Marina Abramovic: The Artist is present (2012)

Marina Abramovic sitzt – drei Monate lang – Tag für Tag im MoMa. Klingt jetzt erst Mal nicht spektakulär. Vor allem, wenn man weiß, was sie sonst so alles gemacht hat, bisher. Sie sitzt also da und schaut. Schaut ihre Gegenüber an. Das ist Aufmerksamkeit, Intimität, Verletzlichkeit. Alles in einem.

Wir sehen. Sagen wir zumindest. Die Welt und das Fernsehen, die Menschen um uns. Aber wie oft schaut die Welt zurück und zeigt uns was wir sehen?

Ich weiß nicht, ob ich den Mumm hätte mich ihr gegenüber zu setzen. Mag ich, was ich sehe?

Manch einem ging es wohl so. Da saßen zornige Leute, traurige, leidende, manche dachten sie hätten die Aufmerksamkeit verdient. Ich bewundere die, die sie einforderten. Wie Krieger. Und am Schluss liefen die Tränen. Wenn nichts mehr da ist, außer man selbst und die Emotionen – was da alles noch oben kommt… Ob das Kunst ist? Die Frage stellt sich mir nicht. Kunst kommt von Können. Marina kann. Und sie tut es. Das ist wohl das Erstaunlichste daran. Ich bewundere ihren Mut, ihre Tatkraft, ihren Krieg. Sie schont sich nicht, andere nicht und nimmt sich, was sie will. Und dann schafft sie es so viele mitzunehmen.

Es ist wie mit allem; ich kann Bücher lesen, manche mag ich, andere nicht. Die, die mich berühren, etwas in mir ansprechen, eine Sehnsucht, etwas Erlebtes, ein Gefühl, das wird mir bleiben. Im Gedächtnis und im Herz.

Ich kann Bilder ansehen. Ich kann Filme ansehen. Ich kann Marina ansehen. Manches gefällt mir, anderes nicht. Aber es gibt Schnittstellen, immer wieder Berührungspunkte. Und das ist für mich Kunst, selbst wenn ich es nicht verstehe, wenn ich wütend werde, oder alles ablehne; es zeigt mich selbst. Es schaut auf mich zurück.

Verletzlich zu sein ist keine Schwäche. Marina hat sich sprichwörtlich nackt und leer in diesen Raum gesetzt und durchgehalten. Wenn das nicht stark ist, was dann?

Im Bonus sagt einer, ich habe mir leider nicht den Namen gemerkt; „Kunst ist Verbindung und Veränderung.“  Und ich dachte, sehr herzlich: Ja.

Manchmal möchte ich den Leuten einen Spiegel vorhalten und ein Museum einrichten; an jeder Wand hängt ein Zettel mit der Beschreibung was hier zu sehen ist und deren Bedeutung. Ohne Bild oder Statue oder Objekt. „Lieber Besucher, du musst nicht denken, wir erklären alles.“

Das funktioniert bei Menschen nicht und bei Gedanken, großen wie kleinen. Warum meint man allgemein, es müsste bei Kunst so sein?

 

(Link: The Artist ist present)

 

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