Unendlicher Spaß

Ich war in der Bücherei und habe ein Buch ausgeliehen. Da ich nicht fertig wurde, musste ich die Ausleihzeit um einen Monat verlängern. Ich schaffte es trotzdem nicht und gab es zurück. Monate später starte ich einen neuen Versuch. Ich nahm besagtes Buch aus dem Regal, trug es wieder vor an den Tresen, die Bücherei-Fee scante das gute Stück und rief aus: „Das haben Sie aber schon mal ausgeliehen. Das ist noch gar nicht lange her!“

Datenschutz ist ja so wichtig, ne? Jedenfalls. Diese Geschichte hat jetzt drei Seiten. Die Bücherei-Fee kann also nicht fassen, dass ich ein Buch zwei Mal ausleihe, angesichts der enormen Auswahl in der Bücherei von Hintertupfeldingen. Sie schaut mich an, nicht mal vorwurfsvoll, aber doch herausfordernd: „Wolle Sie nicht doch lieber ein anderes Buch?“

Auf der anderen Seite des Tresens stehe ich und hadere mit mir. Ich will nicht zugeben, dass dieses Buch eine Herausforderung ist. Nicht zeitlich, sondern inhaltlich. Dass ich es nur deshalb noch mal ausleihe, weil ich das blöde Ding schaffen will. Also lesen, insgesamt von vorne bis hinten. Kann ja nicht sein, dass ein Roman mich kleinkriegt. Ich bin doch… keine Ahnung, was ich bin. Leserin. Mehr Auszeichnungen habe ich nicht. 

Und du bist jetzt der/die Dritte im Bunde, du willst bestimmt wissen um welches Buch es geht, was uns hier zusammen führt: „Unendlicher Spaß“ von David Foster Wallace. Es macht nicht so viel Spaß, wie der Titel vermuten lässt. Ich lüge, mehr schlecht als recht: „Das war so gut, das will ich nochmal lesen!“ Zwinki Zwonki. 

Die Bücherei-Fee händigt mir den Wälzer aus, traurig und wiederwillig. „Wir haben doch neue Sachen, gleich da drüben, schauen Sie doch, die die sind so neu, die waren noch nirgends zuhause!“, sagt ihr Blick. Das verstehe ich ja auch. Ich hänge der Vorstellung nach, dass Bücher in der Bücherei ganz dringend raus wollen, ausgeliehen werden, kurz mal irgendwo zuhause sein – wie auf Wohlfühl-Urlaub. Vermutlich war der „Unendliche Spaß“ auch noch nirgends, jedenfalls nicht bis zum Schluß. Meine Vermutung, keine Tatsache. Der Datenschutz gibt das nicht her, das brauche ich gar nicht zu fragen. Und vermutlich lügen die anderen genauso so wie ich. 

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