Termine im Juli

Jab, richtig gelesen. Termine. Ich habe Termine, wahnsinn. Natürlich draussen, also open air. Mit Abstand und allem drum und dran. Aber, es gilt trotzdem. Wir dürfen wieder, der gute Ingo hat organisiert und gezaubert und uns Shorties den Kalender gefüllt. Ich freu mich. Früher sagte ich an so einer Stelle „Das wird super“. In den letzten Monaten habe ich das nicht mehr gesagt, aus Gründen. Es gab keine Gelegenheit. Ich trau mich noch nicht, es wieder zu sagen. Vielleicht nächste Woche…

Und; ich brauche einen neuen Text. Manche Dinge ändern sich nie. Ohne diesen Last-Minute-Druck funktioniere ich nicht. Ich jongliere mit vier Entwürfen. Das Schwierigste an der Sache ist, wie immer, die Entscheidung für EINEN Text. Der soll es sein, in diesen stecke ich meine Zeit, meine Gedanken und Kreativität. Ich bin ein bisschen eingerostet. Aber Schreiben ist wohl wie Fahrrad fahren. Das verlernt man nicht.

Wir lesen uns.

Lesungen:

  • 10. Juli – Böblingen, Blaues Haus
  • 16. Juli – Heilbronn, Deutschhof
  • 23. Juli – Stuttgart, Merlin

Schreibbuden:

  • 11. Juli – Stuttgart, Staatsgalerie
  • 24. Juli- Heilbronn, Kaffeebucht
  • 25. Juli – Stuttgart, Staatsgalerie

Mehr Infos unter: www.getshorties.de

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Nachlese; Heilbronn

Letzten Freitag waren wir „Shorties“ in Heilbronn, im Botanischen Obstgarten zu Gast. Meine Kollegen waren, in früheren Jahren, regelmässig hier, aber für mich war es das erste Mal. Das Wetter machte glücklicherweise auch mit, im Vorfeld hatte ich große Sorge, dass uns ein Sommergewitter die Lesung verdirbt. Apropos Glück. Ingo ging gemächlich spazieren, zupfte hier einen Klee und dort noch einen. Am Schluss legte er seinen Fund in unsere Kasse. Die ersten Bücher wechselten den Besitzer und ich dachte noch: Wer legt den da Grünzeug in unsere Kasse? Bei genauerem Hinsehen bemerkte ich dann: Oh, vier Blätter? Ich erkundigte mich; wer hat den da so viel Glück?

Ingo grinste und meinte lapidar: „Das da hat sogar fünf Blätter! Ich hab ein Auge dafür – soll ich dir noch mehr sammeln?“ Ich staunte, weil fünfblättrigen Klee habe ich noch nie gesehen und lehnte dankend ab, ich befürchte immer, Glück hebt sich auf, wenn man zu viel davon hat. Jedenfalls, ich habe alle drei Funde mit Heim genommen. Ich presse die Kleeblätter derzeit. Vielleicht kann ich die später laminieren und ein hübsches Lesezeichen daraus basteln.

Jedenfalls. Die Lesung war gut besucht, der botanische Garten ist ein wirklich schöner Flecken in Heilbronn – ich kenne mich da nicht aus. Wenn es da noch mehr schöne Dinge zu sehen gibt, dann möge man mir das bitte mitteilen. Danke.

Open Air Lesungen sind für mich immer was besonderes. Drinnen, das kann ja jeder. Ich bin, um Fotos zum machen, um die ganze Besucherschar herum gegangen und stand am Schluss unter einer Linde. (Ich bin mir ziemlich sicher, dass es eine Linde war.) Um mich und über mir summte es wie verrückt, ich mag das Geräusch ganz grundsätzlich. Das sage ich, obwohl ich immer ausflippe, wenn mir eine Fliege/Schnacke/Bremse direkt am Ohr vorbei surrt. Aber das ist ja auch was anderes. Als ich ein Kind war, wuchs an unserer Hauswand eine Kletterpflanze empor. Ich weiß nicht mehr, was das für eine Sorte war. Im Sommer war die ganze Hauswand grün, im Herbst dunkelgelb bis tief rot. Wenn ich im Sommer Abends im Bett lag und das Fenster gekippt war, da hörte ich dieses wohlige Gesumm, und stellte mir vor, unser Haus wäre ein lebender Organismus, etwas, das weg fliegen könnte, wenn es denn wollte. Noch heute verbinde ich dieses Geräusch mit Geborgenheit und Zuhause.

Ich stand also unter der Linde, sah nach oben und lausche dem Gesumm um mich herum, während meine Kollegen im dämmernden Abendlicht ihre Geschichten lasen. Da können andere Lesungsorte einfach nicht mithalten.

Diese Woche stehen noch zwei Open Air Lesungen an. Rutesheim und Stuttgart. Das wird super.

~Caro

 

Hier ein paar Eindrücke aus Heilbronn.

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Die Wörtchenbude in Heilbronn

Zuallererst gilt es wohl zu klären, was eine Wörtchenbude ist.

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Ingo und Jörg im Einsatz

„Bude“ ist hier nicht wörtlich zu nehmen, wir sitzen an gewöhnlichen Tischen mit sehr analogen, alten Schreibmaschinen. Und die Idee dazu hatte, wenn ich mich recht erinnere, Nicolai Köppel. Der organisiert fleißig Literaturereignisse in Baden-Württemberg, so ganz grob. Ich überschaue gar nicht, was er alles macht. Ich nehme ihn als eierlegende Wollmilchsau wahr, und fahre halt da hin, wohin er die Kollegen und mich einlädt. Diesen Samstag waren es die 22. Baden-Württembergische Kinder und Jugendliteraturtage Heilbronn. Kurz #kjlt2016

[Wir haben diese Aktion auch schon in Ludwigsburg veranstaltet und wollen es bald in Stuttgart wiederholen.] Jedenfalls. Wir sitzen also da, mit unseren Schreibmaschinen und erledigen Auftragsarbeiten. Kinder und Erwachsene konnten bei uns fünf verschiedene Textarten bestellen. Von der Mini-Geschichte (50 Wörter), Liebesgedichte, Märchen, und Limericks war so ziemlich alles dabei. Ein paar Anhaltspunkte brauchen wir schon:

„Von wem für wen soll der Text sein, und möchten Sie anschließend noch verheiratet sein? Aha, die Holde wird geschätzt, eine Lobeshymne also.“

So in etwa, klangen unsere Fragen und die Antworten waren nicht weniger komisch. Wer eine Mini-Geschichte wollte, konnte uns drei Begriffe nennen, die im Text vorkommen sollten. Und wir hauten dann in die Tasten. Ein Text brauchte ca. eine halbe Stunde Zeit um zum reifen und niedergetippt zu werden, dannach konnte er abgeholt werden.

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Mein Arbeitsplatz.

Wir hatten so viel zu tun, dass wir Überstunden machen mussten. Das Angebot wurde sehr gut angenommen, wir waren selbst überrascht, dass wir zum Schluss sogar noch Leute weg schicken mussten, weil wir einfach keine Wörter mehr übrig hatten.

Ingo und ich schrieben zum Schluss gemeinsam an einer Minigeschichte, die eine Frau zu ihrem 30sten Geburtstag erhalten sollte. Beim Wort Purzelbaum gerieten wir dann ein bisschen in Streit, wo denn nun das R hingehören würde. Wenn zwei Legastheniker sich mit so einem schweren Wort abmühen, muss man als Kunde nachsichtig sein und darüber hinweg sehen, dass ein T völlig überflüssig ist. Eigentlich.
Wir hatten viel Spaß, die Kundschaft auch, es wurde viel gelacht.

Ich verwende das Wort „herzig“ nun bewusst. Weil es wirklich herzig ist, wenn sich so kleine Knöpfe an den Tisch trauen, kaum über die Tischkante gucken können und ein Märchen bestellen. Mit Playmobilfiguren!
Jaja.

Immer wieder kamen Eltern mit ihren Kindern an den Tisch und erklärten dem Nachwuchs was eine Schreibmaschine ist. Wer wollte, durfte sich hinsetzten und selber schreiben probieren. Später beobachtete ich ein Mädchen, wie es ihrem Vater ihre neu erworbene und extra für sie angefertigte Geschichte (ein echtes Unikat!) zwischen Supermarkt und Bücherflohmarkt vorlas. Das nenne ich gelebte Literatur.

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Schreibversuche. 

Wir wurden in Heilbronn auch noch nach unseren Lieblingskinderbüchern gefragt. Ingo erzählte, was er seinem Sohn für Bücher vorliest. Ich erzählte vom schrecklichen Mr. Gum. Das kann man sich hier ansehen. Link.

Mr. Gum ist natürlich nicht von Harry Rowohlt erschienen, sondern der hat das Hörbuch gelesen. Der gute Harrybär konnte das nämlich sensationell. Lesen und brummen. Jedenfalls.

Was ist dein Lieblingskinderbuch, hm?

 

Schön war´s in Heilbronn. Ich komme gerne wieder.

~Caro

 

PS: Hier gibt es noch einen Bericht über unsere Wörtchenbude.

In der Bücherei

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Gestern waren wir „shorties“ in der Stadtbibliothek Heilbronn. Ich kam zu spät. Aus Grünen. Das nervt mich immer sehr. Ihr habt alle solche Freunde, die zehn Minuten vor der Verabredung klingeln, während du noch tausend Dinge machen willst. Tja, ich bin so jemand und ich sage in diese hektische Geschäftigkeit gern: Hallo. Ich bin da. Der Rest ist mir ziemlich egal. Ich bin dann entspannt und du nicht. 🙂

Gestern klappte das also nicht. Ich schlich mich in die letzte Reihe, dort konnte ich schauen; was machen sie denn, die Zuhörer? Sie lachen. Schön. Aber sie tun es ganz leise, versteckt. Wir haben das alle Mal gelernt. In der Bücherei wird net g´schwäzt. Und auf keinen Fall gelacht. Jedenfalls nicht laut. Irgendwoher kam, als wir Kinder waren, immer ein ermahnendes „Pscht“. Das Kind in mir will deswegen immer noch die Zunge raus strecken und irgendein Buch besonders laut zuklappen.

Ich müsste mal wieder mein Notizbuch schnappen und in der Bücherei arbeiten, die Ruhe und Ernsthaftigkeit dieses Ortes in den Text einfließen lassen und dabei ein ungehorsames Kind sein, das Juhui-brüllend durchs Gebäude rennt; „Bücher – so viel Bücher!“ Und dann verstecke ich „Ein unendlicher Spaß“ bei den Sachbüchern, und Pipi Langstrumpf bei den Schulaufgaben, das ist Allgemeinbildung, Freunde. Ich mache die Angestellten ganz verrückt. 🙂

Wenn es ruhig ist, will ich laut sein. Das ist so in mir. An Orten wo es laut ist, bin ich ganz leise und gucke. Keine Ahnung, was da in meiner Erziehung falsch gelaufen ist.

Und einem Puck gleich flüstere ich euch ins Ohr: Lach mal wieder. Laut und wunderbar. Nur Mut.

Das wird super.

Heute sind wir übrigens in der Stadtbibliothek Göppingen. 20 Uhr.