Haul im März

Ich war in der Buchhandlung meines Vertrauens, dann in der örtlichen Bücherei und schließlich noch beim Bücher-Flohmarkt. Und jetzt ist auf dem Foto gar nicht alles drauf, was ich diesen Monat mit nach Hause getragen habe. Drei der Bücher, die auf dem Bild zu sehen sind, habe ich obendrein beim BvjA-Stammtisch in Tübingen getauscht. Wir haben hitzig über Schreibratgeber diskutiert und ich war ganz erstaunt über das, was da zutage kam. Aber der Reihe nach.

Ganz oben, da siehst du einen Roman von Rosamunde Pilcher. Die ist vor kurzem verstorben und ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich noch keinen ihrer Romane gelesen habe. Das will ich jetzt ändern. Ich stand vor einer Kiste mit Pilcher-Liebesromanen. Kisten auf Flohmärkten haben ja sowas von Ramsch. Schade eigentlich, ich habe in solchen Kisten schon manchen Schatz gefunden. Und seit ich selbst einen Liebesroman geschrieben habe, werde ich mit einem interessanten Phänomen konfrontiert. Es ist völlig egal was IN dem Buch drin steht. In meinem oder in den Büchern von anderen Autor*Innen. Menschen haben ihre Meinung zu Qualität und Wertigkeit eines Romans. Am Beispiel von Rosamunde Pilcher: „So ein Kitsch. Aber die Filmaufnahmen sind immer so schön!“

Ich weiß nicht genau woher das kommt. Bei einem Krimi ist die Wertigkeit der Unterhaltung eine andere. Ich persönlich lese/sehe lieber eine nette Geschichte, die mich anrührt, als Mord und Totschlag. Aber das ist Geschmackssache. Chick-Lit. Den Begriff habe ich inzwischen oft gehört. Da steckt viel Wertigkeit drin oder eben nicht drin. Hühner-Literatur. Und dann noch: Ein Buch über Befindlichkeiten.

Ich will den Roman von Rosamunde Pilcher lesen und mir selbst ein Bild machen, damit ich mitreden und mitbewerten kann. Man kommt ja nicht drum rum. 😉

#Kurt von Sarah Kuttner habe ich inzwischen gelesen. Ein Buch über Befindlichkeiten. Diesen Ausdruck las ich irgendwo, in einem Interview oder einer Besprechung, es ist auch egal. Ich habe beschloßen diese Beschreibung völlig neutral anzunehmen. Das Buch selbst habe ich inzwischen gelesen, in einem Rutsch und Dreiviertel davon mit Pipi in den Augen. Meine Befindlichkeiten waren arg mitgenommen, aber die Geschichte, die Leichtigkeit trotz des schweren Themas waren genau das, was ich gebraucht habe. Ganz wunderbar!

Da ich die Polly-and-the-Puffin-Reihe so sehr mag, musste ich jetzt auch mal ein Buch der Autorin kaufen, dass für Erwachsene gedacht ist. Auch eine Liebesgeschichte. Yeah. #JennyColgan

Harry Quebert habe ich abgebrochen, ich bin nicht in der Zielgruppe.

Und die Schreibratgeber habe ich, wie schon gesagt, beim BvjA Stammtisch getauscht. Vier Leute brachten je einen großen Stapel Bücher mit. Ich nicht, ich war faul. Und nur zwei Bücher waren doppelt da. Allein das fand ich erstaunlich. Ich habe erwartet, dass wir nur eine kleine Auswahl haben würden, weil alle die gleiche Lektüre zum Thema Schreiben gekauft hätten. Haben wir aber nicht. Und jeder guckt ganz anders in so ein Buch rein, obwohl wir in der gleichen Zielgruppe sind. Die einen mögen einen Lexikon-Charakter zum nachschlagen, andere ausschweifende, fast literarische Erklärungen. Ich zum Beispiel stehe auf Übungen. Für mich ist das völlig logisch: Wenn ich Klavier lernen will, muss ich jede Woche ein paar Stunden mit üben verbringen. Schach spielen, tanzen, Mathe. Es ist egal. Üben bedeutet lernen. Lernen bedeutet Fehler zu machen. Und ich brauche einen sicheren Ort um Fehler machen zu dürfen. Die anderen waren anderer Meinung. Es klang so, als wäre jeder Text für die Öffentlichkeit geeignet. Schreiben, überarbeiten, veröffentlichen.

Wenn ich darüber nachdenke, wie viele Texte in meinen Notizbüchern und auf meiner Festplatte sind, die ich nie jemandem gezeigt habe, die nie das Licht der Welt erblickt haben… es ist gut so. Ich bin seit Jahren mit der get shorties Lesebühne unterwegs. Schreibe für jeden Auftritt eine neue Kurzgeschichte. Manchmal passt das auf Anhieb. Andere lese ich, Gags verrecken, und ich überarbeite, zwei oder gar drei Mal, bis es passt. Ich lerne, aber ich scheitere auch vor Publikum. Ich lerne viel. Vielleicht habe ich von den Auftritten mehr als das Publikum.

Aktuell befasse ich mich auch damit das Zeichnen zu lernen. Ich probiere verschiedene Materialen und Motive aus. Aquarell, Acryl, Tusche. Wer auf Anhieb ein Meisterwerk schafft, ist wohl ein Genie. Ich bin keins. Ich muss üben.

Fazit: Ich finde, man müsste die Zeit zum lesen der Bücher, dazu kaufen können.

Stay tuned.

Literatur-Coach?

Caro und wie sie die Welt sieht

Gelesen: «Sex und Leidenschaft gehören zusammen. Liebe ist etwas für sich»

Interview mit Elke Heidenreich

Ich bin in einem Haus aufgewachsen, in dem nicht gelesen wurde. Musik war auch kein Thema. Ich erinnere mich an Roy Black und die Kelly Family auf langen Autofahrten. 1995 entstand bei uns im Ort eine winzige Bücherei. Vorher war in dem Raum ein Schuhladen drin. Also ein Laden, wo man seine Schuhe reparieren lässt, denn neue kauft. Es gab also ein Schaufenster zur Straße hin und eine Tür mit Glöckchen.

Ich bin an dem einen Regal, das den Raum beherrschte, vorbei gestreift, mit dem Zeigefinger auf den Buchrücken. Meine Finger und die Bücher machten so ein schabendes, leises Tap Tap Tap, so wie man an einem Gartenzaun vorbei geht und jede einzelne Latte berührt. Ich stand auf dem Regal, tatsächlich, nicht sprichwörtlich. Unten waren Schubladen, die lugten so hervor, dass ich drauf stehen und gehen konnte. Einmal den länglichen Raum zum Fenster hin und wieder zurück. Und nur wenn ich da drauf stand, konnte ich sehen, was im obersten Regalfach für Bücher standen. Da war ich also auf der Suche nach meinem ersten Bücherei-Buch. Die Masse erschlug mich fast. Ich wusste nicht, wo ich anfangen sollte.

Vorn an der Tür, hinter der alten Theke des Schuladens, saß ein Junge aus meiner Schule, der hatte die Aufsicht. Er war ein bisschen pummelig, hatte lockig-wilde Haare und blühende Pickel. So, wie man eben aussieht mit 16. Er hat mir meinen Ausweis ausgestellt. Mit seiner schludrigen Handschrift schrieb er meinen Namen auf den Ausweis und eine Nummer. Die war dreistellig, aber ich erinnere mich nicht mehr genau.

So fing das an, mit den Büchern und mir. Der Junge sagte, ich dürfte die Bücher 30 Tage ausleihen. Also habe ich irgendwas mitgenommen und sie exakt 30 Tage behalten. Obwohl ich sie schon nach wenigen Tagen gelesen hatte. Ich dachte, da gibt es eine Regelung, an die man sich zu halten habe. 30 Tage später habe ich neue Bücher mitgenommen, so viele wie ich tragen konnte, in meinem Schulranzen. Eigentlich waren sie alt. Sie rochen muffig und die Schrift war winzig, und die Bücher sahen so aus, als wären sie älter als meine Oma. Aber es waren neue Bücher für mich. Neue Geschichten. Neue Welten.

Damals wie heute denke ich, in der Musik und der Literatur gibt es so viel zu entdecken. Ich hätte gern jemanden, der mich da durchführt. Schritt für Schritt. Naiv wie ich bin, glaube ich noch immer, dass es da einen gelben Weg gibt, dem ich folgen kann in meine literarische Heimat. Wenn ich Interviews sie dieses lese, frage ich mich kurz, ob man Elke Heidenreich mieten kann, als Literaturchoach.

Und bis ich einen Coach gefunden habe, lese ich, so wie ich früher Memory gespielt habe. Ich habe keine Ahnung, was sich hinter den Deckeln verbirgt, ich hoffe einfach, dass die Dinge, die ich aufdecke, zu mir passen.

~Caro

In der Bücherei

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Gestern waren wir „shorties“ in der Stadtbibliothek Heilbronn. Ich kam zu spät. Aus Grünen. Das nervt mich immer sehr. Ihr habt alle solche Freunde, die zehn Minuten vor der Verabredung klingeln, während du noch tausend Dinge machen willst. Tja, ich bin so jemand und ich sage in diese hektische Geschäftigkeit gern: Hallo. Ich bin da. Der Rest ist mir ziemlich egal. Ich bin dann entspannt und du nicht. 🙂

Gestern klappte das also nicht. Ich schlich mich in die letzte Reihe, dort konnte ich schauen; was machen sie denn, die Zuhörer? Sie lachen. Schön. Aber sie tun es ganz leise, versteckt. Wir haben das alle Mal gelernt. In der Bücherei wird net g´schwäzt. Und auf keinen Fall gelacht. Jedenfalls nicht laut. Irgendwoher kam, als wir Kinder waren, immer ein ermahnendes „Pscht“. Das Kind in mir will deswegen immer noch die Zunge raus strecken und irgendein Buch besonders laut zuklappen.

Ich müsste mal wieder mein Notizbuch schnappen und in der Bücherei arbeiten, die Ruhe und Ernsthaftigkeit dieses Ortes in den Text einfließen lassen und dabei ein ungehorsames Kind sein, das Juhui-brüllend durchs Gebäude rennt; „Bücher – so viel Bücher!“ Und dann verstecke ich „Ein unendlicher Spaß“ bei den Sachbüchern, und Pipi Langstrumpf bei den Schulaufgaben, das ist Allgemeinbildung, Freunde. Ich mache die Angestellten ganz verrückt. 🙂

Wenn es ruhig ist, will ich laut sein. Das ist so in mir. An Orten wo es laut ist, bin ich ganz leise und gucke. Keine Ahnung, was da in meiner Erziehung falsch gelaufen ist.

Und einem Puck gleich flüstere ich euch ins Ohr: Lach mal wieder. Laut und wunderbar. Nur Mut.

Das wird super.

Heute sind wir übrigens in der Stadtbibliothek Göppingen. 20 Uhr.

 

In der Bücherei

Manchmal fühle ich mich, als wäre ich wieder elf Jahre alt und in der Bücherei, wie ich sehnsüchtig zum Regal „Ab 13 Jahre“ hinüber schiele und so tue, als wäre ich schon erwachsen. Fehlte doch nicht mehr viel, damals. Zwei Körbchengrößen oder so.

Alles andere ist doch schon alt an mir, einschließlich meiner Seele.

Ich stelle mir heute vor wie ich mutig nach einem Roman greife, Kuschel Rock, oder irgend so was, etwas womit sich 13-jährige eben beschäftigen. Erwachsenenkram wie Liebe und AIDS und der Sinn von Atomkraftwerken. Gewichtige Sachen.

Ich hab mich aber nicht getraut, mit elf. Ich dachte ernsthaft, es gäbe ein Alarmsystem in der Bücherei; wozu sind denn sonst die Schilder da, ab soundviel Jahren, Thema undsoweiter; wo was steht, wer was ausleihen darf? Die Angst erwischt zu werden war so groß, dass ich nur schaute, nie getestet habe, ob ich damit durchkäme, aus der Bücherei raus käme, mit einem Buch ab 13, trotz der alten, ängstlichen Seele. Die Schande, das Alarmsystem auszulösen, mit Sirenen und wütenden Bibliotheksfrauen konfrontiert zu werden und gestehen zu müssen, für diesen Buch bin ich noch nicht alt genug, noch nicht reif genug, womöglich nicht schlau genug, war zu viel für mich.

Ich fühle mich heute wie 18. Ich bin keine 18 mehr und ich weiß, mit 18 war ich anders. Ganz anders. Wie kann man sich wie 18 fühlen und genau wissen, so nie gewesen zu sein, heute nicht und damals auch nicht? Es liegen 15 Jahre dazwischen. Der Grund eines ganzen Meeres. Tiefe Enttäuschungen, gescheiterter Wille. Und doch; Naiv, leichtgläubig, mehr als damals. Ertrunken bin ich nicht.

Ich leihe mir heute keine Bücher ab 13 mehr aus. Zu alt bin ich dafür nicht, nicht nach dem Gefühl. Es steht zumindest nicht auf einem der Schildchen. „bis 16 Jahre“ oder so. Aber man kann ja nie wissen; der Zorn einer Bibliotheksfrau ist unberechenbar.