Von Perlen und voll auf die Fresse

Liebes Universum,

Wieso muss man eigentlich so viele blöde Filme schauen, bis man wieder eine Perle findet? Wobei. Was ist ein blöder Film? Ein blöder Film ist subjektiv. Ich muss mal wieder ausholen. Wer sich mit dem Schreiben von Geschichten befasst, weiß, eine Geschichte braucht einen Konflikt. Die Hauptfigur muss was wollen, was nicht leicht zu haben ist. Weil zu lohnenden Zielen gibt es keine Abkürzungen. Das ist dir ja auch klar. Du guckst uns ja auch zu, wie wir uns abmühen, nä!?

Jedenfalls. Als blödes Beispiel nehme ich mal „Real Steel“ mit zwei Hauptfiguren. Der Vater, ein Looser, muss Geld verdienen um seine Schulden zu bezahlen, und Erfolg haben um das angekratzte Ego zu pflegen. Der Sohnemann will einen Vater. Wobei. Ich bin nicht sicher, ob das stimmt. Der will eigentlich auch das angekratzte Ego polieren. Das seine Mutter gerade gestorben ist, tut nichts zur Sache.

Du musst dir jetzt keine Sorgen machen, dass ich dir verrate, wie der Film ausgeht, weil es unwichtig ist. Das Vater-Sohn-Problem wird nur angekratzt und nicht aufgelöst. Der Punkt ist, und da ist die Geschichte wenigstens ehrlich, es geht um überzogene, sinnlose Gewalt. Der Film spielt 2020, die Box-Kämpfe sind Roboter-Kämpfen gewichen und den Stahlbüchsen wird ein bisschen Menschlichkeit verliehen. Aber auch darum geht es nicht.

Die beiden Hauptfiguren haben einen Roboter und hauen mit ihrem anderen Robotern auf die Fresse. Für mich ist der Unterschied zu Menschen, die sich auf die Fresse hauen, nicht so wahnsinnig groß. Zudem kommt auch das im Film vor. Real Steel ist also „Voll auf die Fresse“.

John und ich sind uns da einig.

a) Aus so einer Geschichte lernen wir nix. Und das meine ich aus der schriftstellerischen Perspektive. Jede Geschichte, die ich sehe oder lese, wird von John akribisch abgeklopft, ob handwerklich, erzählerisch oder menschlich was Neues dabei ist.

b) Der Unterhaltungswert ist sehr gering. Bei einer Liebesschnulze kann ich am Schluss wenigstens in ein Taschentuch rotzeln und sagen „Hach, war das schön“. Du magst jetzt sagen, als Einwand: Das ist ein Männerfilm.

Gut, ich widerspreche nicht.

Yentl“ ist ein gutes Beispiel. Als Perle und als Frauenfilm.

Ich hatte das Bedürfnis mal so einen Klassiker zu sehen, es gibt noch viele Bildungslücken in dem Bereich. Barbara Steisand singt also mit Inbrunst „Papa, can you here me“ und ich Banause denke an die Simpsons, an Nelson, wie er genau diesen Song schmettert. Es gibt zu jedem Thema eine Simpsonsfolge! Man muss einen Klassiker nicht gesehen haben, um die wichtigsten Dinge daraus zu kennen. So muss man auch nicht Shakespeare gelesen haben. Viele Zitate sind im normalen Sprachgebrauch, und der Otto-Normal-Verbraucher weiß es gar nicht. Verrückt.

Jedenfalls.

Es war eine Wonne mit anzusehen, wie Yentel ihren Avigdor anschmachtet, ansieht, anhimmelt und sich zu fragen; Kriegt sie ihn oder nicht? Mir war klar, wie das ausgeht, aber auch darum geht es nicht. Ist dir eigentlich klar, wie toll Mandy Patinkin ist? Ich kenne ihn nur als Saul aus Homeland, und ich muss jetzt eine Mandy-Patinkin-Film-Reihe einleiten und sehen, was es von ihm zu sehen gibt. (Bei Männern mit Bart werde ich immer ganz wuschig)

Gut, ich sehe ein, der Vergleich Yentl vs. Real Steel ist hart. Keine Ahnung, warum ich dachte, das an einem Wochenende zu gucken, wäre eine gute Idee.  Ich muss zu meiner Verteidigung sagen, dass ich krankgeschrieben war und noch zwei weitere Filme geschaut habe. „Am Ende eines viel zu kurzen Tages“ und „Hüter des Lichts„.

Von den beiden Filmen erzähle ich dir in meinem nächsten Brief. Jetzt muss ich erst mal „Die Braut des Prinzen“ anschauen. Du weißt schon. Mandy Patinkin. Ich weiß, aus einem der vielen Videos auf YouTube, dass sich Damian Lewis Mandy Patinkin mit den Worten „Hello my Name is Inigo Montoya“ vorgestellt hat.

Geil, oder?

Deine Caro

4 Kommentare zu „Von Perlen und voll auf die Fresse

  1. Man darf nicht allzu viele Erwartungen an Filme wie Reel Steel knüpfen , hab ihn selber mit meinem Sohn geschaut und fand den Plot auch etwas flach , aber Action Faktor groß gepaart mit Technik , ist wohl doch ein Männerfilm für den sich das weibliche Geschlecht weniger erwärmen kann. Ansonsten war ein großes Highligt für mich „Auf der Suche nach einen Freund für das Ende der Welt “ eigentlich eine Komödie , und vor kurzem habe ich mir gebraucht bei Ebay „O Brother where art Thou “ ein Musikfilm mit oha „George Clooney“ , in der Handlung wird man höre und staune die „Odysee“ nacherzählt , ich bin gespannt !
    http://www.dailymotion.com/video/xnyy6_man-of-constant-sorrow-video_music#.UZqPGLVU9dy

    1. „Auf der Suche nach einem Freund für das Ende der Welt“ steht auf meiner Watchlist.
      „O Brother where art Thou“ habe ich vor Jahren gesehen. Ich fand den Soundtrack genial. Den hab ich mir anschließend gekauft.

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