tbt – Werd´ endlich erwachsen!

Werd´ endlich erwachsen

„Werd‘ doch endlich erwachsen!“, blafft sie mich an. Einen Moment bin ich irritiert. Für eine schlagfertige Antwort dauert das zu lang. Ich bin 32 und überlege, den Bruchteil einer Sekunde lang, ob ich der blöden Kuh meinen Kakao über die Rübe kippen soll. Ich habe noch Zeit zu denken, dass ein Sahnehäubchen auf ihrem weißen Haar bestimmt hübsch aussähe. Schade, dass ich keine Sahne bestellt habe.

Dann habe ich mich wieder. Gedanken, Zorn, Trotz. Ich kippe ihr nichts über dem Kopf. „So erwachsen wie du bist, will ich nie werden“, blaffe ich zurück.

Die Verwandtschaft und diverse Freunde sind zusammen gekommen, um irgendjemanden dazu zu beglückwünschen, dass er ein alter Furz geworden ist. Und ich mitten drin. Die Torten sind Diabetes-tauglich und kunststoffsüß, die Rollatoren stehen in einer Reihe im Flur des Gasthauses. Übergewichtige, vollbusige Frauen bringen Rentnerportionen und kneifen kleine Kinder, auf dem Weg zurück in die Küche, in rotglühende Wangen. Es ist laut, es ist warm, es ist langweilig.

Mir gegenüber sitzt Tante Christa, die ich noch nie leiden konnte. Sie ist einen Kopf kleiner als ich, dürr wie ein zehnjähriges Mädchen, aber so giftig, wie eine Viper.

Christa bestellt eine Mokkasahnetorte und eine Tasse Kaffee. Nicht für sich. Für mich. Ich soll das essen und trinken und sie will mir dabei zuschauen. Ich rufe die Bedienung zurück, ordere Kakao ohne Sahne. Nein danke, keinen Kuchen.

Christa ist empört. Darüber, dass ich ihr diesen kleinen Gefallen nicht tun will, darüber, dass ich in meinem Alter immer noch keinen Kaffee trinke, und es ist nahezu ein Sakrileg die gute Mokkasahnetorte, von Tante Monika, gänzlich abzulehnen. In Tante Christas Universum gibt es keine Mokka-Kostverächter. Die Ironie, dass sie zwar Mokka mag, aber nicht isst, entgeht ihr völlig.

„Werd‘ doch endlich erwachsen“, blafft sie mich daraufhin an.

Wenn Christa sich was gönnt, dann isst sie einen halben Apfel. An einem Tag wie heute, gibt es für sie ein Glas Wasser, ohne Kohlensäure natürlich, und Pilger-Geschichten für alle. Verzicht und Strapazen, das ist ihre Vorstellung von einem guten Leben. Kakao passt da nicht rein. Nicht mal zusehen kann sie.

„Nehmen wir kurz an, es gibt Gott. Und er hat die Schokolade erfunden. Dann ist es doch meine Pflicht als guter Christ, seine Schöpfung zu ehren. Man stelle sich mal vor, am Ende, ganz am Ende, da treffe ich auf einen hutzligen Mann in Jogginghose, der auf einem galaktischen Sofa flätzt, sich das Universum-TV rein zieht, sich am Sack kratzt und mich dann fragt: Wieso hast du ignorante Sau die Schokolade, die ich dir zur Verfügung gestellt habe, verschmäht? Hm?

Was soll ich dann sagen?“

Christa ist entsetzt. Über drei Tische hinweg mault sie meine Mutter an.

Sie fängt mit „Deine Tochter“ an, referiert über das Erwachsen sein ganz allgemein, dann kommt noch was mit „dieses gottlose Kind“ und endet mit „schlecht erzogen“. Das ist meiner Mutter alles nicht neu. Deswegen regt sie sich schon lange nicht mehr auf.

Der Kakao kommt. Obwohl er zu heiß ist, trinke ich einen großen Schluck und wische meinen Kakaobart nicht weg. Christa berührt hektisch ihre Oberlippe. Wischt und zeigt und greift mit der Linken nach ihrer Serviette. Ich bin eindeutig zu alt, um mir das Gesicht mit Spucke und einer Serviette reinigen zu lassen. Das weiß sie auch.

Ich mache „Mhmmm“.

Christa nicht.

Manch ein Onkel fummelt an seinem Hörgerät, meine Mutter tötet mich mit Blicken. Ich empfange die Botschaft „Hör auf damit, die Frau hat eh nicht mehr lang.“ Vermutlich stirbt Tante Christa mal am Hunger, statt an Krebs oder Herzversagen, wie normale Leute. Irgendjemand sagt „Die jungen Leute von heute“, und Tante Christa und ich verdrehen die Augen. Das einzige Mal, dass wir uns einig sind.

Ich atme, laut und hörbar und seufzend, was Tante Christa noch mehr aufregt.

„Was hast du denn jetzt zu schnaufen?“ Danach referiert sie etwa zehn Minuten lang darüber, dass jemand wie ich, der die Entbehrungen des Krieges nicht erlebt hat, auch nichts zu schnaufen hat. Wo kämen wir denn da hin, wenn jeder das Leben an sich schwer nähme? Sie ist 1956 geboren, aber ich sage nichts, nippe nur ein weiteres Mal an meinem schokoladigenen Heißgetränk. Mit kindlicher Freude schiebt mir Onkel Karl das Zuckerdöschen über den Tisch. Ich lasse einen Würfelzucker in Form eines Herzchens in meiner Tasse verschwinden.

„Erwachsen sein wird total überbewertet“, sagt er. Onkel Karl sagt immer nur einen Satz pro Tag, mehr gestattet ihm Christa nicht. Ich lächle ihn an, und freu mich, dass dieser eine Satz mir gegolten hat. Das kommt nur alle paar Jahre vor. Er zwinkert. Christa schnauft.

„Hast du´s schwer, Tante Christa?“, frage ich. Ich bekomme keine Antwort, weil meine (gefühlt) siebzehn rosafarbene Cousinen „Alle Vögel sind schon da“ als Geburtstagsständchen auf der Flöte anstimmen. Gott, bin ich froh, dass ich für den Scheiß zu alt bin.

© Carolin Hafen

Werd endlich erwachsen Illu rot

Werd endlich erwachsen

Taschenbuch. Auf Wunsch auch signiert.

8,00 €

tbt – Radtreff

#Throwbackthursday

Wenn sich circa dreißig erwachsene Menschen in sehr knappen, aber gepolsterten Hosen, hautengen Trikots und Sonnencreme auf der Nase, treffen, dann nennt man so ein Ereignis „Radtreff“. Ich bin, konditionstechnisch, in der Gruppe von Jürgen und Regina gelandet, einem verheiratetem Paar, das schon zweiundzwanzig Jahre auf dem Buckel hat. Ehetechnisch. Wenn man die Ehe mit einer lebenslänglichen Haftstrafe vergleicht, wären beide inzwischen wegen guter Führung entlassen worden.

Er radelt, richtungsweisend, ganz vorne, während sie die Nachhut bildet und so verhindert, dass keiner verloren geht, unterwegs. Falls doch einer schwächelt oder Jürgen ein zu strammes Tempo vorgibt, brüllt sie von hinten:

„Wenn ich ein Mal klingle, fährst du langsamer!“

Er antwortet dann, eloquent wie es nur Männer können:

„Wenn ich zwei Mal klingle, leckst du mich am Arsch“.

Verheiratet zu sein, muss echt toll sein.

Der Rest der Gruppe strampelt, meist schweigend, zwischen den Parteien. Je nachdem, ob die Route ansteigt, oder abfällt, rückt ein Ehegesponst näher an uns heran. Das sieht für Außenstehende dann so aus, als würde sich ein Schäferhund unter seine Herde mischen um einen Plausch abzuhalten. Die Autofahrer hupen uns immer begeistert an, wenn drei Radler nebeneinander herfahren um einer Jürgen-Regina-Geschichte zu lauschen.

Ein Beispiel. Jürgen beschwert sich in Hanglage darüber, dass er kein Nudelsieb beim Kochen benutzen darf. Regina meint, dass müsse nach Gebrauch gespült werden und sei grundsätzlich unnütz. Ein richtiger Mann kann Nudelwasser abgießen ohne Hilfsmittel, sagt Regina. Diese Definition eines richtigen Mannes kannte ich bisher noch nicht, und schlage ihm vor, einen Tennisschläger zu benutzen. Unterstreicht sicher seine Männlichkeit. Hat bei Steffi Graf auch funktioniert.

Man stelle sich die zwei Mal diskutierend im Bett vor. Hui.

Bergab erfahre ich dann von Regina, dass Jürgen beim Crêpes backen zuerst den Schinken und dann den Käse auf den Teig wirft. Sakrileg! Sie meint, jeder Vollidiot würde wissen, dass man das anders herum macht. Auf meinen Einwand (und ja, ich bin ein Klugscheißer!), dass mit Jürgens Methode aber der Schinken nicht trocken werden würde, schaut mich Regina so böse an, dass ich beinahe tot vom Rad falle. War aber nur ein Schachtdeckel, nicht ihre Gedankenmacht.

Neulich sind wir dann noch eingekehrt, nach getanem Sport. Was hat man denn von so einer Leistung, wenn man nicht irgendwo schwitzend und stinkend protzen kann: Seht her, wie Vital ich bin.

Sie legte mir drei eiskalte Finger auf den Oberarm, verschwörerisch, irgendwo zwischen Garderobe und Damentoilette und flüsterte „Das nächste Mal fahr ich nur mit dir alleine“. Mein Schinken-Kommentar muss sie schwer beeindruckt haben.

Er fummelte zum Schluss an seinem Fahrradschloss und sah beschäftigt aus, drehte sich umständlich nach den anderen um, damit ja keiner mitkriegt, dass er zu mir genau dasselbe sagt. Nächstes Mal, nur wir zwei.

Ich fahre inzwischen dienstags mit Jürgen und donnerstags mit Regina. Meine Kondition ist supi, sie sparen sich die Eheberatung und falls du dir Sorgen machst, dass mir mal die Beziehungsgeschichten ausgehen; Niemals! Nicht bei der Quelle.

 

© Text: Carolin Hafen

tbt – Einen dunklen Weg beschreiben

#tbt #throwbackthursday

Einen dunklen Weg beschreiben

Schreibübung. Text von Carolin M. Hafen

Es ist nicht schwer bei Sonnenuntergang zum Grillplatz zu laufen. Man weiß wo was ist, freut sich auf sein Grillwürstle, die Gespräche und sogar auf die albernen Lieder, die später am Lagerfeuer gesungen werden. Erst auf dem Rückweg, nachts wird mir und so manchem meiner Kollegen klar: Es ist finster und der Weg zum Parkplatz zwanzig Minuten weit.

Beim Hinweg ist jedem klar, rechts ist der Wald als große bunte Masse, und links der Rand. Der Randweg, an der Klippe entlang ist durch ein Holzgeländer gesichert, hin und wieder läd eine Holzbank zum Verweilen ein – mit atemberaubendem Ausblick auf unser Städtle. Da und dort wartet ein abgesägter Baumstumpf, in Form eines Stuhls mit Lehne und Plumpsklo-Herzle in der Mitte auf einen müden Wandrer.

Beim Hinweg betrachtet man die Sonne, wie sie ganz kitschig den Horizont küsst und abtaucht für die Nacht. Man sagt, „Oh wie schön, diese Farben“ und hat gar keinen Sinn für die Steine unter den Schuhen, für die Furchen im Weg, ausgespült – auch ganz kitschig – von tausend Himmelstränen die zurück wollen in den Grund. Ach ist das alles idyllisch hier. Man sieht ja alles, jede Stolperfalle, jede Wurzel, die trockenen Blätter, die man durch die Luft kicken kann, als wäre man Ronaldo im Herbstteam. Es ist aber noch gar nicht Herbst, die Blätter rascheln lange nicht so schön wie im Oktober, also lässt man es, und freut sich über den August– der Herbst ist noch weit weg.

Beim Hinweg ist alles schön. Für den Rückweg spart man keine Kraft auf. Wozu? Gesättigt und guter Dinge verlässt man den warmglühenden Schein des Lagerfeuers und stellt fest: Taschenlampe vergessen. Das Feuer wärmt nicht mehr, der Mond hat sich hinter einer Wolke versteckt und grinst hämisch. „Find´ du nur den Weg zurück – ohne mich, Menschlein.“

Die Lichter der Stadt, die Straßenlaternen, die Wohnzimmerlichter, die Autos leuchten so sehr sie können, doch nicht genug, den Berg herauf. Der Kalkstein am Randweg hält alles auf. „Nicht bis hier, kleiner Freund. Neinnein.“ Die Stadt lebt weiter, weit weg, getrennt vom Wald, von diesem Oben, getrennt von der Dunkelheit der Nacht, als stünde eine Glaskuppel wachend über ihr.

Da ist eine Wand aus gelbem Stein, und ich balanciere am obersten Rand, die Dunkelheit zu meiner Linken, wie ein atmendes Monster. Ich spüre den Wald als ein lebendiges Wesen. Die Bäume machen das Dunkel noch dunkler, der Wind in den Wipfeln rauscht wie das Meer, aber nicht beruhigend – ich meine, eine Welle könnte mich über den Rand spülen. Die Furchen im Weg erschweren meinen Heimweg, ich stolpere mehr als ich gehe, fange mich selbst, greife nach dem taunassen Geländer, kalt und spröde ist es unter meinen Fingern. Es hält mich.

Die Kiesel knirschen, springen unter meiner Sohle weg wie ängstliche Hasen. Ich will ihnen gerne folgen. Die Blätter knistern und rascheln wie ein Feuer und laden nicht mehr zum Kicken ein, wer weiß was sich darunter verbirgt? Sie bedecken die Welt, es ist nicht meine, heute Nacht.

Es kommt mir vor als hätte die Nacht Augen, aber nicht der Mann im Mond sieht mir zu wie ich zu meinem Auto eile. Mein Atem ist das einzige Geräusch das ich höre, und mein Herzschlag in meinem Ohr. Vielleicht ist es auch der Puls derer, vor denen ich flüchte? Ich glaube an Bären und Wölfe und Geister der Nacht. Gerne möchte ich mit Gebrüll ins Dunkel laufen – weg vom Rand – und sie fangen, gerne wäre ich dran bei diesem Spiel. Aber es ist nicht meins, heute Nacht. Ich laufe weiter. Ich will ja nicht erwischt werden.

Im Auto atme ich tief durch.

Gewonnen. Diesmal.

Falls du jetzt Lust bekommen hast, diese Übung selbst zu versuchen, dann verlinke mich oder lass mir einen Kommentar da, damit ich deinen Beitrag finde.

Caro

Nina. 2020

Uff. 
Das Manuskript ist fertig. Ich bin fertig. Meine Güte. Das bedeutet mehrere Dinge. Der O’Connell Press Verlag hat jetzt wieder was zu tun. Es gilt aus meinem rohen Geschreibsel ein schönes Buch zu machen. Das bedeutet, im nächsten Jahr gibt es eine Neuerscheinung aus meiner Feder. Und das bedeutet, ich habe den Salto noch mal hin gekriegt. Jedes mal, wenn ich eine neue Geschichte anfange, befallen mich Zweifel. 
Dieses mal schaffe ich das nicht. 
Wie, verdammte Axt, habe ich das die letzten Male hin gekriegt? 
So wie immer: Eine Seite nach der anderen. Satz für Satz.

Freut euch mit mir auf Nina. 2020. 
Das wird super. 
Uff.

tbt – Kino

Einer der Kinosäle war braun. Wände und Sessel, selbst die Lampen an den Wänden gaben schummrig-braunes Licht ab. Der andere Saal, der kleinere, war rot. Die Sessel im roten Saal waren größer, man hatte richtige Beinfreiheit, es war fast gemütlich dort, wenn man statt den Film zu sehen, rum knutschen wollte. Meine Brüder behaupteten, der rote Saal wäre Abends das Porno-Kino. Ich konnte mir das gar nicht vorstellen, dass es in unserem Kaff Menschen geben sollte, die Abends ins Kino gingen um sich einen Sexfilm anzusehen. Gemeinsam. Wie seltsam.

Meine Eltern gingen selten ins Kino. Meine Mutter mochte Schnulzen und mein Vater schnarchte laut, sobald er eingeschlafen war, so blieben sie zuhause. Meine Mutter sah fern, der Vater schlief auf dem Sofa, sie stellte den Ton lauter. So ging das schon.

Mein Vater gab mir Sonntags immer ein Fünf-Mark-Stück. Das war ein großes Stück Geld, schwer in der Hand. Mit zwei davon konnte man auf dem Rummel noch viel erleben, mit einem, am Sonntagmittag einen Film schauen.  Er legte mir dieses Stück Freiheit immer feierlich auf den Handteller, genau in die Mitte, zwinkerte mir zu und sagte: Viel Spaß.

Ich brauchte kein Popcorn, keine Fanta, kein Eis. Nur mein Fahrrad und fünf Mark. Und dann klackte ich der alten Frau hinter der Scheibe mein Geld auf den Tisch. Sie kannte mich, ich sah sie nie lächeln.

Die alten Schaukästen gibt es noch, in denen die Filmposter angepinnt waren. Den Schriftzug über den Schautafeln gibt es auch noch, Rex und Roxy, aber sie leuchten schon viele Jahre nicht mehr, wenn es Dunkel wird. Ich habe gesehen, wie die Besitzer die Bespannung von den Wänden gerissen und die alten Kinosessel zum Sperrmüll an die Straße gestellt haben. Die beiden Räume sind nun Lagerhallen, ganz gewöhnlich. Ich traute mich nicht, einen der Sessel zu nehmen – was hätte ich auch anfangen sollen, mit einem alten rot-abgewetzen Porno-Sessel, der seine besten Tage schon hinter sich hatte, als ich noch ein Kind war.

Ich wünschte, ich hätte ein einziges Fünf-Mark-Stück behalten, nur wegen dem Geräusch, dass es auf einer Tischplatte macht.

Autorenwahnsinn – Sommer Edition – Tag 31

Tag 31: Wie geht es weiter? Was sind deine Schreibziele für den Rest des Jahres?

 

Pläne. Das ist ja eine putzige Sache. Erzähl dem Universum, was du vorhast, und es wir dir einen Strich durch die Rechnung machen. Ich bin ein Listen-Mensch, das bedeutet, ich schreibe in allen Lebenslagen auf, was ich wann tun möchte, oder getan habe, oder niemalsnicht tun will. Ich hab sogar eine Liste, die all meine Listen beinhaltet, Konsequenz ist mir wichtig. Das Problem ist, dass ich mir immer mehr auflade, als ich leisten kann. Oder will. Wie so ein dummes Kamel, dass vor lauter Last nicht los laufen kann, und einfach erschöpft in der Wüste liegen bleibt, was soll der Terz, hier ist es doch hübsch… Muss das alles, wirklich!?

Erschwerend kommt hinzu, dass ich wahnsinnig phlegmatisch bin, und den lieben langen Tag nur auf der Nase liegen möchte… wenn da nicht dauernd jemand was von mir wollen würde. Ich befinde mich gerade in einem Prozess, der ist noch nicht abgeschlossen. Meine To-Do-Liste ist lang und umfangreich, aber am Ende der Kraft ist noch so viel Tag übrig. Menno.

Also muss ich Abstriche machen: Das wichtige Zeug: Ja. Das unwichtige Zeug: Nö.

Die Kunst ist, das eine vom anderen zu unterscheiden. Ich neige dazu, mir die To-Do-Liste picke packe voll zu laden, und dann die leichten, unwichtigen Dinge zuerst zu erledigen, um dann theatralisch zu sagen: „Ich hab ja gar keine Zeit für die wichtigen Dinge, ich armes Ding. Tja, dann bleibt´s halt unerledigt.“

Selbstmitleid, auch so eine putzige Sache. Eins meiner vielen Talente. 😉

Ich möchte also, für den Rest des Jahres, den unwichtigen Kram beiseite legen, nur Sachen machen, auf die ich wirklich Bock habe, und die ich auch schaffen kann. Das bedeutet: Realistische Ziele setzten. Das übe ich derweil. Ich sage dir am Ende des Jahres, wie es gelaufen ist.

 

Der Masterplan:

  1. Realistisches Ziel setzten (ProjektLondon)
  2. Unwichtiges sein lassen (zu viel Internet/Ablenkung/Zeitfresser/Offline Scheißdreck, den ich nicht weiter ausführe)
  3. Dinge tun, die gut für mich sind. (Was ist gut? – ernstes Gespräch mit  Schwester Innerlich!)
  4. — Jetzt lass gut sein, das ist genug.
  5. Huch. Gewohnheit, sorry.

~Caro

 

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Masterplan 2:

  • Alle Listen abarbeiten
  • Literarische Weltherrschaft an mich reißen (Muhahahahah)
  • Opus Magnum schreiben (ich vermute, damit werde ich nicht reich, schade.)
  • Im Lotto gewinnen
  • Haus am Meer kaufen
  • In Rente gehen
  • 25 Tage andauerndes Nickerchen machen
  • Kuchen essen (Viel. Marmorkuchen oder Marzipan-Kirsch)
  • Diät.  Nö. Es gibt Särge in Übergröße.

 

Marzipan-Kirsch-Torte

 

 

 

 

Autorenwahnsinn – Sommer Edition – Tag 28

Tag 28: Welches Buch ist im Moment dein absolutes Must-Read?

 

Must-read? Puh. Müssen. Ich hasse das Wort. Man muss nichts. Ausser sterben. Ich reagiere mit großem Trotz, wenn jemand Sätze mit „Du musst“ beginnt und dann noch inflationär „Einfach“ in seine Sätze einstreut.

„Du musst einfach Mal verstehen… Bla Bla Bla.“

Da werd´ ich aggro. Wobei ich beim Wort Aggro, das ja gar kein richtiges Wort ist, auch aggro werde. Aber zurück zum Thema. Ich dachte, vor vielen Jahren, man müsste bestimmte Bücher gelesen haben. Keine Ahnung, wer das verlangt, und wem das dient. Lesen ist etwas Schönes, das Zerstreuung bringt, auch Ablenkung, und machmal sogar neue Welten eröffnet. Wenn ich also was muss, so wie damals in der Schule, macht es viel kaputt. Lesen wird zur Strafe, etwas, dass niemand gern tut. (Ich hatte Glück, in meiner Schulzeit waren auf der Müssen-Liste einige gute Bücher, die meine Welt größer gemacht und mir das Lesen nicht verlitten haben.) Aber damals dachte ich, Bücher wie „Buddenbrooks“ muss man gelesen haben, weil man dann irgendwie klug, belesen, gebildet wäre. Jetzt ist es aber so, dass ich besagtes Buch sehr, sehr langweilig finde. Auf Seite 100 waren die Herrschaften immer noch am Essen. Boah.

Jetzt muss ich kurz ausholen. Ich habe zwei Bücher zu Ende gelesen, obwohl ich sie schrecklich fand und langweilig. Guido Maria Kretschmer würde jetzt mit Inbrunst sagen: „Das tut gar nichts für dich!“ Er sagt das bei Klamotten, aber den Satz kann man so ziemlich überall anwenden. Wenn etwas nichts für dich tut, lass es sein. Hör auf Guido. Ich wünschte, ich hätte das mit Anfang 20 gewusst, als ich „Der Name der Rose“ und „Deutschlandreise“ las. Ganz schlimm. Beides. Ich quälte mich durch die Wälzer und am Schluss fühlte ich mich schlecht, weil ich dachte, ich müsste den Käse gelesen haben, obendrein gut finden, als dürfe man irgendwelche Klassiker nicht kritisieren, weil sie ja Klassiker sind. Ein Teufelskreis. So müssen auch andere da durch, und wofür? Wem nutzt das? Eben, niemandem. Wenn aus einem Schüler ein Nichtleser wird, wegen Goethe und Schiller, dann hat zwar Reclam ein paar Bücher verkauft, aber danach, alle anderen Verlage nichts. Das kann doch nicht des Pudels Kern sein.

Bücher sollen Spaß machen, Lesen ermöglicht eine neue Sicht auf die Welt – wenn man das Richtige liest. Also muss es passen. Daher sind „Must-Read“ Empfehlungen für mich erst Mal Unsinn. Ich wurde mal gefragt, warum ich meine gelesenen Bücher alle so gut bewerte. Da sind selten Ausschläge nach unten in meinen Bewertungen, weil ich selten  daneben greife. Und darin liegt ja schon die Antwort: Ich suche mir Bücher aus, die mich neugierig machen. Ich kenne ja meinen Geschmack. Ich weiß, dass ich Liebesgeschichten oft kitschig finde. Ich weiß, dass mir Krimis meist zu blutrünstig sind. Ich weiß, dass Adjektive in einem gesunden Ausmaß gut sind. Ich weiß, dass ich Fantasy mag und fremde Welten. Antihelden. Ich will Dinge entdecken, die ich so noch nie gesehen habe. Geschichten über das Suchen und finden. Menschen, die genau hinsehen, Autoren, die ihre Wörter im Griff haben. Und so wähle ich meine Bücher aus, lese Klappentexte und erste Seiten an. Wenn die Geschichte mich auf den ersten Seiten in den Bann zieht, weil mir die Schreibe des Autors/der Autorin gefällt, dann kann eigentlich nichts mehr schief gehen. Bei Filmen schaue ich doch auch den Trailer, entscheide dann ob mir das Aussehen der Geschichte gefällt, ob ich die Darsteller gut finde, ob die Geschichte zu mir passt. Es war ein langer Lernprozess, ich musste ein paar Skrupel ablegen, dieses „Müssen“ abschütteln. Daher lege ich inzwischen Bücher, die mich langweilen, deren Ton mir nicht zusagt, (die Gründe können vielfältig sein) einfach weg. Weil, ich muss nichts. Du auch nicht.

(Falls du es nicht wusstest: Du musst wirklich nichts. Gern geschehen!)

Nehmen wir ein anderes Wort. Sollten. Sollten ist nicht so aggressiv. Du solltest lesen. Viel. Das kann ich sagen, dann ist es Meinung, kein Fakt. Meiner Meinung nach ist lesen super, ganz allgemein, und du solltest jetzt den Computer ausmachen, dir ein Buch schnappen und auf den Balkon oder in den Garten gehen, dir die Sonne auf den Pelz scheinen lassen und deinem Hirn was gönnen. Buchstaben, Farben, Emotionen. Ein paar Satzzeichen dazu, dann ist es beautiful. Und das ist gut für dich. Aber es ist deine Entscheidung, ob du es auch tust.

Happy reading. 

~Caro

 

 

Autorenwahnsinn – Sommer Edition – Tag 27

Tag 27: Sag Cheese! Wir wollen ein Selfie von dir sehen!
Ob mit oder ohne Laptop, Schreibmaschine, Buch bleibt ganz dir überlassen!

 

© Carolin Hafen // Das ist aktuell mein Lieblings-Selfie, und das wird wohl noch eine Weile so bleiben. Es hat nichts mit dem Schreiben zu tun, macht mich aber sehr glücklich.

 

 

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Okay, hier ist noch ein Autorenselfie.

Das ist schon lange überfällig. Das Drachenfrieden-Autorenselfie. Vóila.