Schokolade ist auch nur Gemüse – Silke Porath

Ich behaupte jetzt nicht, dass ich in einem Buch die Realität suche. Der Reiz liegt doch darin, mal abzuschalten, sich gut unterhalten zu lassen und in die Welt einer anderen Person zu schlüpfen, wobei sogar egal ist, ob diese Person schlechter oder besser ist als man selbst, sie muss nur anders sein. Anders als die eigene Realität. Probleme hat man doch schon genug.

Ich mache ganz gern einen Bogen um Unterhaltungsromane. In meinem Kopf ist so eine Alarmglocke, diese Glocke ist ein bisschen arrogant. Die denkt nämlich, wenn irgendwo Dumdidum drauf steht, ist auch Dumdidum drin, und das ist doch bestimmt Zeitverschwendung. Das denkt die blöde Glocke ohne es zu wissen. Ohne es auszuprobieren. Die Glocke hat auch keinen blassen Schimmer wo das her kommt; die Unterscheidung zwischen ernsthafter Literatur und Unterhaltung. Kann denn ernsthafte Literatur nicht unterhaltsam sein? Und Unterhaltsam nicht auch ernsthaft? Ich gehe mal in mich und kläre das noch.

Jedenfalls. Unter diesen Umständen habe ich „Schokolade ist auch nur Gemüse“ in die Hand genommen. Frauenroman, wie das schon klingt. So wie „Frauensache“, und jeder weiß, sowas ist nicht schön.

Ich wurde überrascht. In vielerlei Hinsicht. Die dämliche Glocke war still. Die ganze Zeit. Sie schmollt ein bisschen, weil sie im Unrecht ist.

In dem Buch traf ich also auf Bee Maja und Silke, beste Freundinnen mit einem Facebook-Account. Kommt mir alles sehr bekannt vor; Die Problemchen, die Gespräche, die Chats. Die eine wohnt in Berlin, die andere in Hamburg, Maja ist arbeitslos, und Silke hat einen fiesen Chef. Beide sind grad Single und nicht abgeneigt. Anders als in der Realität treten dann zwei schmucke Kerle auf die Bühne, das ganze wird interessant. Beide müssen eine Entscheidung treffen, beruflich wie privat. Mir ist mehrfach klar gewesen was kommt, aber wie gesagt, meine Glocke, das Luder schmollte, also las ich weiter. Und lachte. Laut. Dann las ich noch ein bisschen weiter; es ist spät in der Nacht, aber ich will wissen wie es weiter geht – Genau das suche ich in einem Buch! Die Lust und Freude sich die Nacht mit einer guten Geschichte um die Ohren zu schlagen.

Hier, in dieser Geschichte sind mir die Frauen so sympathisch in ihrer Eigenart, so vertraut, so nah, als wären es meine Freundinnen. Ein bisschen Realität in der Fiktion, ein bisschen Fiktion in meiner Realität. Genau die richtige Dosis.

Das Schoko-Gemüse ist m. E. tatsächlich ein Frauenroman, was jetzt hier aber wirklich nichts schlechtes heißen soll – für diejenigen, die eine Glocke haben, die wie meine klingt. Von Silke Porath habe ich inzwischen schon einiges gelesen. (Mein Favorit war bisher „Der Bär auf meinem Bauch“). Ob nun Regionalkrimi (Klostergeist) oder Fantasyepos (Abanor), in jedem Genre in dem sie sich bewegt, sitzt einfach das Handwerkszeug, die Geschichte ist immer gut, spannend und auch witzig erzählt, „aus dem Leben gegriffen“, so wie ich das mag. Ich bin inzwischen ein echter Fan. „Schokolade ist auch nur Gemüse“ kommt heiter & spritzig daher, die Dialoge und Kommentare der Frauen sind köstlich, das Ganze ist gute Unterhaltung, und macht Lust auf mehr. Ich freue mich auf die Fortsetzung.

Ulrike Renk kannte ich bis dato nicht, aber auch das wird sich in Zukunft ändern.

Fünf Sterne!

——————————————————————————————————————————————

Schokolade ist auch nur Gemüse [Broschiert]

Silke Porath (Autor), Ulrike Renk (Autor)

Produktinformation

  • Broschiert: 224 Seiten
  • Verlag: Schwarzkopf & Schwarzkopf (1. November 2011)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3862650898
  • ISBN-13: 978-3862650897

Kurzbeschreibung

Maja und Silke, beide Mitte dreißig, sind die besten Freundinnen – trotz der großen Distanz zwischen ihnen. Denn dummerweise hat es Silke nach Berlin verschlagen, während Maja in Hamburg sitzt und einen neuen Job sucht.Bis sie den hat, spielt Maja auf Facebook Orakel und erteilt anderen gute Ratschläge. Silke arbeitet derweil für ein Kochmagazin. Als sie den Auftrag erhält, eine Kritik über ein Hamburger Lokal zu verfassen, freuen sich die beiden Frauen auf ein Wiedersehen in der Hansestadt. Dieses feiern sie mit einer Party, auf der ganz unerwartet auch zwei interessante Männer auftauchen.

Doch sind der charmante Autor Zoran und der in Scheidung lebende Alfred wirklich die Richtigen für Maja und Silke? Und wie lange halten es die beiden Freundinnen noch ohne einander aus?

Über die Autorinnen

Ulrike Renk wurde 1967 in Detmold geboren, inzwischen lebt sie jedoch in Krefeld – gemeinsam mit ihren vier Kindern und einigen Haustieren. Sie ist Mitglied der »42er Autoren« und hat bereits mehrere Krimis über den Kommissar Jürgen Fischer, historische Romane und Kurzgeschichten veröffentlicht.

Silke Porath, Jahrgang 1971, hat eine Tochter und drei Männer: Mit dem einen ist sie verheiratet, zwei sind ihre Söhne. Die Autorin lebt im schwäbischen Spaichingen. Sie ist ebenfalls Mitglied der »42er Autoren« und hat schon mehrere Romane geschrieben. Für ihre Kurzgeschichten wurde sie bereits vielfach ausgezeichnet.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.