Zeichnen lernen mit KritzelPixel

Vor einigen Wochen habe ich den Kanal „KritzelPixel“ bei YouTube entdeckt. Das ist insofern bemerkenswert, weil bis dato hatte ich nur englisch-sprachige Kanäle konsumiert. (Meine LieblingsYouTuberin ist und bleibt Coco Bee)

Nun habe ich also eine Erklärbärin in Sachen Malen und co; sympatisch, verständlich (meine Englisch-Kenntnisse sind nicht sooo berauschend) und und ihr Ton ist ein bisschen schnodderig. 😉 Ich mag Honeyball, ich mag ihre Videos, ich kapiere halbwegs wovon sie redet. Ich habe also diese Einführung geschaut und gedacht: „Krass. In dieser Stunde habe ich mehr gelernt, als in fünf Jahren Schul-Kunst-Unterricht.“

Okay, ich gebe zu: Ich war faul in der Schule und hatte keinen Bock mir was beibringen zu lassen. Aus verschiedenen Gründen. Schule, das ist ja auch etwas, dass einem nur zustößt.  Ich hatte da keinen Wirkungsbereich. Heute weiß ich, dass ich mir Dinge, die mich interessieren, erarbeiten kann. Dass ich sie in den Kopf kriege und eben nicht zu doof dafür bin. Diese Erkenntnis kam aber auch erst über mich, nachdem ich endlich wusste, was meine Themen sind. Ich hätte manches gerne früher gewusst. Das was früher war kann ich nicht mehr ändern. Aber den Weg von hier bestimme ich. 

Ich durfte damals nicht entscheiden, was ich wann lernen will, in welchem Tempo. Das Schönste waren noch die Projekt-Tage, ausserhalb des normalen Unterrichts. Da durfte ich mir was aussuchen (Seidenmalerei) und drei Tage lang einfach ausprobieren, was man mit Seide und Farben machen kann. Ich kann mich aber beim besten Willen nicht erinnern, Farbenlehre als Thema gehabt zu haben. Also das mir jemand sagte: „Pass uff, Carolin, das sind die Primärfarben. Und wenn du die mischt, dann passiert das…“

Ich räume hier ein, dass es sehr gut sein kann, dass Farbenlehre und Co. mal behandelt wurden und ich während dessen aber Käsekästchen mit Julia und Andrea gespielt habe. Das ist im Bereich des möglichen. 🙂

Woran ich mich erinnere ist folgendes: Die Aufgabe einen Pfeil zu malen. Und diese Anekdote ist wohl bezeichnend für meine Schulzeit. 1999 – das ist scheiße lange her und alle machten sich (und mich) verrückt mit dem Millennium.

Oje, die Welt geht unter. Schlimm.

Überraschung, sie ist nicht untergegangen. Oder vielleicht doch, aber ein bisschen anders als erwartet. Die Computer haben jedenfalls nicht die Herrschaft übernommen. Aber das ist ein anderes Thema.

Mein Kunst-Lehrer hatte die glorreiche Idee uns einen Pfeil malen zu lassen, als Sinnbild fürs Millennium. Ich spoilere mal kurz: Ein Pfeil, ein Smiley, das Wort „Millennium“ und ich hätte wohl eine gute Note dafür gekriegt. Aber so ist das nicht gelaufen.

Mir ging das alles sehr auf die Nerven. Ich malte einen großen Pfeil in dunkelblau, der nach unten zeigte, als Sinnbild dafür wie viel Bock ich auf den Unsinn hatte. Bilder und Kunstwerke mit einer Note zu versehen ist ja per se bescheuert. Was sagt diese Note aus? Was mein Lehrer von mir als Person und meinem Werk im Sinne des Lehrplans denkt; 4+

Ich konnte mit Vierern immer gut leben. Die Leistungsnote 4 sagt also wörtlich: es reicht aus. Warum soll ich mehr machen, wenn das abgelieferte ausreicht? Ich hatte immer die Wahl: faul sein und ne 3 bis 4 kassieren oder mich wie Bolle anstrengen und maximal eine 2 bekommen. Mit viel Glück und Rücksicht auf die Eltern. Ich habe das Unterfangen mir mit Mühe eine 2 zu erarbeiten schnell aufgegeben. Wozu?

Eben. Jedenfalls. Mein Lehrer war mit meinem Pfeil nicht zufrieden. Ich erklärte ihm meine Genervtheit: Weltuntergang, Zukunftsangst, ich bin in der 9ten Klasse. Wie soll ich den positiv auf meinen Schulabschluss warten, wenn mir alle sagen: „Aus dir wird nichts. Wenn du erst auf dem Arbeitsmarkt bist… armes Deutschland!“ (sic)

Er ließ das alles nicht gelten. Also malte ich einen neuen Pfeil. Neutral nach rechts zeigend. (Ich weiß nicht mehr welche Farbe der hatte, es ist wohl auch egal.) Wir haben das Spiel drei mal gespielt. Gerader Pfeil?

„Nein. Mach das noch mal.“

Zum Schluss habe ich einen Pfeil, der nach oben zeigt, abgegeben. Ich wünschte, er hätte wie ein Stinkefinger ausgesehen, aber meine malerischen Fähigkeiten reichten nicht aus. Das Ding war als Pfeil zu erkennen und mehr nicht.

Note: 3

Also ja, wenn wir mal Farbenlehre hatten, oder eben das was Honeyball oben im Video erklärt, Formen und Schattierungen, die absoluten Grundkenntnisse, dann habe ich nicht aufgepasst. Falls das je Thema war. Das muss dann vor den Pfeilen gewesen sein.

Heute bin ich erwachsen. Damals dachte ich: „Ich weiß alles.“

Heute weiß ich: „Caro, du hast keinen blassen Schimmer von nix.“

Beides hat seine Vorzüge, mit beidem kann ich gut leben. Nun schaue ich mir Videos auf YouTube an, mit den Themen, die mich interessieren. Ich kann mir sogar meine Lehrer aussuchen, nach Sympathie und Können. Was für ein Luxus. Und ich meinem Hirn findet ein Feuerwerk statt: „Woah, SO geht das? Hui.“

„Formen gehen so, Schatten müssen da hin, wenn die Lichtquelle von da kommt.“

Ah ja. Geschnallt. Glaube ich zumindest. 🙂

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..