Caro beantwortet Suchanfragen #2

Es ist wieder ein Monat um (die verflixte Zeit rast nur so dahin) und ich beantworte wieder mal eure Suchanfragen.

  • Superbuch Seite 1: Ich liebe Notizbücher. In allen Farben, Größen und Variationen. Ich schaue regelmässig, nach Blogartikeln und Optimierungsmöglichkeiten. Mal gestalte ich die Seiten selber, manchmal mag ich es, wenn gewissen Dinge schon vorgegeben sind. Lesebändchen, Seitenzahlen, Inhaltsverzeichnis. In der Vergangenheit habe ich schon manches Mal davon berichtet. Zum Beispiel über das Superbuch und über das Ideenbuch. Zwei sehr unterschiedliche Herangehensweisen. Beide sehr schick.
  • Carolin Emcke: Ich habe vor einiger Zeit ihre Kolumnen in der Süddeutschen Zeitung entdeckt und dann ging mir auf, dass „Wie wir begehren“ auf meinem SUB liegt. Das habe ich prompt gelesen und für gut befunden. Danach habe ich mal eine Google-Suche gestartet und bin dabei auf Beiträge wie diesen [Link: Vimeo] gestoßen. Egal in welcher Form, Video, Kolumne, Buch, mich begeistert ihre kluge, unaufgeregte Art. „Gegen den Hass“ habe ich schon vorbestellt.
  • Thriller ohne Ermittler: Ich lese kaum Thriller. Ich mag das Genre einfach nicht. Der letzte Thriller, den ich gelesen habe, war tatsächlich einer ohne Ermittler. Blut an der Wand. Hervorragendes Psychogramm von Edith M. Senkel. Trotz meiner Abneigung gegen das Genre, hat mir dieses Buch sehr gut gefallen. Vielleicht deshalb, weil diese Geschichte nicht dem klassischen Mord bzw. dem Zweikampf ´Ermittler gegen Täter´ folgt.
  • Leotrim: Jab, immer noch ich. „Das Drachenvolk von Leotrim“ ist mein Werk. Ich stecke gedanklich gerade mitten in Band 3. Ich nehme die Verantwortung, die mit dem Abschluss der Reihe verbunden ist, sehr ernst. Ich hasse es, wenn ich ein Buch lese (das mir gefällt) und der Autor/die Autorin lässt Handlungsstränge ins Leere laufen oder beendet sie nur unzureichend. Da ist das nicht leiden kann, bemühe ich mich, das bei meiner Geschichte zu vermeiden. Das Ende für die Hauptfiguren habe ich schon fertig gestellt. Aber auch alle Nebenfiguren bekommen ihr Ende. Versprochen.
  • Richard David Precht neue Freundin: Ich habe keine Ahnung ob Richard David Precht eine neue Freundin hat. Ich bin kein Klatsch-Magazin. Sorry. Da es mich nicht die Bohne interessiert, ergoogle ich das auch nicht. Ich war mal bei einem Vortrag über Moral, das war sehr spannend. Hier nachzulesen. 

Die Geräusche meiner Kindheit

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Frühmorgens, wenn sich das erste Licht durch die Ritzen des Rolladens drückte, hörte ich im Halbschlaf, und das auch nur, wenn der Wind mitspielte, in der Ferne den ersten Güterzug des Tages rattern. Ein beruhigendes, wohliges Geräusch. Dabei hatte ich nie Fernweh, saß keinen Tag meines Lebens so früh in einem Zug irgendwohin. Ich lag im Bett, zog die Decke hoch bis an die Nasenspitze und schlief wieder ein.

Inspiration der Erinnerung.

Gelesen: Carolin Emcke hat über die Geräusche ihrer Kindheit geschrieben: Link.

Da bin ich wieder

Ich habe eine kleine Blog-Pause eingelegt, weil ich so mit meinem Lektorat beschäftigt war. Am 1. April (kein Scherz) erscheint Band 2 meiner Saga „Das Drachenvolk von Leotrim“ und bis dahin ist noch einiges zu tun. Der Weg bis hier hin war anstrengend, ich glaube ich habe noch für keinen Text so hart gearbeitet wie für diesen. Gleichzeitig hatte ich aber auch einen riesen Spaß an der Sache. Immer wieder dachte ich ganz glückselig: Ja, das ist es, was ich machen will. Nun kümmere ich mich mit meiner Lektorin um den Feinschliff und ich bin echt gespannt, was die Leserinnen und Leser zu Band 2 sagen werden. Da ich so viel Zeit mit Schreiben verbracht habe, hatte ich kaum Zeit zu lesen. Meine Lese-Challenge habe ich aktualisiert, es sind wieder neue Bücher dazu gekommen, aber ich hatte nur Zeit eines zu lesen: „Wie wir begehren“ von Carolin Emcke.

Ich habe vor einiger Zeit ihren Kolumnen in der Süddeutschen Zeitung entdeckt und gedacht:

Hoppla, von der liegt doch ein Buch auf meinem SUB.

Gesucht, gefunden, gelesen. Mich begeistert ihre kluge, unaufgeregte Schreibweise – in den Kolumnen und im Buch. In „Wie wir begehren“ beschreibt sie ihren sexuellen Werdegang. Da ist die Musik und das Begehren – was bei ihr ganz eng miteinander verknüpft ist. Sie schreibt die meiste Zeit in Wir-Form und bringt es doch fertig ganz nah bei sich zu bleiben, sie erzählt von sich und den Mitschülern, dem Großwerden, von den Gemeinsamkeiten und bald auch von den Unterschieden. Daniel ist anders, so wie sie. Doch während sie ihre Sexualität entdeckt und hineinwächst in dieses Anders sein, geht er daran kaputt, er begeht Selbstmord. Sie handelt die Schuld aus, die sie selbst, die andere daran tragen, fragt nach der Sprachlosigkeit, die zwischen ihnen geherrscht hat und den Gründen dafür. „Wie wir begehren“ ist ein intimer Einblick in die Jugend von Carolin Emcke, ihr Leben, das von Daniel, ohne platt oder vulgär zu werden.

In vielen Situationen habe ich mich wiedererkannt bzw. meine Schulzeit. Die Hierarchien sind doch immer dieselben, zu jeder Zeit, in jeder Schule. Da braucht es nicht mal Homosexualität. Rote Haare oder ein mädchenhaftes Lachen reichen schon um jemanden als Opfer in die Mitte zu stellen und ihn zu schikanieren. Ich nehme mich da nicht aus. Ich erinnere mich an so einiges, was ich während meiner Schulzeit gesagt und getan habe – worauf ich wirklich nicht stolz bin. Auch deshalb wird das Buch und die Geschichte um Daniel noch etwas in mir nachklingen.

Als nächstes werde ich endlich den zehnten Band der Sandman-Reihe lesen. Ach, und von Olivia Warta möchte ich dir noch erzählen. Ich mag ihren Tumblr-Blog Freitag-ist-rosa sehr gerne, lese da regelmäßig ihre Gedichte und Haikus. Neulich hat sie ein Wandergedicht verlost. Ich habe die Verlosung nur per Zufall mitbekommen und dann prompt gewonnen. Nun hängt eins ihrer Gedichte gerahmt in meinem Wohnzimmer. Es ist so schön.

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„Wellengang“ habe ich schon gelesen, „Hundertneunzehn“ habe ich noch vor mir. Ihre Gedichte haben eine enorme Sprach- und Bildgewalt, sie hat den Sound. Du weißt schon, diesen einzigartigen Sound. Jeder Autor, der seine eigene Stimme gefunden hat und eine Geschichte oder ein Gedicht nur auf diese einmalige Art erzählen kann, die seiner Stimme eigen ist, hat ihn. Diesen Sound, an dem man seinen Lieblingsautor, seine Lieblingsautorin aus hundert fremden Texten raus lesen kann.

Hinzu kommt, dass ich oft an Meerweh leide. Vielleicht kennst du das. Dieses Bedürfnis, das Meer zu sehen, das Salz zu schmecken, das Rauschen zu hören, einfach hinauszublicken und nichts zu müssen. Ein Blick in das Büchlein „Wellengang“ kommt dem ziemlich nahe. Ein Pflaster auf Sehnsuchts-Wunden.

Meine Empfehlung!