Von Wundern und schlechten Menschen

Logbucheintrag von Caro

Liebes Universum,

heute war ein guter Tag, ich habe Andy Stanton entdeckt. Bzw. eins seiner Hörbücher, gelesen von Harry Rowohlt. Meine Begeisterung für den Harry-Bär kennst du schon, das habe ich ausreichend erwähnt. Den würde ich gern mal knuddeln und am Bart ziehen.

Jedenfalls.

Ich muss ein bisschen ausholen. Ich werde alt, liebes Universum. Ja, ich weiß, in deiner Zeitrechnung bin ich nur ein Furz, ein kurzer sogar, im Gesamtbild deiner Schöpfung.

Is klar, nä? Darum geht es jetzt aber nicht.

John Irving sagt, Geschichten sind Wunder (Ja, ich fange jetzt bei Adam und Eva an) und weil das so ist, umgebe ich mich mit Geschichten in allen Formen. Film, Fernsehen, Bücher, eBooks, Hörbücher, Bilderbücher, die kleinen Dinger für die Hosentasche, ein paar Geschichten wohnen sogar in meinem Kopf, verwaltet von Hubert. Wenn Hubert soweit ist, schreib ich sie auf. (Er hat nämlich eine liederliche Handschrift)

Wer ist Hubert, fragst du jetzt?

Hubert ist der Hamster, der in meinem Kopf wohnt. Da oben herrscht Chaos, also im Kopf drinne. Richtig Chaos. Ich weiß, du kennst dich mit Chaos ein bisschen aus. ABER. Mein Kopf ist nun wirklich nicht so groß wie deiner, ich habe also eine Mordsschweinerei auf engstem Raum. Hubert räumt für mich auf, schmeißt auch mal was weg, was ich eigentlich noch brauchen würde, aber meistens macht er einen guten Job. Du würdest ihn mögen. Er hat Humor.

Jedenfalls.

Manche Geschichten mag ich nicht. Nicht, weil sie schlecht erzählt wären. Sondern, weil sie so hoffnungslos sind, dass ich ganz depressiv werde und Hubert sich mit Cola besäuft, dass er nicht mehr gerade aus laufen kann. (Das kann er in meinem Oberstübchen eh nicht, das fällt ihm, komischerweise, nur im Zuckerdelirium auf.)

So als Beispiel. Da regt sich alle Welt auf, wenn junge Menschen Videospiele spielen, Zombies abknallen oder Menschen, aber keiner regt sich auf, dass alle Welt sich am Montag Mord & Totschlag im Polizeiruf anschaut, am Dienstag bei CSI, am Mittwoch bei Cold Case und am Donnerstag bei Criminal Minds, am Freitag bei Law & Oder, Samstags gibt es den Spielfilm und am Sonntag entspannt man sich beim Tatort. Und jetzt willst du mir erzählen, das macht nichts mit einem? Drei Morde pro Abend, und dann hat man noch nicht die Nachrichten gesehen, da ist der Unterhaltungswert nicht so dolle. Hm.

Also mit mir macht es was.

So als Beispiel. Am Samstag guckte ich mir Wuthering Hights an, die Version von 2009 mit Matthew Macfadyen. (Es ist ein großer Unterschied, ob man eine Jane Austen Verfilmung anschaut oder Emily Brontë.) Er, also Heathcliff, ist ein unsympathischer, cholerischer und obendrein hässlicher Mensch. (Die Hässlichkeit stört mich am meisten.) Sie, ich weiß ihren Namen nicht mehr, ist ein unsympathisches, cholerisches und obendrein hysterisches Weibsbild, das hält ja keiner aus. Dann hat es noch ein paar Geister, am Schluss sind alle tot.  Das waren zwei Stunden meines Lebens.

Zum Schluss las ich noch Die Taschen voller Wasser von Finn-Ole Heinrich. Ich habe ihn mal in Stuttgart lesen sehen, und war hingerissen von der Art, wie er sich da hinsetzt und seine Geschichten erzählt. Das war kein lesen. Der Herr Heinrich hat mich am Kragen gepackt und ins Buch hinein gerissen und befohlen, du bleibst hier bis zum Schluss.

Hab ich gemacht. Und dann ein Buch gekauft. Irgendeins. Es gibt mehrere von ihm, Kurzgeschichten, Romane, sogar ein Kinderbuch. Ich fand den Titel gut, deshalb war es dieses. Im Buch drin, war dann Finn-Ole Heinrich, ich war immer noch hingerissen, schreiben kann er ja, erzählen auch – dazu braucht es seine Stimme nicht unbedingt. Aber es ist hoffnungslos. Zumindest lässt es mich, nach mehreren Kurzgeschichten so zurück. Am Bahnhof, bestellt und nicht abgeholt. Hubert hat Cola gesoffen, im Unverstand, und ich habe mich gefragt, liebes Universum, was will ich denn erzählen, wenn ich schreibe? Da komme ich wieder zu Irving. Meinem Lieblingsautor, und geistigem Mentor.

Geschichten sind Wunder.

Und bei Irving macht man niemals ein Buch hoffnungslos zu. Daher ist die Antwort klar. Und jetzt komme ich zu Andy Stanton und Sie sind ein schlechter Mensch, Mr. Gum. Ja, der Bogen war jetzt lang, du musst ein wenig Geduld mit mir haben.

Jedenfalls.

Ich will mich gar nicht vor der Realität drücken. Ich hätte nur gern weniger Gewalt in meinem Alltag. Den Fernseher aus lassen ist nicht an jedem Tag eine Option.

Ich habe gern ein Hörbuch, zum einschlafen. Ich entdeckte Mr. Gum, gelesen von Harry Rowohlt, dem brummigsten, krisseligsten und sympathischsten Vorleser aller Zeiten. Der gäbe selber eine tolle Figur ab, als alter Mann, von der guten Sorte natürlich, in Bad Lamonisch an der Bibber.

Wirklich gut einschlafen konnte ich mit dem Buch allerdings auch nicht. Ich lag im Bett und habe laut gelacht. Du hast es gehört, nicht?

Bis bald,

deine Caro

2 Kommentare zu „Von Wundern und schlechten Menschen

  1. Siehste Caro, deshalb gucke ich nur noch Liebeskomödien und Comedy – bei denen hole ich mir gelegentlich gute Formulierungen ab. Da brauchte auch Hubert nicht so viel saufen und lebte gesünder. Schön, Dich so erzählen zu hören, ist Caro O-ton. Freu mich auf das nächste Mal. „Rescherschiere“ an unserm Thema, wird diesmal ganz anders …

    1. Ich glaube, in Zukunft mach ich es auch so. Also Liebesschnulzen gucken. Ist zumindest besser fürs Gemüt.
      Ich freu mich auch auf unser nächstes Treffen, muss aber gestehen, dass mir noch nichts Anständiges eingefallen ist. Ich muss Hubert mal in den hinten Regalen suchen lassen… Bis dahin, fröhliche Grüße!

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