Flohmarkt-Schätze

Stabilo 8770

Ich habe neue Stifte gekauft. Eigentlich sind es ganz alte, aber sie sehen wie neu aus. Das ist jetzt auch noch nichts Aufregendes, kein Stück, aber ich möchte trotzdem davon erzählen. Im Büro zeichne ich nicht von Hand und musste es auch nie. Ich habe es in der Berufsschule, vor 20 Jahren gelernt, da musste ich sogar eine Prüfung ablegen, aber im Beruf habe ich diese Fertigkeit keinen Tag gebraucht. Allerdings habe ich immer Entwürfe, Notizen und Zettel auf dem Tisch herum liegen, wo ich markiere, was zu tun ist, was schon erledigt ist und oft genug muss ich eine Handskizze anlegen um zu verstehen, wie ein Bauteil aussieht bzw. wie ich es dann bewehre. Ich brauche und benutze deshalb Holzstifte, wenn ich mir ganz viel Mühe mache, nehme ich sogar einen Papierwischer dazu, damit meine Notizen ordentlich aussehen. Damals, als ich in der Lehre war predigte mein Vater immer: „Der Plan ist die Visitenkarte des Büros.“ Und deshalb ist es wichtig, dass auch Skizzen ordentlich aussehen. 

Ganz grob bedeutet das, Beton ist grün, Mauerwerk ist rot und Abbruch wird gelb dargestellt. Ich brauch noch ein paar mehr Schraffuren und Farben, das würde hier aber zu weit führen. Jetzt brauchte ich neue Stifte. Das passiert regelmässig. 

Ich mag Flohmärkte. Wenn man stöbern darf und nicht gerade Pandemie ist, dann schlendere ich gerne herum, schaue grundsätzlich nach Büchern und im Besonderen nach einer Schreibmaschine. Ich warte drauf, dass ich DIE EINE noch finde, die meiner Sammlung fehlt. Das darf eine Underwood sein, oder auch eine Erika. Es muss aber eine mit diesen schönen, runden Tasten sein. Bei Schreibmaschinen aus dem englischen Sprachraum ist bei den Sonderzeichen sogar das @-Zeichen dabei, weil das angeblich ein altes Kaufmanns-Zeichen ist. Zumindest behauptet das Internet solche Dinge. Jedenfalls. Da Flohmärkte gerade passé sind, stöbere ich eben bei Shpock und Ebay herum. Ich fange mit den Schreibmaschinen an, wobei ich nicht einsehe, für ein schönes Stück 300 Euro zu bezahlen, aber das ist ein anderes Thema. „Geld mag dunkel“ – auch so ein Satz, den mein Vater geprägt hat. (Wenn der Geldbeutel zu ist, dann ist es in dem Fach drinne finster. You see?) Jedenfalls. 

Als ich da so herumstöberte, fand ich ein Stabilo-Stifte-Set für Architekten und Ingenieure. (Stabilo 8770) Frag mich bitte nicht, wie ich von Schreibmaschinen zu Holzstiften komme, mein Suchverlauf ist… ambivalent. Das Set ist in einem hübschen Schuber, sogar mit Aufsteller und innen drin ist eine Legende mit allen gängigen Schraffuren und Farbzuweisungen. (DIN 201) Laut Artikelbeschreibung ist das Ding von 1970. Es wird auch wahr sein. Es ist mir ein völliges Rätsel, wie man so ein schönes und praktisches Set kaufen kann, es dann aber nicht benutzt um es 50 Jahre später bei Ebay für´n Appel und ein Ei zu verkaufen. Meine Bedürfnisse sind immer relativ schnell geweckt, und ich musste das Set kaufen. Das hätte ich sogar gemacht, wenn nicht gerade Bedarf danach gewesen wäre. Ich habe dem Vadder die Stifte neulich gezeigt und er hat ganz feuchte Augen gekriegt, wegen Damals und so, in seinem Alter passiert ihm das jetzt öfter. Emotinal werden wegen altem Krempel. Er wollte sie haben, ich hab Nein gesagt, weil ich sie brauche und er sie bloß irgendwo hinlegt, wo sie weiter hübsch aussehen. Als Rentner markiert der keinen Beton mehr. Ich bin sicher, er hört auch wieder auf zu schmollen. Irgendwann. 

Schwan Stabilo 8770

Und dann: Mein Stephen King Projekt hat einen Dämpfer bekommen. Ich wollte Band 7 und 8 der Reihe „Der dunkle Turm“ kaufen. In der Buchhandlung meines Vertrauens kriege ich die Graphic Novels nicht, weil die nicht als Bücher, sondern als Zeitschriften geführt werden. Und beim Verlag direkt, heißt es schmerzhaft: „Ausverkauft.“ Das schreiben die einfach so hin, ohne Rücksicht auf meine arme Seele. Also musste ich wieder stöbern gehen und sehen, ob ich die Bücher irgendwo gebraucht herbekomme. Bis jetzt: Fehlanzeige. Menno. Jetzt muss ich doch tatsächlich Bücher von meinem Stapel ungelesener Bücher lesen, weil ich keine neuen (alten) Turm-Ausgaben kaufen kann. Grmpf. Probleme einer Bibliophilen. Schlümm. 

Stephen King – Der dunkle Turm als Graphic Novel

An der Stelle muss ich noch ausführen, und das verstehen nur die ganz hartgesottenen Leser, dass die ersten vier Bücher der Reihe im Heyne-Verlag erschienen sind. Ab Band 5 steht dann Panini Comics auf dem Buchrücken, und deshalb sieht die Reihe im Regal nicht ordentlich und einheitlich aus. Mein innerer Monk ist also eh schon am ausflippen. Mal abgesehen davon, dass man die Panini-Ausgaben nur angucken muss, dann flattern die schon auseinander. Die Buch-Bindung ist Mist. Und jetzt soll ich von den Taschenbüchern zu den Hardcovern wechseln? Nein, einfach nein. 

Im Moment bin ich auf der Suche nach einer schönen Gesamtausgabe von Rilke. Bzw. sein Werk ist so umfangreich, dass eine solche Anschaffung mehrere Bände umfasst. Ich hätte gern alles von R. M. Rilke und wenn´s möglich ist, noch im Schuber. Da gibt es was vom Inselverlag, allerdings kriege ich das neu nicht her, also stöbere ich weiter. Ich hab ja sonst nix zu tun. 

Und du so?

Haul im März

Ich war in der Buchhandlung meines Vertrauens, dann in der örtlichen Bücherei und schließlich noch beim Bücher-Flohmarkt. Und jetzt ist auf dem Foto gar nicht alles drauf, was ich diesen Monat mit nach Hause getragen habe. Drei der Bücher, die auf dem Bild zu sehen sind, habe ich obendrein beim BvjA-Stammtisch in Tübingen getauscht. Wir haben hitzig über Schreibratgeber diskutiert und ich war ganz erstaunt über das, was da zutage kam. Aber der Reihe nach.

Ganz oben, da siehst du einen Roman von Rosamunde Pilcher. Die ist vor kurzem verstorben und ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich noch keinen ihrer Romane gelesen habe. Das will ich jetzt ändern. Ich stand vor einer Kiste mit Pilcher-Liebesromanen. Kisten auf Flohmärkten haben ja sowas von Ramsch. Schade eigentlich, ich habe in solchen Kisten schon manchen Schatz gefunden. Und seit ich selbst einen Liebesroman geschrieben habe, werde ich mit einem interessanten Phänomen konfrontiert. Es ist völlig egal was IN dem Buch drin steht. In meinem oder in den Büchern von anderen Autor*Innen. Menschen haben ihre Meinung zu Qualität und Wertigkeit eines Romans. Am Beispiel von Rosamunde Pilcher: „So ein Kitsch. Aber die Filmaufnahmen sind immer so schön!“

Ich weiß nicht genau woher das kommt. Bei einem Krimi ist die Wertigkeit der Unterhaltung eine andere. Ich persönlich lese/sehe lieber eine nette Geschichte, die mich anrührt, als Mord und Totschlag. Aber das ist Geschmackssache. Chick-Lit. Den Begriff habe ich inzwischen oft gehört. Da steckt viel Wertigkeit drin oder eben nicht drin. Hühner-Literatur. Und dann noch: Ein Buch über Befindlichkeiten.

Ich will den Roman von Rosamunde Pilcher lesen und mir selbst ein Bild machen, damit ich mitreden und mitbewerten kann. Man kommt ja nicht drum rum. 😉

#Kurt von Sarah Kuttner habe ich inzwischen gelesen. Ein Buch über Befindlichkeiten. Diesen Ausdruck las ich irgendwo, in einem Interview oder einer Besprechung, es ist auch egal. Ich habe beschloßen diese Beschreibung völlig neutral anzunehmen. Das Buch selbst habe ich inzwischen gelesen, in einem Rutsch und Dreiviertel davon mit Pipi in den Augen. Meine Befindlichkeiten waren arg mitgenommen, aber die Geschichte, die Leichtigkeit trotz des schweren Themas waren genau das, was ich gebraucht habe. Ganz wunderbar!

Da ich die Polly-and-the-Puffin-Reihe so sehr mag, musste ich jetzt auch mal ein Buch der Autorin kaufen, dass für Erwachsene gedacht ist. Auch eine Liebesgeschichte. Yeah. #JennyColgan

Harry Quebert habe ich abgebrochen, ich bin nicht in der Zielgruppe.

Und die Schreibratgeber habe ich, wie schon gesagt, beim BvjA Stammtisch getauscht. Vier Leute brachten je einen großen Stapel Bücher mit. Ich nicht, ich war faul. Und nur zwei Bücher waren doppelt da. Allein das fand ich erstaunlich. Ich habe erwartet, dass wir nur eine kleine Auswahl haben würden, weil alle die gleiche Lektüre zum Thema Schreiben gekauft hätten. Haben wir aber nicht. Und jeder guckt ganz anders in so ein Buch rein, obwohl wir in der gleichen Zielgruppe sind. Die einen mögen einen Lexikon-Charakter zum nachschlagen, andere ausschweifende, fast literarische Erklärungen. Ich zum Beispiel stehe auf Übungen. Für mich ist das völlig logisch: Wenn ich Klavier lernen will, muss ich jede Woche ein paar Stunden mit üben verbringen. Schach spielen, tanzen, Mathe. Es ist egal. Üben bedeutet lernen. Lernen bedeutet Fehler zu machen. Und ich brauche einen sicheren Ort um Fehler machen zu dürfen. Die anderen waren anderer Meinung. Es klang so, als wäre jeder Text für die Öffentlichkeit geeignet. Schreiben, überarbeiten, veröffentlichen.

Wenn ich darüber nachdenke, wie viele Texte in meinen Notizbüchern und auf meiner Festplatte sind, die ich nie jemandem gezeigt habe, die nie das Licht der Welt erblickt haben… es ist gut so. Ich bin seit Jahren mit der get shorties Lesebühne unterwegs. Schreibe für jeden Auftritt eine neue Kurzgeschichte. Manchmal passt das auf Anhieb. Andere lese ich, Gags verrecken, und ich überarbeite, zwei oder gar drei Mal, bis es passt. Ich lerne, aber ich scheitere auch vor Publikum. Ich lerne viel. Vielleicht habe ich von den Auftritten mehr als das Publikum.

Aktuell befasse ich mich auch damit das Zeichnen zu lernen. Ich probiere verschiedene Materialen und Motive aus. Aquarell, Acryl, Tusche. Wer auf Anhieb ein Meisterwerk schafft, ist wohl ein Genie. Ich bin keins. Ich muss üben.

Fazit: Ich finde, man müsste die Zeit zum lesen der Bücher, dazu kaufen können.

Stay tuned.

Tübinger Bücherfest 2013

Ich wollte unbedingt zu der Lesung von Wolfgang Kirschner im Stocherkahn, leider war im Kahn kein Platz mehr für mich und die Vorreservierung habe ich versemmelt. Dann musste ein gemeinsames Abendessen reichen.

Dafür habe ich noch eine gute Bücher-Ausbeute ergattert und obendrein Karten für die Harry Rowohlt Lesung, meinem Lieblingsbrummbär. „Rumba, Rumba, Rumba ist modern“ besitze ich jetzt auch endlich als Hörbuch. Ein rundum gelungener und sonniger Tag!

(Endlich weiß ich auch, wie es Knolls Katzen ergeht. Was bin ich froh.)