Lese-Monat Mai

Mein Lese-Monat Mai

Brian Bagnall – Zeichnen und Malen ★ ★ ★ ★

Dieses Buch besitze ich schon seit 30 Jahren. Mindestens. Als Kind kniete ich gern auf dem Boden, das Buch lag aufgeschlagen vor mir und ich blätterte vor und zurück, beeindruckt von den Motiven und Farben. Über die Jahre habe ich einiges ausprobiert, vor allem Buntstift-Motive und Aquarell. Aber so richtig gelesen habe ich es nie. Also von vorne, ein Mal konsequent durch, so wie man einen Roman lesen würde. Neulich habe ich mein Bücherregal entmistet. Mir geht regelmässig der Platz aus, und Sachen die ich nicht mag, die ich definitiv nicht noch mal lese, oder die halt nicht so wichtig sind, können weg. Sie sparken keinen Joy, wie man neuerdings sagt. Bei der Gelegenheit habe ich einiges aussortiert und gleichzeitig festgestellt, dass in meinem Regal Bücher stehen, die ich nicht gelesen habe. Also legte ich, konsequent wie ich bin, die ungelesenen Sachen auf den SUB. Ordnung muss sein.

„Zeichnen und Malen“ habe ich jetzt nachgeholt. Ich war ziemlich überrascht, wie viele Techniken und Materialien es gibt, wie viel Abwechslung. Das Buch bietet eine gute Übersicht, samt Beispielen und Anregungen für Übungen und Experimente. Das Buch ist jetzt ausgestattet mit kleinen Klebenotizen, überall wo meine Neugier geweckt wurde, bappt einer. Es gibt viel zu tun.

Vor jeder Maltechnik, beispielsweise Aquarell, gibt es eine Übersicht mit Dingen, die man dazu braucht, oder eben auch nicht. Zum Beispiel erklärt Brian Bagnall die unterschiedlichen Papiersorten, also was wofür geeignet ist, macht dann weiter mit den Pinsel-Unterschieden und führt durch die Farbenlehre zu den Mischtechniken. Manche Sachen überschneiden sich, aber Öl-Farben reagieren ganz anders als Acryl. Endlich konnte mir jemand Gouache erklären, so dass ich das kapiere. Ich kam zu dem Schluß, dass ich mit Materialien gut ausgestattet bin. Ich gehöre zu den Menschen, die meinen, wenn sie nur genug Kram daheim haben, ergibt sich das mit der Kunst von ganz allein. Das man auch ein klein bisschen Ahnung haben sollte, von dem was man da tut, weiß ich theoretisch. Im Buch lautet das Credo von Brian Bagnall: Üben und ausprobieren, noch mehr üben, rausfinden, was einem liegt, und weiter üben. Das weiß ich eigentlich auch. 😉 Ich gelobe hiermit mehr zu üben. Was mir liegt und wo meine Interessen liegen, weiß ich. Was ich bräuchte, ist ein ein eigener Brian, der mir im Nacken sitzt und ganz nett fragt: „Hast du heute schon was ausprobiert? Hm?“

Katharina Hartwell – Die Silbermeer Saga Band 2 ★ ★ ★ ★ ★

Trilogien; das ist ja schön und gut. Aber man sollte erst mit lesen anfangen, wenn alle Teile erschienen sind. Meine Meinung. Es ist ätzend, dass ich jetzt, vermutlich ein ganzes Jahr, auf den dritten Teil der Reihe warten muss. Ich will wissen wie es mit Edda weiter geht. Bis hier hin bin ich begeistert von Katharina Hartwells schöner, poetischer Sprache und ihrem Ideenreichtum. Das liest sich sehr angenehm. Das Buch ist kein typischer Pageturner, man jagt als LeserIn nicht von einem Höhepunkt zum nächsten – und das sage ich als Lob und Pluspunkt für die Geschichte. Manchmal, gerade bei Fantasy, ärgere ich mich, dass die innere Logik einer Geschichte der Spannung zum Opfer fällt, weil die AutorInnen meinen immer noch eins und noch eins drauf setzen zu müssen. Ich folge Edda und ihren Weggefährten, ahne und vermute wohin die Reise geht, dann läuft die Sache doch ganz anders, hier sind Brotkrumen für jenes Geheimnis und da ist noch ein Fährte in eine andere Richtung und ich hab Zeit die Schönheit der Sprache und Beschreibungen zu genießen und muss mich nicht hetzen lassen. So mag ich das. Nur net hudeln.

Claudia Haessy – Tagsüber Zirkus, abends Theater ★ ★ ★ ★

QWERTZ 1/2021 – Das Mitgliedermagazin des BvjA

Ray Bradbury – Der Tod ist ein einsames Geschäft ★ ★ ★ ★ ★

Ich mag keine Krimis. Eigentlich. Das ist mir oft zu viel Mord und Totschlag und unglaubwürdiger Unsinn. Ein Buch, mit einem Ermittler, der natürlich allein unterwegs ist, dem Mörder geradewegs in die Arme rennt und am Schluß mit einem Hase-aus-dem-Hut-Trick im letzten Augenblick gerettet wird, machen mich wütend. Da werd´ ich voll aggro. Das will ich nicht lesen, das ist Zeitverschwendung. Nun kenne ich, dank meines Autorenstammtisches, Raymond Chandlers „Der lange Abschied“ und musste meine Meinung revidieren. Solche Krimis mag ich sehr wohl. Das ist Literatur und spannend, das kann ich sehr gut lesen. Von Chandler zu Bradbury ist der Weg nicht weit, zumindest erscheint es mir so. Dieses Buch habe ich vor Jahren schon geschenkt bekommen, es ewig liegen lassen aus den oben genannten Gründen. Nach Chandler dachte ich, versuchste es halt mal. Und Überraschung, ich finde es großartig. In diesem Roman muss der „Ermittler“ quasi beweisen, dass überhaupt ein Mord geschehen ist. Weil, ist es ein Verbrechen, wenn jemand zu Tode kommt, ohne das der Täter einen Finger krümmt? Ich glaube, dass die Hauptfigur Bradbury selbst ist. Oder halt ein schrulliger Alter Ego. Und der sieht Dinge, die schwer zu erklären oder gar zu Bewiesen sind. Mitten drin zweifelt er an sich; ob er überall wo er hingeht, den Tod mitbringt und ich zweifle an ihm, ob da wirklich ein Mörder ist oder er sich alles nur einbildet. Die Sprache ist gewaltig und bildhaft, die Figuren liebenswürdig und schrullig und echt. Der Tod geht um, aber wer glaubt ihm, dem Schriftsteller denn, dass da etwas nicht mit Rechten Dingen zugeht? Das war subtil und spannend und mal ne ganz andere Geschichte. Vielleicht werde ich doch noch eine Krimi-Leserin.

Euripides – Medea ★ ★ ★ ★ ★

Das Buch bzw. das Theaterstück habe ich an einer anderen Stelle schon rezensiert. Link

Harry Rowohlt liest Flann O’Brien (Hörbuch) ★ ★ ★

Der gute alte Harry-Bär. Der kann mir das Telefonbuch vorlesen, und ich hör mir das trotzdem an. Allerdings, Flann O’Obien und ich werden wohl keine Freunde. Das Hörbuch besteht aus mehreren seiner Kolumnen und ich finde es ist absurd bis hin zu langweilig. Ich weiß, Langeweile ist kein richtiges Kriterium. Die Texte sind nicht schlecht. Weder schlecht geschrieben, noch schlecht gemacht. es interessiert mich nur nicht bzw. ich teile diesen Humor nicht. Mea culpa.

Stephen King – Später (Hörbuch) ★ ★ ★ ★

Das ist nicht sein bestes Buch. Und das sage ich mit folgendem Hintergrund: Das letzte Hörbuch, dass ich von King gehört habe, war „ES“ und das ist streng genommen 30 Jahre alt, allerdings habe ich es erst letzten Monat für mich entdeckt. Und nun kommt da „Später“ daher. Zeitlich wirklich später, inhaltlich aber wieder „ES“. Da ist ein Junge, der kann tote Menschen sehen und trifft dabei auf ein Wesen wie „ES“. Allerdings kommt die Geschichte dieses Mal, und das liegt eindeutig an mir, ich bin nicht objektiv, blass und kurz und banal daher. Es hat nicht wie epische Weite, es hat nicht diese Spannung, nicht dieses gewisse Etwas. Ich hab das gern gehört, versteh mich nicht falsch. Ich fand die Story gut, der alte Mann hat mich wieder gekriegt. Aber es war halt nicht ganz so fulminant.

PS: Ich bin nun schon einige Male, privat, auf mein Lese-Pensum angesprochen worden. Das ist von der Pandemie bestimmt. Da ich nirgends hin kann und keine sozialen Verpflichtungen, kein Ausgehen, keine Lesungen habe, kann ich jeden Abend lesen. Täglich zu lesen gehört zwar grundsätzlich zu meiner täglichen Routine, allerdings ist es im Lockdown mit Ausgangssperre einfacher mehr als eine Stunde Zeit am Tag dafür zu finden. Sobald ich wieder unter Leute darf und auch wieder für die get shorties Lesebühne durch die Lande tingele, ändert sich das wieder.

Stephen King – ES

Hello!

Lass uns über Bücher reden. Ich habe „ES“ von Stephen King gelesen und inzwischen auch die Verfilmung gesehen. Also die neue Version von 2017 und 2019. 

Aber zuerst das Buch: Achtung, ich muss spoilern. Falls du das Buch also noch nicht gelesen hast, das aber noch tun willst, dann lass dir das Ende von mir nicht verderben und klick woanders hin. Wenn du es schon kennst, dann diskutier´ mit mir. Sind wir uns einig? Das Buch ist großartig, aber das Ende ist Mist!? Aber der Reihe nach. 

Stephen King kann, meiner Meinung nach, großartige Anfänge schreiben. Wie die Geschichte beginnt, mit dem kleinen Papierboot, das Billy für seinen kleinen Bruder Georgie bastelt, damit der das draussen im Regen, im Rinnstein „in See stechen“ lassen kann. Ich habe das Buch als Hörbuch, gelesen von David Nathan, wochen- und monatelang gehört. Es ist episch. Wenn es die Kombination aus King und Nathan nicht gäbe, man müsste sie erfinden. Das Buch hat allein 7 Hauptfiguren, die Gruppe Kinder rund um Billy, die sich nach Georgies Tod dem ultimativen Bösen stellen (müssen). Aber es gibt auch noch unzählige Nebenfiguren und Schauplätze und Handlungsstränge in alle Richtungen. Wenn mir jemand sagt, dass er die Bücher von Stephen King nicht mag, dann weiß ich genau warum das so ist: Er folgt den einzelnen Geschichten immer bis tief ins Wurzelwerk, alles ist verwoben und gleich wichtig, es gibt viele Figuren und viele Details. Es ist überwältigend, manchmal. Wer solche Dinge, also diese Fülle, nicht zu schätzen weiß oder gar lästig findet, hat hier keine Freude. Während ich ganz gespannt den Brotkrumen folge und mich ins Hexenhaus locken lasse. Ich liebe diese Weite. Ich tauche ab, in diese Welt und meine mich in Derry zu befinden. Ich weiß wie die Straßen heißen, wie es riecht, wer wo wohnt und wenn eine Nebenfigur, in einem dramatischen Augenblick auftaucht, nur um dann im richtigen Moment zu sterben, weil das gerade zur düsteren Stimmung gehört, dann erkenne ich den Kniff den King anwendet, ich zwinkere ihm verschwörerisch zu: Ich hab´s kapiert, Buddy. 

Ich wüsste zu gern, wie er das macht, also ein solch monumentales Werk zu planen, alle Details im Blick zu haben und dann noch das schriftstellerische Können alles zu verbinden, zu entfalten und aufeinander aufbauen zu lassen. Wahnsinn. Da ist also Billy, dessen kleiner Bruder von ES getötet wird. In Derry verschwinden viele Kinder. Das Böse kehrt alle 27 Jahre zurück und mordet, bis es satt ist. Die Gruppe um Billy muss erst zueinander finden. Alle haben ihre eigenen Probleme. Beverly hat einen gewalttätigen Vater, Ben wird vom Schulhof-Tyrann Henry drangsaliert, Eddie wird von seiner Mutter überbehütet, sie alle sind auf ihre Art Verlierer. Am Schluß treffen, fast wie vorbestimmt sieben Kinder aufeinander, die der Welt nur zusammen etwas entgegensetzen können. Jede Figur wird von King eingeführt, mit Backstory und Konflikt und Mangel. Selbst der Ort ist wie ein Charakter. Und die Geschichte entwickelt sich, die Kinder stellen sich dem Bösen, müssen aber, als Erwachsene wieder zurück kehren. Sie haben ES verletzt, nicht getötet. Das Gedächtnis ist eine merkwürdige Sache. So wie die 7 zurück kehren, kommen auch ihre Erinnerungen zurück. 

ES muss sich an die Regeln des Körpers halten, den er bewohnt. Aber er kann das Böse steuern. Einen wie Henry, der schon durch und durch schlecht ist, lenkt ES wie eine Marionette um sein Werk zu tun: Töten. Die Kinder sind erwachsen geworden, die Schlechtigkeit der Welt auch. Beverlys Mann, der ihrem Vater so sehr ähnelt, dass es körperlich weh tut, macht sich auf den Weg nach Derry. Henry bricht aus der Anstalt aus, in die man ihn als Jugendlicher gesteckt hat. Alles Schlechte macht sich auf den Weg. Die Gefahr verdichtet sich, bündelt sich, die Spannung baut sich ja gerade durch die Ahnung auf: Was kommen könnte. 

Ich staune also, wie sich die Geschichte ausbreitet, nach vorn und zurück. Mike, der in Derry geblieben ist und Nachforschungen angestellt hat, über die Zyklen von ES, findet heraus was ES ist und was ES alles angerichtet hat. Er ist das Gedächtnis der ganzen Gruppe und sich bewußt, dass ihre Geschichte praktisch mitten drin anfängt, weil ES schon sehr alt ist, weltfremd und über ein kurzes Menschenleben nur schäbig lacht. Mike forscht in der Vergangenheit. Die Kinder stellen sich ES 1958 und, kein Zufall, 1985 wieder. In einem Zyklus treffen wir den Koch aus „The Shining“ wieder und solche Cameos freuen mich immer ungemein. Jedenfalls. Irgendwo mitten in dem ganzen Schlamassel haben 7 minderjährige Kinder Sex miteinander. Ich verstehe, warum King das so geschrieben hat, und warum dieses „Zusammen“ seiner Meinung nach sein musste. Ich finde es aber unnötig und grenzwertig und ach. Einfach nein. Ihr junges Alter, die ganze Gruppe, ach. Ich verstehe nicht, wie das durch einen Verlag abgesegnet werden konnte. Das da niemand gesagt hat: „Schreib das um, das ist zu krass.“ Es ist also so veröffentlicht worden, und diese Szene ist mein einziges Manko in dieser großen und umfänglichen Lobeshymne. Ich finde den Roman trotzdem großartig und werde ihn nochmals lesen bzw. hören. David Nathan, als Pennywise… kein Film, keine Bilder können mich so gruseln. Der Film hatte Szenen zum fürchten, und ich bleibe trotzdem dabei: David Nathan ist der Mann mit den tausend Stimmen. Er hat mich noch mal ganz anders das Fürchten gelehrt. 

Inzwischen habe ich also auch die Verfilmung gesehen. Stephen King spielt im Film mit und nimmt sich selbst auf die Schippe, was ihn unheimlich sympathisch macht. Ich mag ihn eh, das lässt sich kaum steigern. Aber hier war es nochmal möglich. Der erwachsene Billy ist Schriftsteller geworden und trifft in einem Trödel-Laden auf einen Verkäufer, der ihn für seine Bücher kritisiert. Der Verkäufer (King) sagt also sinngemäß: „Das Buch war toll, nur das Ende ist Mist.“ Und das hört sich Stephen King vermutlich schon seit 30 oder 40 Jahren an. Offensichtlich kann er damit gut umgehen. Im Film wurde das Ende abgewandelt. So, dass es zur Geschichte passt, ohne ihren Sinn zu verhunzen und ohne, dass 7 Teenager Sex miteinander haben müssen. Ich kann mit der Film-Version gut leben. Ich finde sie gut gelungen. Es gibt am Schluß sogar eine Erklärung dafür, warum Stanley sich umgebracht hat. Hätte ich persönlich nicht gebraucht. Aber das war wohl auch ein Punkt, den LeserInnen nicht verstanden haben und worauf man nun, etwa 30 Jahre später reagieren kann. 

So, jetzt du. 


Gefällt es dir hier?

Ich veröffentliche hier Kurzgeschichten, Rezensionen, Miniaturen. Was mich eben umtreibt. Wenn du mich unterstützen möchtest, dann gibt es mehrere Möglichkeiten. Zum Beispiel; kauf (und bewerte) meine Bücher. Jeder Stern zählt. Komm zu den Lesungen der get shorties Lesebühne. Oder versorge mich mit Lese-Stoff, dann kann ich neue Rezensionen schreiben. Literatur leben, lieben, leisten. *it´s the Write thing to do.

Merci mit Knicks.

Nina in Love

Taschenbuch

11,99 €

Lese-Monat März

Mein Lese-Monat März 2021

Für meine Verhältnisse habe ich nicht viel gelesen. Aus Gründen. Ich arbeite viel, stressbedingt ist mir konstant schwindelig und die Gesamtsituation setzt mir zu. Ich will keine Nachrichten mehr gucken, ich habe den Eindruck, dass alle Informationen nur noch ein paar Stunden gültig sind. Dann spielen unsere PolitikerInnen Maßnahmen-Roulette und plagen mich (uns) mit neuen Beschlüssen ohne Sinn und Verstand. Jedenfalls.

Ich höre immer noch „ES“ gelesen von David Nathan. Wenn es die Kombination aus Stephen King und David Nathan nicht gäbe, man müsste sie erfinden. Ganz dringend. Das Buch ist großartig. Selbst, wenn King jetzt auf der Schlußgeraden noch das Ende verkackt, kann ich sagen, dass „ES“ das Potenzial zum Lieblingsbuch hat. Bisher sind auf dieser Pole-Position alle Romane von John Irving, aber dieses Podest wackelt gerade gehörig. Ich hab jetzt einige Sachen von King gelesen bzw. gehört und die ganze Sache wurde besser und besser. Ich meine die Bill-Hodges-Trilogie, als Beispiel. Oder „Das Institut“. Und „Der dunkle Turm“ sowieso. Und meine aktuelle Lektüre ist spannend und vielschichtig. Sie ist komplex und authentisch. Ich staune und bin völlig begeistert wie King diese sieben Persprektiven der Hauptfiguren aufeinander aufbaut und die Geschichte in zwei Handlungssträngen nebeneinander herlaufen lässt: 1958 und 1985 und alles ist verbunden. Und dann noch David Nathan, der Pennywise seine Stimme verleiht. Es ist kein Hörbuch, viel mehr ein Hörspiel. Jeder Charakter hat seine eigene Stimme. Und wenn ich mit dem Buch durch bin, fange ich einfach noch mal von vorne an. ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️

Jedenfalls.

Ich habe nicht viel gemalt oder gedoodelt in letzter Zeit. Der Schwindel, der meine Rübe beherrscht, hat das verhindert. „Wenn mir der Helm kreiselt“, wie wir in meiner Familie dazu sagen, weil von 5 Personen 3 daran leiden, dann dreht sich das Zimmer und auch mein Hirn um die eigene Achse. Allerdings in zwei unterschiedlichen Geschwindigkeiten. Deshalb bin ich auch mit den Draw-with-Rob-Videos nicht auf dem Laufenden. Aufs Handy oder nach unten auf ein Buch zu gucken, macht die Sache schlimmer. Aber ich habe das Activity-Book fertig ausgefüllt. Das Buch ist noch letztes Jahr erschienen, ich glaube, es gibt inzwischen drei oder vier Nachfolge-Bände. Allerdings habe ich hier noch zwei Malen-lernen-Bücher von Kritzelpixel und ein Kreativ-Buch von Sinah Birkner hier. Und ich werde erst die ausmalen, bevor ich wieder was Neues kaufe. Wer meinen Instagram-Feed verfolgt, weiß wie gern ich die kleinen Motive von Rob nach doodle. Ich hatte und habe immer noch viel Spaß mit seinen Videos und fand auch das Buch gelungen. Das Papier ist dick genug um die Übungen im Buch mitzumachen. Da es für Kinder gedacht ist, die ihre fertigen Werke gern an die Kühlschranktür hängen wollen, ist das Papier auch perforiert, damit sich die Seiten leicht heraus trennen lassen. Die Anleitungen sind, wie auch in den Videos schlicht und leicht nachzuvollziehen.

Ich werde ja regelmäßig gefragt, was denn meine Bilde sollen und ob ich anstrebe, meine Bücher irgendwann selbst zu illustrieren, ob ich damit Geld verdienen will. Letzteres Frage klingt immer etwas mitleidvoll, so als ob ich ganz schlechte Chancen hätte, das zu verwirklichen mit meinen Talenten. Ich sehe das so (und das gilt für alle meine Hobbys): Ich mache Sachen. Lesen, malen, puzzeln, Origami falten. Was auch immer. Ich mache sie, weil sie mir Spaß machen. Ich kann nicht genau erklären, warum es mich in bestimmte Richtungen zieht, warum ich mich für Japan interessiere, für Vulkane, für Bonsai-Bäume und Kampfkunst. Ich weiß, dass es so ist, und gebe dem nach. Häkeln finde ich total fad. Kann ich nichts mit anfangen, interessiert mich nicht, daher werde ich es auch nicht lernen. Ich bin wohl nicht zu doof dafür, nur zu wenig interessiert. Unter allen Sportarten, die ich schon ausprobiert habe, und allen Dingen, die ich regelmäßig mache, ist mir Joggen die liebste Bewegungsform. Das bin ich, das kann ich gut. Ich bewege mich, bin an der frischen Luft, gebe meinem Drang mich zu bewegen und meiner inneren Unruhe nach. Aber ich muss an keinem Wettbewerb teilnehmen, ich muss mich nicht mit jemandem messen, ich brauche keine Medaille, ich muss nicht die Beste sein. Weder beim Origami falten, noch beim Joggen und auch nicht beim malen. Ich habe keinen Leistungsdruck, ich mache ihn mir auch nicht. Meine einzige Motivation ist der Spaß an der Sache. Ich muss keine Profession daraus machen, kein Geld verdienen. Wenn ich ein Puzzle zusammen gelegt habe, kommt es am Schluß, wenn ich fertig bin, wieder in die Schachtel. That´s it. Falls es dir ähnlich geht, und du einfach aus Spaß an der Freude malen möchtest, dann empfehle ich herzlich die Videos und Bücher von Rob Biddulph. Einfach so.

Rob Biddulph – Draw with Rob ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️

Erich Kästner hatte Geburtstag. Im Februar. Da habe ich festgestellt, dass mir „Das fliegende Klassenzimmer“ im Regal fehlt. Kästner mag ich seit meiner Kindheit, jetzt habe ich das wieder aufgefrischt. Ich bin überrascht wie akkurat das Buch verfilmt würde, aber das nur am Rande. Kästner hat in seinen Büchern das (für mich) richtige Maß an kindlicher Magie. Eine Welt, in der die Kinder zusammen halten, alles noch eine Art Zauber innehat und ich meine jetzt nicht das Genre Fantasy oder magischen Realismus. Ich meine die Art Geschichte, in der das Gute am Schluss siegt. In diesem Fall, beim fliegenden Klassenzimmer wird es am Schluß kurz kitschig. Das verzeihe ich ihm aber, weil es so gehört. Eine zeitlose, schöne Geschichte über kluge und mutige Freundschaften. ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️

Die Erfindung der Sprache“ erinnert mich ein bisschen an „Was man von hier aus sehen kann.“ Letzteres hat auch Lieblingsbuch-Potenzial. Ich liebe es sehr, habe es mehrfach gelesen (und gehört), kann man auch nachlesen, hier nämlich. Die Geschichte um Adam, der seinen verschwunden Vater sucht, und dessen schrullige Familie hat viel Schönes. Anja Baumheier erklärt ihren LeserInnen, Achtung, das hier ist die Heldenreise und so läuft das ab. Wenn man mit dieser Erzählform vertraut ist, weiß man, was auf einen zukommt. Ich fand die Schrullen von Adam liebenswürdig, als Figur kriegt er und seine Familie mein ganzes Herz. Ich bin selber im Asperger Apektrum, seine Listen und seine Liebe zu bestimmten Zahlen kann ich nachfühlen, vielleicht sogar besser als gut für mich ist. 😉 Mit den Wortkreationen, mit den sehr langen Erfindungen und Neuschöpfungen hatte ich ein bisschen Kummer, aber das ist Geschmackssache, das ist kein wirklich objektiver Kritikpunkt. Einzig das Ende kam mir etwas zu wohlgefällig daher. Das kann ich aber nicht spoilerfrei erklären. Ich hab es gern gelesen, kann es auch herzlich weiter empfehlen, gebe aber aus Gründen nur vier ⭐️⭐️⭐️⭐️.

Lese-Monat Januar

Mein Lese-Monat Januar war sehr Stephen-King-lastig. Ich denke, ich habe schon ein paar Mal erwähnt, das John Irving mein Lieblingsautor und geistiger Mentor ist. Stephen King macht ihm diesen Platz gerade streitig. Noch gewinnt Irving, aber insgesamt bin ich von King schwer beeindruckt. Ich kann noch so viel von ihm lesen, ich habe nie den Eindruck, dass er sich wiederholt. Seine Geschichten gleichen sich nicht, er hat seine Details im Griff, und ich tauche immer wieder völlig in seine Welt(en) ab. Ich glaube King ist ein großer Menschenversteher mit sehr viel Mitgefühl. Anders kann ich mir seine glaubhaften und tollen Charaktere nicht erklären.

Gut, David Nathan als Hörbuchsprecher (der Beste männliche Hörbuchsprecher, meiner Meinung nach) tut da sein Übriges. Ich war gleich heute in der Bücherei und habe mir das nächste Hörbuch ausgeliehen. Ich will ja nicht auf kalten Entzug gesetzt werden, mitten in einer Pandemie. Ich glaube, das ist doof. 😉 Jedenfalls.

Das Buch von Daniel Schreiber habe ich mal aus irgendeiner Bücher-Kiste mitgenommen und auch nur deshalb, weil ich den Namen kannte: Er hat eine Biografie über Susan Sonntag geschrieben. Die habe ich (Asche auf mein Haupt) noch nicht gelesen, kenne aber Texte von Daniel Schreiber und dann dachte ich: Wird schon nicht verkehrt sein, dass Buch mitzunehmen. Nun ist es so: Ich habe mir für 2021 vorgenommen meinen Stapel ungelesener Bücher (kurz SuB) endlich Herr zu werden. das bedeutet, ich muss, statt dauernd neue Bücher zu kaufen, endlich mal die lesen, die ich Zuhause habe. Allerdings habe ich keine Lust mehr Bücher zu lesen, die mich langweilen. Ich möchte ganz klar sagen: Langeweile ist kein Kriterium. Das macht ein Buch nicht schlecht. Es bedeutet nur, dass ich nicht in der Zielgruppe dafür bin. Ich bin wahnsinnig ungeduldig, leide dauernd an Zeitmangel. Früher habe ich mich durch Bücher hindurchgequält, wenn ich dachte, dieses oder jenes sei „Bildung“, das müsse man… bla bla bla. Einen Scheiß muss ich. Im letzten Jahr habe ich sehr viel Stephen King gelesen bzw. gehört, und dabei festgestellt, dass mich kein Einziges seiner Bücher langweilt oder mühevoll zu lesen ist. Da war ich von Seite 1 an mit Begeisterung dabei. Und das hat dazu geführt, dass meine Ungeduld die Oberhand gewonnen hat. Wenn du dir meine Lese-Challenge anschaust, wirst du feststellen, dass die Liste mit den abgebrochenen Büchern (aus welchen Gründen auch immer) schon ziemlich lang ist. Ich lese 10% eines Buches, und wenn es mich dann nicht packt, lege ich es weg. Wie gesagt, das macht das Buch nicht schlecht. Ich habe keine Zeit und auch keine Lust mehr mich abzumühen. Lesen soll Spaß machen. Einen Zugewinn bringen. Ob nun Weltflucht, Input, Spannung oder Trost ist dabei egal. Nur anstrengend darf es nicht sein. Bzw. darf es schon, aber ich will das aktuell halt nicht mehr. Ich habe auch schon „schwere“ Bücher gelesen, die mich herausgefordert haben, die mich aus meiner Komfortzone geschubst haben, das ist alles ok. Aber wenn nichts in mir anklingt auf das geschriebene Wort, nein… dann hab ich keine Geduld mehr. Das war ein langer Prozess und er ist auch noch nicht abgeschlossen. Bei dem Buch von Daniel Schreiber habe ich mehrfach mit mir gehadert. Es ist nicht schlecht geschrieben, und mit seinen Ansichten über Alkoholismus hat er sicher Recht. Ich brauche auch keine Nabelschau oder den schonungslosen Seelen-Striptease eines Ex-Trinkers. Und dennoch, irgendwas fehlte hier. Es war seltsam distanziert, teilweise belehrend und ja sorry… langweilig.

Jedenfalls. Die Bücher, die mich begeistert haben, habe ich auch rezensiert.

In der Wortreich-Anthologie bin ich mit einer Kurzgeschichte vertreten, es wäre seltsam, das Buch zu rezensieren. Ich wollte wissen, was die KollegInnen des BvjA-Stammtisches abgeliefert haben und einige Texte kannte ich schon. Auch wenn ich befangen bin, kann ich das Buch gut weiter empfehlen: Abwechslungsreiche Kurzgeschichten von AutorInnen aus der Region. Support your local writer, gell.

„Der Anschlag“ war sehr, sehr spannend und eine komplexe Zeitreise-Geschichte ganz nach meinem Geschmack. Jake Epping kann (aus Gründen) in der Zeit zurück reisen und versucht das Attentat auf John F. Kennedy zu verhindern. Er landet im Jahr 1958 und muss die Zeit „absitzen“ bis 1963 und wie das Leben so spielt: Es wollen noch mehr Leute gerettet werden. Wer weiß schon auf wen man welchen Einfluß hat? Die Vergangenheit ist aber ziemlich bockig und will sich nicht ändern lassen. Großartig gelesen von David Nathan. 

  • Stephen King – Der Anschlag (Hörbuch, gelesen von David Nathan) ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️
  • Stephen King – Der dunkle Turm Band 2: Der lange Heimweg (Graphic Novel) ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️
  • J. D. Salinger – Der Fänger im Roggen ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️
  • Daniel Schreiber – Nüchtern ⭐️⭐️⭐️
  • Marc Bensch / Joachim Speidel – Wortreich Anthologie ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️
  • Katharina Konte – Zeichnen mit Watercolor Effekt ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️

Lese-Monat Oktober 2020

Lese-Monat Oktober 2020
Mein Lese-Monat Oktober 2020

  • Diana Hillebrand – Heute schon geschrieben? Band 5 ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️
  • Stephen King – Blutige Nachrichten (Hörbuch) ⭐️⭐️⭐️⭐️
  • Nina George – Die Schönheit der Nacht ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️
  • Konzepte -Zeitschrift für Literatur 39/2020 (Link: Konzepte)
  • Qwertz 3/2020 (Link: BvjA)
  • Die Feder Nr. 123 (Link: VS)
  • Bill Watterson – There´s Treasure Everywhere (Calvin and Hobbs #10) ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️
  • Gerard Way & Gabriel Ba – The Umbrella Academy Band 2 / Dallas ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️
  • Steffen Gumpert – Der bleiche Hannes (Graphic Novel) ⭐️⭐️⭐️⭐️
  • Neil Gaiman – Traumjäger ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️ (Link: Rezension)

Lese-Challenge 2020 / GoodReads / Lovelybooks

Fazit:

Nina George hat mich mal wieder am Schlafittchen gepackt. Zuerst kam ich nur mühevoll in die Geschichte rein, ich fand einige Beschreibungen zu blumig. Das liegt aber nicht an der Autorin, sondern an meiner Stimmung. Jeder Roman, vor allem Liebesromane brauchen ja ein gewisses Maß an Kitsch und Schmalz. Ich halte das aber nicht immer gleich gut aus. Als ich mich auf die Geschichte endlich einlassen konnte, also in Stimmung dafür war, habe ich wieder das halbe Buch mit Bleistift unterstrichen. Ja, ich mache solche Dinge: Anmerkungen, ins Buch, aber auch eigene Notizen, wenn mir Passagen gut gefallen, mit Unterstreichungen und allem drum und dran. Ich mag Claire und Julie, und ich mag was Nina George mit mir als Leserin macht. Ertappt, denke ich dann oft. Sie schaut mich an, findet Worte, wo ich keine habe, nur ein Gefühl. Und das ist toll. Das macht Lesen für mich aus. Sich selbst entdecken, ein bisschen besser verstehen, Sprache finden, wo vorher nur Unbestimmtheit war. Großartig.

Wenn ich „Calvin und Hobbes“ irgendwo sehe, dann denke ich an die Peanuts und frage mich jedes Mal, ob das vom Autor so gewollt ist. Nun bekam ich zum ersten Mal einen Band in die Hände. Meine Neugier war noch nie so groß, als das ich mir einen Comic selber gekauft hätte. Keine Ahnung woher diese Vorbehalte kommen, es ist auch egal. Jetzt brauche ich die Gesamtausgabe, ganz klar. Ich liebe Gesamtausgaben, ganz grundsätzlich. Mein innerer Monk feiert dann hart. 😉 Zurück zu Calvin und Hobbes. Ich bin vollumfänglich in der Zielgruppe und zähle mich ab jetzt zu den Fans. Ich liebe den Einfallsreichtum von Calvin (bzw. von Bill Watterson). Allein die Variationen der Schneemänner – ich habe herzlich gelacht. Wegen mir müsste es nicht so brutal zugehen, Calvin kriegt ja entweder von Mo auf die Mütze, Hobbs springt ihn an, oder Sofie (die mich an Lucy erinnert) watscht ihm einen Schneeball ins Gesicht. Er ist faul, aber klug, ängstlich und mutig, er hat einen tollen Sinn für Humor. Mehr davon, bitte.

„Blutige Nachrichten“ besteht aus vier Kurzgeschichten. Das habe ich aber erst beim Hören kapiert. Bei Stephen King, gelesen von David Nathan, mache ich mir nicht die Mühe, den Klappentext zu lesen. Das ist eine Kombi, die für mich immer funktioniert, da muss ich nicht erst nachschauen, ob mich das alles interessiert. Tragisch ist, dass es die Der-dunkle-Turm-Reihe NICHT von David Nathan gelesen gibt. Sonst hätte ich dieses Abenteuer schon LÄNGST erneut angetreten. Das wabert mir schon lange im Hinterkopf herum, diese großartige Reihe nochmal zu lesen oder zu hören. Ich werde mir das Hörbuch wohl zähneknirschend kaufen, auch ohne meinen Lieblingssprecher. Oder soll ich die Graphic Novel kaufen, hm??

Jedenfalls. Holly Gibney. Sie bekam in „Blutige Nachrichten“ eine eigene Kurzgeschichte. Stephen King hat in mehreren Interviews gesagt, dass sie sein Lieblingscharakter sei, und da bin ich ganz bei ihm. Die anderen drei Geschichten waren auch gut, aber eben nicht Holly-gut. Und bei der Gelegenheit habe ich bemerkt, dass ich ein Buch mit ihr verpasst/übersehen habe. „The Outsider“. Ich war in der Bücherei, gleich nachdem ich mit diesem Hörbuch durch war. Gab es – gelesen von David Nathan. 19 Stunden gruseln und mitfiebern. Ach, so ein neuer Lockdown, der kann mir gar nichts. Ich bin versorgt.

Ich hoffe, es geht dir gut.

~Caro