Carmens Bücherfreunde

Carmen von Carmens Bücherfreunde hat ein Interview mit mir geführt, im Zuge ihrer Blog-Themenwoche „Starke Frauen“. Und das möchte ich auch hier teilen, für diejenigen, die sich nicht bei FB herum treiben. Soll es ja noch geben. 😉

Carmen: Heute ist mein Gast Carolin M. Hafen. Hallo Carolin. Schön das du Zeit für mich hast. Da du ja zum ersten Mal mein Gast bist möchte ich dich bitten dich erst einmal vorzustellen

Carolin: Hallöli, mein Name ist Carolin M. Hafen, ich bin unter anderem Autorin und schreibe All-Age Fantasy, Liebesgeschichten und Kabarett.

Carmen: Das ist ja eine interessante Mischung, in unserem Themenbuch geht es ja um gleich 2 Liebesgeschichten. Wie bist du auf die Idee gekommen?

Carolin: Grundsätzlich halte ich mich an den Ratschlag: Schreib das, was du selber gerne lesen möchtest. Nehmen wir Nina, eine meiner Hauptfiguren als Beispiel. Sie ist extrovertiert, laut und quirlig. Im Roman nimmt die Romanze nicht so viel Raum ein, wie man bei einem Liebesroman vermuten würde. Ich wollte eine Geschichte erzählen, in der die Figur erst mal alle „Baustellen“ bearbeiten muss um überhaupt für die Liebe bereit zu sein. In den Romanen, die ich bisher gelesen habe, wird das gern dargestellt, als wäre es selbstverständlich überhaupt lieben zu können. Die Hindernisse sind oft andere. Ich habe vermisst, dass auch mal jemand hingeht und sagt: Wie geht das überhaupt? Die eigentliche Liebesgeschichte fängt erst an, als Nina sich selber „aufgeräumt“ hat. Ich hätte sowas gerne als junge Erwachsene gelesen.

Carmen: Ja die beiden Geschichten sind Klasse und sowohl Nina als auch London sind interessante Persönlichkeiten die ich auf jeden Fall unter der Kategorie starke Frauen führen würde. Welche Eigenschaften verbindest du mit starken Frauen und würdest du dich selbst als eine bezeichnen?

Carolin: Puh, das ist eine sehr komplexe Frage. Sie impliziert, dass es schwache Frauen gibt. Und das Schwäche etwas schlechtes ist. Meine Oma war schwer kriegstraumatisiert. Sie hat viele, schreckliche Dinge überlebt. Das machte aus ihr eine sehr harte Frau, im Sinne von „Ich muss aus dir alles Weiche heraus prügeln, damit du nie so leiden musst wie ich und mit allen Widrigkeiten des Lebens zurecht kommst.“ Stark bedeutete hart, und Härte bedeutete bloß keine Gefühlsduselei.

In meinen Romanen wünscht sich London einen Schutzumhang, was verständlich ist, wenn man die Geschichte liest. Und Nina imaginiert einen Helden, mit Umhang und Herz auf der Brust, dessen Superkraft „Verzeihen“ ist. Und ich bin überzeugt, dass das eine Superkraft ist, wenn man das kann. Auf jemanden zugehen, verzeihen, die Hand reichen… all diese Dinge. Ich glaube, dass jeder Mensch auf seine Weise stark ist und das Schwäche zulassen, nichts Schlechtes ist.

Momentan gestaltet sich die Welt ja oft so: Frauen sollen in der Männerwelt bestehen, ohne ihre Weiblichkeit zu verlieren. Also stark und taff und unerschütterlich. Während Männer bittedanke ja schon stark sein sollen, dabei verständnisvoll, nicht weibisch. Das ist jetzt sehr kurz und überspitzt formuliert. Ich wünsche mir eine Welt in der Frauen Schweißerinnen werden können, wenn sie mögen. Von mir aus mit pinkfarben Visier. Und Männer können Kindergärtner werden ohne blöde Kommentare und schiefe Blicke. Das eine ist wichtig so wie das andere. Und wenn wir einander einfach so sein lassen in unseren Eigenarten, also im Charakter und in unserer Vielfältigkeit, dann müssen wir wohl irgendwann keine Gespräche mehr über starke Frauen führen. Wir wären Menschen. Mit Stärken, Schwächen, in all unserer Ambivalenz. Und es wäre ok.

Aber ich habe deine Frage nicht wirklich beantwortet. Ja, ich sehe mich als starke Frau. Ich verbinde mit Stärke ein Umgehen können mit schwierigen Situationen. Aufstehen, wenn nötig, neue Pläne machen, umdenken, neu anfangen, Humor hilft meistens. Und: Dinge in Einklang bringen. Im Job, daheim, dazu gehört Stärke, und an manchen Stellen Weichheit.

Carmen: Eine tolle Beschreibung und du hast mehr als recht. Dann kommen wir doch zurück zu den Büchern. Wie steht es mit den Handlungsorten. Warst du dort oder alles Recherche?

Carolin: Ich war in Stuttgart und in London. Mit der get shorties Lesebühne mache ich seit über zehn Jahren im Großraum Stuttgart Lesungen und bin da viel Unterwegs, das ist schon fast meine zweite Heimat. London ist mein „Happy Place“. Gelebt habe ich dort noch nie, aber vielleicht klappt das ja noch. Mein Traum ist, dort ein Jahr zu verbringen und zu schreiben. Ich kenne also beide Orte gut, aber ich musste doch einiges recherchieren, damit es für den Roman dann passt.

Frag mich was über London, und ich halte dir aus dem Stegreif einen Vortrag und überhäufe dich mit Empfehlungen.

Carmen: Das klingt klasse. Ja ich hatte beim Lesen wirklich den Eindruck vor Ort zu sein. Allerdings war ich noch nie dort. Beim 2. Buch hat ja Nina interessante Mitbewohner. Wie sind die denn entstanden?

Carolin: Ich weiß nicht, ob man AutorIn sein muss um das „Was wäre wen?“ – Spiel zu spielen. Ich mache das sehr gerne. In einer Schreibwerkstatt fragte ein Seminarleiter mal: Was wäre wenn du einen Drachen als Haustier hättest? Aus dieser Schreibaufgabe wurde dann meine Trilogie „Das Drachenvolk von Leotrim„. Die Frage „Was wäre wenn deine Katze sprechen könnte?“ erübrigt sich, weil fast alle Katzenbesitzer überzeugt sind, dass ihre Haustiere sprechen können. In meinem Freundeskreis wird das mit Inbrunst gelebt. Und der Springer? Ich kam über die Formulierung „miteinander Pferde stehen“ drauf. Ich habe als Kind oft mit meinem Vater Schach gespielt. Da ist es für mich nur logisch, dass Nina und London als beste Freundinnen ein Schachfiguren-Pferd stehlen. Tja, und der Hausgeist… keine Ahnung, wo der her kam. Den hat London erfunden. 🙂

Carmen: Ich habe diese Details wirklich am Buch geliebt. Und klar meine Katze spricht auch. Werfen wir einen Blick auf das Cover. Kommt das vom Verlag oder eher von dir?

Carolin: Das hat der Verlag in Auftrag gegeben. Wenn man nicht gerade Selfpublisher ist, hat man als AutorIn kein Mitspracherecht am Cover. Ich habe das Glück, dass der O’Connell Press Verlag mir immer vorab den Entwurf schickt und mein OK einholt. Das ist nicht selbstverständlich.

Carmen: Ja das habe ich öfters gehört, dass viele Verlage dies alleine entscheiden. Dabei ist es, finde ich, sehr wichtig dass es dem Autor auch gefällt. Ich persönlich kann O‘ Connell Press übrigens nur empfehlen, ich habe ja als Blogger schon mit ihnen zusammen gearbeitet. Was können wir denn als nächstes von dir erwarten?

Carolin: Ja, das sehe ich auch so. Wenn da mein Name drauf steht, sollte das Cover mir auch gefallen. Ich arbeite an einer Fortsetzung zu „Das Drachenvolk von Leotrim“. Vermutlich wird der Roman im Frühjahr 2022 erscheinen. Wenn alles so klappt, wie ich möchte.

Und vielleicht darf ich auch irgendwann mal wieder auf Lesungstour mit der get shorties Lesebühne gehen. Dann wären wieder neue Kurzgeschichten fällig. Also gleich nach der Pandemie.

Carmen: Oh das Drachenvolk. Die Reihe hab ich verschlungen. Wie toll da freu ich mich schon sehr darauf. Ja Lesungen und andere öffentliche Veranstaltungen vermissen wir wahrscheinlich alle sehr. Gerade das persönlich Treffen zwischen Autoren und Lesern ist etwas was mir viel bedeutet. Aber irgendwann wird auch das wieder möglich sein. Bevor ich mich jetzt von dir verabschiede habe ich noch eine Schlussaufgabe für dich. Das ist in meinen Interviews schon Tradition und in den Themenwochen bekommt jeder teilnehmende Autor die gleiche passend zur Woche. Nenne mir bitte drei Frauen die dir einfallen wenn du an starke Frauen denkst. Egal ob aus Gegenwart oder Geschichte aus der Literatur oder Film und natürlich möchte ich wissen warum du sie gewählt hast:

Carolin: Oh, was für eine spannende Frage. Da fällt mir als allererstes Hannah Gadsby ein, die ich sehr bewundere. . Ich wollte nicht Comedian werden. Ich wusste nicht, dass es diese Möglichkeit gibt. Im Fernsehen sah ich Frauen wie Gaby Köster. Die war aber so laut und so überdreht, dass ich sie zwar gut und lustig fand, aber nicht als Vorbild ansah, dem ich nacheifern könnte. Also damals waren weibliche Comedians noch eine Seltenheit. Als ich dann Hannah Gadsby entdeckte, (introvertiert, autistisch, leise mit klugem Humor) war es für mich eine riesengroße Sache, endlich mal eine Frau wie sie zu sehen. Vielleicht kennst du den Satz: Man kann nur werden, was man sieht. Wäre eine Frau wie Hannah Gadsby im Fernsehen aufgetreten, als ich 15 war – zumindest glaube ich das – dann hätte das für mich und meinen Werdegang einen großen Unterschied gemacht.

Noch eine Hannah. Hannah Arendt. Ich bemühe mich aktuell alle ihre Bücher zu lesen und ihre Gedanken nachzuvollziehen. Auf YouTube kann man sich alte Interviews mit ihr ansehen. Eine Wohltat: Menschen, die sich unterhalten, sich ausreden lassen, sich nicht ins Wort fallen, reflektieren, was der andere gesagt hat um nachzufragen, ob auch alles verstanden wurde. Ruhig und ohne Geschrei wird da über Wichtiges diskutiert. Auch etwas, dass man heutzutage nirgends mehr im Fernsehen sieht. Ich bewundere ihre klare, analytische Denkweise und und bin sehr froh, dass auf meinem Stapel noch viele Bücher zum entdecken liegen.

Oh, und Frau Nr. 3: Helen McCrory. Großartige Schauspielerin. Mit der würde ich gerne mal einen Kaffee trinken. Ich habe alle ihre Filme und Serien gesehen, aber ich feiere sie am meisten in „Peaky Blinders.“

Carmen: Wundervolle und interessante Antworten. Dann bedanke ich mich für dieses Interview, deine Zeit und die tollen Antworten. Es hat mir sehr viel Freude gemacht

Carolin: Ich danke dir. Mir hat es auch Spaß gemacht!

Liebes-Erklärungen

Liebes-Erklärungen: Jetzt erhältlich!

Lust auf Liebe in allen Facetten – Partnerschaft, Familie, beste Freundinnen …? Dann heißt es zugreifen, denn genau darum geht es hier, auf insgesamt 712 Seiten (beide Taschenbücher gesamt)!

Diese E-Book-Sonderausgabe enthält die Romane ›From Spring to Winter – London in Love‹ und ›Kein Navi für die Liebe – Nina in Love‹ aus der populären Liebesroman-Dilogie ›In Love‹. (Bislang 61 Mal 5 Sterne für die Einzelbände!)

Leserstimmen zu den Einzelbänden:
»Toller Roman, keine Schnulze, aus dem wahren Leben mit Witz und Humor geschrieben.«
»London, die Glücksorte der Stadt, […] das Durchatmen an Orten, die man selbst möglichst schnell kennenlernen möchte.«
»Es ist kein oberflächlicher, pinkfarbener Zuckerwattenroman.«

Band 1: From Spring to Winter – London in Love

Ein emotionaler Roman über die Liebe auf den zweiten Blick. Vor der grandiosen Kulisse Londons.

Betrogen. Gelangweilt. Endstation?
Das will London erst einmal sehen und ergreift die Flucht nach vorn. Sie geht für ein Jahr in die Stadt, der sie ihren Vornamen verdankt. Damit kehrt sie sowohl ihrem treulosen Freund als auch der Enge ihrer schwäbischen Heimat den Rücken.
Neue Stadt, neue berufliche Herausforderung – aber doch bitte keinen neuen Mann! Das hat London jedenfalls nicht auf dem Plan. Die Wunden ihrer letzten Beziehung sind noch zu frisch, sie will nicht wieder verletzt werden. Doch als sie nach einem One-Night-Stand gefragt wird, sieht sie darin die Chance, es ihrem Exfreund heimzuzahlen. Wird die Rechnung aufgehen oder zahlt sie am Ende selbst einen zu hohen Preis?

Band 2: Kein Navi für die Liebe – Nina in Love

Ein Roman über die Qual der Liebe.

Rastlos. Kompliziert. Ewig single?
Nina hört ständig: »Du bist unmöglich, zu laut. Du weißt nicht, was wahre Liebe ist.« Zu allem Überfluss ist ihre beste Freundin nach London gezogen – natürlich frisch verliebt! Nina wird mit einem Mal alles zu eng. Da sind jede Menge Zwänge und Erwartungen, die es ihr verwehren, einfach auszubrechen aus dem tristen Stuttgarter Alltag. Aber damit nicht genug, trägt sie schon lange eine Last mit sich herum, die ihr ganzes Leben bestimmt. Auch die flüchtigen Bekanntschaften über Tinder und Co können sie nicht von diesem Schmerz befreien. Schließlich kassiert sie eine üble Abfuhr und fragt sich: Gibt es für mich noch einen Weg zur Liebe?

Die Einzelbände der Reihe sind auch als Taschenbuch erhältlich.

Where to go Liste; London

Londons ›Where to go‹-Liste

Meine Hauptfigur, London Rosenberger, erlebt eine ganze Menge in dem Jahr, dass sie in der Metropole verbringt. Deshalb habe ich in meinem Roman hinten eine „Where to go“ Liste angefügt. Die beschriebenen orte im Buch habe ich alle besucht und größtenteils hier im Blog auch beschrieben. Nun will ich diese Liste gerne noch mit dir teilen, als Übersicht und Anregung. (Das fällt wohl unter #Werbrung – für die Stadt, nicht fürs Buch 😉 )

JANUAR

Wyndham Theatre, London

FEBRUAR

© cmh_Sky Gardens

MÄRZ

APRIL

MAI

JUNI

  • Trooping the Colour (Geburtstag der Queen)
  • Greenwich + Docklands International Festivals
  • Schach spielen im Park / Holland Park, HydePark

JULI

AUGUST

SEPTEMBER

OKTOBER

NOVEMBER

DEZEMBER

London in Love; Leseprobe

Zugreifen: nur kurze Zeit stark preisreduziert!

Leseprobe #1:

Sie erreichten das Pub ›Princess Louise‹. Kaum drückte London die Tür auf, erschlug sie fast der Lärm, der ihr entgegenkam. Sie hatte einen Tisch reserviert und sie wurden auch gleich von einer Bedienung in den zweiten Stock geführt, wo man ihnen ihren Platz zuwies. Nun kam ihre große Prüfung. Buying a round. Sie musste alle fragen, was sie trinken wollten, und es dann schaffen, diese Bestellung an der Theke aufzugeben, ohne alles zu vergessen oder durcheinanderzubringen. Sie atmete tief durch, hielt in einer Hand ihren Trost-Knopf und mit der anderen kratzte sie sich nachdenklich am Kopf. Sie konnte nur ahnen, wie sehr ihre Stirn einer Kraterlandschaft glich.

»Aufschreiben?«, hatte ihr Vater entsetzt gefragt. »Das kannst du auf keinen Fall machen! Das musst du ohne dein Notizbuch schaffen.«

Wieder war es Bindhi, die wie ein guter Geist neben ihr erschien.

»Merk du dir die Getränke der Frauen und ich mir die der Männer«, flüsterte sie. London nickte dankbar. »Bestell gleich crisps dazu und für dich selbst ein halfpint, dann kannst du mit anstoßen. So ein kleines Gläschen schaffst du, oder?«

»Ist das so offensichtlich?«, fragte London leise zurück.

»Dass du keine Ahnung hast, was du hier tust? Ähm. Ja. Sorry.« Bindhi kicherte und fragte dann die Herren, angefangen bei Mr Smith, was sie gerne hätten. London hörte zu und staunte. Bei Lager und auch bei Ale kam sie noch mit. Alles danach waren nur bedeutungslose Namen. Kronenbourg, J&B, London Pride. Sie war froh, dass sie sich um White Wine Spritzer kümmern konnte, da wusste sie wenigstens, was sie bestellte. Bindhi half, die Bestellung beim Barmann aufzugeben und anschließend alle Getränke und die Chips an den Tisch zu tragen. Selbst Miss Millie ging den Weg zwei Mal, beladen mit Chipstüten und Erdnüssen. Am Schluss saßen sie endlich beieinander, die Anspannung fiel von London ab, jeder hatte etwas vor sich stehen, es war in den meisten Fällen sogar das Richtige, und das Büro Garling, Reuther & Partner stieß mit klirrenden Gläsern auf sie an.

»Schön, dass Sie hier sind«, sagte Mr Smith.

London starrte immer noch auf ihr Glas, als alle anderen schon getrunken hatten und anfingen, die Speisekarte zu studieren.

»Ist das dein erstes Mal?«, fragte Scott und klang ziemlich anzüglich. Er deutete auf ihr Pint. London riss die Augen auf. Ertappt, dachte sie. Partys und auch Bier konnte sie einfach nichts abgewinnen.

»Trink. Trink. Trink!«, feuerte Scott sie an und schlug mit beiden Händen auf den Tisch. Die anderen fielen in seinen Schlachtruf ein, selbst Mr Smith. Nun sollte sie vor den Augen aller ihr erstes englisches Bier trinken?

»Runter mit dem Zeug«, sagte Scott über den Lärm hinweg und hielt ihr sein Glas zum Anstoßen hin.

»Ich hasse erste Male. Erste Male sind immer schrecklich«, murmelte sie vor sich hin, aber die Trink-Rufe wurden eindringlicher und lauter. »Trink, London, trink!«

Sie sah zu Bindhi hin, die drei Plätze von ihr entfernt saß, prostete ihr dankbar zu, eine half pint war nur ein 0,3-Liter-Glas und das musste doch zu schaffen sein. Ohne, dass einem davon schlecht wird, dachte London. Sie setzte vorsichtig zum Trinken an und Scott, der ihr gegenübersaß, drückte ihren Glasboden mit zwei Fingern nach oben. Sachte eigentlich, aber er kommentierte die ganze Angelegenheit mit den Worten: »Nur der erste Schluck ist eklig, danach geht’s eigentlich.« Und er klang wieder so anzüglich. Er sprach eindeutig nicht über Bier. London trank und musste lachen. Alles gleichzeitig, während Scott weiter ihr Glas anhob. Dann hatte sie das Bier in der Nase, musste würgen und spritzte … nein, spuckte das Gesöff über den Tisch. Miss Millie wich mit einem lauten »Huch!« nach hinten aus und brachte sich und ihre Handtasche außer Reichweite. Die Männer lachten lauthals heraus.

»Oh Gott«, prustete London. Der Lärm schwoll noch mehr an. Sie hatte ihr Bier auf dem Tisch verteilt, aber auch auf ihrer Hose und ihrer Bluse. Die Bedienung kam angerannt, erst besorgt, dann vorwurfsvoll wischte sie den Tisch sauber, trocknete sogar mit einem Geschirrtuch Londons Gesicht ab. Die junge Frau hielt ihr das Kinn hoch, London wagte nicht, sich aus dem Griff zu lösen.

»Jetzt sieh dir an, wie du aussiehst!«, schimpfte die Frau. Sie war ein bisschen grob zu London, gleichzeitig war es ein irrsinniger Spaß. Scott wischte sich Lachtränen aus dem Gesicht. Bindhi bestellte derweil eine Weinschorle für London.

»Vielleicht bekommt dir das besser«, sagte sie und konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen.

»Es tut mir so leid«, sagte London. Immer wieder. Mr Smith zog ein Taschentuch aus seiner Hosentasche, tupfte mit spitzen Fingern Biertropfen von seiner Speisekarte und tat so, als wäre das alles völlig normal. Da musste London auch lachen. Losgelöst und erleichtert. Sie merkte plötzlich, wie angespannt sie gewesen war. Nicht nur heute, seit Monaten. Es tat gut, zu lachen. Ihr Bierglas war immer noch halb voll. London hob es an.

Bindhi rief: »Halt!« Alle sahen Bindhi belustigt zu, wie sie einen zusammengefalteten, faustgroßen Stoffballen aus ihrer Handtasche holte. Das Ding verwandelte sich, als Bindhi es auseinanderfaltete, in ein Regencape. Sie zog es sich über wie ein riesiges, gelbes Kondom.

»Ich will auch so ein Ding!«, rief Scott.

Miss Millie rückte mit ihrem Stuhl vom Tisch ab. Die Gruppe brüllte vor Lachen, während Bindhi ganz nüchtern sagte: »Jetzt kannst du!« Und London probierte einen kleinen Schluck.

»Hm«, sagte sie. »Beim zweiten Mal ist es gar nicht so schlecht.« Sie sah Scott an und versuchte, so anzüglich zu klingen wie er vorhin. Er verstand schon, trank sein Bier aus, knallte sein Glas lautstark auf den Tisch und verkündete: »Erster!«

»Oh, das ging ja schnell«, sagte Miss Millie trocken und wagte sich wieder an den Tisch heran. London und Scott sahen sich an und lachten, als hätten sie ein Geheimnis.

Es blieb laut und fröhlich und herzlich. Die Bedienung fragte jedes Mal, wenn sie an den Tisch kam: »Alles noch drin?«

Und Scott fragte: »Ist das dein erstes Mal?«, als sie Fish & Chips bestellte, gefolgt von lautem Johlen der Kollegen. London verdrehte die Augen und sagte: »Hahaha!« Alle hatten ihren Spaß. Das hätte ich mal in der Schule beim Mittagessen machen sollen, vielleicht hätte ich dann leichter Anschluss gefunden, überlegte sie, während sie von ihrer Weißweinschorle nippte.

© O’Connell Press

Infos zum Buch:

Falls du nun gerne ein signiertes Taschenbuch möchtest, so kannst du das hier bei mir bestellen. Ich lege auch eine personalisierte Autogrammkarte als Lesezeichen bei.

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From Spring to Winter: London in Love

Taschenbuch. Auf Wunsch auch signiert.

13,99 €

My happy place

#Freitagsfoto #MyHappyPlace

Wo zieht es dich immer wieder hin? Hast du einen Ort, den du nie satt kriegst?

Ich glaube, ich habe mehrere solcher Orte. Grundsätzlich kann ich prima am Wasser sitzen und nur gucken. Ob das ein See ist oder das Meer, das ist fast egal. Na ja, das Meer ist immer schön, oder? Mich macht Wasser demütig und klein, aber auf gute Art. Ich nehme mich nicht so wichtig, entspanne dabei und denke Dinge wie „Schön ist´s, wenn´s schön ist.“ Oder so. 🙂

Und dann London. Keine Ahnung, was diese Stadt immer mit mir macht. Tee trinken, Scones essen und in meinen Büchern versinken kann ich ja auch zuhause. Warum also folge ich dem Ruf von London immer wieder? Ehrlich, ich weiß es nicht so genau. Meine Kleinstadtseele ist eigentlich ganz zufrieden, auf dem Dreifaltigkeitsberg, mit der schönen Aussicht und den Leuten hier, die freundlich grüßen, weil man das auf dem Land eben so macht. Ich wünschte, Damian Lewis würde mal wieder ein Theaterstück machen, das wäre ein fantastischer Grund um mal wieder rüber zu fliegen, in meine zweite Heimat. „Oh Dear!“

Was bisher geschah

#ThrowbackThursday

Ich habe ein bisschen Schwierigkeiten in mein neues Projekt rein zu finden. Vermutlich geht es anderen Autor*Innen auch so und sie fragen sich „Wie hab ich das denn beim letzten Mal gemacht?“ Mein Gedächtnis läßt mich hier im Stich. Ich weiß, dass ich diesen Salto schon ein paar Mal geschafft habe und bin auch sehr zuversichtlich für die Zukunft. Aber jetzt gerade, da sind die Umstände gegen mich. Und wenn das passiert (das tut es regelmäßig), dann muss ich zurück zum Anfang. Da taucht dann die Frage auf „Warum mach ich das eigentlich?“ und führt zu „Was will ich eigentlich erzählen?“ und Nina, meine aktuelle Protagonistin, sitzt rauchend in einem Café, guckt zum Fenster raus und mault mich an. „Mach dir mal nicht ins Hemd. Das fügt sich schon.“ Sie ist sehr pragmatisch. Jammern hilt ja keinem.

Geduld ist nicht meine Stärke. Die Puzzleteile sind rar und ergeben noch kein ganzes Bild. Ich überlege mit Freunden eine Ferienwohnung zu mieten und in Schreibklausur zu gehen. Vier oder fünf Leute, jeder in einem Eck mit seinem Laptop. Was da wohl bei heraus kommen würde?

Ich habe Dorothea mein Leid geklagt. „Ich habe so viel zu tun, ich weiß nicht wo ich anfangen soll, am Schluß mache ich gar nichts.“

Sie meinte, ich soll eine Liste machen. „Dann ist zwar auch noch nichts geschafft, aber zumindest hast du einen Überblick.“ Es ist ja kein Geheimnis, Listen finde ich super. Und nun habe ich zwei. Was bisher geschah vs. Was noch kommt.

Stay tuned. Ich tu es auch. 🙂

~ Caro

Link-Liste:

Phone Booth Library – London

Ich finde solche öffentlichen Bücherschränke eine tolle Sache. Also ganz grundsätzlich. Weil, die meisten Menschen haben Hemmungen ein Buch weg zu werfen. Und es ist auch Quatsch – wenn sie noch gut erhalten sind und sich zum Tauschen eignen. Hier in meiner Heimatstadt gibt es eine so genannte „Give Box“. Dort kann man gut erhaltene Dinge, die zu Schade zum weg werfen sind, hin bringen. Was ich nicht mehr will, braucht vielleicht ein anderer. Das ist nachhaltig, und nett obendrein. Wenn dann noch, wie hier, eine alte Telefonzelle umfunktioniert wird, ist es doppelt schön. Deshalb musste ich, als ich in London war, die Phone Booth Library aufsuchen, ein Buch hinein stellen und eins mitnehmen. Einfach aus Prinzip.

Warst du auch schon hier?

Kennst du andere Bücherschränke – die du vielleicht sogar nutzt? Hm?

Phone Booth Library Exchange London

Lewisham Way, London SE8 4DL, Vereinigtes Königreich