthält die Romane ›Drachenbrüder‹, ›Drachensichel‹ und ›Drachenfrieden‹ aus der beliebten All-Age-Fantasy-Reihe ›Das Drachenvolk von Leotrim‹.

Textschnipsel #1

Ich arbeite aktuell an der Fortsetzung zu „Leotrim“ und das bedeutet, ich lese meine eigenen Bücher immer mal wieder, zumindest Abschnittsweise. Um die Stimmung einzufangen oder um bestimmte Details aufzugreifen bzw. sie fortzuführen. Und dann stoße ich auf Passagen, die ich einfach lieber mag als andere. Und deshalb teile ich heute einer meiner Lieblingsstellen aus dem ersten Band mit dir.

#throwbackthursday

Textschnipsel #1 aus Drachenbrüder

Band 1 – Drachenbrüder

Ambro hüllte sich in seinen Mantel, bettete den Kopf auf seinen Beutel und starrte zurück; die Lichter sahen ihn neugierig an.

Norwin legte sich zu ihm, sehr nah, und wärmte seinen Broder mehr als es das Feuer tat. Der Wind zerrte an ihnen beiden, Norwin breitete zum Schutz seinen guten Flügel aus, legte ihn über Ambro wie eine Decke. Da hörte der Junge zu frieren auf und schlief endlich ein. 

Norwin schlief nicht. Er vermisste Soems und dachte an die erste Nacht zurück, nachdem er gefallen war. Norwin hatte in seinem Nest gelegen, die Nacht war schon alt gewesen, Ambro hatte in seinem Bett geschlafen, selbst die Lichter schienen sich bald zurückziehen zu wollen. Auch Aidar hatte sich entfernt. 

Soems war gekommen, um nach ihm, Norwin, zu sehen. Er traute sich nicht in die Kammer hinein und saß auf einem Ast im Baumwipfel und spähte durch die offene Dachluke herein. Norwin, der nicht schlafen konnte, spürte den anderen mehr, als dass er ihn sah. Und trotz des Schmerzes jeder Bewegung kletterte er leise aus dem Nest und durch die Luke. Er vergewisserte sich noch, ob Ambro nichts bemerkt hatte und weiterhin fest schlief. 

So setzte er sich neben Soems, zwischen die Blätter, die im Wind raschelten, eingelullt in die Geräusche der Nacht. Sie beide hörten Olafur schnarchen und doch waren sie weit weg von der Welt unter sich. 

Der eine fragte den anderen, wie es ihm ginge und der andere sagte, es ginge schon und der eine drückte seinen Kopf an die Brust des anderen, wie um zu horchen, ob darin alles schlug wie es sollte. Und einer roch am anderen und erinnerte sich an zu Hause und den Geruch der Mutter und die Geräusche der Nestlinge und das Wuseln der Ammen und zusammen waren sie einen Augenblick nicht allein, weil sie dasselbe dachten und sich erinnerten und die Lichter hörten nur ein tiefes Brummeln, das aus Drachenkehlen drang, doch sie kannten die Worte nicht, die leise gesprochen wurden und nicht für fremde Ohren bestimmt waren. Der eine schlief ein bisschen und der andere auch und bevor die Sonne aufging, trennten sie sich. 

Inmitten einer taunassen Wiese im Nirgendwo von Leotrim, nicht hier und nicht dort, vermisste der eine den anderen und den Trost, der nicht mit Worten beigebracht werden kann. 

  • Das Drachenvolk von Leotrim
  • C. M. Hafen
  • O’Connell Press
  • Eine wunderbare, bewegende All-Age-Fantasygeschichte – die komplette Drachen-Trilogie im Sammelband! Die E-Book-Sonderausgabe enthält die Romane ›Drachenbrüder‹, ›Drachensichel‹ und ›Drachenfrieden‹ aus der beliebten All-Age-Fantasy-Reihe ›Das Drachenvolk von Leotrim‹.

Das Drachenvolk von Leotrim #6

Leseprobe zu „Das Drachenvolk von Leotrim“

Diese E-Book-Sonderausgabe enthält die Romane ›Drachenbrüder‹, ›Drachensichel‹ und ›Drachenfrieden‹ aus der beliebten All-Age-Fantasy-Reihe ›Das Drachenvolk von Leotrim‹.

Leserstimmen zu den Einzelbänden:
»Ich habe gelitten, gelacht, mitgefiebert und wurde verzaubert von dem tollen Buch.«
»Ich kann das Buch nicht nur Kindern empfehlen, sondern auch (vielleicht sogar gerade) Erwachsenen.«
»Toll geschriebene Fantasy die mich auf den ersten Seiten schon nicht mehr losgelassen hat.«

Bände der Trilogie »Das Drachenvolk von Leotrim«:

Band 1: Drachenbrüder
Band 2: Drachensichel
Band 3: Drachenfrieden

Sammelband: Das Drachenvolk von Leotrim. Die komplette Trilogie (eBook)

Das Drachenvolk von Leotrim #5

Leseprobe zu Band 3: Drachenfrieden

›Nicht alle Leben sind gleich viel wert.‹
Kann der Drachenfrieden trotzdem gewahrt werden?
Um das herauszufinden, folgt der junge Ambro dem Ruf der Mutter aller Wasser. Zusammen mit seinem Drachenbruder macht er sich auf den Weg zu ihr und wird in den Himmelsbergen mit der folgenschwersten Überraschung seines Lebens konfrontiert.
Ambro wird klar, wie blind er bislang war. Nun muss er stark sein. Ist er all dem gewachsen?

Im dritten Band der Trilogie kommt auch Dakota hinter so manches Geheimnis ihrer Andersartigkeit und erkennt letztlich, wer sie wirklich ist. Und selbst die Chronistin erfährt die größte Kehrtwende ihres Lebens.

Vieles verbindet sich, anderes trennt sich, einiges wird heil – das Leben in Leotrim gerät zwischen die Fugen des Schicksals.

Bände der Trilogie »Das Drachenvolk von Leotrim«:

Band 1: Drachenbrüder
Band 2: Drachensichel
Band 3: Drachenfrieden

Sammelband: Das Drachenvolk von Leotrim. Die komplette Trilogie (eBook)

Das Drachenvolk von Leotrim #4

Leseprobe zu Band 2: Drachensichel

»Alles Leben beginnt im Wasser…«, flüsterte Dakota.
Der Drache ergänzte: »…und endet im Feuer.«

Dakota lebt wohlbehütet bei der Chronistin als ihr Mündel. Dies ändert sich an dem Tag ihres sechzehnten Geburtstags. Sie muss losziehen, um endlich hinter die Geheimnisse ihrer eigenen Herkunft zu kommen und spielt dabei manches Mal mit dem Feuer.

Gleichzeitig finden auch Ambro und sein Drache Norwin immer mehr Antworten auf die Fragen ihres Lebens – nicht alle davon sind leicht zu ertragen. Und doch ergeben sie – einem Puzzle gleich – nach und nach einen tieferen Sinn.

Im zweiten Band der Trilogie laufen bereits mehrere Fäden der aus »Drachenbrüder« bekannten Geschehnisse zusammen, die Protagonisten befinden sich weiter auf dem Weg, sich selbst und Leotrim mit all seinen Bewohnern besser kennenzulernen. Manch eine überraschende Wendung lässt den Leser klopfenden Herzens weiterblättern.

Leserstimmen:

»Ich kann das Buch nicht nur Kindern empfehlen, sondern auch (vielleicht sogar gerade) Erwachsenen.«

»Toll geschriebene Fantasy die mich auf den ersten Seiten schon nicht mehr losgelassen hat.«

Bände der Trilogie »Das Drachenvolk von Leotrim«:

Band 1: Drachenbrüder
Band 2: Drachensichel
Band 3: Drachenfrieden

Sammelband: Das Drachenvolk von Leotrim. Die komplette Trilogie (eBook)

Das Drachenvolk von Leotrim #3

Leseprobe zu Band 2: Drachensichel

»Alles Leben beginnt im Wasser…«, flüsterte Dakota.
Der Drache ergänzte: »…und endet im Feuer.«

Dakota lebt wohlbehütet bei der Chronistin als ihr Mündel. Dies ändert sich an dem Tag ihres sechzehnten Geburtstags. Sie muss losziehen, um endlich hinter die Geheimnisse ihrer eigenen Herkunft zu kommen und spielt dabei manches Mal mit dem Feuer.

Gleichzeitig finden auch Ambro und sein Drache Norwin immer mehr Antworten auf die Fragen ihres Lebens – nicht alle davon sind leicht zu ertragen. Und doch ergeben sie – einem Puzzle gleich – nach und nach einen tieferen Sinn.

Im zweiten Band der Trilogie laufen bereits mehrere Fäden der aus »Drachenbrüder« bekannten Geschehnisse zusammen, die Protagonisten befinden sich weiter auf dem Weg, sich selbst und Leotrim mit all seinen Bewohnern besser kennenzulernen. Manch eine überraschende Wendung lässt den Leser klopfenden Herzens weiterblättern.

Leserstimmen:

»Ich kann das Buch nicht nur Kindern empfehlen, sondern auch (vielleicht sogar gerade) Erwachsenen.«

»Toll geschriebene Fantasy die mich auf den ersten Seiten schon nicht mehr losgelassen hat.«

Bände der Trilogie »Das Drachenvolk von Leotrim«:

Band 1: Drachenbrüder
Band 2: Drachensichel
Band 3: Drachenfrieden

Sammelband: Das Drachenvolk von Leotrim. Die komplette Trilogie (eBook)

Das Drachenvolk von Leotrim #2

Leseprobe zu Band 1: Drachenbrüder

Unter den Millionen Augen der Lichter lebt das Drachenvolk von Leotrim.
Der Drache Norwin hat einen schwierigen Start ins Leben. Eine Amme lässt sein Ei fallen, die Schale ist beschädigt, ein Flügel verletzt. Es wird schnell klar, er wird nie fliegen können. Als er alt genug ist, kommt sein menschlicher Vater, um ihn bei den Menschen leben zu lassen. Die Drachenmutter muss darauf hoffen, dass die jahrhundertealte Verbindung zwischen den Völkern ausreicht, um Norwin einen Platz in ihrer Mitte finden zu lassen.
Anfänglich hat sein halbgebürtiger Bruder Ambro Schwierigkeiten, etwas mit seinem Drachenbruder anzufangen. Die beiden passen nirgends hin. Jeder in Leotrim hat seinen Platz, seine Aufgabe.
Diese beiden müssen nun selbst herausfinden, wofür sie gut sind.

Leserstimmen:

»Ein absolut lesenswertes Debüt auf dem Jugendbuchsektor, aber auch Erwachsene …«

»Ich habe gelitten, gelacht mitgefiebert und wurde verzaubert von dem tollen Buch.«

Bände der Trilogie »Das Drachenvolk von Leotrim«:

Band 1: Drachenbrüder
Band 2: Drachensichel
Band 3: Drachenfrieden

Sammelband: Das Drachenvolk von Leotrim. Die komplette Trilogie (eBook)

Das Drachenvolk von Leotrim #1

Leseprobe zu Band 1: Drachenbrüder

Unter den Millionen Augen der Lichter lebt das Drachenvolk von Leotrim.
Der Drache Norwin hat einen schwierigen Start ins Leben. Eine Amme lässt sein Ei fallen, die Schale ist beschädigt, ein Flügel verletzt. Es wird schnell klar, er wird nie fliegen können. Als er alt genug ist, kommt sein menschlicher Vater, um ihn bei den Menschen leben zu lassen. Die Drachenmutter muss darauf hoffen, dass die jahrhundertealte Verbindung zwischen den Völkern ausreicht, um Norwin einen Platz in ihrer Mitte finden zu lassen.
Anfänglich hat sein halbgebürtiger Bruder Ambro Schwierigkeiten, etwas mit seinem Drachenbruder anzufangen. Die beiden passen nirgends hin. Jeder in Leotrim hat seinen Platz, seine Aufgabe.
Diese beiden müssen nun selbst herausfinden, wofür sie gut sind.

Leserstimmen:

»Ein absolut lesenswertes Debüt auf dem Jugendbuchsektor, aber auch Erwachsene …«

»Ich habe gelitten, gelacht mitgefiebert und wurde verzaubert von dem tollen Buch.«

Bände der Trilogie »Das Drachenvolk von Leotrim«:

Band 1: Drachenbrüder
Band 2: Drachensichel
Band 3: Drachenfrieden

Sammelband: Das Drachenvolk von Leotrim. Die komplette Trilogie (eBook)

tbt – Steffi sing

#ThrowbackThursday

Eine Kurzgeschichte von Carolin M. Hafen

„Steffi, du bist ein bisschen anders als die Anderen“, sagt Horst, „aber das ist nicht schlimm“. 

Ich finde es schon schlimm. Ich wär gern wie die anderen. Aber das sage ich Horst nicht. Genau genommen bin nicht ich anders, sondern nur mein Rüssel. Horst hat versucht es mir zu erklären. Rüssellähme nennt man das was sich habe. Er hat seinen Arm ausgestreckt und gesagt, mein Rüssel und sein Arm wären gleich. 

„Schau Steffi“, hat er gesagt, „deine beiden Fingerchen am Ende deines Rüssels, die sind wie meine Hand. Damit kannst du greifen, die kannst du bewegen.“

Stimmt, da hat er Recht, ich kann kleine Stöckchen aufheben, auch eine Erdnuss, obwohl die so winzig sind, aber das schaffe ich. 

„Und hier, meine Schulter, die ist wie dein Rüssel oben am Ansatz, das Stück ist auch beweglich“, sagte er und streichelte mich zwischen den Augen und ein Stück darunter. Ich mag das, das weiß Horst auch. Ich mach dann die Augen zu und hoffe, dass er nicht so schnell wieder aufhört.

„Nur das Stück dazwischen, zwischen Hand und Schulter, mein Ellenbogen, der ist gelähmt.“ Nicht Horsts Ellenbogen ist gelähmt, sondern mein Rüssel. Rüssellähme eben.

„Er hat gesagt, da sind ganz viele Muskeln und die würden nicht funktionieren, nicht auf mich hören, wenn ich sie bewegen will. Daher ist mein Rüssel länger als der meiner Geschwister. Er hängt nutzlos herunter, rollt sich auf dem Boden ein Stück zusammen und ich muss verflixt aufpassen, dass ich nicht drauf trete, aus Versehen. Horst kann das nicht, aus Versehen auf seine Hand tappen.

Mit Rüssellähme sind viele Sachen schwierig. Meine Geschwister, die saugen mit dem Rüssel Wasser auf, wenn sie Durst haben und spritzen sich das dann einfach ins Maul. Ich kann das nicht. Horst hat einen Schlauch, der ist grün und da kommt Wasser raus, wenn er so ein winziges, silbernes Dingelchen aufdreht. Er spritzt mir dann ins Maul, weil ich es nicht selber kann. Wenn ich Durst habe und Horst ist nicht da, dann knie´ ich mich ans Wasserbecken und trinke dort. Meine Geschwister lachen mich aus, wenn sie mich so sehen.

Sie wissen, dass ich Rüssellähme habe, aber sie lachen trotzdem. Beim Fressen ist es genauso. Meine Geschwister heben einfach alles auf und stopfen sich ins Maul was ihnen schmeckt. Heu und Äpfel und Möhren und Salat. Manchmal auch hartes Brot, je nach dem, was die Pfleger uns bringen. Horst muss mir alles mit seiner Hand geben, weil ich mit meinen Fingerchen nicht an mein Maul komme. Ich kann die Sachen greifen, aber nicht aufheben.

Ganz schlimm finde ich es, wenn die Sonne scheint und Horst mich raus schickt. Ich muss dann spielen gehen im Gehege, mit den anderen. Weil ich aber so eine empfindliche Haut habe, cremt er mich mit Sonnenmilch ein. Meine Ohren sind dann ganz weiß von dem Zeug und jeder sieht, dass mit mir was nicht stimmt. Ich kann den Leuten schlecht erklären, dass es am Rüssel liegt. Horst erklärt es den Besuchern, manchmal, wenn er Zeit hat. 

Meine Geschwister saugen einfach ein bisschen Wasser auf und spritzen es sich wie eine Dusche über den Rücken. Mit Sand machen sie es genauso. Das ist wie Sonnencreme, nur dass es nicht blöd aussieht. Mit der Wasser-Sand-Mischung kriegen sie keinen Sonnenbrand und die Insekten und Mücken können ihnen auch nichts anhaben. Durch die Dreckkruste kommt keine Schnacke durch.

Horst ist mein bester Freund, das weiß ich. Weil er nämlich weiß, dass ich die Sonnenmilch ganz scheußlich finde. Wenn er ein bisschen Zeit hat, nimmt er den grünen Schlauch und spritzt mich von oben bis unten ab. Oder ich darf ins Badebecken, ganz allein. Hinterher schüttet er mehrere Eimer Sand über mich drüber, der ist irgendwie gelb, aber dann sehe ich genauso aus wie alle anderen. Dann geh ich gern raus.

Horst meint, ich soll den Kopf nicht hängen lassen, einfach nicht hinhören, wenn die anderen lachen. Der hat leicht reden. Der Rüssel hängt ja eh, da ist es leicht, den Kopf hinterher zu hängen. Aber das mit dem weghören, das klappt ganz gut. Manchmal, da hab ich einfach die Nase voll. Nicht mit Wasser, so wie die anderen und genau genommen ist es gar nicht die Nase sondern der Rüssel. Horst sagt, wenn er sich ärgert, er hätte die Nase voll. Horst hat eine ganz winzige Nase, klar dass die schnell voll ist. Ich hab das schon kapiert. Wenn Horst die Nase voll hat und nicht mehr mag, dann geht er nach Hause. Aber wo das ist weiß ich nicht. 

Wenn ich den Rüssel voll hab, so wie Horst die Nase, dann mach ich einfach meine Ohren zu. Das ist dann so, als würde ich auch heim gehen. Horst kann dann quatschen so viel er will und die anderen können Lachen bis sie Bauchweh davon haben, ich hör´ nichts. Horst will nämlich immer üben, diese Geschichte mit seinem Ellenbogen und meinen Muskeln, die nicht auf mich hören. Das ist anstrengend. Er macht irgendwas vor, ich schaffe es nicht es nachzumachen und die anderen lachen. 

Erst seit er mir das besser erklärt hat, mit der gesunden Hand und der Schulter, klappt es ein wenig. Seither üben wir auch im Elefantenhaus, wenn die anderen draußen sind. Das war ein komischer Tag. Horst sagte, er hätte die Nase voll, aber er ist nicht heim gegangen, sondern hat alle anderen raus gescheucht. „Blöde Geschwister seid ihr“, hat er gesagt. Ich hätte mich das nicht getraut.

Er hatte M&M´s dabei, an dem Tag. „Das sind Nüsse, nur bunt“, hat Horst gesagt. Ich hab Erdnüsse bekommen, die sind nicht bunt, mir aber lieber. 

Bunte Nüsse, manchmal spinnt Horst ein bisschen. 

Er hat´s also vorgemacht, das Nüsse werfen. Er hat seinen Arm ausgestreckt und gesagt, seine Schulter ist gesund, und die Hand auch, nur der Ellenbogen ist steif. Und dann hat er ein M&M nach dem anderen genommen und sich selbst, im hohen Bogen, einfach in den Mund geworfen. Aus dem Handgelenk, hat er gesagt. Das hat geklappt. Na ja, er hat nicht alle aufgefangen, mit dem Mund, aber fast.

Ich hab es nachgemacht. Nachdem alle anderen weg waren, hab ich mich auch getraut. Ich griff mir mit meinen beiden Fingerchen eine Erdnuss aus Horst´s Eimer und warf, zack, eine nach der anderen in mein Maul. Na ja, ich hab nicht alle aufgefangen, mit dem Maul. Aber fast.

Als das geklappt hat, hab ich mich so gefreut, dass ich plötzlich so ein Tuut von mir gegeben habe. Ein helles Tuut, ganz kurz, das kam aus meinem Hals. Wie das plötzlich ging weiß ich gar nicht. Horst war genauso erstaunt wie ich.

„Ich wusste gar nicht, dass du das kannst, Steffi“, sagte er zu mir. Ich hätte ihm das ja gern erklärt, aber ich wusste ja selber nicht wie ich das gemacht habe.

Mit dem Fuß schob er den Eimer näher zu mir. „Kannst du das noch mal?“

Ich hab eine Nuss genommen, geworfen, getroffen und Tuut gemacht. Ganz kurz. Horst schien sehr zufrieden.

„Steffi kann singen!“, lachte er. Ich und singen? Ich sagte ja schon, manchmal spinnt Horst ein bisschen. Doch dann sagte er was, das hat mich neugierig gemacht.

„Deine Geschwister können das nicht!“ Horst flüsterte, doch ich hab´s genau gehört. Vor lauter Aufregung hab ich wieder Tuut gemacht.

Horst hat mir auch das erklärt. „Woher sollst du denn wissen, dass du singen kannst, wenn dir keiner sagt, dass du singen sollst? Deine Mama ist hier im Zoo geboren, sie kann es nicht, niemand hat es ihr beigebracht. Daher können deine Geschwister auch nicht tuten. Nur du.“ 

Nur ich.

Horst sagt, mein tuuten klingt wie eine kaputte Trompete. Was eine Trompete ist weiß ich nicht, aber kaputt klingen will ich nicht. Daher üben wir, zum Werfen auch noch Tuuten. Er meint, ich soll versuchen den Ton zu halten, es also länger machen.

*

Ich hab mir das selber beigebracht. Ich habe keine Ahnung, wie ich das angestellt habe, es ist mir auch egal. Denn jetzt ist alles ein bisschen anders, nicht nur mein Rüssel, sondern alles. Wenn meine Geschwister jetzt lachen, wenn ich mich zum trinken hinknie´, dann tuute ich ein bisschen. Dann sind sie gleich still.

Horst sagt, sie sind neidisch, weil sie es nicht können. Sie versuchen es wohl, wenn ich nicht da bin. Die Besucher freut mein Tuuten auch. Die stehen jeden Tag um das Gehege. Früher hab ich mich nicht raus getraut. Ich dachte die lachen und dann tappe ich versehentlich noch auf meine Fingerchen und falle hin. 

Nun geh ich gern raus, Horst füttert alle, auch mich, und ich werfe meine Nüsse. Inzwischen kann ich das sogar mit Äpfeln. Nur mit halben, aber immerhin. Und wenn ich getroffen habe, tuute ich. Einfach so. 

Und wisst ihr, was noch passiert ist? Ich hab Stoßzähne bekommen. Eines Tages lugten die einfach so raus, links und rechts neben meiner Nase äh… neben dem Rüssel natürlich. 

Horst hängt meinen Rüssel nun einfach über einen meiner Stoßzähne, jetzt kann ich auch nicht mehr drauf treten. Horst und ich laufen jeden Tag einmal durch den Park, ich hab meinen Rüssel über dem Stoßzahn hängen, Horst futtert bunte Erdnüsse und jedes Mal, wenn ein Besucher ruft „Steffi sing´“…  

Na, was denkt ihr wohl?

Horst hatte Recht. Ich bin ein bisschen anders als die Anderen. Aber das ist nicht schlimm.

© Carolin M. Hafen

Leseprobe: London

Leseprobe aus dem Roman „From Spring to Winter: London in Love“

Klappentext

Ein emotionaler Roman über die Liebe auf den zweiten Blick. Vor der grandiosen Kulisse Londons.

Betrogen. Gelangweilt. Endstation?
Das will London erst einmal sehen und ergreift die Flucht nach vorn. Sie geht für ein Jahr in die Stadt, der sie ihren Vornamen verdankt. Damit kehrt sie sowohl ihrem treulosen Freund als auch der Enge ihrer schwäbischen Heimat den Rücken.
Neue Stadt, neue berufliche Herausforderung – aber doch bitte keinen neuen Mann! Das hat London jedenfalls nicht auf dem Plan. Die Wunden ihrer letzten Beziehung sind noch zu frisch, sie will nicht wieder verletzt werden. Doch als sie nach einem One-Night-Stand gefragt wird, sieht sie darin die Chance, es ihrem Exfreund heimzuzahlen. Wird die Rechnung aufgehen oder zahlt sie am Ende selbst einen zu hohen Preis?

  • Taschenbuch: 412 Seiten
  • Verlag: O’Connell Press
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3945227682
  • ISBN-13: 978-3945227688
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