Alles, was wir geben mussten – Kazuo Ishiguro

Ich bin hin und her gerissen. Einerseits habe ich mich bodenlos darüber aufgeregt, wie schlecht das Buch geschrieben ist, die Erzählperspektive und die Erzählform sind überhaupt nicht meins. Dennoch schaffte es das Buch mich emotional zu packen, zu fesseln, und mich zu Ende lesen zu lassen. Trotz der Schwächen.

Ich bin sehr froh, dass ich dieses Buch in die Hände bekam und es auch las. Allein schon der Titel lässt mich schwermütig seufzen.

Ich will gar nicht viel zur Handlung sagen. Ich bekam das Buch empfohlen, las den Klappentext nicht, und stürzte mich ganz naiv in die Geschichte. Jedes Wort, die Handlung zu erklären, wäre meines Erachtens zu viel. Ich habe drauf geachtet; das eigentliche Thema, worum es hier geht – Organspenden – kommt erst um Seite 100 wirklich zur Sprache.

Die Erzählerin, Kathy, blickt zurück auf ihr Leben, auf ihre Freundschaft zu Ruth und Tommy, analysiert Gespräche und Begebenheiten, springt hierhin, dorthin, ist mal 10, dann 13, plötzlich 8 und dann wieder im Heute. Es ist ein bisschen verworren, aber ich konnte trotzdem gut folgen.

Was mich auch über weite Strecken gestört hat, war, dass die 10-jährige Kathy genau gleich klingt, genau gleich vernünftig denkt, wie die 31-jährige Kathy. Das zu den Schwächen.

Was ich wirklich mag, sind die Zwischentöne, und wie gut diese dargestellt/eingefangen sind im Kontext der Geschichte. Wie oft kommt es vor, dass unausgesprochene Dinge zwischen zwei Menschen stehen und sie maßgeblich in ihrem Tun beeinflussen? Hier ist das kein Fotoeffekt, bemüht, das reale Leben darzustellen. Aber es ist wichtig für die Geschichte, die Art wie Kathy, Ruth und Tommy im Internat aufwachsen, wie sie immer nur kleine Informationshappen bekommen, immer zu jung, um alles zu verstehen, und wie jeder auf seine Weise damit fertig wird, mit der unausgesprochenen Last. Ich bin schwer davon begeistert, wie die drei miteinander, in ihrer Situation agieren. Jede Situation ist Folge der vorherigen, es gibt gar keine andere Möglichkeit.

Ich gebe zu, ich habe gehofft, genau wie die Figuren, auch wenn ich es besser wusste, vielleicht mag ich das Buch deshalb so gern. Alle drei waren mir so nah.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.