Das Tagebuch

Liebes Universum,

ich schreibe Tagebuch. Damit habe ich angefangen, ich glaube mit fünfzehn. Damals habe ich auf die erste Seite eine Drohung geschrieben, nach dem Motto, wer das hier liest, fährt direkt zur Hölle. (Blöd nur, dass ich an selbige gar nicht glaube.) Jedenfalls.

Ich kann gar nicht mehr sagen, warum ich anfing. Vermutlich war ich picklig, sensibel und der Meinung allein auf der Welt zu sein. MEINE Probleme hatte noch nie jemand, das versteht auch keiner. Das ganze war also eine narzisstische Selbsttherapie. Mich selbst darstellen und verstehen wollen, was los ist. Mit mir, mit der Welt. (Ich weiß es übrigens heute immer noch nicht. Fünfzehn Jahre später. Aber sei’s drum.)

Worauf ich hinaus will?

Ich will dir von dem Buch „Schreiben Tag für Tag“ erzählen. Das beschäftigt sich nämlich mit dem Thema Tagebuch schreiben und ich dachte mir, man lernt ja nie aus, das liest du mal. Wirklich viel Neues hat mir die Lektüre nicht gebracht, wie gesagt, ich schreibe schon sehr lange Tagebuch und in verschiedenen Formen. Ich habe zum Beispiel so ein kleines Büchlein bei mir, das passt in jede Jackentasche, ich habe es mit einer Stiftschlaufe und einem Bleistift ausgestattet und nun weiß ich, dass es sich um ein anarchisches Notizbuch handelt, das ich inzwischen auch mit einer Art Inhaltsangabe ausgestattet habe. Das ist wirklich sinnvoll, wenn man mal was sucht… Das ist eine der wenigen Anregungen, die ich aus dem Buch mitgenommen habe. Jedenfalls.

In das kleine Büchlein kommt ALLES, was mich beschäftigt. Ideen, Eindrücke, alles was ich von dem Traum letzte Nacht noch weiß, meine Einkaufsliste, meine Recherchen, Gedanken zur Welt und was ich sehe. Fotos aus Worten, sozusagen. Eine Schreibaufgabe lautete, genau so ein Notizbuch für eine Woche zu führen.

Ich nehme an, wenn man ein solchen Buch wie das „Schreiben. Tag für Tag“ zur Hand nimmt, dann tut man das schon, das Tagebuch schreiben, so wie ich, oder will zumindest mehr Regelmäßigkeit in seine Einträge bekommen. Ich habe oft mit meinen Strukturen zu kämpfen, verliere den Überblick, und wenn ich ihn dann doch mal habe, den Überblick, dann meint mein Schweinehund (namens Bentley) er müsse mich aufs Sofa werfen, sich auf mich drauf legen und mit der Schnauze die Fernbedienung ankauen, bis was kommt, dass man stundenlang gucken kann. Wenn nix kommt, sabbert und kaut er halt.

Dank der Schreibberatung von Pia Helfferich kam ich dazu ein Schreibjournal anzulegen – das wird in dem Buch auch empfohlen. Ich betrachte es jetzt mal als Tipp von beiden, weil dass wirklich Neu für mich war und sich jetzt als Hilfreich entpuppt. Ich schreibe auf, was ich mache, wie es mir beim schreiben erging, wie ich weiter machen will, samt Plan für meine Aufgaben für eine Woche. Da sich die Aufgaben mit einer Lesebühne, mit einem Romanprojekt, mit einer Schreibgruppe und mehreren Seminaren bunt mischt, kommt da ganz schön was zusammen. Der Punkt dabei ist, JETZT hab ich das im Griff. Im Tagebuch habe ich jetzt die anderen wichtigen Sachen stehen. Die Menschen um mich herum. Was sie tun und was nicht. Ich versuche nach wie vor, schreibend das Leben zu begreifen. Das ändert sich auch nicht.

Universum, denk jetzt nicht, das Buch wäre mir keine Hilfe gewesen oder sogar schlecht. Kein Buch ist schlecht. Es kommt nur drauf an was man für sich daraus mitnehmen kann. Manchmal wünsche ich mir eine Karteikarte – ganz am Schluss, die ich ausfüllen und behalten kann. (Bücher muss man weiter schenken, die sollten immer auf der Reise sein und nicht im Regal verstauben. Gute Bücher besuchen mich gern zwei oder drei Mal) Irgendwann setzte ich das auch um. Die Karteikarte, die ich ausfülle: Was ich mochte. Was ich nicht mochte. Welche Erinnerung ich daraus mitnehme. Was ich gelernt habe. Undsoweiter.

Dieses Mal würde ich schreiben, wenn ich meine Karteikarten zu Büchern schon hätte, „Ich habe in fremden Tagebüchern gelesen“. In dem Buch von Christian Schärf gibt es massenweise Beispiele. In Erinnerung geblieben sind mir die Einträge von Kafka, der sein Schreiben und Leben festgehalten hat. Man müsste sagen schreibleben. Ich muss mehr von Kafka lesen. Definitiv.

Und ich bin in die Welt von Susan Sontag eingetaucht. Von ihr habe ich bisher noch nichts gelesen. Das muss ich unbedingt nachholen. Die paar Beispiele aus ihren Tagebüchern haben schon gereicht um mir das Gefühl von Nähe zu vermitteln. Das können nur Bücher. Drei Sätze, und ich bin emotional involviert. So, ich muss noch was lesen. Es gibt viel zu tun.

Magst du mein Karteikasten sein?

Deine Caro

DUDEN

Schreiben Tag für Tag: Journal und Tagebuch

Christian Schärf

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