tbt – Twin Bed Room

#ThrowbackThursday

Short short Story von Carolin Hafen (#Schreibübung)

Bei uns hatte sich diese Routine eingeschlichen, die sich zwangsläufig einschleicht, wenn man lange zusammen ist. Nacktheit ist dann nichts besonderes mehr, und man zieht den Bauch nicht mehr ein, man schämt sich nicht mehr für die schlabbrige Unterhose, da wird gecremt, rasiert, gewaschen, im hellen Neonlicht des Badezimmerspiegels, unaufgeregt.

Und dann bezogen wir dieses winzige Zimmer in diesem winzigen Hotel. Es war spät, wir waren müde, und wir waren es leid zu suchen. Wir waren einander leid, und die lange Fahrt, die Hotelsuche, der eine schimpfte auf den anderen wegen der schlechten Planung, wegen der Reise überhaupt, unnötig war ein häufiges Wort.

Das Zimmer war ein Alptraum. Direkt unter dem Dach, nur in der Mitte konnte man aufrecht stehen. Wir bekamen kein Doppelbett, sondern zwei Einzelbetten, die sich in die Ecken unter den Dachschrägen drückten. Zwei hässliche Nachttische standen direkt nebeneinander, zwischen den beiden Betten, die Badezimmertür ließ sich nicht ganz öffnen, und stieß gegen das Fußende vom linken Bett. Die Eingangstür gegen das rechte. Da standen wir, fassungslos, mit zwei Taschen, und kaum Platz zum atmen. Ich schmiss meine Tasche auf das rechte Bett, wie um mein Revier zu markieren, und drückte mich ins Bad. Die Blase schmerzte schon.

Als ich wieder heraus kam und die Tür lautstark an das Bettgestell knallte, schrak er zusammen. Er lag schon im Bett, unter weißen Laken, wenigstens sauber war es.

Beide Türen geschlossen, stellte ich unsere Taschen wie die beiden Nachttische, keusch neben einander und zog mich aus. Kurz haderte ich mit mir.

Zuhause, da hatten wir Platz, vielleicht zu viel. Wir lasen im Bett, oder krümmelten noch, während der Fernseher lief. Klamotten und Habseligkeiten, an denen man vermeintlich hing, lagen zuhauf herum, das Bett, obwohl es ein Doppelbett war, bot jeweils Platz wie ein Floß auf offenem Meer, jeder für sich. Wir waren Einzelkämpfer geworden.

Hier sollte ich in ein winziges Bett steigen und er schien so weit weg. Dabei hätte ich mich hinlegen und die Hand ausstrecken können – er wäre nicht weiter weg gewesen als daheim im Ehebett.

Er beachtete mich gar nicht, dabei stand ich nur im Slip da. So stieg ich in sein Bett, überrascht öffnete er die Augen. Plötzlich waren wir wieder jung und unerfahren, in diesem winzigen Bett, und mussten Ellenbogen und Knie sortieren. Meine Füße waren kalt und sein Gesicht kratzte, es war vertraut und doch ganz anders. Das Bett quietschte.

Es machte mir nichts aus, dass es quietschte, dass er mich fast platt drückte, dass wir keinen Platz hatten und das, was wir waren, unter weiße Hotellaken quetschen mussten.

Wir küssten uns wie schon lange nicht mehr. Auf dem Boden war genug Platz für unsere Klamotten. In dem Bett war genug Platz für unsere Liebe.

Haul im April

 

 

Eigentlich ist es nur ein halber Haul, weil ich „Backfisch Alarm“ gewonnen und nicht gekauft habe. Aber sei´s drum, ich habe zwei neue Bücher auf dem SUB und bin auf beide sehr gespannt. (Liebe Susanne, das Buch aus deiner Verlosung ist gut bei mir angekommen, vielen Dank! Link: Wortgestalten) Jedenfalls. Letzte Woche war Dmitrij Kapitelmann in der Buchhandlung Grimm´s lesen & genießen zu Gast (wie das war, kann man hier nachlesen) und so bin ich überhaupt auf den Autor aufmerksam geworden. Der hat uns Zuhörer den Abend über charmant und sympathisch durch sein Buch geführt. Ich habe das Buch gekauft, natürlich auch signieren lassen – ich finde es schön, nach einem gelungenen Abend ein neues Buch mein Eigen zu nennen, das mich mit Unterschrift, Datum und Ortsangabe immer daran erinnern wird: Ich war dabei. Wenn du jetzt denkst: „Pft, wie blöd ist das denn? Vergisst du das ohne ein Servus im Buch?“ Ja, stimmt. Ich vergesse viel, wenn der Tag lang ist. Daher schreibe ich in meine Bücher und Notizbücher wann und wo ich sie gekauft habe bzw. von wem ich sie geschenkt bekommen habe. In den Notizbüchern steht der Zeitraum drin, von wann bis wann ich es genutzt habe, in meiner Lektüre das Datum, wann ich sie gelesen habe. Überhaupt, ein Buch ist für mich ein Gebrauchsgegenstand. Ich schreibe da viel hinein. Wörter, die ich nicht kenne, streiche ich an, um sie später nachzuschlagen. An den Rand kritzel´ ich dann die Definition. Passagen, die mir gefallen, unterstreiche ich. Wenn mir ein Buch nicht gefällt, markiere ich die Seite, auf der ich abgebrochen habe. Meist sogar mit einer Begründung, warum. Nur Eselsohren mache ich keine in meine Bücher. Ich bin ja mein Banause. 😉

Jedenfalls. Ostern steht vor der Tür, und ich habe schöne, neue Bücher im Haus. Das Wetter soll ja auch gut werden. Also liege ich auf den Balkon, mit Buch, Bleistift und einem Lächeln.

Ach, und das habe ich noch gekauft. Ein Spiel aus meiner Kindheit. Mit den Brüdern habe ich Stunden damit zugebracht, was sage ich: Wochen. Lange Mittage, die in den Abend übergingen und spät wurden. Mein Hotel ist total zerspielt, die Scheine abgegriffen, die Schachtel kaputt. Nun habe ich Shpock ausprobiert und prompt Erfolg gehabt. Ein gebrauchtes Spiel (quasi wie neu), dem man den Vorbesitzer nicht ansieht. Ich werde es zu Ostern verschenken und hoffentlich lange Mittage, die in den Abend übergehen, spielend verbringen.

Und wie gut die Bücher waren, erzähle ich dir dann nach Ostern.

~Caro

 

 

 

Twin Bed Room

Bei uns hatte sich diese Routine eingeschlichen, die sich zwangsläufig einschleicht, wenn man lange zusammen ist. Nacktheit ist dann nichts besonderes mehr, und man zieht den Bauch nicht mehr ein, man schämt sich nicht mehr für die schlabbrige Unterhose, da wird gecremt, rasiert, gewaschen, im hellen Neonlicht des Badezimmerspiegels, unaufgeregt.

Und dann bezogen wir dieses winzige Zimmer in diesem winzigen Hotel. Es war spät, wir waren müde, und es Leid zu suchen. Wir waren einander leid, und die lange Fahrt, die Hotelsuche, der eine schimpfte auf den anderen wegen der schlechten Planung, wegen der Reise überhaupt, unnötig war ein häufiges Wort.

Das Zimmer war ein Alptraum. Direkt unter dem Dach, nur in der Mitte konnte man aufrecht stehen. Wir bekamen kein Doppelbett, sondern zwei Einzelbetten, die sich in die Ecken unter den Dachschrägen drückten. Zwei hässliche Nachttische standen direkt nebeneinander, zwischen den beiden Betten, die Badezimmertür ließ sich nicht ganz öffnen, und stieß gegen das Fußende vom linken Bett. Die Eingangstüre gegen das rechte. Da standen wir, fassungslos, mit zwei Taschen, und kaum Platz zum atmen. Ich schmiss meine Tasche auf das rechte Bett, wie um mein Revier zu markieren, und drückte mich ins Bad. Die Blase schmerzte schon.

Als ich wieder heraus kam und die Tür lautstark an das Bettgestell knallte, schrak er zusammen. Er lag schon im Bett, unter weißen Laken, wenigstens sauber war es.

Beide Türen geschlossen, stellte ich unsere Taschen wie die beiden Nachttische, keusch neben einander und zog mich aus. Kurz haderte ich mit mir.

Zuhause, da hatten wir Platz, vielleicht zu viel. Wir lasen im Bett, oder krümmelten noch, während der Fernseher lief. Klamotten und Habseligkeiten, an denen man vermeintlich hing, lagen zuhauf herum, das Bett, obwohl es ein Doppelbett war, bot jeweils Platz wie ein Floss auf offenem Meer, jeder für sich. Wir waren Einzelkämpfer geworden.

Hier sollte ich in ein winziges Bett steigen, und er schien so weit weg. Dabei hätte ich mich hinlegen und die Hand ausstrecken können – er wäre nicht weiter weg gewesen als daheim im Ehebett.

Er beachtete mich gar nicht, dabei stand ich nur im Slip da. So stieg ich in sein Bett, überrascht öffnete er die Augen. Plötzlich waren wir wieder jung und unerfahren, in diesem winzigen Bett, und mussten Ellenbogen und Knie sortieren. Meine Füße waren kalt und sein Gesicht kratzte, es war vertraut und doch ganz anders. Das Bett quietschte.

Es machte mir nichts aus, dass es quietschte, dass er mich fast platt drückte, dass wir keinen Platz hatten und das, was wir waren, unter weiße Hotellaken quetschen mussten.

Wir küssten uns, wie schon lange nicht mehr. Auf dem Boden war genug Platz für unsere Klamotten. In dem Bett war genug Platz für unsere Liebe.