Textschnipsel #1

Ich arbeite aktuell an der Fortsetzung zu „Leotrim“ und das bedeutet, ich lese meine eigenen Bücher immer mal wieder, zumindest Abschnittsweise. Um die Stimmung einzufangen oder um bestimmte Details aufzugreifen bzw. sie fortzuführen. Und dann stoße ich auf Passagen, die ich einfach lieber mag als andere. Und deshalb teile ich heute einer meiner Lieblingsstellen aus dem ersten Band mit dir.

#throwbackthursday

Textschnipsel #1 aus Drachenbrüder

Band 1 – Drachenbrüder

Ambro hüllte sich in seinen Mantel, bettete den Kopf auf seinen Beutel und starrte zurück; die Lichter sahen ihn neugierig an.

Norwin legte sich zu ihm, sehr nah, und wärmte seinen Broder mehr als es das Feuer tat. Der Wind zerrte an ihnen beiden, Norwin breitete zum Schutz seinen guten Flügel aus, legte ihn über Ambro wie eine Decke. Da hörte der Junge zu frieren auf und schlief endlich ein. 

Norwin schlief nicht. Er vermisste Soems und dachte an die erste Nacht zurück, nachdem er gefallen war. Norwin hatte in seinem Nest gelegen, die Nacht war schon alt gewesen, Ambro hatte in seinem Bett geschlafen, selbst die Lichter schienen sich bald zurückziehen zu wollen. Auch Aidar hatte sich entfernt. 

Soems war gekommen, um nach ihm, Norwin, zu sehen. Er traute sich nicht in die Kammer hinein und saß auf einem Ast im Baumwipfel und spähte durch die offene Dachluke herein. Norwin, der nicht schlafen konnte, spürte den anderen mehr, als dass er ihn sah. Und trotz des Schmerzes jeder Bewegung kletterte er leise aus dem Nest und durch die Luke. Er vergewisserte sich noch, ob Ambro nichts bemerkt hatte und weiterhin fest schlief. 

So setzte er sich neben Soems, zwischen die Blätter, die im Wind raschelten, eingelullt in die Geräusche der Nacht. Sie beide hörten Olafur schnarchen und doch waren sie weit weg von der Welt unter sich. 

Der eine fragte den anderen, wie es ihm ginge und der andere sagte, es ginge schon und der eine drückte seinen Kopf an die Brust des anderen, wie um zu horchen, ob darin alles schlug wie es sollte. Und einer roch am anderen und erinnerte sich an zu Hause und den Geruch der Mutter und die Geräusche der Nestlinge und das Wuseln der Ammen und zusammen waren sie einen Augenblick nicht allein, weil sie dasselbe dachten und sich erinnerten und die Lichter hörten nur ein tiefes Brummeln, das aus Drachenkehlen drang, doch sie kannten die Worte nicht, die leise gesprochen wurden und nicht für fremde Ohren bestimmt waren. Der eine schlief ein bisschen und der andere auch und bevor die Sonne aufging, trennten sie sich. 

Inmitten einer taunassen Wiese im Nirgendwo von Leotrim, nicht hier und nicht dort, vermisste der eine den anderen und den Trost, der nicht mit Worten beigebracht werden kann. 

  • Das Drachenvolk von Leotrim
  • C. M. Hafen
  • O’Connell Press
  • Eine wunderbare, bewegende All-Age-Fantasygeschichte – die komplette Drachen-Trilogie im Sammelband! Die E-Book-Sonderausgabe enthält die Romane ›Drachenbrüder‹, ›Drachensichel‹ und ›Drachenfrieden‹ aus der beliebten All-Age-Fantasy-Reihe ›Das Drachenvolk von Leotrim‹.

Work in Progress

Für meine Verhältnisse habe ich dieses Jahr sehr wenig geschrieben. Wenn das Bauzeichnen mein Brotberuf ist, dann ist das Schreiben mein Kuchen-Beruf. Normalerweise kann ich von Zuckerkram nicht genug kriegen, das ist etwas, dass ich mir täglich gebe. Eigentlich. Nicht 2020. Aus Gründen. Aber ich habe keine Lust mehr auf meinen selbst gemachten Marmorkuchen zu verzichten. Daher mache ich Pläne, setze mir Ziele und dokumentiere meine (kleinen) Schritte im Bullet Journal. Heute sah ich einen TEDTalk von Carol Dweck mit der Zauberformel „Not yet“. Und das spricht mich sehr an.

Hast du es geschafft?

Noch nicht. Aber ich bin dran. Da ist eine Lernkurve, da sind Zwischenziele, ich verfolge mein Anliegen, ich bin motiviert. Das wird super.

Jedenfalls. Was passiert hier?

Work in Progress. Ich arbeite an:

  • eine neue Kurzgeschichte für die get shorties Lesebühne
  • an einem neuen Manuskript (Neues aus Leotrim). Saublöder Arbeitstitel, ich weiß. Das ist aber egal. Es geht darum, überhaupt wieder nach Leotrim zurück zu kehren.
  • An ein paar Zeichnungen für den neuen Sammelband „In Love“.

Und dann? Was noch? Ja, es passieren Dinge. Und ich will dich auf dem Laufenden halten, aber auch schreibend nachdenken und sichtbar machen, dass eben nicht alles still steht. Auch wenn es sich manchmal so anfühlt.

Coming soon:

  • Veröffentlichung: Der Sammelband „In Love“ wird am 27. Dezember 2020 als eBook erscheinen und beinhaltet „London in Love“ und „Nina in Love„. Hast du Lust diesen Sammelband vorab zu lesen und zu rezensieren? Dann melde dich bei mir.
  • Zur Veröffentlichung werde ich auch eine Leserunde bei Lovelybooks veranstalten.
  • Veröffentlichung: Wortreich Anthologie des Stuttgarter BvjA-Stammtischs
  • Veröffentlichung: Das Get Shorties Weihnachtsbuch

Bist du fertig? Noch nicht. 🙂

Und du? Was macht dein WIP? Was kommt, was passiert?

~Caro

Freitagsfoto – Neue Projekte

 

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Caro auf der Millennium Bridge

 

Da stand ich – auf der Millennium Bridge, und dachte, ich müsste mal einen Roman schreiben, der in London spielt. Als das Bild entstanden ist, war ich noch lange nicht fertig mit Band 3 meiner Drachensaga. Ich hatte noch ganz schön was zu stemmen. Und trotzdem dachte ich ans nächste Jahr, ans nächste Projekt, an die Vorfreude, und die Idee hier eine Geschichte spielen zu lassen. London, das ist mein happy place. Wenn ich versuche es in Worte zu fassen, gelingt es mir nicht. Ich fühle mich wohl, mir gefällt was ist sehe, ich könnte mir vorstellen hier zu leben. Das muss als Erklärung genügen. In meiner Vorstellung sitze ich in einer kleinen Wohnung, der Schreibtisch steht direkt vor dem Fenster mit Blick auf die Themse. Hier schreibe ich und nach getaner Arbeit genieße ich den Nachmittag in irgendeinem Park, gehe Abends schön essen und ins Kino. So sollte das Leben sein. Ob das je so sein wird? Keine Ahnung. Aber da tauchte eine Frau auf, vor meinem inneren Auge – IHR Leben sieht auch nicht so aus, aber ich habe Lust über sie zu schreiben, sie in einem schwarzen Taxi durch die City zu scheuchen. Neue Projekte, neues Glück.

Leotrim steckt derweil mitten im Lektorat. Juhui.

C.

Caro beantwortet Suchanfragen #2

Es ist wieder ein Monat um (die verflixte Zeit rast nur so dahin) und ich beantworte wieder mal eure Suchanfragen.

  • Superbuch Seite 1: Ich liebe Notizbücher. In allen Farben, Größen und Variationen. Ich schaue regelmässig, nach Blogartikeln und Optimierungsmöglichkeiten. Mal gestalte ich die Seiten selber, manchmal mag ich es, wenn gewissen Dinge schon vorgegeben sind. Lesebändchen, Seitenzahlen, Inhaltsverzeichnis. In der Vergangenheit habe ich schon manches Mal davon berichtet. Zum Beispiel über das Superbuch und über das Ideenbuch. Zwei sehr unterschiedliche Herangehensweisen. Beide sehr schick.
  • Carolin Emcke: Ich habe vor einiger Zeit ihre Kolumnen in der Süddeutschen Zeitung entdeckt und dann ging mir auf, dass „Wie wir begehren“ auf meinem SUB liegt. Das habe ich prompt gelesen und für gut befunden. Danach habe ich mal eine Google-Suche gestartet und bin dabei auf Beiträge wie diesen [Link: Vimeo] gestoßen. Egal in welcher Form, Video, Kolumne, Buch, mich begeistert ihre kluge, unaufgeregte Art. „Gegen den Hass“ habe ich schon vorbestellt.
  • Thriller ohne Ermittler: Ich lese kaum Thriller. Ich mag das Genre einfach nicht. Der letzte Thriller, den ich gelesen habe, war tatsächlich einer ohne Ermittler. Blut an der Wand. Hervorragendes Psychogramm von Edith M. Senkel. Trotz meiner Abneigung gegen das Genre, hat mir dieses Buch sehr gut gefallen. Vielleicht deshalb, weil diese Geschichte nicht dem klassischen Mord bzw. dem Zweikampf ´Ermittler gegen Täter´ folgt.
  • Leotrim: Jab, immer noch ich. „Das Drachenvolk von Leotrim“ ist mein Werk. Ich stecke gedanklich gerade mitten in Band 3. Ich nehme die Verantwortung, die mit dem Abschluss der Reihe verbunden ist, sehr ernst. Ich hasse es, wenn ich ein Buch lese (das mir gefällt) und der Autor/die Autorin lässt Handlungsstränge ins Leere laufen oder beendet sie nur unzureichend. Da ist das nicht leiden kann, bemühe ich mich, das bei meiner Geschichte zu vermeiden. Das Ende für die Hauptfiguren habe ich schon fertig gestellt. Aber auch alle Nebenfiguren bekommen ihr Ende. Versprochen.
  • Richard David Precht neue Freundin: Ich habe keine Ahnung ob Richard David Precht eine neue Freundin hat. Ich bin kein Klatsch-Magazin. Sorry. Da es mich nicht die Bohne interessiert, ergoogle ich das auch nicht. Ich war mal bei einem Vortrag über Moral, das war sehr spannend. Hier nachzulesen. 

Caro beantwortet Suchanfragen #1

2016-01-22 15.44.33

  • Zaubeter: Du meintest wohl Zauberer. Oder Zauderer? Ich zaudere selten, daher gibt es bei mir keinen Beitrag zu dem Thema. Über Zauberer habe ich aber geschrieben. Zuletzt hier: Emanuel Bergmann – Der Trick. Da kommt ein Zauberer drin vor.
  • C. M. Hafen Drachenvolk Trilogie: Ja, das bin ich. Also die Autorin von „Das Drachenvolk von Leotrim“. Band 1 heißt „Drachenbrüder“, Band 2 heißt „Drachensichel“ und Band 3 erscheint im April 2017. Wenn du auf dem Laufenden bleiben willst, dann empfehle ich dir die Kategorie „Neues aus Leotrim“.
  • Yachthafen Madrid: Madrid liegt nicht am Meer und hat folglich auch keinen Yachthafen. Ich war bisher einmal im Urlaub in Madrid, einige meiner Urlaubsbilder findest du bei den Freitagsfotos.
  • get shorties schwäbisch gmünd: Wir waren im November 2015 in Schwäbisch Gmünd zu Gast. Bis jetzt sind aber keine neuen Lesungen in Schwäbisch Gmünd geplant. Die aktuellen Lese-Termine findest du auf der Webseite der get shorties Lesebühne.
  • Schlechtestes Buch aller Zeiten: Ich habe eine Liste erstellt, mit Büchern, die ich mies fand oder sogar abgebrochen habe. Die zehn schlechtesten Bücher. Das ist aber eine sehr subjektive Einschätzung und spiegelt nur MEINEN Lesegeschmack, der ist nicht allgemein gültig 🙂

~Caro

Ein Blick zurück, ein Blick nach vorn

2016-03-19 20.15.05Was ist passiert? Was wird passieren?

Vergangenen Samstag waren wir shorties endlich mal wieder im Blauen Haus in Böblingen. Ingo hat mal wieder gesucht und nichts gefunden, derweil Jole die Wiederauferstehung probte. Rainer fand keinen Parkplatz, keiner wusste wo Volker steckt und Heiko mag tatsächlich Döner Hawaii. Schlimm. Und ich disste die Yoga-Tante. Also alles wie immer.

Abgesehen davon habe ich noch zwei gute Filme gesehen, von denen ich dir erzählen will.

Sieben verdammt lange Tage (This is where I leave you)

Die Story: Der Vater stirbt und die vier erwachsenen Kinder kehren zur Beerdigung heim. Soweit so gut. Obwohl der Vater nicht religiös war, lautet sein letzter Wille darauf, dass die Familie Schiwa sitzen soll. Ich kannte diesen Brauch bisher nicht, habe nie davon gehört und musste das erst Mal googeln. Mir gefällt die Idee dahinter, wirklich Zeit zum Trauern zu haben, mir kommt es so vor, dass wir in unserer schnelllebigen Zeit nicht einmal mehr dafür Zeit haben, aber das ist ein anderes Thema und gehört hier nicht her.

Die vier Kinder, sehr unterschiedlich natürlich, sitzen also auf diesen niedrigen Hockern und sollen sieben Tage lang um ihren Vater trauern. Die Mutter verhängt ihnen sozusagen Hausarrest, als wären sie noch kleine Kinder. Jeder kommt mit seinem Koffer voller Probleme an. Da ist Judd (Jason Bateman), der kurz bevor sein Vater stirbt, raus findet, dass seine Frau eine Affäre hat. Er schmeißt kurzerhand seinen Job hin und suhlt sich schon im tiefen Loch des Selbstmitleids. Er ist derjenige, der am meisten Schwierigkeiten hat: als alle beieinander sitzen und sich alte Geschichten, liebevolle Erinnerungen an den Vater erzählen, ist er derjenige, der keine einzige Anekdote zu erzählen hat. Er braucht seine Zeit…

Die anderen haben es natürlich auch nicht leicht. Wendy trauert ihrer Jugendliebe nach, Paul schafft es nicht seine Frau zu schwängern und Philip ist alles andere als erwachsen. Natürlich knallt es ganz gewaltig, als sie aufeinander treffen, da werden alte Wunden aufgerissen, ungeklärte Konflikte neu angefacht – es ist alles dabei für ein schönes kompliziertes Familien-Tohuwabohu. Ich mag diese Sorte Film. Meine Familie kommt mir dann nicht völlig verrückt vor, und ich mag, wenn am Schluss deutlich wird:

Wir sind zwar alle bekloppt, wir haben unsere Probleme, aber eigentlich, ganz eigentlich sind wir froh aneinander.

Hier gefällt mir besonders gut, dass ausnahmsweise mal nicht so viel gebrüllt wird. Bei amerikanischen Filmen und Serien nervt mich enorm, wenn die ganze Story und auch die Schauspielkunst der Darsteller nur darauf gründet besonders laut zu sein und gefühlt 90 Minuten lang gleichzeitig zu reden. Das ist so ein Stilmittel oder die hohe Kunst, die ich Banause nicht verstehe – sich ins Wort zu fallen und mit viel Geschrei mühevoll witzig zu sein. Hier nicht. Besonders Jason Bateman gefiel mir in seiner beherrschten, zurückhaltenden Art. Er hätte allen Grund auszuflippen… es gibt da eine ganz wunderbare Szene. Ich will nicht zu viel verraten, jedenfalls. Sie sagt zu ihm:

„Dreh jetzt nicht durch!“

Und er antwortet: „Ich drehe nicht durch.“

Sie: „Doch, ich sehe dich.“

Das ist nur eine ganz winzige Szene, wenig Text, und doch steckt ganz viel darin. Ich finde, in Filmen geht so viel von der Gefühlswelt einer Figur unter, weil man nur sieht, und der Darsteller muss dann all das Gefühl dazu in seiner Körperlichkeit oder im Gesicht ausdrücken. Wer schon mal einen Film mit Kristen Stewart gesehen hat, weiß, das kann so und so aussehen.  Jason Bateman erinnert mich in diesem Film sehr an den jungen Robin Williams und ich sehe Bateman mit Vergnügen zu – sein zurückhaltendes Schauspiel, mit enormer Ausdruckskraft. Ich mag den Typen, den er darstellt: Judd Altmann. Er hat mein ganzes Herz.

Ich mag die Entwicklung Batemans, die ich die letzten Jahre gesehen habe, vom Clown zum richtigen Darsteller. Ich denke die ganze Zeit; der kann ja was! Ich habe also mitgefühlt und mitgelitten, eine nette Geschichte über eine schrullige Familie, ohne dieses typische Vater-Mutter-Kind-Happy-End. Hollywood ist wohl drauf gekommen, das es noch mehr gibt.

Ich bin mit „Unsere kleine Farm“ aufgewachsen und kenne Bateman als James Ingalls, das niedliche Bübchen. Mir gefällt was die Zeit mit seinem Gesicht gemacht hat. Er ist schön gealtert.

Dann habe ich noch „Albert Nobbs“ gesehen. Das Aussehen des Films erinnert mich ein wenig an Downton Abbey. Aber darauf will ich gar nicht hinaus. Glenn Close spielt Albert Nobbs; eine Frau, die sich als Mann ausgibt und deren ganzes Leben auf einer Lüge basiert. Er arbeitet als Butler in einem Hotel – und eines Tages soll er sich das Zimmer mit einem anderen Mann teilen. Alberts Lebensgrundlage scheint aufzufliegen…

Es wird nicht gesagt und spielt eigentlich keine Rolle, ob Albert ein Mann sein will oder der umständehalber einer sein muss. Ich mochte Glenn Close bisher schon, sie hat mich in all ihren Rollen überzeugt. Aber das toppt noch mal alles bisher Gesehene. Der Film ist furchtbar traurig, das ist wirklich nichts für einen unterhaltsamen Abend. Das Thema ist schwer, die Geschichte ist schwer. Aber ich bin sehr froh, dass ich Albert Nobbs entdeckt und gesehen habe. Glenn Close war umwerfend.

Die kommende Woche wird auch umwerfend, mindestens. Ich habe Karten für eine Lesung von Emanuel Bergman (Der Trick) und am Mittwoch erscheint das neue Buch von John Irving, das bedeutet, ich werde Ostern offline und lesend verbringen. Mit verdammt guter Lektüre.

Ach, und meine Release-Party geht am Mittwoch los. Die Drachen kommen!

Wir lesen uns!

~Caro